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Hessische

Morgenzeitung

Ein^lprers 10 Eoldpfg.

M-aer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Bogelsberg, Fulda- und Haunetal

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Zimmer 228

Samstag, im 1 Oktober 1925.

59. (2.) Zahrgang

;s

Ass amerikanische

le oo der Eicherheitttenserenr in Lerarno.

Berlin, 2. Oktober. (Sig. Suformationsdieust Tetegr) Wie wir aus Kreisen bet amerikanischen Botschaft in Berlin erfahren, wird die amerikanische Regierung auf der bevor stehen den Konferenz in Locarno weder offiziell noch inoffiziell einen Beobachter unterhalten. Trotzdem könne versichert werden, daß die Dercimgten Staaten den Ergebnissen der Paktkonferenz nicht gleichgültig gegenübersteheu, haß das Zustandekommen einer Verständigung, die Amerika durch seinen Einfluß gern fördern wolle, der ameAanischÄ Außenpolitik eine willkom­mene Handhabe zu einer wirklich positiven Mitarbeit au den europäischen Problemen liegen könnte. Die Gesundung Euro­pas hänge jetzt tatsächlich mehr oder weniger von dem Erfolg -er Bemühungen zur Sicherung des Friedens ab.

Benesch reift nach Locarno.

wtb. Prag, 2. Oktober telef. Die Reise Veneschs nach Locarno steht nunmehr endgültig fest. Benesch stattete im parlamentarschen Elud der tschechischen Aatiovalsozialisteu seinen Parteigenossen Bericht über die außenpolitische Lage ab. Ferner hat ex über die Aussichten der Konferenz von Locarno gesprochen. Der Inhalt seiner Ausführungen wird als vertraulich betrachtet. Wie es heißt, wird Dr. Kramarsch den Kampf gegen den Schiedsvertrag mit Deutschland zur Wahl­parole -er tschechischen Raiioualdemokraten machen.

Bor brr UnterZMwrg des èWW'rMMen KaudrtMrLiMs.

Berlin, 2. Oktober. (Sig. Snfoxmationsdienst. Telegr.) Wie wir hören, steht die Unterzeich mmg des deutsch-russischen Handelsvertrages unnlitteibar bevor, 3n allen Fragen ist jetzt eine vollständige Einigung erzielt worden, die den deutschen Wünschen in größtem Umfange Rechnung trägt. Namentlich hinsichtlich der deutschen Haudelsfreihert in asiatischen Rußland konnte eine erträgliche Lösung gefunden werden. Der Vertrag soll dem Reichstag möglichst noch vor Ablauf dieses Sahres zur Ratifikation vorgelegt werden.

Der Auftakt zur Paktkonferenz

Wic verlautet, werden am Sonntag bereits alle Verhand- lullgsleilnehmsr in Locarno cingetroffen sein. Auch Präsident Motta wird sich nach Locarno begeben, um den Gästen die Grüße der Schweiz zu entbieten. LautParis Soir" werden die Vertreter Polens und der Tschechoslowakei erst am nächsten Donnerstag oder Freitag in Locarno eintreffen.

An zuständiger Stelle in Berlin wird die bereits gemeldete Zusammensetzung der deutschen Delegation für die Konferenz in Locarno bestätigt. Die Abreise der Delegation erfolgt vor- «ussichtlich morgen abend. Legationsrat v. Büloow von der Völkerbundsabteilung des Auswärtigen Amtes reist dagegen Nicht mit. Die französische Delegation setzt sich aus Briand, Berthelot, Leger, Fromageot und dem Sekretär der Botschaf- lerkonfereNz, Mafigli» zusammen. Die englische Delegation be­steht aus Ehamberlain, Sir Eecil Hurst und einigen Beamten des Auswärtigen Amtes.

Die italienische Delegation zur Konferenz von Locarno setzt sich zusammen aus dem Senator Scialoja und dem Unterstaats- sekretär im Auswärtigen Amt Grandi als stellvertretendeu Delegierten, dem Laudesgerichtsrat Pilotti und dem ersten Le- gationssskretär Buti als Sachverständigen.

