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Fuldaer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Fulda und Haunetal
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Rummer 227 Freitag, den 2. Sktober 1925. 59. (2.) Fahrgang
Wichtige, verberstenbe Besprechungen zur Gicherheitsksnserenz in Lorarn.
Berlin, 1. Okt. (Sig.-duformationsb. Lelegr.) Wie wir erfahren, wird das Aeichskabinett vor der Abreife der deutsche» Delegierten?ur Konferon; nach Locarno noch eine Reihe wichtiger vorberatender Besprechungen zu führen haben. Der diplomatische Meinungsaustausch zwischen Berlin, London und Paris ist nunmehr abgeschlossen und hat einige nicht unwesentliche Stagen aufgeworfen, deren Lösung für Deutschland un- erlätzlich geworden ist. Hierzu gehört in erster Linie die Stage -er Räumung der Kölner Foue, die die alliierten Regierungen nicht im Zusammenhang mit den Problemen des Sicherheits- Paktes erörtern ivollen. 3m Berliner Auswärtigen Amt legt man daher großen Wert auf die Vorbesprechung der Staatsmänner, die zugleich vor Beginn der Konferenz einsetzen wird. Die größte Rolle spielt hierbei die private Zusammenkunft zwischen dem französischen Außenminister Briand und dem deutschen Delegationsführern, die bereits verabredet worden ist. Große Schwierigkeiten bestehen immer noch in der Stage der Schiedsverträge im Osten, die durch die abweichende Haltung Polens bisher noch ziemlich ungeklärt ist.
MM und die Konferenz.
wtb. Rom, 1. Okt. telef. Die Mailänder „Sera" berichtet, daß wenn sich Mussolini verpflichtet hätte, persönlich an der Konferenz teilzunehmen diese in einer italienischen Stadt getagt hätte. Locarno sei gewählt worden, um Mussolini eventuell einen nachträglichen Entschluß zu erleichtern. Das Blatt hält es aber für ausgeschlossen, daß Mussolini persönlich er- /châcn werde, da die Konferenz auch wichtige Fragen über den europäischen Frieden erörtere, aber keine dieser Fragen das Snteresse 3ta!iens direkt berühre. „Sera" erwartet jedoch daß die Konferenz positive Ergebnisse zeitigen werde.
Die EntwaWungs-SerlmMungen beendet.
Berlin, 1. Oktober. (Eig. Snformaüonsd. Telegr.) Wie wir von bestunterrichteter Seite erfahren, sind die Verhandlungen zwischen der RcichÄregieruug und der intsralliiertenMili- tärkontrollkommission über die Lutwaffnungsforderungen der Botschafterkonferenz bereits zum Abschluß gelangt. Die alliier- tm Regierungen werden wahrscheinlich schon sehr bald den Bericht der interalliierten Militärkontrollkommiffiou au die Botschafterkonferenz weitergeben. Allerdings hängt die Vereinigung der EntwaffnunKfrage völlig von der Haltung der Botschafterkonferenz und der alliierten Regierungen ab, die jetzt einen Beschluß darüber fassen müsse, ob Deutschland seine Abrüstnngsvexpflichtungen vollständig durchgeführt hat. Aach
Tschitscherin in Berlin.
