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Moesenzettung
FuS-aer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Fulba und Haunetal
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Nummer 225
Mittwoch, den W. September 1925.
59. (2.) Zahrgang
Der Zusammentritt der Sicherheits-Konferenz verzögert sich noch.
Berlin, 29. September. (Lig.-LnsormationLdienst Lelegr.) Wie wir soehe» erfahren, ist eine kurze Vetzögerling des 3u- fammeulrittL bete geplanten Sicherheitskonferenz ganz unvermeidlich geworden. Die französische Regierung will nämlich bi« diplomatischen Vorverhandlungen mit London und Berlin noch mehrere Lasgje hindurch fortführen, so daß mit einer pünktlichen Eröffnung der Konferenz zum 5. Oktober nicht mehr gerechnet worden kann. Smmerhin glaubt man, daß die Verzögerung nicht mehr als etwa acht Lage betragen wird.
Mötzlich einbemfene «abimtssihmrg.
Berlin, 29. September. (Lig.-Luformlationsd. gesiegt.) Gestern abend um 9 Uhr fand, wie wir hören eine Kabinettssitzung statt, die in aller Elle zusammenberufen worden war. Sie befaßte sich mit der außenpolitischen Lage. Näherte Mitteilungen darüber werden von den maßgebenden Stellen nicht gemacht, doch ist auzunehmen, daß die Kabinettssitzung zusam- monberufen wuxde auf den Bericht hin, ben der deutsche Botschafter v. Hoesch über seine Unterredung mit Briand, die am Nachmittag stattgefunden hat, gemacht hat. Es ist auch bis jetzt nicht bekannt, ob in der Unterredung mit Briand etwoi neue Komplikatioueu aufgetreten sind.
Sie Länder und daß Michsschulgesetz.
Berlin, 29. September. fLig. LnsormationsdiMst Lelegr.) Wie wir erfahren, haben die unten genannten Ländern auf der Leipziger Schulkonferenz auf Antrag von Schaumburg- Lippe folgende Entschließung gefaßt: „Die Vertreter der folgenden Unterrichtsverwaltungen lehnen aus kulturellen, pädagogischen, schultechnischen und innerpolitischen Gründen den vorliegenden Sesetzentivurf als unannehmbar ab, zumal da er nach ihrer Ansicht nicht nur dem Geist, sondern auch dem Wort laut der Aoichsverfassung in wesentlichen Punkten widerspricht. Außerdoin halten sie ihn mit Rücksicht auf die dadurch entstehende finanzielle Belastung des Reiches und det Länder in absehbarer Zeit undurchführbar. Sie richten daher an das Reichsminiftorium des Grinern die dringende Bitte, einen neuen Entwurf nach den von den Vertretern bete preußischen Unterrichtsverwaltung aufgestellten Richtlinien auszu-
Die diplomatischen Schritte der Reichsregierung.
