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Hessische MorgenzeitW

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Suter

Anzeiger für Wn

iini Angelsberg, Säte uni Quartal

s^auptschriftleitung: Generalmajor a. D. Rembe. : Druck und Verlag: Gutenberg-Buchdruckerei in I Fulda, Buseckstraße 7, Fernsprecher Nr. 974. Anzeigenpreis: für die 8 gespaltene Kolonelzeile : 15 Pfg., für die Reklamezeile unter Text 60 Pfg I Bei Wiederholung Rabatt nur nach Vereinbarung.

Montag, den 26. Oktober 1925, mittags.

59. (2.) Jahrgang

Sonntags-

Wahlen.

Ruhiger Verlauf in Baden. Messer-

stecherei und Steinbombardement in

Berlin. Auch die Schweiz wählt.

TU. K a r l s r u h e, 26. Okt. (Telunion)

Bis kurz vor 1 Uhr nachts galten in den sieben Wahlkreisen als gewählt: 28 Zentrum (34 im alten Landtag), 16 Sozialdemokraten (20 und 1 Unabhängiger), 7 Demokraten (7), g Rechtsblock (7 Deutschnationale und 7 Landbund), 7 Deutsche Volkspartei (5), 4 Kommunisten (3 und 1 Unabhängiger), 2 Wirtschaftliche Vereinigung (1). Dazu kom­men die Reststimmen, die noch nicht gezählt sind.

*

TU. Karlsruhe, 26. Okt. (Telunion)

Zn Baden fanden gestern die Wahlen zum Landtag statt. Wie schon aus dem Besuch der Wahlversammlungen zu schlic­hen, war die Wahlbeteiligung eine sehr mäßige. Bis zur Mittagsstunde hatten in Karlsruhe nicht einmal 35 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt. In den ersten Nachmittagsstunden wurde dann die Wahl­beteiligung etwas stärker. Der Wahlakt ist, soweit bisher bekannt, nirgends durch Zwi­schenfälle gestört worden. Im Straßenbild machte sich der Wahltag nur durch einige M/atträger bemerkbar. Vom Ministerium des Innern waren umfassende Vorkehrungen getroffen, um Zwischenfälle schon im Keime zu ersticken. Die Teilnahme der Jugend­lichen an Umzügen und an den Autoagita­tionsfahrten war vom Ministerium verboten worden.

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TU. Berlin, 26. Okt. (Telunion.)

Bis 2,55 Uhr nachts waren die Wahler­gebnisse aus 2082 von 2421 Bezirken errech­net. Danach entfielen auf: Sozialdemokra­ten 507 280, Deutschnationale 316 720, Deut­sche Volkspartei 91469, Kommunisten 304 149, Demokraten 150 354, Wirtschafts- Wtei 63 828, Zentrum 55 366, Unabhängige 23 224, Deutschvölkische 23 586, Deutschsozia­le 21829, Evangelischer Gemeinschaftsbund 15193.

TU. Berlin, 26. Okt. (Telunion.)

Während der Wahlsonntag in Berlin bis in die Nachmittagsstunden hin in allen Stadtteilen ziemlich ruhig verlief, kam es kurz vor 5^[u^ des Wahlaktes an einzelnen Stellen zu kleineren Zusammenstößen. In den meisten Fällen handelte es sich über um ziemlich harmlos verlaufene Reibereien, vorwiegend zwischen Anhängern der extre­men Gruppen. Ernsteren Charakter hatten dur einige wenige Zusammenstöße. In Spanhau kam es zu Streitigkeiten zwischen Nationalsozialisten und Reichsbannerleu- ten, die schließlich in eine Messerstecherei aus- arteten. Ein 26jähriger Arbeiter erhielt einen Stich in die rechte Hand, ein tvzahrjger Bäcker einen Stich in den Rücken.