Dir' Anwesenheit des russischen Außenministers Tschitscherin in Berlin kann als ein Ereignis von großer politischer Bedeutung angesprochen werden, denn sie fällt in eine Feit schwierigster und verantwortungsvollster Entscheidungen. Sowohl die Außenpolitik Deutschlands als auch die der ihm befreundeten Eowjet -Republik steht an einem Wendepunkt, wo die ganze europäische Konstellation zu einer Umgruppierung der Kräfte Md zu einer Anpassung des jeweiligen politischen Kurses an die grundlegenden Reformen der Fukunft erfordern. Wir erfah
ren aus sehr zuverlässiger Quelle, daß die Unterhaltungen, die Tschitscherin mit den führenden deutschen Staatsmännern führen wird, sich in der Hauptsache nur auf einen gegenseitigen Meinungsaustausch beschränken werden und daß man von vorn herein darauf verzichtet, irgendwelche fostumrissenen Fukunfts- Pläue zu erörtern. Der Weg, den die deutsche Politik in den nächsten -Fahren gehen wird, ist klar genug vorgezeichnet, um em für allemal ein Abweichen von der e ins ch läge ne-n Linie aus ^m Bereich der Erwägungen heraus zu streichen. An der Situation, wie sie sich setzt vor der Eröffnung der Sicherheits- Muferenz in Locarno darstellt, kann der Besuch! des russischen Außenministers ebensowenig ändern wie etwa die mißglückte AMeinaudersetzung über die Kriegsschgldsvagd, die bei der der zur Behandlung stehenden Probleme doch nur eine Mätblicfye Rolle spielen kann. Die Bedeutung der bevor- nuhenden Zusammenkunft Tschitscherins mit dem Reichskanz- P Dr. Luther und Reichsanßeuminister Dr. Stresemann liegt und allein darin, daß die Vertreter der beiderseitigen Neuerungen demonstrativ dartun werden, daß weder Deutsch- and gegen Rußland gegen Deutschland ausgespielt werden «nu. Die bevorstehenden internationalen Abmachungen sollen an den, bisherigen Beziehungen zwischen den beiden Ländern urzts ändern, sondern man will nach wie vor den bisherigen
°g der frenndnachbarliehen Beziehungen sowohl in wirtschaft
den Informationen der Reichsregierung steht zu erwarten, daß einem solchen Beschluß überhaupt nichts mehr im Wege steht und daß die Botschafterkonfereu? spätestens in den uächpen drei Wochen einberufen worden wird.
Beratungen
der beulfchnalisnalen Borstände.
Berlin, 1. Oktober. (Sig. 2nformationsd. Telegr.) Wie wir hören, werden die deutschnationalen Vorstände am Donnerstag zu neuerlichen Beratungen über die Aktion der Reichs regicrung in der Kriegsschuldfrage zusammeutreten. Führende deutschuationate Politiker sind der Auffassung, daß die Reichs- regierung ihre Aufgabe mit bestem Wollen durchgeführt habe und daß der eingetretene Mißerfolg unter keinen Umständen daran hindern darf, die deutschen Bemühungen zur Klärung des Kriegsschuldproblems mit aller Energie und bei jeder passenden Gelegenheit fortzuführeu.
Der Essener Leparatisten-Prozest.
wtb. Este», 1. Oktober, telef. 3m Kommunisten- und Separatistenprozeß, der gegenwärtig vor dem hiesigen Gericht verhandelt wird, kommt es vor allem auf die Beantwortung der Frage an, ob der Sturm, auf die Polizeiwachen in Gelsenkirchen und Rotchaufen im November 1923 auf kommunistische oder separatistische Beweggründe zurückzuführen ist. Heute erfolgten dazu bemerkenswerte Feugenaussagen. Der Leiter der separatistischen Ortsgruppe Esten sagte auf Befragen der Verteidigung unter Eid aus, daß die Separatisten von der französischen Besatzung ganz offenbar begünstigt und daß ihnen Frei- quaxtiere in kasernenartigen Gebäuden gewährt wurden. Viele von ihnen hätten freie Lisonbahnfahrt gehabt, auch sei ihnen besondere Fahrgelegenheit geboten worden. Die Entlohnung der separatistischen Gruppen erfolgte in Franken und als die Fahl der Truppen etwa 14 000 betrug, erhielt noch jeder von ihnen täglich fünf Franken.
