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IMaer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Ful-a und Haunetal

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Nummer 191 Stettag, den 21. August 1925. 59. (2.) Mrgung

Bor der AeberreiGung der französischen Rote.

Berlin, 20. August. fLig.-Snsormatlonsdionst belegt.) Wie wir hören, wird Außenminister Dr. Stresemann am Don­nerstag wieder in Berlin eintreffen, um die vor der Ueberrci- chnug stehende französische Note entgegenzunehmen. 3n ' den Berliner Regierungskroifon legt man großen Wert bar auf in betonen, daß es von dem Lharakter der französischen Rote ab­hängen wird, ob die -Reichsregierung ihre Zustimmung dazu ge­ben kann, daß die mündlichen Verhandlungen unverzüglich er­öffnet werden. 2m übrigen wird der französische Botschafter dem deutschen Außenminister Dr. Stresemann bestimmte Erläu­terungen zu der Note seiner Regierung geben, von denen eben­falls schr viel abhängen wird. Nach vorläufig nach unbestätig­ten Nachrichten soll die französische Antwort angeblich die Fra­ge -er Unantastbarkeit der Friedensverträge fast garnicht br- rühren.

Reue Ssrschlüge an Esanten.

Berlin, 20. August. (Lig.-2nformationsdienst. Lelegr. Die deutsche Delegation für die Wirtschaftsverhandlungen mit Spa­nien dürfte, wie wir hören, voraussichtlich schon in der ersten Septemberwoche wieder nach Madrid abreisen, um die Be­sprechungen mit der spanischen Regierung wieder aufzunehmen. Inzwischen sollen von deutscher Seite aus neue Vorschläge aus­gearbeitet werden, die als Grundlage für die weiteren Ver­handlungen dienen sollen. Gegenüber anderslautenden f Mel­dungen wird betont, daß die Frage eines doutschsp-anischen Handelsprovisoriums keinesfalls vor Anfang Oktober akut werden dürfte, wenn bis dahin beständen immer noch gewisse Möglichkeiten, eine endgültige Einigung mit Spanien herzustellen.

Die drohende Stillegung derAga".

wtb. Berlin, 20. August, telef. Wie dieV.-Z" erfährt, wird heute nachmittag eine Sitzung derAga" mit den Liefe­ranten des Werkes stattfindon, um diese zur Fortführung ihrer Lieferungen zu veranlassen und ihnen einen Einblick in die Lage des Unternehmens zu verschaffen. Man hofft auf diese Weise die drohende Stillegung des Werkes zu vereiteln.

Ser KruljK-tLMÄL Kandelsvertrag.

Berlin, 20. August. Mig.-2nformationsdienst. Lelegr.) Die Verhandlungen über ein deutsch-türkisches Handelsabkommen nehmen einen guten Fortgang. Von beiden Seiten ist ein Nis- derlasfnngsvertrag ansgearbeitöt worden. Die deutschen Unter- Händler hoffen, das Riederlaffungsrecht auch für Aerzte, Ehe- miker, Apocheker und Rechtsanwälte zu erreichen mnd nicht nur

Stalèenifch-ruffifche Freundschaft.

,^^ 'i or_ aiufeinipouitcifcbeitt Kvnstellaltion ist ein sehr dedsut- deutsames Greignis zu verzeiehneu, dessen, Eragweite man- erst Sm Verläufe der m>ächstem Monate übersehen kaum Zwischen Stallen und Sowjot-Rußlan- bahnt sich eine politische Annähe­rung an, die unter Umständen W einem .Freumdschlaftsbündnis der beiden Lander führen kann. Sine sehr harmlos .gchailtene Meldung Riga besagt, daß fer ^russische Außenminister Tschit­scherin wührs cheinlich nach Rom kommen weüde

unb daß ein Gegenbesuch Mussolinis ist Moskau in Aussicht gestellt sei.. Gleichzeitig wird- alber sowohl von russischer wie >a!uch von italienischer Seite ziemlich deutlich erklärt, daß sich' die beiderseitigen Beziehmmge!N außerordentlich fveundschastlich ge- staltet hätten, und - in politischer Hinsicht in den bei-ersei- tigen Snterestonfragen ein Einvernehmen fostgestellt worden sei. M^am steht also am Borabemd einer sehr michtzigen Westdmng der emvoipärschem Politik, die selbstootzständlirh im erister Linie von -rer sowjet-EliussischM Diplomatie lgegen die europäisch en ^Esgebeutet werden miâ Dies gilt namentlich '^herheitLpaktes, um dem 2taiiem nicht iuteres- Wailb <|m als dem Begimn einer Kmtiboè "»E^^ââ betrachtet. Die Hervorkelhruiig ' O'^lsschchen Froundschgft richtet sich mmtüviich in

