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Hessische

Morgenzeltung

Lmzplprels 10 Goldpfg.

Ful-aer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön un- Vogelsberg, Fulda und Haunetal

Für die Volksgemeinschaft Für den Ständefrieden

BttHe>Mk Morgenzritung" erscheint wöchentlich 6 mal, (Wher Montags), Sonntags nfj 5. M. 3. im Bild. Bejagepttif«: Durch die Post bezogen monatlich 1.50 Rentenm. c»tollcfcH<5 Postgebithren. Bei Zustellung durch unsere Tröger monatSch 1.75 Rentenmarl.

Sonntag, den 4. Sktobrr 1925.

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59. (2.) Fahrgang

Deutscherseits erfolgen Erklärungen über den Besuch Zschitscherins.

Berlin, 3. Okt. (Sig. öuformations-. Lelogr.f Jn den deutschen diplomatischen Kreisen erwartet man, daß Reichs­kanzler Dr. Luther und Außenminister Dr. Stresemann vor Öffnung jeder anderweitigen Erörterungen von den alliierten Delegierten mit der 5 rage bestürmt werden, ob irgend welche politischen Verabredungen zwischen der Reichsregierung und Tschitscherin getroffen worden sÄen. Es ist daher in Aussicht geuommen, daß deutscherseits nachträglich noch eine sehr aus­führliche Darstellung 'über die Erörterungen des Außenministers Vr. Stresemann mit Tschitscherin gegeben wird.

Die Entwattnungssrage.

Bersin, 3. Okt. jEig.-Saformationsdienst Scfegr.) Me Besprechungen zwischen dem Reichsminister des Sintern und den Suuonmmisteru der Länderregi erungen, die Aber die Entwaff- unngsfrage im Hinblick auf die künftige Gestaltn««! der deut­schen Schutzpolizei gepflogen worden sind, haben, wie wir er­fahren, zu einer völligen Einigung geführt. Ma« gelangte zu der übereinstimmenden Auffassung, daß alle Bestimmungen des Abkommens von Spaa über die deutsche Schutzpolizei von deut­scher Seite restlos eingehalten worden sind. Ueber einige «och ausstehenden technische« Maßnahmen wurde eine vollständige Einigung herbeigeführt.

Sor einer großen Aktion der deutschen Beamtenschaft.

Herlin, 3. Okt. ( Eig.-Snforwationsdienst Set egt.) Wie wir hören, werden die Spitzens rganisa tionen der Beamtenschaft uach der Ablehnung der Sortierungen über die allgemeine Er­höhung der Boamtenbosoldnng eine nachdrückliche Aktion beim Reichstag unternehme«, sobald jdas Reichsparlament wieder zu- saulMeugetreten ist. Die Bsamtenorgauisationen haben den Reichstagsparteieu, bereits ein eingehendes Material übersandt und erwarten nunmehr, daß der Reichstag sich gleich zu Beginn seiner Session im November mit der sozialen Lage der Beam­tenschaft beschäftige« wird. Siir die kommende Woche sind in Berlin und im Reiche Kundgebungen der Beamten gegen die Besoldungspolitik der Regierung geplant.

Blutige Zusammenstöße beim Zackehug M Hindenburgs Geburtstag.

wtb. Zinstorwalde, 3. Okt telef. Der gestern Abend anläßlich -es Geburtstages des Reichspräsidenten von Hinden­

Die Bedeutung des deutsch-russischen Handelsvertrages.

Mit dem Abschluß des deutsch-russischen lHandelsvertrages ^igt sich das erste sichtbare positive Ergebnis der Besprechungen die der russische Außenminister Tschitscherin während seines Ber liner Aufenthaltes mit den führenden deutschen Staatsmännern M pflogen hat. Man wird zunächst abwarten müssen, welche Wirkungen dieses Ereignis auf die gegenwärtige Situation haben wird, denn soviel ist sicher, daß London und Paris jetzt wieder mit einem großen Aufwand von Erstaunen und Entrü­stung behaupten werden, Deutschland 'babe sich durch die Mos­kauer Diplomatie dazu bewegen lassen, die Alliierten in letzter Stunde vor völlig neue Tatsachen zu stellen. Schon- seit mehreren ^agen geht -durch die offiziöse englische Presse die mißtraurische Wrmutung, die Sicherheitskonferenz werde infolge des deutsch- russischen Zusammenarbeitens der ernsten Gefahr eines Schei- ^rns ausgesetzt, sodaß schon jetzt ein starker moralischer Druck auf Deutschland ausgeübt werden soll, dem man entgegenhLIt, es habe sich mit Tschitscherin verabredet das Zustandekommen des Westpaktes zu vereiteln.