Die politische Oeffentlichkeit verfolgt mit großer Spannung den Verlauf der seit Sonnabend eingeleiteten diplomatischen Aktion der Reichsregierung, die im Zusammenhang mit der -Ueberreichung der deutschen Antwort durch die deutschen Botschafter in London und Paris mündliche Erklärungen ab= geben ließ, um in letzter Stunde noch den Gang der Dinge maßgebend -zu beeinflussen. Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß sich jetzt hinter den Kulissen entscheidende Vorgefechte zwischen -den beteiligten Regierungen abspielen, und daß der Aus- -La-ng dieser diplomatischen Operation mehr oder weniger das Schicksal der bevorstehenden Sicherheitskonferenz bestimmen wird. Zunächst muß festgestellt werden, was innerhalb der letzten zwei Sage vorgegangen ist und in welcher Situation sich die Regtzermng Luther befindet. Die Annahme, der alliierten Gin- ladung war an sich bedingungslos erfolgt, aber deutscherseits glaubte man dem Zwange der Notwendigkeit nachgeben und den alliierten Regierungen eine Reihe deutscher Sorberungen unterbreiten zu müssen, von deren Erfüllung ein Eintritt Deutschlands in den Völkerbund uhd bas Zustandekommen ,ei- ves Sichorhselltspaktes abhängig gemacht wejrden muß. Die Erklärungen der deutschen Botschafter verfolgten daher den Zweck, den alliierten Regierungen von vornherein vor Augen zu halten, daß die in Aussicht genommene Sicherheitskonferenz nur bann zu einem Ziele führen wird, wenn über alle Punkte ber politischen Einz elfragen volle Klarheit geschaffen wird. Run Wehr hab-en die alliierten Regierungen das Wort! Lehnen sie es ab, auf der von Deutschland datrgelegten Basis zu verhandel dam» können sie sich eine Konfpren; ersparen, bereit Schicksal ®on vornherein ganz -aussichtslos wäre. Sind sie aber bereit, M die Forderungen der Meichsregier-ungeinzugehen, dann kann Won mit gutem Gewissen die Verhandlungen eröffnen und -die mittigen Probleme aus Iber Welt schaffen. Von der Antwort, die Ententemächte innerhalb der nächsten zwei Lage zu ge- ^ haben, hängt es ab, ob man von einer neuen Erschwerung ^’1 außenpolitischen Lage ober von einer wirklichen Klärung J’1 Dinge sprechen kann. Der deutsche Botschafter in Paris _ r- D°n Hoesch hat am Montag Nachmittag den franzölsischen Außenminister Briand aufgesucht, und mit ihm die La-ge ein- Ac'hend besprochen. Ein endgültiger Bescheid der französischen Regierung liegt noch nicht vor und man erwartet mit einiger Spannung den Bericht, den Herr von Hoesch über seine Unter
arbeiten, und sind erst in der Lage, zu einem so ausglsajrbeiteten Gesetz endgültig Stellung zu nehmen.
Preußen, Oldenburg, Sachsen, Anhalt, Württemberg, Braunschweig, Baden, Thüringen, Hessen, Mecklenburg-Ltre- litz, Hamburg, Breuten, Lübeck, und Schaumburg-Lippe."
Attentatspläne auf Lfchitfcherin.
Berlin, 29. September. sLig.-LuformMonsdioufi Lelegr.) Wie wir erfahren, werden â näheren Umstände, die mit dem bevorstehenden Aufenthalt des russischen Außenministers Tschitscherin in Deutschland zusammenhängen, geheim gehalten werden müsten. Der Grund ist darin zu suchen, daß man sowohl in Wien als -auch in London und Paris einer Organisation auf die Spur gekommen ist, deren Ziel die Ermordung hervorragender Staatsmänner der russischen Sowjetrepublik ist. Man weiß auch, daß diese Organisationen alle Borbe- reitungen getroffen haben, um ein Attentat ans Tschitscherin zu verüben. Aus diesem Grunde wird man auch das 3^1 der Reise geheim halten müssen, die Lschilschexin nach Besuch der Aeichshauptfiand antreteu wird.
Kummumstische Propaganda aus Moskau nach Ungarn.
wtb. Budapest, 29. September. telef. Wie die Blätter melden, geht aus den mit den Kommunisten vdrgenommenen Verhören hervor, daß von Moskau âs monatlich ungefähr 1500 Dollar zu Propagandazwecken nach Ungarn versandt worden sind.
MS will Rußland?
Eine Unterredung mit dem rustischeu Geschäftsträger.
