Hessische ,
Morgenzeituns
Limplpreis 10 Eoldpsg.
IMaee Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Fulda un- Haunetal
Ok ^HHsche Morgenzeitung" erscheint wöchentlich 6 mal, (außer Montags), Sonntags mit M. Z. im Bild. Bezugspreise: Durch die Post bezogen monatlich 1.50 Rentenm. ausschließlich Postgebühren. Bei Zustellung durch unsere Träger monatlich 1.75 Rentenmark.
Für die Volksgemeinschaft — Für den Ständefrieden
Anzeigen : Die 7 gespaltene Millimeterzeile 0,04, auswärts 0,07 Rentenmarl. Die 92jnm breite Millimeter Reklamezeile lokal 0,30, auswärts 0,40 Rentenmark. Bei Wiederholung Rabatt. Postscheckkonto Frankfurt a. M. 28012. Fulda, Kanalstiatze 44. Fernsprecher 113.
Rimmer 176
Ssnnrag, den L August 1925.
59. (2.) Jahrgang.
Die ZusgNMèKfetzung der Wto Kommission in der Entwaffnungsfrage.
Berß», 1. August, (Eig.-2nformationsdinst. Geilegr.) Wie wir hören, wird die jvon der Aeichsregierung eingesetzt« Kommission für die Lutwaffnungsfrage, deren lDorsitzender der Ge neralmajor von Pawels ist, dem Neichskabinett in einer feiner nächsten Sitzungen ütpr die bisher ausgearbeiteten militärischen Sachverständigengutachten zu iben nllierten Lutwafsnungsforde- rungen Bericht erstatten. Die Kommistion besteht aus Vertretern aller beteiligten Refforts. Vom ReichsMehrmimstkrium geboren chr ^außer dem Generalmajor von Pawels, noch der Hauptmann Doberg an. Shr Vorsitzender, General von Pawels, ist bereits m. dem GW der interalliiert. Ueberwachungsk. General Walch in einen mündlichen und schriftlichen Meiuungs austausch über die einzelnen Punkte der Lntwafsnungsnote ein getreten. Nachdem der Botschafterkonferen; bereits die Ernennung der deutschen Kommission offiziell mitgehült worden ist, erwartet man nunmehr einen Bescheid der alliierten sRogre- rungen, wann und wo Hie Verhandlimgen stattfinden sollen. Man nimmt an, dass die Besprechungen zunächst in Berlin ge- führt werden, da einzelne Fragen an Ort und Stelle wachge- prüft werden müssen.
Isr deuW-volnische Austveisungskrieg hat begonnen.
Berlin, 1. August. sGig.-Suformatjonsdieust Gelegr.) Wie wir solchen erfahren, lsefinden sich die in Deutschland weilenden polnischen Optanten bereits seit 24 Stunden im Besitze der Mitteilung baß Jie bas deutsche Reichsgebiet sofort zu verlassen haben. Ein Gell der Polen hat daraufhin, ohne erst die deutschen Polizoimatznahmen abzuwarten. die Abreise aus Deutschland angetreten. Die noch in Deutschland verbliebenen polnischen Optanten werden nunmehr durch die deutsche PolizÄ nach skf.nem Sammellager transportiert und von dort über die Grenze abgeschoben werden. Die Reichsregierung hat am Freitag Abend die Länderregierungen telegraphisch über die Durchführung der Matznahmen instruiert, nachdem be-- reits bekannt wurde, baß die deutschen Optanten am Donnerstag nach dem Sammelpunkt Pila abtrausporfiert wurden, um Don dort aus nach der deutschen Grenze gebracht zu werden.