Mi» Welfe«» MMM^y IMiiMg«^

3m«'dPH« U*f« I WM» tiSfc? 4 A 'u»'mog.och gemacht, Stallen Hot man direkt ds Bundesgenossem gewonnen!, Deiutschla!^ kommt kaum

für die Industriellen. Die Verhandlungen über den eigentlichen Handelsvertrag werden sofort nach der Einigung über das Rie- derlasiungsrecht beginnen. Man hofft auf einen weiter günstigen Verlauf der Verhandlungen, da Deutschland bisher bereits 80 Prozent aller türkischen Staatsaufträge zur Ausführung be­kommen hat.

Gehaltserhöhung in der chemischen Snbustrie.

wtb. Berlin, 20. August, telef. Der Gewerkschaftsbund der Angestellten teilt mit: Der Gewerkschaftsbund der Ange­stellten hat durch das tarifvertragliche Schiedsgericht in dec chemischen Industrie Groß-Berlins unter dem Vorsitz des Laud gerichtsdirektor Dr. Hart einen Schiedsspruch erwirkt der eine Erhöhung der Gehälter mit Wirkung vom 1. August 1925 um

8 Prozent vorsieht. Die Parteien werden in den nächsten Lagen zu dem Schiedsspruch Stellung nehmen.

Der Lgphus auch in Uelzen.

wtb. Uelzen, 20. August, telef. Hier sind einige Para- tgphuserkrankungeu ausgebrochen, deren Ursache nach Kreisarzt liche Untersuchung auf den Genuß von schlechter Milch zurück- zuführen ist. Es wurden Vorkehrungen getroffen um eine Aus breitung der Krankheit zu verhindern.

Das große Los gezogen.

Berlin, 20. August, telef. 2n der heutigen Nachmittags- Ziehung der Preußischen Süddeutschen Klasienlotterie wurde das große Los gezogen und zwar auf die Nr. IST 824.

Ein Rückblick auf die Londoner Unterhandlungen.

Bon unserem Korresponten wird uns aus London-, 10. August gefchDiân:

Es Iwurds in London ein hoihes Spies Igesprel-t. Sollte Briand wie schon öfter, Sbaimibertain nachgiebig finden.? Würde Frank reich durch grvtze Gesten .imponieren! Körmeu? Dazu schieuen von «wnherâ Hevzllich gemnige lAuissichtsn vorhaâu. Die Lage war sine Mnz anders, wi-e bei den früheren dips-omaMchen Reifen Ehamberlains nach Paris âr Genif. B riand fuhr diesmal in das Lager desFreundes" selbst. Und im gewisser B-ezishmiig hört die 'Fveundschofl auf. Adam war sich im briti­schen Kabinett doch im weit höherem Grade bewußt gew^orden, daß die geduldige ZustimmuniF im Lande wie im demDominions

als äktive Mach!t einer vußl!and!-feinidl!ichen Politik in Frage, ffobiaij? letztem Endes nur noch die kleineren !ouropäischen Mächte als «Mche Bundesgenossen im lKampf gege!N Rmßia!nd im ^e- tracht gezogen werden können. Die ikileinereni Wächte, nament­lich die Randstaateer, fürchtet über RuiWand nicht, denn die Finanzarmut d!ielser Länder ^würde ^Englünd nur die denkb!ar lgrößtem Kosten verursachen, wenn es deren äktive Unterstützung etwa verkausem wollte. Mit der itoüienisch-riufWchen Annähe- run!g kann demnach die emgSische Einkreisungspoktik gegen den Bolschew!ix!mus mls vorläufig gescheitert angesehen werden.