Schutzpolizei nahm beide in Gewahrsam "^filhrte sieben weitere an dem Vorfall ??'"eteiligte Personen nach dem Polizeiprä- vtum. Ein weiterer Zusammenstoß zwi- lchen etwa 100 Kommunisten und 20 Reichs- aliXf^ am Helmholtz-Platz verlief ^* 3wet Reichsbannerleute erlitten » Verletzungen und wurden an Ort .»Stelle verbunden. Drei Kommunisten wn« r^?0 d" Polizei festgenommen. Et- Ktt.r - ^âfter ging es in der Gegend des ma»!^endammes zu. Während eines De- rin.» ^»bzuges kam es am Mittag zu

, Schlägerei zwischen Reichsbannerleu- Ein si Angehörigen der Rechtsparteien. Kops» gehöriger der Rechtsparteien trug näckk« Atzungen davon und wurde auf dem hj,,'^n Polizeirevier verbunden. Auch «ahm r I ^* Polizei sehr rasch ein und Sifins tiCtt stark bedrängte Personen in Ptonn« NM der zunehmenden $Ba§U bnn aÄi «m Nachmittag häuften sich 5 st.,» A ^ Ausschreitungen. Gegen halb von L.. * die Polizei drei Lastautos an, knen aus das Publikum mit Steinen

Kn»- "»°yori S-rletzun!

DerRücktrittder deutsch­nationalen Minister.

Beschluß der Reichstagsfraktion. Vertrauensvotum für den Vorstand. 3n Erwartung der nächsten Besprechungen.

TU. B e r l i n, 25. Okt. (Telunion.)

Der Vorstand der deutschnationalen Reichstagsfraktion trat am Sonntag nach­mittag 5 Uhr zusammen und beriet über die durch den Entschluß des Parteivorstandes und der Landesverbandsvorsitzenden vom Freitag abend geschaffene Lage. Nach ein­stündiger Beratung begann 6.20 Uhr die Sitzung der Fraktion» die von über 60 Mit­gliedern besucht war. Reichsinnenminister Schiele nahm an der Sitzung teil. Nachdem Graf Westarp, der Vorsitzende der Fraktion, Bericht erstattet hatte und den Vorschlag des Fraktionsvorstandes vorgelegt hatte, nahm die Fraktion schon kurz vor 7 Uhr, also nach ganz kurzer Aussprache den Vor­schlag des Fraktionsvorstandes einstimmig an und beschloß danach:

»Infolge des Beschlusses der Reichs­tagsfraktion vom 21. Oktober und des Parteivorstandes und der Landesver­bandsvorsitzenden der deutschnationalen Volkspartei vom 23. Oktober billigt die Fraktion den Entschluß der Herren Mi­nister Schiele, Neuhaus und Schlieben, noch heute um ihre Entlassung nachzu­suchen."

Nach dem gefaßten Beschluß verließ Mi­nister Schiele die Sitzung. Die Fraktion blieb aber noch weiter zusammen und sprach sich über die Lage aus.

TU. B e r l i n, 25. Okt. (Telunion.)

Wie die Telunion erfährt, haben die Mi­nister Schiele, von Schlieben und Neuhaus entsprechend der in der deutschnationalen Entschließung enthaltenen Ankündigung am Sonntag abend 9 Uhr dem Reichskanzler ihr Rücktrittsgesuch überreicht.

bombardiert worden sein soll. Bei der Durchsuchung des Autos wurde noch eine Anzahl von Steinen gefunden. Die gleiche Feststellung machte die Polizei bei zwei kommunistischen Wahlautos. Die Ermitte­lungen hierüber sind noch nicht abgeschlossen, doch handelt es sich au chhier um verhältnis­mäßig kleinere Zwischenfälle» da die bei der Rettungsstelle 7 eingelieferten» durchweg durch Steinwürfe verletzten zehn Personen nach Anlegung von Notverbänden in ihre Wohnungen entlassen werden konnten. Das Interesse des Publikums an den Wahlen trat am Nachmittag etwas stärker in die Er­scheinung. Die Wahlbeteiligung war in den meisten Bezirken mittelstark.

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TU. Berlin» 25. Okt. (Telunion.)

Der Zusammenstoß am Kurfürstendamm zwischen Angehörigen der Deutschnationalen Volkspartei und Kommunisten kurz vor Wahlschluß ist ernsthafter als man zuerst annahm. Ein Lastauto der Deutschnationa­len begegnete drei Autos der Kommunisten. Nach höhnischen Zurufen von beiden Seiten kam es vor dem Hause Kurfürstendamm 12 zu einer etwa 15 Minuten dauernden Prü­gelei. Die Demonstranten schlugen mit Pflastersteinen und Lysolflaschen aufeinan­der ein. Vier Deutschnationale wurden schwer verletzt. Ein gewisser Rudolf Worm trug Verletzungen an beiden Augen davon. Ein zweiter Deutschnationaler erlitt einen Schädelbruch» ein dritter büßte als Folge der Schläge die Sehkraft des linken Auges ein. Am schwersten verletzt wurde ein Kauf­mann Walter Hechmann» der durch einen schweren Schlag mit einem Knüppel oder Stein einen Bluterguß erlitt und die Seh­kraft auf beiden Augen verlor. Weitere sechs Personen wurden durch Glassplitter

TU. V e r l i n, 25. Okt. (Telunion.)