Das große Ringen im Aeichstag
Angesichts der heftigen Kämpfe, die sich gegenwärtig um die Verabschiedung der Steuer- und Follvorlagen im Reichs- tag abspielen, ist es außerordentlich interessant, die Meinungen der Maßgebenden Parlamentariern und der Regierungskreiss M Horen, die aus dem Verlauf der Auseinandersetzungen eine oiaguofe für die nächste inn-enpHitische Entwicklung stellen. S .^MruugeN' die man aus dem Lager der Regiern ngsmehr Ä âuuen, daß das Kabinett Luther es für die nächste Zukunft für zweckmäßige hält, keine Aenderung in der Basis der gegenwärtigen Regleru^ng-Mehrheit eintreten zu las-
1 s.?/ H^Piehung der Demokraten zur Koalition könne . ^Seslchts der schroffen mnenpolitischen Gegensätze absolut nicht k m kommen, denn auf der einen Seite würden bl D^sch nationalen darin eine zu starke Einschränkung ihres Emfius«s auf die Regierungspolitik ^blicken, während andererseits die dliMpartenon nur zu sehr in die Versuchung geraten könnten die Rechte aus der Regierung herauszudrängen. Dadurch wurde der Krisenzustand nur noch eine Verschärfung erfahren während die Be^ibbHaltung der gegenwärtigen Regiernngsbasis ver Regierung genügende Sicherheiten biete, um der Opposition der Linken Herr zu werden.
Deutsche Volkspartei und die Dentschnationalen ha- n ,!ch mzwlscheil über die auswärtige Politik soweit geeinigt, 'tohr1 ^âWn M.einungsoerschiedenheiten keinerlei Se- ö» Regiemn« Luther ergeben würden, denn innen- Veruhrungsmomente zwischen beiden Parteien beiten ^ie ®wr â erträgliches Fusammenar-
kurs s ^^ 5'egenroärtige gemäßigte Rechts-
ua en^ ^ ^'n ^'i^isch^n Fielen der Deutschnatio-
è 'auch denen der Deutschen Volkspartei, die darauf ^auschufen, der Linken eine geschloffene Front der b ärger»
Parteien entgegensetzen und den Einfluß des Büraer- 'd>,e GeMu'W der inneren Verhältnisse so zu festig,eu f 'vichtigstE Stellen in der Regierung und in der Ver-
Zentrum anbetrifft, so ist der rechte Flügel, der augenblickircl) tw Fraktionsmehrheit hinter sich hat, ^ebenfalls der Meinung, daß die Regierung Gutbier durchaus den Er- lordernst en der inneren und auswärtigen Politik entspreehe Rus diesem Grunde werde das Zentrum nicht baran denken Können, eine Aenderung der Regierungsverhältnisfe im Reiche
Ein MM des linken Zentrums.
Berlin, 1. August, (Eig.-Snformationsdienst. Gelegr.) Von unterrichteter Seite wird uns mitgeteilt, ibaß die westdeutschen Arbeiterführer der Zentrums j^t mehreren Gagen unausgesetzt konferieren, um auf die Haltung der Zentrumssraktion des Reichstages zu den Steuer- und Zollfragen einen energischen Druck auszuüben. Anfang nächster Woche werden Vertreter der Ghristlichen Gewerkschaften aus Westdeutschland in Berlin eintreffen, um mit den Fraktionsführern des Zentrums zu konferieren.
Sie BeMtengeWtee.
wtb. Berlin, 1. August, telef. 3n der gestrigen Aeichs- tagssihllng ist ein Ausschutz-Beschtutz angenommen worden, der den Reichsfiuanzminister ermächtigt dsen Beamten einen Zuschlag zum Grundgehalt in Höhe von ISeinhalb bezw. 10 Proz.
Wie die Blätter erfahren handelt es sich nicht etwa um eine neue Gehaltserhöhung, sondern um die lEtatisierung eines bereits seit Monaten gezahlten Zuschusses.