. ®» üvkenische Freundschgist für Rußland .ist .immerhin ein sehr merkwlüröii.ges Ereignis, das in den europäischen! dip- ttMat!sch>em Kreisen w.iedorhvlt Kopffchü!t.telm verursacht, hat. W.ie erinnerlich, hat Mussolini. Mit eener Gch^nelligkeit die Be- zichmngen zu dem boGchew.istisch.em Rußland hergestelltz die in Anbetracht ferner Rolle als Führer des Faschismus geraldezu kvimisch gewirkt hat. Während Mnssolmi den Bolschewismus in Statten mit den heftigsten Mitteln bekämpft hat, hat er die größte Mühe gegeben, den rustifchon Bolschewismus in außen­politischer Hinsicht als Freund Stattens zu gewinnen und nament lieb uw den OvlenGvagem mit iihin igemeinsame Sache zu machen. Diese widerspruchisvolie Haltung des i.talienischen Minister­präsidenten hat sich auch bis -heule noch nicht .geändert, viel­mehr >hat sich die .römische Diplomatie die größte Miche 'M den letzten Wochen .gegeben^ nun die Beziehungen zu Rußland zu festigen und zu festen Bereiinbarnngen mit Moskan zu gelangen. Erst vor we.nigen Lagen hatte es großes Auissehem heckworge- ivufem, daß die italienische Regierung dein russischen^ Botschaf­ter in Rom Gelegenheit, igegeben hatte, -in einer öWentlicheu Er­klärung gegen dm !Si!che!rlheitspaKt Stellu!iig zu nehmen und die Ansichten Rußlands darzullegou. Diese russische .Erklärung war in einer Form gehalten, die niatlürlich in Stallen den größten Beifall fand, und die scheinbar .vorher mit Mussolini genau * vereinbart wo rden war.

hart vor ihren Grenzen stand. Das fand schon am ersten Lage ^dadurch seinen charakteristisch'en 'Ausdruck, daß man Herrn Briand mit nicht mißzuverstshend.sr Deutlichkeit klar machte, wie gebe Bindnug von der Husti.mmu.ug des Parlaments be­ziehungsweise der Meinung im Lande und Reichs abhänge. Anidererseits war Fürsorge getroffen., daß das Kabinett in überwiegender -Zahl in London blieb. Man !hatte Ehambevlain nicht Bollmtacht gegeben, sondern -be-hielt ihn unter striktester Kontrolle, und die von i.hm zu ibeach.tenden Prinzipien waren in aller Klarheit mit ihm bes.proch.sn worden.

Briand ist nun zudem gar keine Persönlichkeit des Lgps wie man ihn in England gern sieht, und wie er dazu angetan ist, sofort eine Popularität zu schaffen. Die Photographien, welche die Blätter ^brachten, waren recht unvorteilhaft, z. B, das zu­erst veröffentlichte, das ihn zeigte, wie er den Buckingham-Pa - last nach seiner Audüeiuz beim Könige mit strahlendem Lächeln vebiieß. Ss stellte den französischen Staatsmann als einen höchstens mittelgroßen^ gutgen.ä!hrtsn Geschäftsmann dar, der soeben von einem voraussichtlich leiten Abnehmer kommt. Auch nicht ein Zoll von der Pers onlichke.it eines großen Staats .lenkers. 2eh mußte unwillkürlich an den Eindruck dercken-, den die deutschen Staatsmänner, vor allem Marx und Stresemann, vor einem Fahrs machten. Eines der späteren Bilder brachte die Gruppe EhaMberiain Briand auf der Bictoria-Stativm Es konnte keinen charakteris tischen Eindruck matben. Ein Blatt berichtete von der Abschiedssoene, .Ehamberlain sei nach dem Einsteigen Briands zurückgetreteu, in der Meinung, daß der Fug .gleich anfahren werde. Briand lhabe sich aber gleich zum Fenster herausgelehnt undAusten" gerufen. Der kleine kennzeichnende iBvrfall ist von Mbevor Seite bestätigt worden.

