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Mm Armblatt, Anzeiger für Rhön nnd Dngelsdcrg, Aldn° nnd Haunetal

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Nr. 246

Freitag, den 30. Oktober 1925, mittags

59. (2.) Jahrgang

S

£3

Das neue französische I Kabinett.

Verschärfung der inner

TU. Paris, 29. Okt. (Telunion.)

Die Ministerliste des neuen Painleve- Kabinetts, die noch heute vormittag offiziell bekannt gegeben werden wird, zeigt folgende Zusammensetzung: Painleve, Minister­präsident und Finanzen; Briand, Aus­wärtiges; Chautemps, Justiz; Schra - mek^Inneres; D^^dier, Krieg; de M o nz i o, öffentliche Arbeiten; Borel, Marine; Durand, Ackerbau; Chau- met, Handel; Delbosse, Unterricht; Motel, Kolonien; Anterion, Pensio- iiett.

Nächtliche Besprechungen Painlevès.

TU. Paris, 29. Okt. (Telunion.)

Falls keine unvorhergesehenen Schwie­rigkeiten in letzter Minute eintreten, wird das Kabinett Painleve im Laufe des heuti­gen Vormittags gebildet werden und sich am Nachmittag dem Präsidenten der Republik vorstellen. Painleve verbrachte einen großen Teil der Nacht im Gespräche mit den Per­sönlichkeiten, die für den Eintritt in das Kabinett in Frage kommen. Blum und Paul Voncourt wurde die Frage vorgelegt, ob sie sich eventuell zum Eintritt in die Ne- sietuna bereit finden würden, was von bei­den Parteiführern verneint wurde.Man hat indessen Grund, anzunehmen," schreibt die dem Kartell nahestehendeEre Nouvel­le",daß die Sozialisten eine dem Kabinett wohlwollende Neutralität beachten werden." Die Verteilung der Portefeuille gab zu ei­nem langen Meinungsaustausch Anlaß, der sich bis drei Uhr morgens hinzog. Für das Finanzministerium kamen verschiedene Per­sönlichkeiten in Frage, Doch hatte man zu­letzt den Eindruck, daß Painleve sich dazu entschließen werde, das Kriegsministerium gegen das Finanzministerium zu vertau­schen. Im übrigen nimmt Painleve eine Reihe von Mitarbeitern in das neue Kabi­nett hinüber, wie Schramek, de Monzie, Vo» <el und andere. Caillaux hat seinerseits Painleve seiner Unterstützung versichert, ebenso die Gruppe Loucheur, die wahrschein­lich durch ihre Führer im Kabinett vertreten sein wird.

Die neuen Männer in Paris.

TU. P a r i s, 29. Okt. (Telunion.)

Die heute vormittag bekannt gewordene Ministerliste des neuen Kabinetts Painleve hat in letzter Stunde einige Veränderungen erfahren. Der Ministerpräsident wird selbst üö5 Schatzministerium übernehmen, wäh­rend . das Finanzministerium von Bonnet verwaltet werden wird. Das Handelsmi- nisteriuul soll mit Perrier und das Kolo- malministerium mit Vincent Daniel oder Hesse besetzt werden. Die Unterstaatssekre- lariate sollen von Berthod (Ministerpräsi- "Wm), Jammy Schmidt (befreite Gebiete), Mnac (Luftfahrt), Benazet (technischer Un- rrricht), Danielou (Handelsmarine) über­nommen werden. Chaumet soll zum Gou­verneur der Bank von Frankreich ernannt werden.

^or der Minisiervorstellung bei Doumergue.

TU. P a r i s, 29. Okt. (Telunion.) Bis gegen 5 Uhr morgens hat sich Pain- um die Neubildung des Kabinetts be-

Die soeben bekannt gewordene Mi- ''merliste kann nur dahingehend noch eine Änderung erfahren, daß das Finanzministe- "u von Bonnet übernommen werden wird.

