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Morsenzeituny
Ful-aer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön un- Vogelsberg, Fulda und Haunetal
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Nummer 178
Mittwoch, den 5. August 1925.
K. &) Mrgang.
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NeM«hMM«ng im ReWtas Wer die AusweiflmgsmUit Gelms.
Vertin, 4. August. fLig.-2nsormationsdien. Telegr.) Wie wir hören, wird Außenminister Dr. Stresemann in einer der nächsten Reichstagssitzung, -außerhalb der Tagesordnung, das Wort ergreifen, um zu dem Ausweisungskonflikt mit Polen Stellung zu nehmen. 3m Anschluß daran werden die Parteien gegen die Maßnahmen der polnischen Regierung Protest erheben.
Kampf um die Umsatzsteuer.
Berlin, 4. August. fEig.-2nsormationsdienst. Telegr.) Die vom ReichLfmanMinisterium in Aussicht gestellte Herabsetzung der Umsatzsteuer als Gegengewicht gegen die Schutzzölle findet in den parlamentarischen Kreisen wenig Anklang. Fast alle Parteien sind der Meinung, daß die Umsatzsteuer allmählich ver schwinden müsse und daß ihre Aufrechterhaltung bis zu anderthalb Prozent für die Wirtschaft untragbar sei. Am Montag haben zwischen.^^Reichsfinanzminister und den Parteien Ve sprechungen stattgefundou, die ergebnislos abgebrochen wurden. Es scheint daß sich diesmal der Widerstand der Parteien gegen die Maßnahmen des Reichsfinanzmimsters viel stärker deut lich machen wird als bei anderen Gelegenheiten.
Astige AuSeinauLersetzlMgen in der EszèaldemvkrMe.
Berlin, 4. August. (Lig.-Snsormatiousdienst. Telegr.) 2n der ist es zu heftigen
Anseinandevjetzungen zwischen den: gemäßigten rechten und dem linken radikalen Flügel gekommen. Die Vereinbarungen, die die sozialdemokratische Fraktion hinsichtlich der Abkürzung der Steuer- und Holldebatten mit den Regierungsparteien abgeschlossen hat, wurden von dem linken Flügel als eine Kapitulation bezeichnet, die zu einer unerträglichen Beschränkung der parlamentarischen Rechte führen würde. Die Wortführer des linken Flügels wollen sich daher an diese Vereinbarungen überhaupt nicht kehren. Auch wogen der Barmat-Affäre ist es zu
Was geht beim Zentrum vor?
Jn den führenden politischen Kreisen spricht man 'augenblicklich fast ausschließlich über gewisse Vorgänge in der Zen- Irumspartei, die darauf schließen lassen, sdaß es innerhalb der nächsten Monate, zu einer Entscheidung darüber kommen wird, ob das Zentrum die, Beziehungen zu den 'Weimarer Verfäf- sungsparteien endigültiig! lockern nnd eine Annäherung an die Rechtsparteien vollziehen wird. Tritt dieser Fall ein, dann würde auf 2ahre hinaus eine gemäßigte Rechtspolitik im Reiche und in den Ländern sichergestellt sein, die' erst bei den nächsten Reichstagswahlen vor eine neue parlamentarische Kraftprobe gestellt werden könnte. Diese Erörterungen find vor allen Dingen -dadurch entstanden, daß neuerdings.der auf dem rechten Flügel der Partei stehende Zentrumsabgeordnete von Guerard als Minister in das ReichskabineW Luther berufen werden soll und damit feine Partei noch enger an die Regierung Luther binden dürfte. Noch wor wenigen Wochen hat sich das Zentrum geweigert, ein weiteres Ministerium im Kabinett Luther zu besetzen, weil es starke Bedenken dagegen hatte, seine neutrale Haltung im Reichstag dadurch aufzugeben. Nunmehr aber scheinen die Fraktionsvorstände bes Zentrums endgültig dazu entschlossen