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Iildm SWIott, Initiier für XW

I Hauptschriftleitung: Generalmajor

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Nr. 240

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Freitag. den 23. Oktober 1925, mittags

: Druck und Verlag: Gutenberg-Buchdruckerei in I (Fulda, Buseckstraße 7, Fernsprecher Nr. 974. > Anzeigenpreis: für die 8 gespaltene Kolonelzeile j

: 15 Pfg., für die Reklamezeile unter Text 60 Pfg ; ^Bei Wiederholung Rabatt nur nach Vereinbarung^

59. (2.) Jahrgang

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Weitere AslMs- ftiiM litt Lae«. Keine französischen Zusicherungen.

TU. P a r i s, 23. Okt. (Telunion.)

Die Pariser Presse beschäftigt sich ein­gehend mit dem Beschluß des Reichskabinetts und mit den Verhandlungen der Deutschna­tionalen. DerTemps" weift darauf hin, daß sich die Deutschen im Irrtum befänden, wenn sie glaubten, daß die Alliierten irgend welche bindenden Abmachungen gegenüber der deutschen Delegation eingegangen wären. Das Blatt stellt fest, daß außer dem Pakt­vertrage nichts vereinbart worden sei. Die deutsche Presse spreche zu unrecht von Ver­sprechungen, die nicht gemacht worden seien. Es heißt dann wörtlich:Im Laufe der offi­ziösen Verhandlungen in Locarno, die der allgemeinen poplitischen Lage galten, wur­den weder schriftliche Zusicherungen noch mündliche Versprechungen gegeben. Es wurde lediglich festgestellt, daß eine neue Politik neue Methoden mit sich bringt und die zwischen Deutschland und den Alliierten schwebenden Fragen in einem neuen Geist geprüft werden könnten." Das Blatt führt weiter aus, daß es nicht den Tatsachen ent­spreche, daß die Räumung auf den 15. No- vember festgesetzt sei. Ein Räumungsdatum /er überhaupt nicht vereinbart und die Alli­ierten ständen noch immer auf dem Stand­punkt, daß die Räumung der ersten Rhein­landzone erst nach Erfüllung der deutschen Abrüstungsverpslichtungen möglich sei. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde die Räumung jedoch Ende dieses Jahres vor sich gehen kön­nen. Vorbedingung sei jedoch unter allen Umständen die Haltung Deutschlands in der Abrüstungsfrage. Zum Schluß erhebt der Temps" Einspruch gegen das von Dr. Jar­res aufgestellte Programm und weist darauf hin, daß von einer Erleichterung des Besatz­ungsregimes und von einer Aenderung des jetzigen Zustandes imSaargebiet nicht die Rede sein könne. Auch eine Einschränkung der Befugnisse der Interalliierten Rhein­landkommission könne von Deutschland nicht verlangt werden.

Die Tchechoslowakei und Locarno

TU. Prag, 23. Okt. (Telunion.)

In dem deutsch geschriebenen Regierungs­blatt Prager Presse befaßt sich Profesior Aramarsch, der tschechische Jurist, der mit Dr. ânesch als juristischer Berater in Locarno war, mit der künftigen internationalen Rechtslage, die sich durch die Ratifizierung der Verträge von Locarno für die Tschecho­slowakei ergeben wird. Kramarsch schreibt u. a.:Sollte gegen die Tschechoslowakei von wo immer ein Angriff gerichtet werden, so bildet die im Rheinpakt statuierte Unver­letzlichkeit der Rheingrenze kein Hindernis >ur jenen, der uns zu Hilfe kommen will. Je­der Staat, der zur Ansicht gelangt, daß für chn das Recht zur Ueberschreitung derGrenze vorliegt, kann, ohne daß das Ergebnis ir­gend eines Verfahrens abgewartet werden wußte, zur Ausübung seines Rechts schreiten. Der Rheinpakt hat der Tschechoslowakei so­mit nichts von dem genommen, was sie ge­genwärtig hat."

Kramarsch über Locarno.