Aer Lohntmifvertrag.
wtb. Berlin, 1. August, telef. Heute fanden die einleitenden Verhandlungen zwischen den Vertretern der deutschen Aeichsbahngofollschaft und ben vertragsschließenden Arbeit- nehmer-Vcreinigungen über die Kürrdigung der Lohybestim- m ungen des Lohntarifvertrage-s statt, in denen ießteri. ihre Forderungen im aUcjemeinen mitgeteilt und geprüft haben. Die Forderungen machen zum Geil noch eine weitere Rektifizierung seitens der Arbeitnehmer-Vereinigungen erforderlich, die anfangs nächster Wochjx der Reichsbahngesellschaft zugestellt werden soll. Auf Grund der dann im Giuzelnen feststehenden Forderungen wird die deutsche Reichsbahngesellschaft in ihre nähere Prüfung eintreten. Es besteht zwischen den Parteien Uebereinstimmung darüber, baß die sich daran anschließenden weiteren Verhandlungen letwa am 17. August wieder ausgenommen werden sollen.
herbsiführen zu wollen. Der linke Zentrumsflügel, bei augenblicklich auf die Fraktiouspolitik keinen Einfluß mehr ausüben kann, steht der Regierung Luther sehr feindselig gegenüber und würde lieber heute als morgen die Mehrheit des Kabinetts ausmuanderspreugeu. Diese Richtung des Zentrums, die sich zu einem entschiedenen republikanischen Kurs bekennt, hält an dem Weimarer Bersassungsblock fest und steht in ständiger Füh lunMahme mit den Demokraten und der Sozialdemokratie. Die nächste Zukunft muß also erweisen, ob die Zeutrumsmehrheit bei dem rechten Flügel bleibt oder unter Führung von Marx wieder zur Richtung Wirth zurUckkehrt.
Die demokratische Reichstagsfraktion hält nach wie vor an dem Standpunkt fest, daß ein Zusammengehen mit der Regierung Luther für sie nicht in Frage kommen könne, da eine Mitverantwortung für eine Rechtspolitik im Reiche nicht übernommen werden dürfe. Trotzdem wollen die Demokraten an dem Standpunkt der loyalen Opposition festhalten, und von einer Krisenmacherei solange Abstand nehmen, bis die innenpolitische Entwicklung die Voraussetzungen für eine Wioder- M\ W demokratischen Regierungspolitik schaffen würde. Rach wie vor halten die Demokraten die Motze Koalition, uu- k'1 Einbeziehung der deutschen Volkspartei und der Sozial- demokiatie, für die beste parlamentarische Regierungsbasis in Deutschland. Die demokratischen Führer sind der Ueberzeugung daß früher oder später die Rechtspolitik im Reiche zu einem völligem Fiasko führen und die (Wiederherstellung der demokratischen Regierungsbasls zur Notwendigkeit machen werde.
Was die Sozialdemokratie anbetrift, so ist sie unter dem Einfluß der letzten Entwicklung sehr stark nach Links gerückt. , Maßgebende sozialdemoKNatis che Parlamentarier äußern die Ansicht, daß ein Zusammenarbeiten mit den bürgerlichen Parteien auf laug« Zeit hinaus im Reiche unmöglich sein werden Mit der Deutschen Volkspartei, die jetzt einen Rechtskurs ein geschlagen habe, werde die Sozialdemokratie keine Regierungs gemeinschaft mehr im Reiche eingehen können. Die deutsche Arbeiterschaft wlorde wieder ’m Massen zu den Kommunisten überlaufen, wenn die SoMidemokvatifche Partei setzt .den Kampf gegen den Bürgerblock einstelle und Kompromisse mit den Feinden von heute' einginge. Sie werden daher solang in der Opposition bleiben, 'bis eine Weimarer Koalition, nicht aber die große Koalition im Reiche wieder möglich sein siverde, und sie habe' Geduld genug, auch noch bis zu den nächsten Reichstagswahlen zu warten.
Die Lchupo wieder in Essen.
wtb. Essen, 1. August, telef. Heute vormittag ist die Schutzpolizei hier wieder eingerückt.
Schupo auch wieder in Sterkrade.
mtb. Steckrade, 1. August, telef. Heute früh ist nach zweijähriger Abwesenheit Imieber ein deutsches Schupo-Kommando hier eingeriickt.