zu sein, mit bet Weimarer Politik zu brechen und den Rechtskurs im Reiche auf weite Sicht hinaus mitzn- machen. Der linke Flügel der Partei-, der dieser Entwicklung schroff ablehnend lgegenüber steht, wehrt sich mit aller Kraft gegen eine solche Umstellung, aber zur Seit besteht keinerlei Aussicht darauf, den Gang der Ereignisse -aufzuhalten. Auf- kllend ist die Tatsache, daß der Führer des linken Zentrums, èer frühere Reichskanzler Dr. Wirth, schon seit mehreren Sa= ZW nicht mehr an den Reichstagssitzungon teilnimmt' und wieder holt gesonderte Besprechungen der Arbeiter kreise seiner Partei einberief, um gegen die Politik der Fraktionsme-hrheit energisch vorzuMh-en. Dem Einfluß Dr. Wirths dürfte es übrigens ^uch zuzuschreiben sein, wenn neuerdings die -Ehristli-ch-en Ge- worksch,asten als Gegenwertung für die Schutzzölle die Befrei- WS der Lebensmittel von der 'Umsatzsteuer verlangt haben. Die sc Forderung hat gewisse porlameniai^^-e Schwierigkeiten he-r- oorge rufen, die aber wahrscheinlich aus dem Komprvmißwege wieder beseitigt werden können, Immerhin, ist es nupt uninteressant, daß die gewerkschaf-u.uze Richtung im oe-utrum neue-r dings eine sehr rührige Tätigkeit entsaftet, um Auf die Entscheidungen der Zeu-t-rumsoorstündo einen- wesentlichen Druck aus- Kuüben. Da aber die Fraktii^NÄmchrhe-it mehr denn je geneigt ist, in der innerpohtischen Entwicklung klare ^Entscheidungen
heftigen lAuseinandersetzungen gekommen, da die radikale Rech te sich in der schärfsten Weise dagegen ausgesprochen hat, daß die sozialdemokratische Presse sich zum Beschützer Barmals auf spielt.
Der frühere Minister Dr. David schwer erkrankt.
wtb. Berlin, 4. August, telef. Der der sozialdemokratischen Partei angehörende Abgeordnete Dr. David hat heute vormittag in einer Zraktionssitzung der sozialdemokratischen Partei, einen Blutsturz erlitten.
Nomtung Vriands mit Ehomberlam.
wtb. Paris, 4. August, telef. Wie die „Havas" Agentur mitteilt, bestätigt man am Quai b’Orfag daß zwischen Paris und London ein Meinungsaustausch gepflogen wurde über eine Reise des französischen Außenminister Briand nach London, um mit dem englischen Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten Ehamberlain den Text der französischen Antwort auf die letzte deutsche Note in der Frage des Sicherheitspaktes fest- zulegen und um den englischen Entwurf, sowie den französischen Gegenentivurf eines Sicherheitspaktes zu diskutieren. Es sei in- dessen keine Entscheidung bezüglich des Seifpunktes der geplanten Begegnung getroffen, die anscheinend nicht vor der 1 kommenden Woche stattfinden dürfte.
Sie Lage in Marokko.
wtb. Paris, 4. August, telef. Wie das „Journal“ aus Madrid meldet, ist dort gestern abend das Gerücht im Umlauf gewesen, daß ein Seil der eingeborenen Bevölkerung von Pe- tuan gegenüber den Spaniern eine feindselige Haltung angenom men habe. Das in offiziellen Kreisen gewahrte absolute Still- schwoigen laßt die Annahme zu, daß das Gerücht niuzt unbegründet sei.
herb ei zu führ en und auf jeden Fall neue Regierungskrisen zu vereiteln, werden die Arbeiterkreise der Partei zum Rachgebeu gezwungen sein. Daß hierbei zwischen den einzelnen Richtungen im Zentrum gewisse Meinung sverschich>enheiten fortbe- stohen bleiben werden, ist unvermeidbar, aber die gegenwärtigen Führer des Zentrums glaubSn durch eine geschickte Politik ernstere Konflikte vermeiden zu können.