Berlin, 29. September. <-Li g.-Fnso rmationsdie-nst Draht- meldung). Der russische Geschäftsträger in Berlin, Botschaftsrat Bratmann-Brodo w s kg, der während der Abiwesenheit des Botschafters Krestinskg die Geschäfte führt, hatte die Freund- lichkeit, sich -unserem Berliner Mitarbeiter gegenüber sehr eingehend über die russische Auffassung zur Sicherheitsfrage zu
haltung mit dem französischen Staatsmann nach Berlin senden wird. Mit der englischen Regierung hat die deutsche Zllhlu-ng- nähme bereits am Sonnabend stattgefunden, und man kann zurzeit feststellen, daß der deutsche Schritt in London im ersten Augenblick zwar großes !Etstaunen und einiges Mißbehagen hervorgerufen hat, daß jedoch die Londoner Regierung dem deutschen Vorgehen durchaus nicht unsympathisch Mgenüber- steht. Nach den Mitteilungen, die der Reichsregierung hierüber vorliegen, scheint festzustehen, daß die englische Regierung ihrerseits keine Bedenken hat, auf der von deutscher Seite vor- gesch-lagenen Basis zu verhandeln unb daß sie ihre Haltu-ng lediglich von dem Bescheid Frankreichs abhängig macht. Damit ruht jetzt die Hauptverantwortung auf der französischen RegiMung, die sich über den deutschen Schritt ziemlich überrascht zeigt und die es zur Zeit Mchnt, zu den IdäutschM Zorderungou irgendlvie -Stellung zu nehmen.
Zn einer einzigen Zrage, die für Deutschland von großer Wichtigkeit ist, dürfte voraussichtlich schon in sehr kurzer Zeit eineEinigung erzielt werden: bas Problem der Kriegsschu-ld- frage. Die deutsche Regierung hat darauf hingewiesen, daß die Uebernhhmje npuep Verpflichtungen unter keinen Umständen mit âer Erneuerung bey Anerkennung der Schuld am Kriege verknüpft werden dürfe. Sowohl beim Eintritt in den Völkerbund als auch beim Abschluß des Sicherheitspaktes will man einen ausdrücklichen moralischen Vorbehalt kennen, damit die deutsche Regierung vor ber deutschen Oeffentlichkeit die volle Verantwortung für alle Abmachungen übernehmen u. die Erklärung abgeben kann, daß nichts geschehen ist, was eine erneute Unterwerfung unter den Krlegsschuldparagraphen des Versailler Vertrages bateste Heu könnte. Sn London und in Paris will man diesen deutschen Vorbehalt stillschweigend nnb ohne jede Erwiderung vor sich gehn lassen. Dies ist immerhin eine großzügige Geste, denn man scheint eingesehen zu haben, daß es in Deutschland keine Regierung unternehmen darf, in der Kriegs- schuldfrag-e eine andere Haltung einzunehmen. Solange hierauf keine grundsätzliche Streitigkeiten entstehen, dürfte mit der -deutschen Erklärung der Streit um die Zrage der Schuld am Kriege wenigstens soweit geklärt fern, daß keine Ententemacht mehr an Anrecht darauf hat^ sich auf den Kriegsschuldparagraphen des Versailler Sriebensoertrages berufen zu wollen.
äußern. -Lm Hinblick auf die bevorstehende Ankunft des russischen Außenministers Eschitscherin in Berlin und seiner in Aussicht genommenen Zusammenkunft mit dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann, ist es von größter Wichtigkeit, welche Haltung die führenden diplomatischen Kreise ber russischen Sowjetrepublik gegenüber den zurzeit schwänden Entscheidenden Problemen einnehmen. Botschaftsrat Brodowski äußerte sich hierüber folgenderMaßen:
