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Nummer 222
Samstag, den 26. September 1925.
59. (2.) zahrgang
DK KorbmttukgM fOr eine intematlsnale Luftfahr-Konvention.
Berlin, 25. Sept. (Sig. Susormationsd.-Lelegr.) Wie wir hören, beabsichtigt die tschechische Regierung, in kürzester Frist an Deutschland eine offizielle Einladung zu der in Prag geplanten internationalen Luftfahrkouserenz ergehen zu lassen«, bei dieser Gelegenheit die Anfrage zu stellen, ob Dsutsrhland bereit sein würde, einer internationalen Luftfahrkonvontion bei- zutreten. 3n den Kreisen der Prager Regierung sei man absolut der Meinung, daß die deutsche Regierung ihrerseits schon eingchende Vorbereitungen getroffen habe, um auf einer solchen Konferenz den deutschen Standpunkt darzulsgen. Zweifellos würden die interessierten Mächte den größten Wert darauf legen, den deutschen Standpunkt auf der geplanten Luftfahrtkonferenz kennen zu lernen .
Deutschland und Aalien.
Berlin, 25. Sept. (Lig.-SnformationLdienst Lelegr. 3n den deutschen diplomatischen Kreisen richtet man die Aufmerksamkeit auf die gegenwärtigen Bemühungen Italiens, auf den Abschluß Stallens als europäische Großmacht au der Garantierung des Friedens beteiligt jein will. 3n Deutschland sei man zweifellos sehr stark daran interessiert, daß Stallen sich am Si- cherheitspakt beteiligt, ohne daß jedoch dadurch neue Linzelsra- gen wie zum Beispiel die Garantierung der Brennergrenze aufgerollt werden solle.
Keine Teilnahme Mussolinis an der Sicherheitskonferenz.
Sept, telef. „Mesfagaro" teilt mit, daß Mus- Jolitti an der Minist erkoujerenz über die Sicherheitsfrage nicht tollnehmen kann, da ^nr gleichen Zeit der Faschistsche Große Rat in Rom tagt.
DeutMmb
Berlin, 25. Sept. (Gig. Snformgllonsd.-Gelogr.) Wie wir hören, wurde anläßlich der Lutscheidung über die Annahme der alliierten Einladung inner!), des Reichskabinetts nochmals über die Stellungnahme Deutschlands zum Völkerbund gesprochen. Dabei stellte sich die Reichsregierung auf den Standpunkt daß sich an der Bereitschaft Deutschlands, nach der Klärung der bereits von der Reichsregierung aufgeworfenen Fragen in den Völkerbund einzutreten, nichts geändert hat. Auf dieser Grundlage werden die deutschen Unterhändler auf der betvörstehenden Sicherheitskonferenz formulierte Erklärungen abzugeben haben, deren Snhalt vorher vom Reichskabinett vereinbart werden soll.
Dèe Annahme der alliierten Umladung.
Die kurze amtliche Mitteilung, daß der Kabinettsrat unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten von Hindenburg die An- nohme der alliierten Einladung beschlossen hat, ist von den politischen Kreisen fast durchweg mit Befriedigung -ausgenommen worden. Nach Lage der Dinge war garnicht daran zu zweifeln, daß die deutsche Regierung in positivem Sinne entscheiden würde, denn eine andere Lösung hätte die außenpolitische Lage des Reiches außerordentlich kompliziert. Dies mußten selbst die Deutschnationalen anerkennen, die trotz ihrer Bedenken nicht in der Lage gewesen wären, die Verantwortung für eine Ablehnung der alliierten Einladung auf sich- zu laden.