3m Zentrum gibt es gegenwärtig drei Strömungen, unter denen die von Stegerwald geführte Gruppe der Befürworter einer rein bürgerlichen Politik zur Zeit den größten Einfluß besitzt. Die Richtung Marx ist nach der Niederlage bei der Neichspräsidentenwahl stark in den Hintergrund getreten, zu- mal Dr. Marx selbst das Bestreben -zeigt, vorläufig den Wortführern des rechten Flügels keinerlei Hemmungen in den Weg zu legen. Bleibt also nur noch der linke Flügel um Dr. Wirth, der in der Reichstagsfraktion und in den Parteiivorständen nicht genügend Einfluß hat, um feinen Willen zur Geltung! zu bringen. Hierbei muß in Betracht gezogen werden, daß das süddeutsche Zentruni, namentlich das in Württemberg, darauf dringt, eine Wiederannäherung^ an die Bagerische Volkspartei zu vollziehen. Das Ziel dieser Zentrumskreise göht sogar dahiü, Jan Reichstag eine Arbeitsgemeinschaft zwischen 'den beiden Fraktionen herbeizuführen, sodaß dadurch die Zon- trumsfraktion annähernd soviel Stimmen erhalten würde wie -die Deutschnativnalen, die mit ihren 110 Mandaten die stärkste der Regierungsparteien darstellt.
Die demokratische Linke im Reichstag verfolgt die Vorgänge im Zentrum mit wachsender B-eruhignng und sucht neuerdings die Zentrumspolitiker dadurch zu 'beunruhigen, daß sie eine schroffe antiklerikale Politik ankündigt. Einige Links- blätter beginnen bereits mit einer zentrumsfeindlichen Propaganda, indem ifie non einem Bündnis zwischen monarchistischen Reaktionären und klerikalen Intriganten sprechen. Besonders die Sozialdemokratie will jetzt den Versuch machen, die schwierige soziale Lage der westdeutschen! Arbeiterschaft dazu zu be- nutzen, um gegen das Zentrum Stimmung zu machen und die Zentrnmsarbeiterschaft zur Linken her über zuziohen. Unter sol- rben Umständen gibt es allerdings auch gemäßigte Zentvums- führer, die entschieden davor wlarnen, die Beziehungen' zu den Weimarer Parteien abzubrerhon. Ob diese Warnungen jedoch an der Haltung der Frakti-onsmehrheit etwas ändern können, muß gegenwärtig stark bezweifelt werden.
Frankreich und die polnischen Herbstmanöver.
wtb. Paris, 4. August, telef. Der Mllitär-Gouverneur von Paris General Gouraud wird den polnischen Herbstman- növern, die vom 11. bis 18. August stattfinden, als Vertreter der französischen Regierung beiwohnen. Es war beabsichtigt Marschall Petain, dorthin zu entsenden, der aber im Augenblick wegen feiner in Marokko ausgeführten Mission, sich nicht aus Frankreich entfernen will.
VorgeWchMe Funde in Westfalen.
wtb. Dorsten, 4. August, telef. Beim Ausbaggern des neuen Lippotbettes wurden zwei fossile Menfcheujchädel gefunden, die von Sachverständigen wegen der flachen Stirnbildung und anderer Merkmale primitiver Entwicklung für Schädel prähistorischer Menschen gehalten werden, die zu Beginn der letzten Eisperiode (vor etwa 25 000 Sohren) gelebt haben.
Weitere Einschränkung ter interalliiert. Sebemachungskommission.