Die Etreltbeendigung im Saargebiet.
wtb. Saarbrücken, 1. August t^lef. 3n der heutigen Ae- vierkonferen; des deutschen Bergarbeiter Verbandes ■ und des Verbands der christlichen Bergarbeiter ist der Abbruch des Streiks am Montag beschlossen worden. Me Dessgierten des christlichen Bergarbeiter-Verbandes stimmten mit allen gegen
5 Stimmen für den Abbruch des Streikes, während bei den Delegierten des deutschen Bergarbeiter-Verbandes eine starke Opposition gegen den Abbruch bestand. Sie stimmten mit 87 Stimmen für den Abbruch, während 66 Stimmen sich für Fort Jcßung des Streiks aussprachen und zwei sich der Stimme enthielten.
Französischer Druck in Eroß-Eerau.
wtb. Groß-Gerau, 1. August, telef. Die hohe intlerua- tionale Kommission hat das Sugendturnen des Main-Roth- gaues, das am Samstag und Sonntag fiattfiuden sollte, und zu dem bereits alle Vorbereitungen getroffen sind, verboten. Me Einwohnerschaft ist über diesen Beschluß sehr erregt, weil sie deshalb wirtschaftlich geschädigt wird.
Erdbeben in Vogtland.
wtb. Plauen, 1. August telef. 3m oberen Vogtland wurde gestern abend ein ziemlich heftiger Erdstoß verspürt.
England warnt JentMland.
Berlin, 1. August. (Drahtmeldung.) (Eigener öuforma- tionsdienst.) Wie wir aus Kreisen der englischen Botschaft in Berlin erfahren, trifft es tatsächlich zu, daß die Londoner Regierung mit der Haltung der Re ichs regle rung in der Sichcr- Heitsfrage in vielen Punkten nicht einverstanden ist. Die Ausführungen des englischen Premierministers Baldwin und des Außenministers Ehamberlain feien von der deutschen Regierung absolut nicht genügend beachtet worden. Insbesondere Ehamberlain habe bie deutsche Regierung davor warnen wollen, die Verhandlungsmöglichkeiten zu erschweren. Wenn die deutsche Regierung ihre Vorbehalte in der Völkerbundfrage sowie zum Schiedsgerichtproblem zum Ausdruck gebracht habe, so sei dieses Vorgehen absolut vernünftig (und folgerichtig gewesen. Die Erklärungen des Reichskanzlers Dr. Luther hätten jedoch den Eindruck erweckt, als stehe die deutsche Regierung im Begriff, die Sicherheitsfrage mit ihren weitverzweigten Projekten und Vorbehalten zu einem Kampfobjekt zu machen. Aus der Rede Ehantberlains müsse die deutsche politische' Oef- fentlichkeit aber deutlich genug entnehmen können, daß das Vorgehen der Reichsregierung übereilt sei. Reichskanzler Dr. Luther habe den guten Eindruck der deutschen Antwortnote vollständig verwischt.
Hierzu erfahren wir noch von deutscher diplomatischer Seite, daß man in den Berliner Regierungskrisen den Sinn der Aeußerungen der enMchM Staatsmänner sehr wohl verstanden habe. Die deutsche Außenpolitik sei aber nun einmal darauf eingestellt, eine klare unb eindeutige Situation zu schaffen. Wenn die Londoner Regierung anuehMe, daß Deutschland sich dazu bereit finden werde, an einer schlecht vorberei- teten Konferenz teilzuwehmen und sich dann womöglich von der Gegenseite überrumpeln zu lassen, so sei dies ein verhänguisvol- ler drrtum. Deutschland wünsche, daß eine brauchbar« Ver- Handlungsbasis geschaffen wird, ehe eine Konferenz zustande- kommt. ES liege auch gar keine Veranlassung vor, die Angelegenheit überstürzen zu wollen. Solange die alliierten Re- gierungen auf den in der Briandnote dargelegten Grundsätzen der Sicherheitsfrage bestehen, werde les schwerlich zu einer Ver ständigung kommen können. Die deutsche Regierung wünsche nrcht für bas Scheitern einer ungenügend vorbereiteten Konferenz verantwortlich gemacht zu werden.