1 *e Minister Chautemps und Daladier hat- en heute morgen noch den Wunsch geäußert, ihrem endgültigen Eintritt ins Kabi-

ihre radikalsozialistische Partei noch Ju befragen. Fest steht, daß die t de* Unterstaatssekretäre unverändert werden. Um 10 Uhr wird Minister- uih Painleve seine neuen Mitarbeiter sich versammeln und sie dann gegen Mit- stelle "m Präsidenten der Republik vor-

politischen Krise

Wichtige diplomatische Anterhandlungen. Keine sofortige Einberufung des Reichstages. Vorbehalt des Zentrums.

Berlin, 30. Oktober.

(Eigener Informationsdienst. Telegr.)

Zn den parlamentarischen Kreisen ist man der Ansicht, daß sich die innenpolitische Krise durch den Beschluß der Sozialdemokra­tie, unter allen Umständen die Reichstags- auflösung zu erzwingen, überaus verschärft hat. Der Regierung Luther bleibt jetzt nur noch die Möglichkeit offen, sich wieder mit den Deutschnationalen zu verständigen oder aber der Linken die geforderten Garantien zu geben. Eine andere Möglichkeit vermö­gen die maßgebenden parlamentarischen Kreise nicht zu sehen, nachdem auch die De­mokraten erklärt haben, daß sie die gegebene Lösung nur in der Bildung der Regierung der großen Koalition erblicken könnten. Aus diesem Grunde dürften in den nächsten Ta­gen neue Besprechungen zwischen den füh­renden Kreisen der Volkspartei und den Deutschnationalen stattfinden, deren Ziel es ist, eine nachträgliche Revision des deutsch­nationalen Beschlusses über die Locarno- Verträge herbeizuführen.

Berlin, 30. Oktober.

(Eigener Informationsdienst. Telegr.)

Die Unterredung, die zwischen dem deut­schen Botschafter in Paris, Dr. von Hoesch, und dem französischen Außenminister Briand stattgefunden hat, steht im engsten Zusam­menhang mit den diplomatischen Aktionen der Reichsregierung über die Erklärung der politischen Rückwirkungen des Sicherheits­paktes. Wie wir erfahren, hat auch ein sehr lebhafter Gedankenaustausch zwischen dem Außenminister Dr. Stresemann und dem englischen Botschafter in Berlin, Lord d'Abernon, stattgefunden. In -ixen Kreisen des Auswärtigen Amtes verlautet, daß sich

Französischer Katzen­jammer über Syrien.

TU. Paris, 29. Okt. (Telunion.)

Die französische Presse bespricht in erreg- Artikeln die Lage in Syrien, die sich nach

ten

den letzten Berichten äußerst bedrohlich ge­staltet hat. Painleve habe gestern abend auf Befragen die Lage als äußerst ernst be­zeichnet, habe aber aus dem einfachen Grun­de nicht mehr sagen können, weil General Sarrail in seinem Berichte nur von der Wit­terung und den Lebensmittelpreisen spreche und in einem Nachsatz von zwei Zeilen den Regierungschef auf die Zwischenfälle hin­weist, die von einer ungeheuerlichen Bedeu­tung seien. Selbstverständlich müsse Damas­kus gegen die Drusen verteidigt werden. Es fragt sich nur, ob die Drusen ohne die ab­scheulichen Maßnahmen des Generals Sar­rail den Vormarsch aus Damaskus über­haupt allgetreten hätten. Wäre es wirklich nötig gewesen, daß Frankreich als Beauf­tragter des Völkerbundes ganze von Euro­päern bewohnte Stadtviertel ohne vorheri­ge Benachrichtigung bombardierte und sich der Demütigung eines Protestschrittes des Konsulkorps aussetzte, der von dem deutschen Konsul in seiner Eigenschaft als Doyen un­ternommen wurde? Der Skandal von Sy­rien dürfte nicht vom Standpunkt freund­schaftlicher Rücksichten oder parteipolitischer Erwägungen aus beurteilt werden. Tatsache sei, daß General Sarrail so vorgehe, als ob er das Ansehen Frankreichs zu Grunde rich­ten wolle.