Es stehen nunmehr noch Entscheidungen von größter Stag weite bevor. Die Ministerpräsidenten der Länder und der Auswärtige Ausschuß des Reichstages werben ihrerseits dazu berufen sein, das letzte Wort über das deutsche Verhandlungs- Programm zu sprechen, das von der Reichsregierung ausgear- öeitet worden ist, und das die materielle Grundlage für die bevorstehende Konferenz darstellen soll. Die Sicherheitskonferenz selbst wird spätestens in vierzehn Lagen zusammen treten. Reichs Kanzler Dr. Luther und Außenminister Dr. Stresemann treten ^en Weg zu den mündlichen Verhandlungen gemeinsam an, und sw werden ebenso bei den entscheidenden Auseinandersetzungen An tfig Wahrung der deutschen Interessen einen einheitlichen, 's in alle Details festgelegten Standpunkt vertreten. Beide ^^Qtsmänner kämpfen um den letzten Erfolg der von ihnen ^geleiteten Sicherhe-itspolitik, deren 3iel es ist, Deutschland wieder eine gleichberechtigte Stellung in der internationalen Politik zu sichern und auf dieser Grundlage einen Friedenspakt dzuschließen, der Deutsch-land nicht neue Opfer aufzuerlegen hatte, Joniberni der das unbewaffnete Deutschland vor Willkür mid Gewalt seiner Nachbarn zu schützen hätte. Die geplante onserenz ist, wie ausdrücklich festgestellt werden muß, unter 6 lnchberechtigter Mitwirkung der deutschen- Regierung zustande c o^ân- An der Feststellung des Konferenzprogramms war
M deutsche KvlkspMtei zu Stresemsuns Witik.
Berlin, 25. Sept. (Sig. Snformationsd.-Eelegr.) 3n den führenden volksparteilichen Kreisen ist man außerordentlich befriedigt darüber, daß der Ausgang der Beratungen des Reichs- Kabinetts eine völlige Billigung der vom Außenminister Dr. Stresemann vorgeschlagenen Politik darstellt. Die deutsche Volkspartei vertraue sich in der Sicherheitsfrage ganz dem Au ßenminister und Parteiführer an, der mit seiner Person die Auffassungen de Partei entschieden vertreten habe. 3n der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses werden die volksparteilichen Vertreter dem Außenminister und dem Reichskanzler nochmals ihr ausdrückliches Vertrauen zum Ausdruck bringen .
Der weitere Arbeitsplan des preußischen Landtages.
wtb. Berlin, 25. Sept. telef. Der Aeltestenrat des Preußischen Landtags beriet am Freitag über den weiteren Arbeitsplan. Man rechnet damit, daß die Beratungen des Wohlfahrts Haushaltes den Landtag noch bis zum Mittwoch beschäftigen wer den. Vom 5. bis 12. Oktober tritt dann, wie bereits augekündigt war, eine Pause in den Plenarsitzungen ein. Für die Beratung des Haushaltes des Ministerium des 3nnern sind die Sage vom 13. bis 17. Oktober in Aussicht genommen. 3n der nächsten Woche sollen die weiteren Dispositionen über den Be- ratungsstoff festgelegt werden. Hinsichtlich des Wahltermins ist man zu einer Einigung dahin gekommen, daß der 29. November für diese Wahl festgesetzt werden soll.
Sie PsM der Köche.
Von unserem Berliner Vertreter wird uns geschrieben:
Die Woche stand von Anbeginn im Zeichen der Kabinetts- Beratungen über die Einladung zur Ee-ilnahme an einer S-icher- Heitskonferenz. Es handelte sich für das Reichskabinett in erster Linie darum einen Beschlüß/herbeizuführen, ob die geplante Sicherhe-itkonferenz der Alliierten deutscherseits beschickt werden sollte oder nicht. Die Annahme, bas Kabinett werde in seiner Sitzung am Montag einen definitiven Beschluß fassen und die Antwort noch in der Nacht zu Dienstag nach Paris absenden, schlug fehl. 3m Laufe der Beratungen stellte es sich heraus, daß sich aus dem Bericht des juristischen Sachverständigen, des Ministerialdirektor Dr. Gaus, doch eine Reihe prinzipieller Fragen ergeben, die erst im Laufe eingehender Besprechungen auch mit dem Auswärtigen Ausschuß und den M-inisterpräsi-
Deutschland ebenso beteiligt wie die anderen Regierungen, die diesmal den geraden Wvg der direkten- Verständigung mit der > Berliner Regierung gewählt haben, anstatt wie früher unter sich vollendete Latsachen zu schaffen und Deutschland nur dazu an den Verhandlungstisch zu lassen, um seine Unterschrift unter die zum größten -Lell vorher vereinbarten Protokolle zu setzen.