In einer Rede erklärte Kramarsch, es sei »u begrüßen, daß in Locarno wirkliche Frie- oensverträge abgeschlossen worden sind. Frankreich habe den Sieg augenblicklich voll- verloren und befinde sich in einer Achtlosen Wirtschafts- und Finanzlage, die , "ach Locarno gezwungen habe. Er zweifle ^ran, daß auch die jetzigen französi- Machthaber Freunde der tschechischen ^publik seien. Es gebe jedoch in der Politik die über die Freundschaft gingen.

Angriff Deutschlands auf die tschecho- wwaklsche Republik befürchte er nicht, denn Een einen neuen Weltbrand hervorru- u. 9ibet eine andere Frage mache ihm mwere Sorge, das sei die Haltung der Deut- sJArx ^* tschechoslowakischenRepublik. Dav tihe. T Aeich sei heute wieder ein vollwer- Mr Faktor in der Welt und Dr. Strese-

Ein neuer griechisch­bulgarischer Konflikt. Erklärung der bulgarischen Gesandtschaft. Einmarsch der Griechen in Bulgarien. Petritsch von Artillerie beschossen und besetzt.

Im Hexenkessel des Balkan brodelt es einmal wieder. Ein Beweis dafür, daß wie der berüchtigte Vertrag von Versailles, auch der von St. Germain keinen wirklichen Frie­den geschaffen hat. Eine Parallele, zwischen Deutschland und Bulgarien gezogen, zeigt deutlich, daß ein Land, das wie das unsrige, von bis an die Zähne bewaffneten Feinden umgeben ist, zum wehrlosen Spielball sei­ner Gegner wird. Wohin dieser unleidliche Zustand ein solches Land, das gleich Deutsch­land völlig unbewaffnet ist, führt, das zei­gen nachstehende Meldungen:

TU. B e r l i n , 22. Okt. (Telunion.)

Die bulgarische Gesandtschaft in Berlin teilt der Telegraphen-Union über den grie­chisch-bulgarischen Konflikt folgendes mit: Sofort nach der Tötung des griechischen Sol­daten auf bulgarischem Gebiet hat die Zu- sammenziehung größerer griechischer Streit­kräfte, die jedoch schon früher in Bereitschaft gehalten waren, begonnen. Die Griechen beschossen darauf einen bulgarischen Posten und setzten dann weiter bedeutende Kräfte ein, darunter auch Artillerie. Nachdem die bulgarischen Posten vertrieben waren, dran­gen die Griechen in das bulgarische Gebiet ein. Die Stadt Petritsch wurde von Artille­rie beschossen. Zn Anbetracht dessen, daß die griechische Negierung dreimal den Vorschlag der bulgarischen Negierung auf Einsetzung einer Untersuchungskommission unbeantwor­tet gelassen hat, ergibt sich die unumstrittene Tatsache, daß Bulgarien es mit einem von griechischer Seite schon lange vorbereiteten Angriff zu tun habe. Der Verband bul­garischer Journalisten und Schriftsteller in Berlin erklärt der Telegraphen-Union wei­ter, daß die Aufmerksamkeit des griechischen Volkes von den schweren inneren Parteikon­slikten abgelenkt werden soll. Hierzu habe die Militärpartei mit General Pangalos an der Spitze den Vormarsch der griechischen Truppen auf bulgarisches Gebiet eingeleitet, dergegen das Völkerrecht verstoße. Trotz aller Verträge und des Völkerbundes als obersten Schiedsricher habe Griechenland an­gegriffen. Die Meldungen, wonach bulga­rische Posten einen griechischen Posten und einen Ortskommandanten getötet hätten, entbehren jeder Begründung. Das völlig entkräftete und entwaffnete Bulgarien, das rings von Feinden umzingelt fei, würde sich keinesfalls Uebergriffe erlauben, die zu

Konflikten mit den Nachbarn führen könn- . ... ,

ten. Im Augenblick seien die schwachen bul- ^ über diesen Zwischenfall auf dem Balkan garischen Truppen damit voll in Anspruch nicht besonders aufzuregen. Die Red.)

mann selbst habe erklärt, daß Deutschland beim Völkerbund jederzeit der Beschützer aller deutschen Minderheiten sein werde und deren Beschwerden sofort beim Völkerbund vorbringen werde, worauf es ein Recht habe.