Wie die Telunion erfährt, waren zu der Fraktionssitzung der Deutschnationalen auch Vertreter aus Baden, dem Rheinland, West­falen und Württemberg erschienen. Im wei­teren Verlauf der Beratung wurde dem Fraktionsvorstand das Vertrauen der Frak­tion ausgesprochen.

TU. B e r l i n, 25. Okt. (Telunion.)

Wie die Telunion von unterrichteter Seite erfährt, ist im Laufe der Sonntag Nacht irgend eine Entscheidung zu den Ent­lassungsgesuchen der drei deutschnationalen Reichsminister nicht mehr zu erwarten. Der Kanzler nahm heute abend gemeinsam mit dem Neichsaußenminister Dr. Stresemann und den Schatzsekretären dieser beiden Res­sorts an einem Essen teil, das in der ägyp­tischen Gesandtschaft vom Premierminister Ziwar Pascha veranstaltet wurde.

Gerüchte» denen zufolge der Kanzler nach der Ueberreichung der Demissionsgesuche noch eine Unterredung mit dem Reichsprä­sidenten haben sollte» können auf das Be­stimmteste dementiert werden. Tatsächlich hat der Kanzler, bevor er in die ägyptische Botschaft fuhr, beim Reichspräsidenten einen Besuch gemacht» zu einem Zeitpunkt also» als die Demissionsgesuche noch gar nicht vor­lagen. Im Laufe des Montags dürfte sich wahrscheinlich das Rumpfkabinett versam­meln» um die Lage zu beraten. Ferner sind Besprechungen des Kanzlers mit dem Reichspräsidenten selbstverständlich. Es er­gibt sich aus der Lage» daß der Kanzler mit den Parteiführern Fühlung nehmen wird, um darauf die Entscheidungen für die wei­tere Entwickelung aufzubauen. In poli­tischen Kreisen wird die Lage ruhig beur­teilt. Es liegt Grund für die Annahme vor, daß die weiteren Entscheidungen ohne Hast gefaßt und durchgeführt werden.

und Steinschläge leichter verletzt. Die poli­zeilichen Ermittlungen in der Angelegenheit gehen noch weiter, doch wird von den Stra- ßenpassanten übereinstimmend ausgesagt, gaß die Kommunisten den Anlaß zu der Schlägerei gaben.

TU. B a s e l, 26. Okt. (Telunion.)

Die Neuwahlen für den Nationalrat und für einen Teil des Ständerates ergeben» so­weit sich bei dem verwickelten schweizerischen Wahlsystem bis jetzt übersehen läßt, keine irgendwie politisch in Betracht kommenden Aenderungen der bisherigen Einteilung. Die endgültigen Resultate dürften erst im Laufe des Montags oder Dienstags zu er­warten sein. Die Bauernpartei, die sich in einem Panton zersplittert hat, hat einige Sitze verlorenn. Die Sozialisten haben in St. Gallen einen Sitz gewonnen. Im Kan­ton Basel-Stadt muß wegen des Stände- rats-Mandats eine Stichwahl stattfinden. Infolge Sprengung des bisherigen Bürger­blocks standen zwei bürgerliche Kandidaten einem Sozialisten gegenüber, der dadurch 2000 Stimmen mehr auf sich vereinigte.

Vor dem Rücktritt der französischen Regierung.

P a r i s, 26. Okt.Paris Soir" dürfte die allgemeine Stimmung zum Ausdruck brin­gen, wenn er schreibt, daß der Rücktritt der Regierung jetzt unvermeidlich erscheint. Friedensverhandlungen inTanger

TU. P a r i s, 26. Okt. (Telunion.)

Nach einem Telegramm aus Madrid soll Abd el Krim in Begleitung von zwei Euro­päern und mehreren Eingeborenen nach Tanger abgereist sein. Es wird angenom­men, daß es sich um Besprechungen über die Friedensbedingungen handle.

Die ntne Lage in Marokko.