Der Prinz der Niederlande in Wiesbaden.
wtb. Wiesbaden, 1. Oktober, telef. Wie das „Wiesbadener Tageblatt" meldet, stattete gestern mit den Herren seiner Regierung der Prinz der Niederlande bet Stadt Wiesbaden einen Besuch ab. Der Prinz besichtigte Zuname das Kur haus, wohnte sodann der Vorstellung im großen Haus des Staatstheater bei und trat abends 1.40 mit dem fahrplanmäßigen Fuge die Rückreise nach Holland an.
licher als auch politischer Hinsicht weiter beschreiten. Ein solcher Gedankenaustausch zwischen Tschitscherin und den Leitern der deutschen Politik hat vorläufig moralisch und materiell mindestens die gleiche Bedeutung wie etwa der in Aussicht genommene Sicherheitspakt, der zwar zahlreiche juristische und politische KlauselMbringen wird, der aber auf der anderen Seite erst nach langer Feit der Ueberwindung gegenseitiger Spannungen auf eine wirklich dauerhafte Grundlage gestellt werden kann. Gewiß hat es seit dem Vertrage von Rapallo zwischen Deutschland und Rußland wiederholt kleinere Reibereien gegeben, aber solche unvermeidlichen Fwischenfälle konnten trotz der vielfachen Uebertreibungen und Aufbauschungen nichts an der Tatsache ändern, daß Deutschland weder bewußt noch unbewußt jemals eine rußlandfeindliche Politik teilen konnte, und daß umgekehrt Rußland es irgendwie unternehmen würde, sich einer gegen Deutschland gerichteten Politik anzuschließen.
England und Frankreich haben des öfteren den Versuch gemacht, Deutschland gegen Rußland oder umgekehrt Rußland gegen Deutschland anszuspielen. Man erinnert sich noch der Umstände, die die damalige deutsche Reichsregierung zur Feit der Konferenz von Genua veranlaßt hatte, sofort den Rapallo Vertrag abzuschließen und die deutsch-russischen Beziehungen zu festigen. Bekanntlich war damals Deutschland die erste enro- päische Großmacht, die die offene de jure-Anerkennung Sowjet- Rußland ausgesprochen und damit der russischen Sowjet-Republik einen unperg änglichen Dienst geleistet hat. Heute ist es kein Geheimnis mehr, daß wenige Tage vor dem Rapallo-Vertrag von französischer Seite ein offizielles Angebot an die Mische Sowjetrepublik ergangen war, daß, wenn Moskau sich darauf eingelassen hätte, es für Deutschland einen schoberen Schlag bedeutet haben würde. Die französische Regierung suchte damals den Moskauer Staatsmännern klar zu machen, daß es mit französischer Hilfe gelingen könnte, ganz erhebliche Reparations
ansprüche an Deutschland durchzusetzen und daß Frankreich im Falle der Anerkennung der alten Farenschulden durch die russische Sowjet-Republik bereit sein würde, die Garantie für die Einhaltung der russischen ReparationsansprUche an Deutschland zu übernehmen. Deutschland wäre also in die äußerst schwierige Situation geraten, auch noch Reparationen an Rußland zahlen zu müssen. Es war ein glücklicher und — wie sich währender ganzen Feit her-ausgestellt hat — ein absolut real-politischer Gedanke, daß die damalige deutsche Regierung nach Ve- kanntwerden dieser Tatsache nicht zögerte, sofort mit Rußland einen Vertrag abzuschließen, der durch die Abmachungen von Rapallo die Grundlage zu den heute absolut günstigen Beziehungen zwischen den beiden Ländern geschaffen hat. Dieser Vertrag ist auf russischer Anregung zustande gekommen, denn die Moskauer Diplomatie hatte von Anfang an mehr Vertrauen zu Deutschland und mies aus diesem Grunde das französische Anerbieten ab, nachdem feststand daß Berlin den Mut zu dem Rapallo-Vertrag aufbringen würde. Durch diesen Vertrag verzichteten beide Länder auf gegenseitige Reparationen ober Tnts chÄdigungsansprüche, sodaß damit der französische Plan endgültig ins Scheitern gebracht wurde und auf alle Fukunft hinaus kleine Aussicht mehr auf Verwirklichung hat.