Aus Rom wird gemeldet, daß Mussolini über die Haltung Italiens zum Sicherheitspakt Erklärungen vor dem am 5. Ok- tober in Rom stattfindenden Ministerrat ab geben werde. Unter Staatssekretär Grandi werde dann den Standpunkt Mussolinis 'n Locarno darlegen. Wie verlautet, wird die italienische Dele- Sation sehr eingehende Richtlinien mitbekommen. Er besteht -^ch der Eindruck, daß bei der italienischen Regierung jetzt 'wehr Neigung besteht, einem Pakt beizutreten. Die Vertreter lallens werden fernes auf der Konferenz auch den Standpunkt Qüen$. zur Garantie der Brennergrenze vortragen.

Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers wurde ein Minister- o ab gehalten, der sich mit dem für die Konferenz von Locarno ^O'vendigeu Vorbereitungen beschäftigte. Ferner sollen nach »Lok. Anz." verschiedene Punkte der Entwaffnungsfrage brochen worden sein. Auch am 1. Oktober fand ein Minister- " statt, der sich bis 8 Uhr abends hinzog und u. a. auch den delt^ deutsch-^ Wibtschaftsverhandlungen behan-

. 6erDailg Telegraph bemerkt zu dem deutschen Schritt ver Kriegsschuldfrage u. a.:

Sie MnderbeMvnfmnz m Genf.

Berlin, 2. Oktober (Sig. Snformaiiousd. Telegr.) Trotz vielfacher Schwierigkeiten wird die geplante Konferenz der Minderheiten am 15. Oktober in Genf eröffnet werden können. Wie wir hören, sind den beteiligten Regierungen bereits die Leitsätze der zur Beratung stehenden Fragen übermittelt wor­den. Das Ziel der Besprechung ist die Schaffung eines all­gemeinen Miuderhertensch-utzgesetzes und die Errichtung einer Schiedsstelle zur Lösung ungeklärter Fragen. Die deutsche Re­gierung steht dem Ausgang der Winderheitenkouferenz mit dem denkbar größte» ünterssse entgegen da die deutsche Au­ßenpolitik stch jetzt mehr denn je darauf eingestellt hat, ange­sichts der außerordentlich schweren und drückenden Lage der deutschen Minderheiten in den durch die Friedeusverträge ab­getretenen Gebieten in der Minderheitenfrage eine aktive Rolle zn spielen.

Eine Kollektivnote der Mächte an Ehma.

wtb. London, 1. Oktober. telef. Reuter meldet: Die Mächte genehmigten die an die chinesische Regierung abznsen- dende Kollektivnote, in der der Wunsch ausgesprochen wird, den Streit über die Vorfälle in Schanghai vom 30. Mai beizu- logen. 3a der Rote wird ferner erklärt, daß alles nur Mög­liche getan werden solle, wn die Lage in Schanghai zu bessern. Alle militärischen Maßnahmen solle« aufgehoben und die Ma- rinedetachements zurückgezogen werden.

ZusZulammrnllstz auf z$m VerhrchM m äsL

wtb. Kassel, 2. Okt. telef. 3n der Nacht vom 1. zum 2. Oktober ereignete sich aus dem hiesigen Bahnhof anscheinend infolge falscher Weichenstellung ein Zugzufammenstoß. Eine Lokomotive fuhr auf den aus der Richtung Nordhausen kom­menden Personenzug 57S auf, der in Kassel ' fahrplanmäßig 12,46 anlangt. Durch den heftigen Zusammenprall entgleiste» die Lokomotive und der erste Wagen des glücklicherweise nur schwach besetzten Zuges. Die Fahrgäste wurden von ihren Sitzen geworfen und zehn Reisende und drei Mann des Personals leicht verletzt.

Wenn auch die Deutschnationalen auf der Aufwerfung der Kriegsschuldfrage bestanden haben, so empfindet doch das ge­samte Deutschlaud, daß es auf der Konferenz mit den anderen Teilnehmern gleichberechtigt sein muß und daß eine solche Gleich berechtigung unmöglich ist, solange Art. 231 des Fredensoer- trages aufrecht erhalten bleibt. Deutschland will nicht in an­ständiger Gesellschaft die Rolle eines auf Parole entlassenen Sträflings spielen, wie sich ein Vertreter Deutschlands im Aus­lande ausdrückte.