Ehamberlain ist ein fast fanatischer Beobachter von For- men. Man Hatve Bräand das berühmte Genfer Kommunigue über seine völlige Einigkeit mit EhaMberl'ai.n schon reichlich übel genommen., da es die Wahrheit direkt auf den Kopf stellte. Setzt lhat er abermals sowohl schon hier von seiner Abreise wie in Paris wüderholt seiner vollen Befriedigung über dem Ber- lauf der Unterhaltungen Ausdruck gegeben. Man zuckt hier­über die Achseln; denn was hat er denn erreicht? Die Ant­wortnote an Deutschland war dem Anhalte nach schon vorher völi-g vereinbart, blüh wenn sie einen höflichen, versöhnlichen Ton anschlägt, so haben er amd sein Quay d'Ochag ihn nicht Hineingbbracht. Was er aber fertig gebracht hat, ist eine un- glaMiche Bsrzögerumg, und wenn Deutschland jetzt erst, nw- mitiesbar vor 6er Genfer Versammlung, seinen Antrag auf Zu ksfumg in den Bölkerbund übermitteln kann, wenn es ihn überhaupt übermittelt so ist Paris an dieser Berzögerung Schuld. Freilich wird jetzt auf die Mögtichkoit gedeutet., daß über einen eventuellen Antrag DoiMschlau-ds noch im September 'eine Spezial Versammlung des Bundes schlüssig werden, 'könnte. Bviand hat aber auch selber Schuld, wenn er.eigentlich zw spät nach London gefahren ist; zu spät, bcnn inzwischen hat eine große Uebereinstimmung zwischen den hiesigen und Iben belgischen Ansichten feistgestellt werden können, ein großer Lrumpf in der Hand EhamberlWns und des hiesigen Kabinetts. Briand woll­te eine gemeinsame Front gegen Deutschland Herstellen, bevor irgend eine Aussprache mit deutschen Staatsmännern, stattfin.- den konnte. Durch sein Zögern ast jedoch vor seiner Reise, wenn auch ferne Front, so boeb eine Einigung mit dem nächsten Haupt inlereffant," i hergrstellt worden. Groß-B ritannier konnte um so fester auf seinen Prinzipien bestehen, und wenn Briand seine Bchri.edi.gnng über den abnormalen schnellen Verlauf laut wer­den läßt, so ist der schnelle Schluß nicht deswegen erfolgt, .weil er die britische Staatsmänner hätte bekehren können, sondern deswegen, weil -klar -zu Lage trat, daß Hart auf stand, weil er cmfah, daß er mit weiterem Drängen nichts erreichen konnte und Jeune Berater zu derselben ft-eberzengung gbkomman waren.

Was diese Berater a-nbetrifft, so ist es ein eigentlicher Zu- fdl, daß ber Ei>ne seinen vollwert-igen Anteil an den poktifchen Geschehnissen vor dem Kriege gehabt hat. Berthelot war fe den letzten Wochen vor dem Kriegsausbruch der älteste ge­schäftsführende Beamte iam Quax d'Otzsag Poinoare befand sich in Rußland. Fwmageot war einer der Hauptarbei'ter der Bestimmungen des beitüchtigten Versailler Fri.cdens. Die eng- ksch.en Levlnehmor an den setzigm Besprechungen haben zufäl- ligerweise .parallele Stellungen in den beiden denkwürdigen Ego rhen bekleidet. Tyrrell, der jetzt als perma>uen.ter Unteuftaiats» I ekretär des Föreign Office die rechte Hand und der eventuellv Vertreter EhaMöerlains ist, war vor Kriegsausbruch Privat- s ckretär und Vertrauter des Sir Edward Greg. Sir EerÄ Hurst ßât bei der Ausarbeitung der Veftimmumigon des Versailler Zriedensvertraig.es die britische Regierung vertreten, wie Fro- mageot die frauzösische.

Briand hat übrigens gleich zu Anfang des Besuches eng-- lischen Pressevertretem eine herbe Enttäuschung bereitet. Das Programm war ja bekannt. -Es war daher nur zu natürKch, öaß sich die Schar der Reporter großer und kleiner Blätter mit ihren Eameras in Downing Street zum Angriff sammelte. Briand war jedoch aufmerksam gemacht worden, und man führ te .ihn auf unbelagerten Korridoren und Hirrtertreppen in das