Dieser kleine gesch-ichtliche Rückblick war unbedingt notwendig, um die große Bedeutung des gegenwärtigen persönlichen Besuches des russischen Außenministers Tschitscherin würdigen zu können. Die ganze deutsche Außenpolitik würden ihren Sinn verlieren, wenn die Abmachungen des Sicherheitspaktes und der Eintritt D-eutschlands in den Völkerbund dazu führen könnte, daß Deutschland sich einer russisch-feindlichen Mächtegruppierung anschließt. Wie wir hören, werden der Reichskanzler Dr. Luther und ReichsaußenminisLer Dr. Stresemann bei den privaten FufammenküUften offizielle Ansprachen halten, in der diese unabänderlicho Auffassung der deutschen Regierung in eindeutiger Weise zum Ausdruck gebracht werden dürfte. Allerdings kann man gespannt darauf sein, wie sich das Ausland zu dieser vollendeten Tatsache verhalten wird.
Die MissenkWgsmaßmhmen der Reichsregierung.
Aut Rücksicht auf die Ermäßigung der Umsatzsteuer von 1% auf 1 Prozent am 1. Oktober ist bei allen in Betracht Kommenden Wirtschaftsverbänden auf eine einheitliche Preissenkung hin gewirkt worden. Die Spitzenorganisationen haben ihr zugestimmt. Auf dem Gebiete der industriellen Er zeug niste haben die Verhandlungen mit den Verbänden den in vielen Fällen zur Zurücknahme von beabsichtigten Preisechöhungen und zu Preisherabsetzungen geführt.
Mit Wirkung vom 1. Oktober sind weitere Preissenkungen, zum Teil erheblich über bas durch die Herabsetzung der Um satzsteusx bedingte Maß hinaus gesichert.
Verhandlungen wegen weiterer Preisherabsetzungen schweben. Segen eine Reihe von Verbänden, die nach Auffassung der Regierung unberechtigte Preiserhöhungen in lek ter Feit beschlossen, wurde mit den Mitteln der Kartellverordnung oor- gegangen.
Den Mißbräuchen im Kartellwesen wird mit aller Schärfe begegnet.
Der unmittelbaren Einwirkung diente in zahlreichen Fällen, z. B. auf dem Gebiete der Brtznnstoffversorgung, die Beseitigung von Sperren, die gegen Händler oder Genossenschaften durchgeführt wurden. Eine Reihe von Klagen vor dem Kartell- gericht ist angestrengt, um die Fakturierung in fremder Währung und die Freibleibend-Klausel zu beseitigen. Andere Klagen, die sich gegen gewisse Treurabatl'bestimmuugen und Preis- bindungeu der Abnchmerschaft richten, werden demnächst folgen.
Etwa 65 bedeutendere Verbände erklärten sich freiwillig bereit, künftig nur in Reichsmark zu fakturieren. Eine fast gleich hohe Fahl verzichtete auf die Freibleibend-Klausel und ging zu Festpreisen über.
Bei weiteren Verbänden sind ^reurabattbeftimmunge-n für die Abnehmerschafft beseitigt oder auf ein für die Allgemein- Jdtaft unschädliches Maß zurückgeführt. Die Staats- und Mi- nisterpräsidenten der Länder haben zugesagt, die Reichsregie- rung bei der tteberwachung der Kartelle Verbände usw. zu unterstützen.
Auf dem Gebiet der Ernährung muß hervorgehoben werden, daß wichtige Lebensmittel, wie Getreide und Kartoffeln im Preis im Verhältnis zum Teucnmgsduxchschnitt medria stehen.
Der Brotpreis für 1 Kilogramm sank in Berlin von 40 Pfg. Anfang März bis auf 35 Pfg. Verhandlungen zwecks weiterer Anpassung des Brotgewichts an den inzwischen wieder gesunkenen Mehl-preis sind im Gange.
Die Fleischpreise unterliegen fortgesetzter Kontrolle. Der Berliner Steifebgrogbande! hat sich bereit erklärt, keine besondere Spanne mehr zwischen dem Marktpreis für das Schlacht-