Dem kann man sich in Deutschland nur voll anschließeu. 11 nh es ist unsagbar töricht, wenn demokratische Blätter jetzt von einerBlamage" faseln die sich die von den bösen Deutsch- nationalen verführte Reichsregierung geholt habe, wobei es . ganz gleichgültig ist, daß ihnen dabei auch von gewissen rechts­radikalen Blättern sekundiert joirb. Gewiß hat in Deutsch­land kein vernünftiger Mensch, ganz gewiß aber nicht die Reichsregicrung erwartet, daß nun die Alliierten ohne weiteres auf den erpreßten Paragraph 231 des Versailler Vertrages verzichten würden, ein Paragraph, der allein die unglaublichen Vergewaltigungen und Brutalitäten von Versailles bemäntelt. Deshalb muß und wird die deutsche Reichsregierung doch im­mer und immer wieder es in alle Welt hinaus rufen: Die Be­hauptung von Deutschland Schuld ist eine Lüge! Unb eines Ta­ges wird dieser Ruf auch von der Welt gehört werden. Be­merkt sei übrigens auch in diesem Zusammenhang, daß die jetzi­gen deutschen Erklärungen nur eine Verpflichtung endlich er­füllt haben, der sich das Kabinett Marx bekanntlich entzogen hat, nämlich die Verpflichtung, die Kundgebung vom 2d. Au­gust 1M4, die die Anerkennung von Deutschlands alleiniger 'Schuld am Kriege feierlich widerruft, den fremden Regierungen zur Kenntnis zu bringen. Das alles ist so selbstverständlich, sollte es wenigstens fein, daß die hämisch Schadenfreude der demo­kratischen Presse über diediplomatische Niederlage" der Reichsregierung gar nicht zu verstehen wäre, wenn nicht eben die Veranstalter und Nutznießer der schmählichen Revolution für die Rechtfertigung auch ihrer Taten dieselbe Lüge, nämlich die von der Kriegsschuld Deutschlands brauchten. Daher die Freude!

Sehr vernünftig setzt sich das Organ Stresemanns, die Lägt. Rundschau", mit den Angriffen auf den Schritt der Reichsregierung auseinander, wenn es schreibt:Eine nicht zu empfindliche, sondern möglichst kühle Aufnahme der franzö-

fischen und der ähnlich lautenden englischen Antwort empfiehlt sich schon deshalb weil die Bestimmtheit, mit der die beiden alliierten Regierungen die Erörterung der beiden im deutsche» Memorandum berührten Fragen von den Paktverhandlungen fernzuhalten suchten, nur der Ausdruck der Sorge ist, daß sich hier ei^ sehr schwacher Punkt ihrer Stellung offenbaren werde. Es ist eine Abwehrb ewegung gegen eine moralische Offensive der deutschen Regierung, deren Berechtigung und Stärke sie wohl fühlen und der sie keinen anderen Schild entgegenhalten können als den Buchstaben des Versailler Vevtrags."

Angosichts der Versuche, den Zusammenhang der von Deutschland angeregten Fragen mit dem Sicherheitspakt zu leugnen, webden dann die Alliierten daran erinnert, daß sie ja ihrerseits als Bedingung für die Wirksamkeit des Sicherheits- paktes den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund gefordert haben. Vor diesem deutschen Schritt gilt aber noch heute, was im deutschen Memorandum vom 29. August 1924 festgelgt ist, daß nämlich, solange ein Mitglied der Völkergemeinschaft zum Verbrecher an der Menschheit gestempelt wird, die wahre Ver ständigung und Versöhnung zwischen den Völkern nicht vollendet werden kann. Zum Schluß heißt es in der Auslassung:

Darum glauben wir, daß sie die von den Alliierten ge- würrschte Sretutung dieser Fragen im Laufe der Verhandlungen gar nicht aufrecht zu erhalten sein wird, aber eben deshalb hat die deutsche Regierung darauf verzichtet, irgend einen Vorbe­halt oder eine Bedingung daran zu machen, well die Sache von selber kommt, aber nicht darauf verzichtet, die andere Seite rechtzeitig nnd ehrlich darauf aufmerksam zu machen, was kom- / men wird."