Der deutsch-russische Handelsvertrag ist ein Ereignis von Sröjjter wirtschaftlicher Bedeutung. Er stellt das Zundament künftigen wirtschaftlichen- Beziehungen zwischen den beiden säubern da und sichert dem deutschen Handel und der deutschen ndustrie umfangreiche Absatzgebiete, die man zum großen- Teil schon vor dem Weltkriege beherrscht hat, und die die Rückkehr ^deutschen wirtschaftlichen EinPustes im Osten bedvutem Eng- das mit allen Kräften- bemüht w-ar, die deutschen -Wirt-« ^Bestrebungen im Ostens UtMathisch zu stören, mag jetzt "^/leicht die Befürchtungen hegen, daß mit dem Zu stand eko-m-

des de-utsch-rustischen Ha nde-lsv-er trage s feine mehbjährigen UArengungen auf Erringung einer wirtschaftlichen Vorm-acht- l emiiig im Osten gescheitert sind. Darum ist auch die voraus- "-ubc-nde Besorgnis der russischen lSvivseitvepublik, England ^iiute in der nächsten Zukunft die von -ihm seit mehreren Mo- 4? 1 sorgfältig vorbereiteten politischen Konsequenzen gegen /-Ulhland ziehen und die Politik einer sgsteniat.Hchen Ei-nkrei- ug Rußlands dmr.> einen- B-lock der gvgn-erisch'en- Sta-oteu zu

burg veranstaltete Zackelzug ist an mehreren Stellen angegriffen worden Hierbei kam es zu schweren Zusammenstößen. Es gab auf beiden Seiten zahlreiche Verletzte, darunter auch Schwer­verletzte. Die Polizei war machtlos. Nach dem Zestkommers im HotelViktoria" wurden die Schlägereien bis in die späte Nacht hinein fortgesetzt, wobei es weitere zahlreiche Verletzte gab.

Eine Anleihe für Frankreich von

400 Millionen Dollar?

wtb. Paris, 3. Okt telef. DieEhicago Tribune", der die Verantwortung hierfür überlasten werden muß, berichtet aus Aewgork, daß Zinanznriuister Talllanx eine Anleihe von 400 Millionen Dollar zu erhalten hoffe.

Der farnesische Becher in Neapel zertrümmert.

wtb. Rom, 3. Okt. telef. DerMessagers" meldet aus Necq-el: Ein Aufseher des dortigen Nationalismus hat, um sich für eine ihm vomDirektor des Museums ans erlegte Disziplinar strafe zu rächen den berühmt, farnessscheu Becher '-der aus einem einzigen Stück Eugx geschnitten ist, zerschlagen. Dieser Becher ist eines der kostbarsten Meisterwerke alter Kunst und hat in seinem Material nicht seiu-esgl-eichen, auf der ganzen Welt. Die Direktion des Museums hofft, die einzelnen Stücke des Bechers wieder zwsammenfuge« zu können .

Die WM der Woche.

-Von unserem Berliner Mitarbeiter wird uns geschrieben:

Die Reichsregierung hat bei der Ueberreichung der deut­schen Antwort auf die alliierte Einladung eine diplomatische Er­klärung über die Kviegsschutd-frage und über die Räumung der Kölner Zone abgegeben, die in Paris und London im ersten Au­genblick sehr große Ueberraschung -hervorgerufen hat. Während London lediglich sein Erstaunen über den unerwarteten deutschen Schritt zum Ausdruck brachte, erhob die französische Regierung gegen das deutsche Vorgehen in einer ziemlich schroffen Zorm Widerspruch, sodaß man tatsächlich von einem ernsten Zwischenfall sprechen konnte, der vorübergehend die Gefahr eines Scheiterns der Sicherheitskonferenz in sich zu bergen schien. Bei dem ^deut­schen Schritt handelte es (sieb' um eine sehr reiflich überlegte Ak­tion, die /lediglich moralische Bedeutung haben sollte, und bis wie die Reichsregierung ausdrücklich erklärt, nicht als Vorbe­halt für die Annahme der alliierten Einladung gedacht war. Es