Die Richtlinien, die der Reichskanzler und der Außenminister zur Konferenz mitnohmen werden, dürften in den nächsten Sagen noch den Gegenstand lebhafter Erörterungen der politischen Oeffentlichkoit bedeuten. Augenblicklich kommt es darauf an, eine für Deutschland möglichst günstige diplomatische Atmosphäre zu schaffen, die geeignet wäre, zu einem baldigen erfolgreichen Abschluß des Sicherheilsproblems zu führen. Obwohl man vor einem übertriebenen Optimismus warnt, wird doch allgemein festgestellt, daß die anderen Mächte sich in den letzten Wochen bemüht haben, der deutschen Regierung die Ent scheidung zu erleichtern und das Auftauchen neuer Schwierigkeiten zu vermeiden. Allerdings wäre es wünschenswert gewesen, w-en-n die deutsche Regierung wesentlich früher von den Konferenzabslchten der Alliierten verständigt worden wäre. Sie hätte dann früher Gelegenheit gehabt, die deutschen politischen Kreise über die Sachlage zu informieren unb deren Stellungnahme dazu einzuholen. So konnte es nicht vermieden werden, daß im letzten Augenblick noch innenpolitischen- Schwierigkeiten entstanden, deren Ueberwindung mehrere Sage ernster Beratungen erforderlich gemacht hat. Von wesentlicher Bedeutung ist immerhin die -Latsache, daß man in Deutschland gegenwärtig fest davon überzeugt ist, daß der Sicherheitspakt zustande kommt und ein Scheitern der Konferenz kaum zu befürchten ist. Lrotz der Zweifell, noch bestehenden Schlwierigk. würde man seine Beendigung der Konferenz ohne polsitives Ergebnis für ganz un- denkbar halten, zumal auf jeher der beteiligten Regierung eine riesengroße moralische Verantwortung lastet.
denten der Länder geklärt werden müssen. So ist es gekommen, daß sich die Beratungen- die ganze Woche hindurch hinzogen und daß bis zum Ablauf der Woche die Einladung immer noch nicht beantwortet werden konnte.
Parallel mit den Beratungen des Kabinetts gingen die Verhandlungen innerhalb der -deutschnationalen Volkspartei. I Es hatte zunächst den Anschein, als würde die von den Deutsch- nationaien- veröffentlichen Resolution zu einer Kabinettskrise führen, da man -erwartete, daß die deutschnationalen Mitglieder der Meichsr-egierung durch das Verhalten des Parteitages in einen schweren Gewissenskonflikt geraten würden. Aber auch dieser Kelch- ging vorüber und es wurden bei den noch in später Abendstunde des Dienstag g-eführten Verhandlungen in der Reichskanzlei Mittel und Wege gefunden, um eine ungestörte Fortführung der schweb-enden Verhandlungen innerhalb des Kabinetts zu gewährl-eisten.