; HaOMwoAMau.

Der Oktobertermin und seine Neuerungen. Der Preisab­bau. Fortdauer der Geldknappheit und Zinsteuerung. Zahlungsschwierigkeiten ohne Ende. Rene Beunruhigung ber Börse. Wiederaufnahme des,Terminhandels in Efek- ten. Die neuen Zweimonatsbllauzen der Banken.

Von unserem Handelsmitarbefter wird uns aus Berlin geschrieben:

Der nunmehr erreichte Oktobertermin der von jeher für bas gesamte Wirtschaftsleben von außergewöhnlicher Bedeu­tung ist, leitet diesesma! einen Zeitabschnitt ein, an den sich ganz besondere Erwartungen knüpfen. 3n erster Linie handelt es sich um. den Preisabbau für den die Regierung schon seit einiger Zeit mit Eifer allerlei Vorbereitungen getroffen hat und der nunmehr mit dem Inkrafttreten der verschiedenen-Steuerer- leichtevungen und namentlich der Ermäßigung der Umsatzsteuer in schnellerem Tempo und in höherem Maße als bisher zur Wirklichkeit werden soll, Von verschiedenen Seiten der Pro­duktion und des Handels sind bereits mit Wirkung vom 1. Ok­tober Preisermäßigungen proklamiert worden, die sich aller­dings, in den meisten Fällen und namentlich auch für Polen nur in bescheidenen Grenzen bewegen. Zweifellos bedeutet die Fest- Itell'ung, daß der 2ndex für die Ernährungsmittel im Septem­ber sich gegenüber dem Vormonat nur von 145 auf 144,90 ge- fenkt hat. Ein neues Anzeichen für die großen Schwierigkeiten die dem dringend erforderlichen allgemeinen Preisabbam unter den obwaltenden Verhältnissen fortgesetzt entgegenstehen. Ins­besondere spricht der hohe indexfotz erneut sehr deutlich für die unentwegt starke Beeinträchtigung des Kaufwertes der Reichs­mark. die hiernach noch immer rund 50 Proz. beträgt. Es ist überdies eine alte Erfahrung, daß Anlässe zu einer Preiser­höhung sich stets viel schneller und auch reichlicher Geltung ver­schaffen als Alaßnahmen zur Wiederermäßigung der Preise. Besonders soweit es sich um die für die Verbraucher in Be- trarfu kommenden Kleinverkaufspreise handelt. Wie unter die- Jen Umständen der Lohnabbau und eine Besserung der allge­meinen Arbeiterverhältnisie zur Herbeiführung einer Verbilli­gung der Produktion und des Handels nach wie vor auf Wi- derstaud stößt, so trägt andererseits auch die unvermindert fort­dauernde Kapitalkuappheit und Zinsteuerung wesentlich dazu bei, den Preisabbau zu erschweren. Dem Verlangen, nach einer Zinsverbilligung stehen die Banken auch jetzt noch ziemlich ab­lehnend gegenüber unter erneutem Hinweis auf die beträchtliche Steigerung ihrer eigenen Unkosten, hauptsächlich infolge unpro- duktiver Arbeiten für Steuer und anders öffentliche Zwecke. Gleichzeitig hält man die seitens der Regierung oorgenommene Ermäßigung des Zinssatzes für die öffentlichen Gelder für un­zulänglich und besonders den Zufluß dieser jetzt sehr reichucyen Kapitalbeträge an den offenen Markt für andauernd unzurei- Hend, um auf diesem Wege eine wirkliche und nachhaltige Er­leichterung der überaus großen Geld- und Kreditnot im Wirt­schaftsleben, zu erreichen. Wie ernst die sich aus den fortge­setzten Seldschwierigkeiten ergebenden Folgen selbst für erst- klajfige große Unternehmen sind, zeigen aufs neue die in diesen <Wmi lautbar gewordenen weiteren Zahlungsverlegenheiteu nicht nur im Kleingewerbe, sondern auch in der -Großunterneh-