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Nummer 201

Mittwoch, den 2. September 1925

59. (2.) ZaWang

Die Rotte Stattens im Sicberbeitspakt

Berlin, 1. September (Lig.-Sirsormâusdieust Telegr.) Die Catjacfre, - sich die italienische Regierung ba?u errtschtos- jen hat, an her Londoner duristm-Konferenz einen inoffiziellen Beobachter teilnchmeu z« lassen, hat zu lebhaften Lrörternugen über die weitere Rolle Stattens bei den Licherhertsverhand- lungeu Beranlasfung gegeben. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren hält man es in den deutschen Regierungstcreisen im­mer noch für durchaus möglich, daß die italienische Regier nug in einem späteren Stadium der Verhandlungen hervortritt, um doch noch, am Sicherheitspakt teilzunchmen. Es sei jedenfalls zurzeit durchaus hoch nicht sicher, daß das Licherheitsabkommen sich hur auf Deutschland, Frmckreich, England und Belgien be­schränken werde. 2n diesem Zusammenhänge weist man auch darauf hin, - die deutsche Regierung stets ihre an Frankreich gerichteten Noten in Rom offiziell mit einem entsprechenden Kommentar zur Kenntnis bringen ließ.

Sie erste Sitzung der Londoner Zuristenksnserenz.

wtb. London, II. September telef. Die erste formale Sitzung der juristischen Sachverständigen Deutschlands, -Bel­giens, Großbritanniens und Stattens begann heute vormittag im Zoreigu Office. Wie der amtliche britische Funkdienst meldet, werden falls die anderen Sachverständigen Idamit einverstanden sind, wahrscheinlich den Verhandlungen die IPaktentwürfe zu Gründe gelegt, die die juristischen Sachverständigen des franzö­sischen und britischen Außenministeriums Fromagevi Hub Sir Cecil Hurst gelegentlich der kürzlichen Zusammenkunft zwischen Briand und Chamberlain sich verschafft haben.

Etegerwalds Berhan-llmgen mit der deutschen Bollspartei.

Berlin, i. September sEig.-Snformations-ionst Telegr.) Der christliche Gewerkschaftsführer Stegerwald, der eine fiih- rende Rolle im rechten Flügel des Zentrums spielt, wellt gegeu- wärtig in München, wo 'er wichtige Besprechungen mit den Führern der bmzerischen Volkspartei führen wird. Wie wir hören, bezwecken die Münchener Besprechungen Stegerwald in der Hauptsache die Herstellung eines gemeinsamen Vorgcheus der beiden Parteien in den wichtigen kulturpolitischen Fragen. Hierbei können eventuell auch über eine grundsätzliche An­näherung der bayerischen Volkspartei an das Zentrum verhan­delt werden, doch betont man in den Zentrumskreisen, daß diese Frage»weniger aktuelles Suteresse habe. Stegerwald habe von

Abbruch der deutfch ruUchen Sandelsvertragsverhanblungen.

Dre seit Monaten im Gange befindlich,en »Wivtschaftsv-er- Handlungen zwischen Deutschland und Sowjet-Rußland haben plötzlich burd) eim ganz umwenständliches Verhalten- der russischen Sowjebregievung eine überaus peinliche und im chrer ganzen Tragweite noch nicht zu übersehende Wendung genommen. Der Abbruch der Verhandlungen steht unmittelbar bevor, wenn- nicht in letzter Stunde vom russisch,er Seite «em-gelenkt wirdl Roch vor wenigen Tagen schien es, als seien die VerihandlumgM am ihrem günstigen Abschmh angplangt, und als sei die iUnterzeichramg des deutsch-Mussischsm Abkommens eine unmittelbar bevorsteihende Tatsache. Sm letzten Augenblick hat jedoch die rustische Sowjet- Regieruug eine Reihe bereits in Aussicht gestellter Zugeständ- mste zurückgezogen und neue Forderungen gestellt, die im einem früherem Stadium der Verhandlun!g,en> vom demlscher «Seite als unannehinbar zmrückgewiesen worden waren. Welche G,rü,nb>ö 7^, ^H^IKamer Regiemn^g^ zu einem solehem VomgehMi, bestimmt w, kann natürlich von deutsche Seite aus nicht übersehen iL- 16s. ^rfte wohl kein Zweifel idanan bestehen^ baß politische Erwägueigeu für die Russen den . Deutscherseits ist man schon bei derartia» Verlhanblmmgen mit dem Sowjet am Diplomatie ve-rlÄ^^^ GMölhnt werden, denn die Moskauer