England jetzt der Polizist von Europa.

TU. L o n d o n » 23. Okt. (Zehinion.)

Der konservativeOutlook" und der so­zialistischeNew Leader" sind die beiden ersten Zenitschriften, die sich zu dem Ergeb­nis der Konferenz von Locarno in ihren gestrigen Ausgaben äußern. DerOutlook" sagt, daß die Aufnahme des Paktes in Lon­don nur lauwarm gewesen wäre. Cham­berlain habe England europäische Verpflich­tungen ausgeladen, deren Ende niemand ab­sehen könnte. England wäre jetzt der Poli­zist von Europa. Wenn jemand einen Krieg führe, dann müßte England auch in den Krieg ziehen auf der einen oder anderen

genommen, die kommunistischen Umtriebe zu unterdrücken. Im Interesse des Friedens und der Zivilisation sei es unbedingt not­wendig, daß der bulgarisch-griechische Kon­flikt im Keime erstickt würde. Vor allem müsse die Autorität des Völkerbundes als oberster Schiedsrichter aufrecht erhalten wer­den.

TU. Paris, 23. Okt. (Telunion.)

Nach einer Meldung aus London haben die griechischen Behörden erklärt» daß die Besetzung der bulgarischen Stadt Petritsch nur ein Pfand für die Ausführung der im griechischen Ultimatum enthaltenen Beding­ungen wäre. Nach einer weiteren Londoner Meldung wäre es bereits zu lebhaften Kämpfen zwischen Griechen und Bulgaren gekommen. Nach einer amtlichen Meldung aus Athen sind die griechischen Truppen in Bulgarien vorgerückt und haben nach einem heftigen Kampfs mit Maschinengewehren zwei bulgarische Dörfer besetzt. Die Gesand­ten der Alliierten unternehmen alle An- .»rengungen, um den Ausbruch des Krieges zu vermeiden» doch wurden bisher von den beiden Negierungen Griechenland und Bulgarien einander gegenseitig gerichtete Noten unbeantwortet gelassen.

TU. A t h e n» 22. Okt. (Telunion.)

Der Oberbefehlshaber der griechischen Armee hat den Grenztruppen befohlen» die bulgarische Grenze zu überschreiten und die Stadt Petritsch» den Mittelpunkt der natio­nalen Bewegung Mazedoniens zu besetzen.

TU. London, 23. Okt. (Telunion.)

Nach Meldungen aus Athen haben in bulgarisches Gebiet eingedrungene griechische Truppen den Hauptort Mazedoniens, Pe­tritsch, besetzt. Ferner will die bulgarische Regierung die Alliierten ersuchen, eine all­gemeine Mobilmachung zur Wahrung der Hoheitsrechte Bulgariens anordnen zu dür­fen.

TU. London, 22. Okt. (Telunion.)

Das britische Außenministerium veröffent­licht eine Erklärung, daß es in keiner Weise am griechisch-bulgarischen Grenz-Konflikt in­teressiert sei. Das Außenministerium ist der Ansicht, daß keine der beiden Mächte über die für einen Krieg notwendigen Mittel ver­füge und daß die Angelegenheit in mehreren Tagen auf friedlichem Wege geregelt werde.

(Das britische Außenministerium scheint

Seite. Der Gedanke, daß der Pakt den Krieg i unmöglich machen werde, sei unrichtig. Der Mensch ändert seine Natur nicht so leicht. DerNew Leader" geht etwas tiefer in die Problematik des Paktes ein. Er sagt, die gesamte Initiative und die besten Seiten des Vertrags seien auf Deutschland zurückzusüh- ren. Sie wären Stresemanns Werk. Sie verpflichten Deutschland mit dem Präsiden­ten Hindenburg an der Spitze und mit Zu­stimmung der Deutschnationalen. Das sei ein unschätzbarer Gewinn. Ebenso wichtig ist es nach der Meinung der Zeitschrift, daß es eine konservative englische Regierung war, die sich zum Pakt bereit gefunden hätte. Der New Leader" betont, daß England sich in jeder Hinsicht freie Hand vorbehalten habe. Das läge an der englischen Admiralität, die sich die Waffe der Blockade nicht aus der Hand nehmen lassen wolle.