Der Standpunkt Rußlands zu -dem geplanten Pakt der Westmächte ergibt sich ohne weiteres aus dem Gang der historischen Entwicklung. Rußland ist fest -davon überzeugt, daß Deutschland weit davon entfernt ist, sich einer Politik anschliehen zu wollen, die gegen die russische Sowjetrepublik gerichtet sein könne. -Es scheint daher den deutschen Politikern auch ganz unerklärlich, warum man in Moskau die bevorstehenden Verhandlungen über den Sicherheitspakt mit ausgesprochenem Mißtrauen verfolgt. Sch stellte die Frage: Märe, es denn -ganz ausgeschlossen, daß Deutschland bei eventuell späteren -Maßnahmen der Westmächte gegenüber Rußland einmal in einen schweren Gewissenskonflikt Hingetrieben würde? Kann man heute schon eine bestimmte Gewähr dafür übernehmen, daß in einem solchen Moment Deutschland den Absichten der anderen ein striktes .„Rein" entgegensetzen wird? Uns scheint es richtiger, Deutschland spricht ein solches Rein vor dem Abschluß des Sicherheitspaktes aus als nachher, wo es einmal durch feine Abmachungen gebunden ist. Deutschland brauchte in seiner Lage den Franzosen wirklich keine neue Garantien zu geben und man müsse doch ganz entschieden darauf Hinweisen, was für Garantien die waffenstrotzende Entente noch von dem ohnmächtigen entwaffneten Deutschland verlangen könne. Rußland ist ein ehrlicher Freund Deutschlands. Sn keinem Lande wird der Deutsche so gern gesehen wie bei uns, wo man ihn als einen treuen und zuverlässigen Partner kennt. Das russische Sgmpathiegefühl gegenüber Deutschland -basiert aber auf einer ganz besonderen Einstellung: die russische Freundschaft gilt dem unterdrückten Deutschland. lWas für Deutschland der Versailler Vertrag ist, ist für Rußland der Rigaer Frieden oder der von Brest Lièowsk. Die russische Sowjetrepublik hat in ihrer schweren Vergangenheit kennen gelernt, was es heißt, einen imperialistischen Block herrschsüchtiger Großmächte ge- -genübergestellt zu sein. Rußland, bedauert es, daß es immer noch nicht gelungen ist, einen Sicherung svertrag im Osten zu schaffen, der -wichtiger wäre, als ein Westpakt, bei dem Deutschland nichts zu gewinnen hat. Unter Umständen hätten Deutschland, Rußland und Polen auf einer gemeinsamen Konferenz die Sriebensfrage im Osten auch für die deutschen Güter essen sehr annehmbar regeln können.
Wenn Rußland jetzt zusehen soll, daß Deutschland im Begriff steht, mit der Entente ein Llbkommen zu treffen, das die russischen Gutereffen gefährdet, so bleibt ihm nichts anders übrig, als sich zunächst mit Polen zu verständigen. Die Sowjet- Republik muß alles tun, um einen Krieg im Osten zu verhüten, denn sie hat dasselbe Gntereffe daran, durch die Sicherung des Friedens Zeit und Möglichkeit für einen geordneten Aufbau im Gnnern zu gewinnen wie jedes andere Land. Man darf nicht vergessen, daß Rußland unter den Folgeerscheinungen des Krieges viel schwerer gelitten hat als alle anderen der am Kriege beteiligten Mächte. Uub darum kann es sich jetzt nicht von neuen Tatsachen überraschen lassen. Wenn Deutschland sage, der ^Westpakt bedeute keine Spitze gegen Rußland, so wird daher Rußland antworten, eine russisch-polnische Verständigung bedeutet keine Spitze gegen Deutschland. Sicher aber ist, daß man in Berlin etwa die gleichen Empfindungen haben wird, die man in Moskau hatte, als die deutsche Außenpolitik ihre ganze Kraft auf den Westpakt konzentrierte, ohne die Beziehungen zu Rußland genügend im Auge zu behalten.
Sie Norgänge bei der Liebenwerder Sparkasse.
Korgau, 29. September. Vor dem Großen Schöffengericht in Lorgau begann heute früh ber Prozeß gegen den Landrat ?• D. Max Vogl und den ehemaligen Direktor ber Sparkasse, Walter Merres wegen Betruges und Untreue. Der Zuhörerraum ist nur mäßig besetzt. Vor Eintritt in die Verhandlung kam es zu einem politischen Zwischenfall. Der Verteidiger, R.-A. Blume beantragte, den einen Schöffen, Maschinisten Woit, wegen Befangenheit abzul-ehnen, da er ein Führer der Kommunisten im Kreise sei, die am leibhaftesten gegen Vogel agitiert hätten. Woit bestritt dies, und nach längerer Beratung lehnte das Gericht den Antrag ab.
Nach ei »ständiger Pause wurde bekanntgegeben, daß die Verteidigung die Beschwerde gegen den Ablehnungsantrag zurückgezogen habe. iEs werde also in die Verhandlung eingetreten.