Seit bald einem halben Jahre stellt das nordafrikanische Rifgebiet wieder einmal einen Kriegsschauplatz dar. Eigentlich hat dieses Land im Laufe der letzten Jahre überhaupt nicht aufgehört, ein solcher zu sein. Während aber früher es nur die Spa­nier waren, die gegen dieRifpiraten" er­folglose Feldzüge unternahmen, stehen ih­nen jetzt die Franzosen als ihre großen Bundesgenossen zur Seite. In wieweit die Franzosen ihrem militärischen Unterneh­men eine Bedeutung zumessen, erhellt schon aus der Tatsache, daß sie, zusammen mit den Spaniern, nicht weniger als 200 bis 250000 Mann starke Armeen dort konzentriert ha­ben. Daß ferner der frühere Oberbefehls­haber der französischen Armee in Marok­ko, General Liautey, abgesetzt wurde und Frankreichs bedeutendste Militärkraft Mar schall Petain beauftragt wurde, dieRif- sche Rebellerei" zu liquidieren, ist ein wei­terer Beweis für das Gesagte.

Allerdings waren und sind noch heute manche strategisch-politischen Vorteile auf der Seite der Kabylen. Daß aber im allge­meinen Abd el Krims Lage er verfügt im ganzen über kaum 40 50000 Krieger nicht allzu günstig sein würde, stand von Anfang an fest. Dadurch ist auch der teil­weise Erfolg zu erklären, den die Gegner der Rifleute erst nach langen und harten Kämpfen erzielt haben: die Franzosen ha­ben bekanntlich ihre Front beträchtlich vor­gerückt, und im Norden hat auch Abd el Krim seine Residenz Ashdir räumen müs­sen. Es wäre aber durchaus verfehlt, da­raus den Schluß zu ziehen, daß die Fran­zosen und die Spanier bald in der Lage sein werden, Abd el Krim zu zwingen, zu kapitulieren. Wer die marokkanischen Ver­hältnisse und die Rifleute etwas näher kennt, der muß eine solche Möglichkeit ab­solut abstreiten. Denn auch die Zeit arbei­tet für die Rifleute.

Die Hauptsache ist ja die, daß die Streit­kräfte der Rifleute im großen und ganzen unbeschädigt geblieben sind. Abd el Krim hat sich zwar in die Berge zurückgezogen, aber nur, um dort seine militärischen Kräf te wieder schlagfertig zu machen. In der Tat besagen auch die neueren Nachrichten vom Kriegsschauplätze, daß die Rifleute schon wieder bereit sind, Angriffe gegen die Fein­de zu unternehmen. Alle Bemühungen der Spanier und der Franzosen, abgefallene Rifstämme wieder zu unterwerfen, sind bis heute, trotz offizieller Meldungen, erfolglos geblieben. Im Gegenteil: viele Stämme, die bisher am Kriege aktiv nicht beteiligt waren, scheinen nun bereit zu sein, zusam­men mit Abd el Krim für die allgemeine Sache zu kämpfen. Daß also die militäri­sche Lage der Spanier und Franzosen nicht so glänzend ist, wie es die offiziellen Com- muniques zu schildern pflegen, steht fest.

Andererseits ist auch die jetzige Jahres­zeit für Abd el Krim von großem Vorteil. In Nordafrika hat nämlich schon die Re­genzeit begonnen. Der marokkanische Re­gen macht jede freie Bewegung auf dem Kriegsschauplätze unmöglich. Auch fran- zösischerseits wird mitgeteilt, daß das Kom­mando nicht beabsichtige, die Offensive wäh rend der Regenzeit fortzusetzen, das heißt also daß die Operationen bis zum Frühling verschoben werden muffen. Das ist schon an sich ein großer Zeitgewinn für die Rifleute und ein günstiges Moment in ihrem Kam­pfe gegen die vereinigte Macht der Geg­ner. Also Abd el Krim gibt infolge seines teilweisen Mißerfolges keineswegs seinen Kampf auf. Im übrigen ist es eine Frage für sich, ob die Spanier, und namentlich die Franzosen, angesichts der öffentlichen Meinung in ihrân Lande in der Lage sein werden, ihre Truppen noch sehr lange in Marokko zu halten.

Hier kommen außer den militärisch-stra­tegischen Erwägungen noch politische in Be­tracht. Painleve und andere französische Staatsmänner haben sich immer in dem Sinne geäußert, daß sie keine Eroberungs­pläne in Marokko verfolgen. Erst vor ganz kurzem hat auch Herriot auf dem radikal- sozialistischen Parteitage, dessen Führer er war, denfelben Gedanken entwickelt. Je­dermann in Frankreich dürftet nach Frie-