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Einflüsse am »Werke sind 'storenbe tanlb könne sich einer westeuropäischen d^'isch- Außland anschließend ha ba7

den Vorständen des Zentrums keinerlei Vollmachten erhalten, um über die künftige Politik der Partei irgendwelche Abma­chungen mit der bagerischeu Volkspartei «azngcheu.

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Berlin, 1. September. fLig.-Suformationsdieust Telegr.) Sm Oktober dieses Sahres läuft der Mischen Deutschland und der Tscheche» -Slowak ei vereinbarte Kohlenaustausch-Vertrag ab. Wie wir hören, werden demnächst neue Verhandlungen zwischen den beiderseitigen Regierungen über die Verlängerung des Vertrages stattfinde«. Die deutsche Regierung wird hier­bei selbstverständlich auf die veränderten Verhältnisie, die sich ans den Schwierigkeiten des deutschen Bergbaues ergeben, entsprechend Rücksicht nehmen müssen. Sm übrigen wird betont, daß die Verhandlungen hierüber unabhängig von denen über einen deutsch-tschechischen Handelsvertrag stattfiuden werden.

Belgiens Warenbestellungen auf Revarationskonto.

wtb. Paris, 1. September telef. Wie das Sonrnat ans Brüssel meldet wird der FinauMinister einen Ruuderlaß au alle Großindustriellen ^trttb Haudelsvermniguugeu ergehen lasten, in dem er sie um ihre Mitarbeit bittet, damit sie in Deutschland Waren bestellen möchten, die auf Reparationskonto geliefert werden können.s handele sich darum, bei IDeutschlaud nach Maßgabe der Summe die Velaren -ustehe, Grzeuguiste zu be­stellen, die nicht geeignet sind einen oder den anderen Gell der belgischen Oudustrie oder des Handels eine ernste Konferenz zu machen.

Litauen am Scheidewege.

Vom unfierm Kar«res-pondsnten wird ums aus Kowno Mru- uas), dem 25. August gejschriebem:

Solange die -ummittelibarm Aachweheu des /Wel'tkriege^ die politischem und wirtschaftbichein Kräfte der euwopäischei Grok möchte voll im Anspruch nahmen, schien die mit uatiomalem Liam betvAte Seibständigk. der -infol-ge der Siege deulsch. »Waffen »ge- »grü-ndetzen -Randstaateu ihre Lebe-nsfähilgkeit -und Unabhängig­keit zu beweisen. Sa mehr äber das wel-twiris-chaMiche Ge­triebe wieder im Gang kommt und der Gesmnduugsprozeß in Rußland m Deutschland svitschreitet, desto imehr wiird die w-irt- schoftiiche und damit auch die politische Existenz dieser kleiueu Nationalstaaten auf die Probe gestellt. Sie habem erkennen

S3

I ausgeübt zu haben, dmm England hat schon von jeher befürch­tet, baß es Deutschland gelürgen kö,nne, seine Position in Ost­europa zurück,zugew^immen. Die Englänber haben aber diesmal kein unmittelbares Interesse daran, die b,emtfch-russischen Wirt- schaftsvechaiiLlungem zu stören, da es sich um einen Fragekom­plex gehandelt ,hat, der mit den englischen BestrebunjAen^ kaum kollidiert. Lediglich ein einziger Amstand könnte barauf Mie­ßen lassen, daß Moskau ans irgendw,elche Ei,nflüsterungem von englischer Seite eingegangen ist: die neuerliche Weigerung, Deutschland«r die in Asien gelegenem russischen IMrtschafts- geb,e,ts die MeistbegünstiWngSklnusel« «zuzustchen. Würde 2c«ß- laud diese Weigerung aufrechtechalten,' so wäre, dies ein fernerer Schlag für die deutschen Wirtschastsinteresfe«, da dann Amerika« «England und Fapan dem Han,del mit dmn asiatischen âßiand allem beherrschen würden. Hier liegt sogar die Ver­mutung nahe, ,daß bie bolschewistische R,egierun,g im Hinblick auf die Wendung der Dunge in 'Lhina ihre Handltingsfreiheit auf­recht erhalten will, um insbesondere ein gemeinsames Vorgehen mit Saipan zu ermögliche«, und daß halber nicht einmal eine Be­einflussung von e,nglisch>er Seite vorkegt.