Berlin, 4. August, (Drahtmslduug). Die interalliierte Ue berwachuugskommission ist zum 1. August neuerlich um 50 Offiziere vermindert worden, sodaß ihr derzeitiger Bestand rund 70 Offiziere beträgt. Ursprünglich betrug die Zahl der Offiziere über 300. 3m Laufe der Zeit wurde diese Zahl immer weiter abzgebaut. Die jüngste Verminderung ist darauf zurUckzuführen, daß eine Reihe non D istriktskommissionon im Reich vollständig aufgelöst wurden, da die Botschafterkvnferenz ihre Aufgabe als -erfüllt angesehen hat.
3n Kreisen der Ueberwachungrkommission wird versichert, daß den noch hier befindlichen Offizieren für den Herbst woa ihren Regl.'erungen eine andere Verwendung in Aussicht gestellt ist, woraus hervorgeht, daß auch die alliierten Regierungen steh darüber eini(gi sind, die Kommission -im Hebbste aus Deutschland verschwinden zu lassen. Eine Bestätigung dieser ü-atsoche ist auch darin zu sehen, daß der am 3k Dezember 1925 ablaufende M-ietskontrakt für das Hotel B-eli-evue, in dem die Kommission bekanntlich untergebracht ist, nicht verlängert mürbe. Der Ehef der interalliierten Kommission, General Walch, hat sich dieser -Tage nach Paris begeben, um dort über seine Berliner Besprechungen, über -die Abrü-stun-gsn-ote Bericht zu erstatten.
Von unserem Amsterdamer Korresponben ton) .
Amsterdam, Ende Juli 1925.
Aeim Schreiben dieser Zeilen ist fast ein Monat verflossen, seit am 1. Juli das Volk gesprochen hat und die 100 Mitgiie- ber der zweiten Kammer neu -gewählt worden sind. Die Königin hatte den Führer der antirevolutionä-ren Partei, den bishe- -rigen Finanzminister Eolgn mit der Kabinettsbildung beauftragt. Eolpn hat nach anfänglichem Sträuben den Auftrag nunmehr endgültig angenomm-en und wird sicherlich schon in ben -nächsten Lagen sein Kabinett vvllzählW haben. Die bisherige Regierung hatte schon vor den Wahlen ihre Entlassung eingereicbt' (bx’ 2ilitteilung davon erfolgte jedoch erst nach vollzogen ein Wahlakt) und damit vielleicht zu verstehen geben wollen, daß sie nach siebenjähriger Tätigkeit amtsmübe sei. Seden- fails war es von mehreren Mitgliedern der alten Regierung schon bekannt, daß sie keine neuen Portefeuilles anzunöhmen -wünschten-. JDie Mitteilung des Auftrages an Eolgn hat -den politischen Sturm, des sich nach dem Bekannt werden des W-ahl- ergebnisses bald gelegt hatte, von neuem losbrechen lassen Wer -lodUlich damit rechnet, daß die Rechte noch immer die Mehr- beit hat, obgleich diese zahlenmäßig und zwar von 59 auf 54 öi^e zurnckgegang-eii ist, wird den Willen der Königin schwer verstehen. Die Erklärungfür ihren Entschluß liegt sicherlich ui um ge)amten inn-enpolitifch-en Situation Hollands.
Lolgns erneute Betrauung mit der Kabinettsbildung bedeutet für ihn einen Triumpf. War er doch derjenige, gegen c en lick der Wahlkampf man links her in ganz besonderer Hef- tigkeit gerichtet hatte. Als Finanzminister war es ihm zwar gelungen, -das B'udget d-es Staates auszubala-nvieren. Llb-er ^rch die Mittel, welche er hierzu benutzte, hat er in weiten Kreisen große Unzufriedenheit erzeugt. Eines dieser Mi-ttel war nämlich eine empfindliche Verringerung bet Veamtenge- bälter. Hinzu kamen neue Steuern; die von ihm voygeschlage-ne und vom Lariam ou t genehm igte Erhöhung der Einfuhrzölle um 60% wurde zufälligerweise (?) erst am ersten Lage der Wahlen eingeführt, so -daß die Wähler über die Folgen dieser Maßnahme sich kaum ein Urteil bilden konnten. Ls waren vor