Mitten hinein in dieses Meer der Beratungen und Verhandlungen platzte die Nachricht, daß der tschechoslowakische -Gesandte in Berlin, Krofta, dem Außenminister Dr. Stresemann unter Bezugnahme auf die in letzter Feit zwischen Deutsch land und ben Alliierten ausgetauschten Noten die Bereitwilligkeit der -Lschechoslowak-ei aussprach, in Verhandlungen über den Abschluß eines Schiedsvertrages zwischen Deutschland und der Lschechoslowakei einzutreten. Diese Mitteilung erhellte, blitzartig die ganze gegenwärtige politische Situation, denn sie führt den schlagenden Beweis -dafür, daß auch am östlichen Horizont allmählich die Morgenröte einer langsamen Verständigung auszusteigen beginnt. Nach dem gänzlichen Fiasko, das Polen gemeinsam mit der Lschechoslowakei in Genf erlebt hatte, sah man seitens der Lschechoslowakei allmählich ein, daß es ratsam sei, die Politik gegen Deutschland doch in ein anderes Fahrwasser hineinzuleiten. Und dieser Erfolg im Osten kann als ein Erfolg der Regierung Deutschlands angesehen werden, bie immer wieder ihrer Auffassung dahin Ausdruck gegeben hat, daß es sich vorerst nur um einen Sicherheitspakt mit den Westmächten handele, und daß de Oststaaten bei diesen Beratungen nichts zu suchen hätten. Wenn die Oststaaten ihrerseits den Abschluß eines Sicherheitspakles mit Deutschland wünschen, dann sei es an ihnen, sich dieserhalb mit Deutschland in Verbindung zu setzen. Und so ist es auch gekommen. Neuerdings hört man, daß auch Polen sich nunmehr entschlosten habe, an Deutschland "wegen des Abschl-ustes eines Schiedsvertrages heranzutreten. Bisher allerdings steht man dieser Aussicht noch einigermaßen skeptisch gegenüber.
Mit der Rückkehr des englischen Kolonialministers Amerg aus Genf nach London stand die Frage des Moffulproblems im Vordergründe des englischen Snteresses. Das Ansehen des Völkerbundes hat einen starken Stoß erhalten. Die englische Regierung will nun besch-ließen, entweder die Abmachung über das 25-jährige Mandat über Mesopotamien abzuändern oder aber nach 1928 eine neue militärische Grenze zu ziehen, 6n diesen Fragen hat der Völkerbund in England außerordentlich an Prestige verloren. Selbst seine größten Freunde haben eine kalte Douche erhalten, von der sie sich bald wohl kaum erholen dürften. Wan sieht in gewissen politischen Kreisen bereits einen glatten Sieg der Lürken und glaubt nicht, daß das Haager Schiedsgericht mehr erreichen wird als der Völkerbund. Man ist in den betreffenden Kreisen ferner davon üoerzeugt, daß die Bolschewisten hinter den Lürken stehen und daß Frankreich und 3tallen in der Sürkoi ihre eigene Politik treiben und mit Hilfe türkischer Konzessionen ihr Schäfchen ins Srockene bringen wollen. Man hält jedenfalls die Karre auf Kosten Englands rettungslos für verfahren und eine wirkliche friedliche Lösung für unmöglich. Gleichzeitig ist man sich aber darüber klar, daß das englische Volk heute nie in eine andere Lösung einwilligen würde. 3nnerpolitisch gibt die ganze Lage der Opposition eine gefährliche Waffe in die Hand.
Sandelstvochtlifthau.
Noch immer kein wirklicher Preisabbau. — Klagen und Drohungen das Reichswirtschastsministers. — Schwierigkeiten der Rationalisierung in der Großindustrie. — Die Stellungnahme der Firma Krupp. — Fuviel Direktoren. — Neuer Kursrückgang bei der Börse. — Angst vor dem Oktobertormin Weitere F<chluugsstockungen. — Neuer Rückgang des Außen- handeis.
Bon unserem Berliner Handelsmitarbeiter wird uns geschrieben:
Wenngleich die Bemühungen der zuständigen Regierungsstellen, den ungesagten Preisabbau mit allen Mitteln durchzufetzen, andauernd lebhaft sind, so läßt sich leider nicht verkennen, daß die Erfolge bis -jetzt noch immer bescheiden sind und namentlich bei weitem noch nicht hinreicheno, zu dem gesteckten Fiele. Die Klagen über anhaltende Seuerung dauern vielmehr in den Verbraucherkreisen in vollem Maße an und leisten hiermit den Forderungen von weiteren Lohnerhöhungen immer