Die Frage der Rückwirkungen.

In den Kreisen der Reichsregierung konzertiert man die ganze Aufmerksamkeit auf die von Deutschland aufgeworfene Fra­ge ber_ Rückwirkungen des Sicherheitspak­tes auf die besetzten Gebiete, auf das Ent- waffnungsproblem und auf die deutsche Luftfahrtfreiheit. Es ist bekannt, daß zu diesem Zweck der deutsche Botschafter in Pa­ris Dr. v. Hoesch nach Berlin gekommen ist, um mit der Reichsregierung über die Lösung dieser Frage zu beraten. In Lo­carno hat die deutsche Delegation es nicht durchsetzen können, daß die alliierten Staats männer im Ramen ihrer Regierungen bin­dende Zusagen erteilten, zumal die französi­sche Regierung es geschickt verstanden hat, die Nebenerörterungen über die nicht un­mittelbar zum Verhandlungspragramm ge­hörenden Punkte auf ein Mindestmaß zu be schränken. In den unterrichteten Kreisen weiß man, daß der deutsche Außenminister Dr. S t r e s ema n n in seiner Unterredung mit Briand ausdrücklich betont hat, daß ei­ne gegenseitige Verständigung über die Si­cherung des Friedens nur dann möglich wä­re, wenn die Konfliktsstoffe, die zwischen den beteiligten Ländern bestehen, w i r k - lich aus dem Wege geräumt sind. Ein Fortbestehen dieser Konfliktsstoffe wä­re nur dazu geeignet, die materiellen Grundlagen eines Friedenspaktes zu unter­graben. Briand konnte dieser Auffassung Dr. Stresemanns nicht widersprechen. Er mußte zugeben, daß der Wert des Sicher­heitspaktes stark beeinträchtigt würde, wenn die zwischen Deutschland und Frankreich bestehenden Spannungen nicht sofort be­seitigt werden und wenn dauernd neue Möglichkeiten eintreten, die politische At­mosphäre zu trüben.

Es steht noch nicht fest, auf welcher Grundlage die Einigung über die Frage der besetzten Gebiete erzielt werden kann. Deutschland hat bisher seine Forderungen etwa folgendermaßen zusammengefaßt:

1. Herabsetzung der Zahl der Besatz- ungstruppen und Abkürzung der Räumungsfrist. Es soll ein fetter Termin angegeben werden, bis wann die endgültige Befreiung des Rheinlandes von den Besatzungs- truppen erfolgen kann.

2. Aenderung des Rheinland-Regimes. Deutschland fordert die Wiederzulas- sung eines deutschen Vertreters in der Rheinlandkommission, der an allen praktischen Maßnahmen der Besatzungsmächte mitwirken und gleichberechtigten Sitz und Stimme erhalten soll. Der deutsche Vertre­ter der Rheinlandkommission hät­te in erster Linie dafür zu sorgen, daß die deutsche Verwaltung in den besetzten Gebieten völlig unangeta­stet bleibt.

3. Errichtung einer völlig unabhängi­gen Volksvertretung im Saargebiet, die vollgültige parlamentarische Be­fugnisse erhält. Beseitigung jeg­licher Veschränkungsmaßnahmen ge­gen die Presse und Versammlungs­freiheit zur Feststellung eines un­verfälschten Abstimmungsergebnis­ses.

4. Endgültige Bereinigung der Ent- waffnungsfrage und Beendigung der Tätigkeit der interalliierten Mili­tär-Kontrollkommission.

5. Beseitigung aller Beschränkungs- maßnahmen gegenüber privaten deutschen Luftfahrt und gleichberech­tigte Zulassung Deutschlands zu al­len internationalen Luftfahrt-Kon­ventionen.

Diese Fragen können naturgemäß nicht allein zwischen Deutschland und Frank-