TU. Paris, 29. Okt. (Telunion.)

Daily Mail" wird aus Bagdad gemel­det, daß sämtliche Dörfer um Damaskus sich

schon jetzt eine wesentliche Entspannung der augenpolitischen Lage ergeben habe und daß in Berlin auch jetzt wieder bestimmte Zu­sicherungen der alliierten Staatsmänner vorliegen, aus denen hervorgeht, daß die Erfüllung der deutschen Forderungen in Be­zug auf die Rückwirkungen des Paktes nach wie vor nicht in Frage gestellt werden kön­nen.

Berlin» 30. Oktober.

(Eigener Informationsdienst. Telegr.)

Wie wir hören, haben die Führer des Zentrums der Reichstagsfraktion der Deut­schen Volkspartei mitgeteilt, daß die Zen- trumsfraltion sich nach dem Austritt der Deutschnationalen aus der Regierung Lut­her ihre Handlungsfreiheit vorbehalten werde. Insbesondere macht das Zentrum ferne weitere Haltung davon abhängig, ob die Deutschnationalen für oder gegen den Sicherheitspakt stimmen werden.

Berlin, 30. Oktober.

(Eigener Informationsdienst. Telegr.)

Wie wir hören, beabsichtigt die Sozial­demokratie nicht, den kommunistischen An­trag auf sofortige Einberufung des Reichs­tages zu unterstützen. Ein Anschluß an den kommunistischen Antrag komme für die so­zialdemokratische Reichstagsfraktion nur dann in Frage, wenn in letzter Stunde eine neue Situation eintreten würde, durch die das Mißtrauen gegenüber der Regierung Luther weiter verschärft werden würde. Auf der anderen Seite ist die Sozialdemokratie der Ansicht, daß der Zusammentritt des Reichstages unter keinen Umständen über den November verschoben werden dürfe.

empört haben. Die Eisenbahn Beirut Da­maskus wurde von den Aufständischen be­setzt und Kolonnen des Generals Gamelin der Rückzug abgeschnitten.

Auch Amerika meldet sich in Paris

TU. P a r i s, 29. Okt. (Telunion.)

Wie die Morgenblätter melden, erhielt der amerikanische Botschafter in Paris den Auftrag von seiner Regierung, bei Painleve über den Schutz von Leben und Eigentum der in Damaskus ansässigen Araber vorstel­lig zu werden.

Dr. Luthers Rede in Essen.

TU. E s s e n , 29. Okt. (Telunion.)

Im Städtischen Saalbau in Essen sprach gestern Reichskanzler Dr. Luther über die Verhandlungen in Locarno. Die Rede des Kanzlers wird in parlamentarischen Krei­sen als eine Selbstverteidigung gewertet, bei der der Reichskanzler mehr der Sache des Sicherheitspaktes als der tatsächlichen Klar­stellung von Bedenken dienen wollte. Man hatte zwar in parlamentarischen Kreisen er­wartet, daß der Reichskanzler die Rede in Essen gleichzeitig benutzen werde, um poli­tische Bedenken über den Inhalt der Ver­träge, die augenblicklich auch Gegenstand der diplomatischen Verhandlungen in Paris sind, vor der Oeffentlichkeit bekannt zu ge­ben und den Standpunkt Deutschlands in diesen Fragen gegenüber Frankreich und England zu verteidigen. Der Kanzler hat es aber vorgezogen, in seiner Rede nur die Beweisgründe aufzuzählen, die die Regie­

rung von vornherein für die Annahme der Verträge von Locarno angeführt hatte.

Zum Schluß äußerte sich der Reichskanz­ler, es seihinsichtlich der Frage der Kolo­nien in den Erörterungen in Locarno aus­drücklich anerkannt, daß für Deutschland die rechtlichen Voraussetzungen für die Verleih­ung von Kolonialmandaten bestehen".

Novellen zum Finanzausgleich.

TU. V e r l i n , 29. Okt. (Telunion.)