Die b,eutschem Llmterlhändler befinbem sich noch immer in Moskau. Wie man hont, bat bie Reichsregie,Mng inzwischen neue Snstrulktionen nach Moskau abgehen lasfm, sobaß vielleicht innerlhiolb der nächsten zwei bis drei Tage eine Entscheid, mvg nach der einen oder der anderem Seite hin fallen wird. Sollten- die denGch^russischen Verhandlungen in letzter Stunde scheitern, so würde bies zweifellos, wie von maßgebender deutscher Regie- rmigsstelle ausdrücklich versichert w-ivd, auch gewisse politische Rückwinkungeu auf das Verhältnis mit Rußland haben müssen. Die ^Nodkaner Staatsmänner müssen sich dcher «von, voniherein vollkommm klar darüber sein, daß sie die deutsche Regierung in der schwerstem Weise brüskieren, wenn sie es jetzt auf einen ergebnislosen Abbruch der Wirtschaftsvechandlungeu mit Deutschland ankommen »lassen.

müss«en, daß das nationale Moment wohl zur Gründung eines Stao,tswesens ausreicht, die Erhaltung der politischen Selbstän­digkeit aber auch deren wirtschaftliche Voraussetzungen er­fordert.

Wegen ,iihrer Zugehörigkeit «zum' russischen Staatsverbamde während der Industrialisierung des Zaremeiches hildebm die Ramdstanteu keine wirtschaftlich,en E-inheiten, denn die Industrie im alten Rußland war nicht gleichmäßig über das Land ver­teilt. Es gab Göbi-ete von der Größe ganzer westeuropäischer Länder, in denen van dndnstrie noch keine Rede sein konnte. An anderen Stellen wiederum Ibatten sich große dnduMezentreri gekildet, im -Gebiet der 'Randstaaten beispi,e!sweise in Riga, Libon, Schaälen und Kowno. Als Abfatzgchiet stand diesen Industriezentren damals das ganze -russische Reich offene das iibnen heute durch mehr od>er weniger hohe -Zollzäume versperrt ist. Auf Fabrikation im großen Stil eingerichtet, sind sie fast ausschließlich auf bas Sntob als Absatzgebiet beschränkt. An­dererseits sind diese Staaten, wenn sie ihre wirtschaftliche SeA>- 'ständiigkeit währen wollen, darauf angewiesen-, d-ie ihnen fehlen­dem Industrien neu zu- gründen^ wozu »häufig -weder das erford-er- liche Kapital noch »genügend »geschulte Arbeitskräfts vorhan-d-en sind. -Das »B-eb>ürfnis na-ch Erwe-i-terung des Absotzgebi-etes für die vorhandenen Swdustrien und Erleichibe-rung der -Einfuihr von fehlendem Snbustrieprodukten »mu-ßte, »gepaart mit der Erkennt­nis, »im Kri-egsfalle keinem ernsten- Geg-ner ohne fremde Hilfe gewachs-en -zu sein, zwangsläufig zu d-em -Gedanken führen, mit einem -oder melhreven der Rachb-arstaaten in -mnigere als bloße diplomatis-ch-e 'Beziehungen zu treten-.

Am »schw-ersten dürfte die Wahl des Weggenossen Litauen, dem Ra-chbarn non Rußland, Polen, Deutsch-land und Lettland -fallen. Die -wi-rlschaftliche und poüt'Oto Konstellation drängt -indessen zur En-tscheidunig und verlangt »gebieterisch Anl-chnung nach -irgend einer Seite hin. Mit Rußland ist Litauen immer -noch durch alte starke Sympathien verbunden, »halben doch seine B-eamt»em zum größten -Tei-l noch in -russischen D i ensten gestanden. Andererseits sind aber die russischen -Entnatio-nalisierungsbestrs- bungen der Bo-rkriegszsit noch unvergessen, und der russische Kommunismus ist den litauischen Bauern -un»d den herrschen'dem Klerrikalen gleich verha-ßt. Eine freiwillige A-nnö»heru-ng -an -Ruh »land kommt daher für abs-chbare Zeit nicht rin Frage.