vollenden, nicht ganz unbegründet. Die politische« Beziehuugeu Mische« Conbon und Moskau haben sich derart zugespitzt, daß es absolut -denkbar wäre, wenn iSnglanb durch Versprechungen und durch finanzielle Geld Unterstützungen in absehbarer Zeit einen ernsten- Schlag der rußla-nd-sei-Ndlichen Mächte gegen die Sicherheit Rußands zu führen beabsichtigte. Unter dem Vorsitz Tschitscherins haben sich nämlich in den letzten Tagen wichtige Beratungen der sowjetruWchen Botschafter bei den westeuro­päischen Großmächten, die M diesem Zweck eigens nach Berlin gerufen worden waren, abgespielt, und es verlautet sogar, daß diese russische Botschafte r-Besprech-uug in Berlin bedeutsame A-u-Mchlüste über aggressive Absichten Englands gegen Rußland gegeben -haben sollen, Diese rein russischen Erwägungen brauchen für Deutschland selbstverständlich absolut keine Rolle zu spielen beun die deutsche Außenpolitik kann1 sich nicht um russische Be­sorgnisse kümmern. Sehr wesentlich ist aber der »Umstand, ob die russische Sowj et -R-e publik, die durch den Abschluß des d-eutsch- russischen Handelsvertrages wiederum einen wichtigen Schritt in der Befestigung der deutsch-russischen Bezichu-ugen getan hat, in dem geplanten Abschinß eines Sicherheitspaktes zwischen Deutschland -und den Westmächt-en ei ne Ge^fahr gegen die eigene Sicherheit erblicken darf. Deutschland mußte daher der russi­schem Regiorimg die Zilsicherung geben, daß es unter keinen Umständen bereit sein wird, an irgend einer feindseligen Aktion der Westmächte gegen Rußland teilzunehmen. Ohne politische Nebengedanken kann Deutschland dieser -befreundeten Macht eine solche Garantie geben, die nach deutscher Auffassung abso­lut nicht im Gegensatz zu den bevorstehenden Sicheche-itsver- bambtangen mit den Weltmächten zu stoben braucht. Die deuts he -Diplomatie vermag daher auch keineswegs einen Grund für die mißtrauische Haltung der alliierten Regierungen zu erkennen, die letzten Endes vor dem Zustan-d-ehommen- der Konferenz von Locarno ausdrücklich damit einverstanden waren, daß der Sicher heitspakt nur die We-stMen-chte, nicht aber die Ostfragen -umfassen sollen.

I war selbstverständlich, -daß die deutsche Regierung auf den Druck der französischen Regierung hin -keinen noch so sanft gearteten Rückzug a-ntreten- konnte, sondern daß sie gezwungen war, ben Kampf auszufechten, auch wenn daraus eine diplomatische Nie­derlage -entstehen sollte. Nach langem Auseinandersetzungen, die einen dreimaligen Besuch des deutschen Botschafters von Hoesch bei Briand notwendig machte, wurde die Veröffentlichung des schriftlichen Not-enwechs-els vereinbart. Danach konnte die deut­sche Erklärung über die Kriegsschuld frage restlos der ganzen Welt zur Kenntnis gebracht werden, was nicht ohne wesentliche Bedeutung für die weitere Entwicklung der Angelegenheit ist Die Gegenerklärung »Englands und Frankreichs waren in höflich em Tone abgefaßt, aber sie enthielten eine so hartnäckige Zu­rückweisung der deutschen Erklärung, daß dadurch dem Schritt der deutschen Diplomatie leider der erwünschte Erfolg versagt worden ist, Dieser unglückliche Ausgang der Kriegsschuldaktion drohte zuerst die mit Mühe Mrückgbhaltenen -Wege der erreg­ten öffentlichen Meinung sturmartig auftupeitschen, aber die disziplinierte Haltung aller Parteien brachte es zuwege, daß eine ruhigere Beurteilung Platz griff und der ganze Zwischen­fall immer mehr in den Hintergrund gedrängt werden konnte. Nachträglich ersieht man aus den Aeußerungen englischer und italienischer -Blätter, daß die schroffe Haltung Englands und drankreichs gerade in denjeingen Kreisen der alliierten Länder, die ein ernsthaftes Interesse an einer gegenseitigen Verständi­gung »haben, großes Bedauern he-rvorgerufen hat.