Der Hauptausschuß des preußischen Land­tages beschäftigte sich in seiner gestrigen Abendsitzung mit einem Entwürfe zur Rege­lung der Steuerverteilung. Der Entwurf zeigt die Folgerungen aus der Neuregelung auf Grund des Neichsgesetzes vom 10. August und bringt einige dringende Verbesserungen der Steuerverteilungs-Schlüsselung zu Gun­sten leistungsschwacher Gemeinden. Der preußische Finanzminister Höpker-Aschoff ließ in Ergänzung seiner bereits im Plenum des Landtages gemachten Ausführungen über die Notwendigkeit einer stärkeren Be­teiligung des Staates am Ertrag der Um­satzsteuer durchbliâen, daß die süddeutschen Länder auf die Reichssteuern-Ueberweisun- gen zu Gunsten ihres Landes die Hand leg­ten. Es sind zur Zeit begreiflicherweise star­ke Strömungen im Gange, den Anteil des Reiches von 50 Proz., umzuändern in eine Beteiligung von einem Drittel zu zwei Drit­tel.

Aus der Tagesgeschichte.

Generalleutnant Müller tödlich verunglückt.

TU. Iüterbog, 29. Okt. (Telunion.)

Bei einem heute nachmittag auf dem Truppenübungsplatz Jüterbog abgehaltenen Scharfschießen von Artillerie und Infante­rie wurde der Kommandeur der vierten Di­vision in Dresden, Generalleutnant Mül­ler, durch ein verirrtes Jnfanteriegeschoß, das ihm in den Unterleib drang, tödlich ver­letzt.

Wie dieTelegraphen-Union" hierzu von zuständiger Stelle erfährt, war Generalleut­nant Müller von Dresden herübergekom­men, um dem Scharfschießen eines Batail­lons seiner Division beizuwohnen. Der Ge­neral hielt sich in der Nähe der Truppen auf, als er tödlich getroffen zu Boden sank. So weit es sich bisher übersehen läßt, han­delt es sich um eine verirrte Kugel. Nähere Untersuchungen sind eingeleitet worden. Ge­neralleutnant Müller ist als Befehlshaber der sächsischen Truppen aus den kommunisti­schen Unruhen bekannt. Er unterdrückte da­mals als Landeskommandant von Sachsen die Aufstandsbewegung und stellte im Lan­de die Ruhe und Ordnung wieder her.

Schwere Explosion in Reinickendorf.

TU. Berlin, 29. Okt. (Telunion.)

Heute früh 8.10 Uhr hat sich in der Gum­milösungsfabrik von Borchers in Reinicken­dorf, Rödernallee 76, eine schwere Explosion ereignet, wobei zwei Arbeiter schwer und zwei leicht verletzt wurden.

Vor einer Kabinettskrise in Polen.

TU. Danzig, 29. Okt. (Telunion.)

DieDanziger Zeitung" bringt unter der UeberschriftRekonstruktion des Kabi­netts Grabski?" eine Meldung aus War­schau, die besagt:Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, beabsichtigt Grabski eine Rekonstruktion seines Kabinetts vorzuneh­men . Es sollen demissionieren der Arbeits­minister, der Iustizminister und der Mini­ster für öffentliche Arbeiten. Der bisherige Arbeitsminister Sokhal geht in den diplo­matischen Dienst über und übernimmt die polnische Vertretung im Völkerbund. Sein Portefeuille und das des Ministers für öf­fentliche Arbeiten wird Grabski zur Stär­kung seiner Position den Linksparteien an- bieten. Ob dadurch die Gefahr behoben werden kann ist mehr als zweifelhaft."

Eine Kältewelle in Amerika.

Chicago, 29. Okt. (Privat-Tel.) Chicago und die nordwestliche Ebene lei­den gegenwärtig unter einer Kältewelle, der schlimmsten, die man je im Oktober fest­stellte. Eisige Winde von Alaska führten dazu» daß das Thermometer auf 16 Grad Kälte fiel.