Seitdem Zeligowski mit stilfschiweiigenber Bill-i-gnng der west- europÄ's-chen Schutzheeren Pollens unter Vertragsbruch das Wilnatgebèet besetzte, haben Litauen und »Rußland -nicht -einmal mehr eine gemeinsame Grenze. Polen, -Litauers Erbfeind, um­klammert das Land im Osten und Süden. Solange der weiße Lldler die reichen Waldgebiete Wi-lnas in seinen Fängen hält, -ist Litauen seiner na-türli-chen Ln-twicklungsm-ögli-chkeiten »beraubt Richt mit Unrecht schreibt daher die Lietuvos Zi-ni-os -das Blatt der vvlkssozial-istischen Partei, daß Litauen ohne Wilna auf die Dauer nicht bestehen könne. Das wüßten die polnischen Sozia­listen, die halber abwarten, bis Litauen im Kampfe um Wilna verblutet, um dann »ganz Litauen an Polen zu bringen. Ohne Rückgabe -von -Wilna dürfte ein friedliches Zusammenarbeiten non Litauen und Polen demnach nicht »möglich sein. -Wenn Polen von Litauen einen Verzicht auf Wilna erlangen will, schrieb -noch in den letzten Tagen das -offiziöse Kowwer Blatt Lietuva, so sei jedem -Verm-ittler -zu- raten, sich »gar nicht erst die Arbeit zu »machen, denn kein Litauer werde, mit einem s-och-en Vermittler «verhandeln.

Für die Beziehunigen Litauens zu Deutschland gibt, wie auch von amtlicher »deutscher Seite immer betont »wird, die DurchWhrung der Bluter omie im Memelgehiet hen Ausschlag. Deutschland »Hat hem jmigen Staat »beim Llbmarsch der deut­schen Truppen aus Litauen nicht nur eine geordnete Verwal­tung hinterlassen, sondern ist auch sein größter und bester Liefe­rant -und Abnehnier geworden. Krasser -Undank ist bisher im Memelgebiet der Lohn dafür gewesen. Der memelläwdischen Veo-ölkeru-ng wird auf die Verwaltung des -G-ebietes kein Ein-' fluß «eingeräumt. Ob-wohl das Mem-elstatut bereits am 31. Suli v. Ss. vom Sein zum Gesetz erhoben -wurde, »haben bis heute noch nicht einmal die Wahlen «zum memell«ändischen Landtag stattgefunden. Das Wirtschaftsleben des Gebietes droht unter den hohen Eingangszöllen zu ersticken. D-ie Finan-zfrage »ist noch immer nicht geregelt. Wenn neuerdings die Lietuva Stimmung für ein Zusammengehen mit Deulschland macht, wird von heut- scher Seite als Mindestfo-rderung restlose Du-rchführirng der LNemelau-tonomie für ein solches Z-usammengchen verlangt «werden müssen. Ein aubenes Verhalten Deutschlands würde die mem-ellä»nd:sche Bevöl»kermig nicht «verstehen.

M-it Lettland 'ist 'Littanen- durch nahe Bande des V»!»utes und her Sprache verknüpft. Auch die -politische Lage Lettlands drängt ähnlich wie die Litauens zum Znsa»mm-ensch!. Nur die Religion »scheidet die evangelischen Letten von den ka«Iho!-ischen Litl»auern. Die gemeliis-amen «Interessen beider Staaten haben bereits vor mehr als Salb resfrist yinr Grü-ndung einer intimen Wirtschaftsuuion als Ziel gesetzt »hat. Es ist auch bereits zum Abschluß von Verträgen gekommen, jedoch nicht ohne »daß sich auf beiben Seiten Stimmen »gegen bie Zweckmäßigkeit dieser Bestrebungen crlbobcn »haben. Da die litau-isch-lettisch-e Ver-