Die parteipolitischen Kreise brachten übrigens keine ein­heitliche Auffassung zu dem Schritt der Reichsregierung zum Ausdruck. Auch fetzt noch ist die Srage umstritten, ob es zweck­mäßig war, vor »Eröffnung der Konferenz mit -einer derartigen Erklärung hervorzutreten und dadurch den Alliierten Gelegen­heit zu geben, von vornherein jeden deutschen Versuch auf Klä­rung der Kriegsschuldfrage im Keime zu -ersticken. Die Deutsch- nationalsn, die ausdrücklich von der Regierung gefordert hatte« -daß die Notifizierung des deutschen Standpunktes noch vor der Konferenz erfolgen solle, sind der gegenteiligen Auffassung. Aller bings hat es in ihren Kreisen einen sehr ungünstigen Eindruck -höroorgerufen, daß der deutschen Regierung nicht einmal Ge­legenheit gegeben wurde, die Diskussion über die Räumung der nördlichen Rheinlandzone for-tzusetzen, die ihrer .Ansicht nach so­fort zum Stiele geführt werden mußte.

Der russische Außenminister 'Tschitscherin weilte vom Sonn­tag, bis Dienstag in der polnischen Hauptstadt, um mit den pol­nischen Regierungsstellen über die Annäherung zwischen Ruß­land und P-olen zu verhandeln. An den Warschauer Aufenthalt Tschitscherins sind vielfach alarmierende Gerüchte geknüpft wor den, die angesichts der bevorstehenden Sicherheitskonferenz zum Teil sehr ernst genommen werden müssen. Erst Ende der vorigen Woche wurde bekannt, daß Tschitscherin doch noch -nach Berlin kommen werde und daß.feine Zusammenkunft mit den führen­den deutschen Staatsmännern Gelegenheit bieten werden in ei­nen M-emuugsaustausch über die beiderseitigen Beziehungen einzutreten. Wäre Tschitscherin nicht nach Berlin gekommen, was merkwürdigerweise wiederholt von russischer Seite an ge­kündigt worden war, um die deutsche öffentliche Meinung zu beunruhigen, so hätte man allerdings in Berlin annehmen müssen daß die -russisch-polnische Annäherung eine Spitze gegen Deutsch land enthalten würde. Tschits-cherin, der sehr wohl ei-nsehen mußte -welch starkes Befremden die Rückgängigmachung seines ange- künbigten Besuches in Deutschland Hervorrufen- würde, ist des­halb nach Berlin gekommen, obwohl er tatsächlichsehr stark lei­dend ist und in seinem -ganzen Aeußerungen den Eindruck eines kranken Mannes macht. Diejenigen, die ihn -in Berlin gesehen haben, konnten feststellen, -daß der russische Staatsmann nicht etwadiplomatisch erkrankt ist, sondern daß er tatsächlich dringend genötigt ist, sich so schnell wie möglich zu feiner Gene­sung in einen Kurort zurückzuziehen. Die B-esprechu-ngen -Tschit­scherins in Berlin sind nach übereinstimmender Darstellung be­friedigend verlaufen. Deutschland kann» beruhigt.-sein, 'daß Ruß­land nicht die Absicht hat, ein Bündnis mit Polen gegen 'Deutsch land -einzugehen, und daß die russische Außenpolitik tatsächlich da-ra-uf gerichtet ist, den Stieben in Osteuropa durch seine Mit­wirkung -zu sichern.

Die Blätter bringen ausführliche Berichte über den gegen­wärtigen Aufenthalt des früheren Reichskanzlers Dr. Wirth anläßlich -der Tagung der Internationalen Union in den Ver­einigten Staaten. Dr. Wirth, dessen Erfüllungspolitik in Deutsch land stark umstritten gewesen -ist, hat in Amerika eine sehr freundliche Aufnahme gefunden, die nicht nur seiner Person, sondern dem .ganzen Deutschland gelten dürfte. Augenbl-icklich ist ein günstiger Boden für die Pflege de utsch- amerikanischer Belebungen vorhanden, sodaß es nicht Wunder nehmen kann, bei jeder passenden Gelegenheit besondere Sympathiekundgebun­gen für Deutschland in den verschiedensten amerikanischen Städ­ten veranstaltet werden. Amerika ist eben dasjenige Land, das am meisten Bedürfnis empfindet, die Zerwürfnisse des Krieges 2^ vergessen und den Zustand- friedlich-er und freundschaftlicher W ied e ran n ähe rang herzustellen.