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Nr. 247
Samstag, den 31. Oktober 1925, mittags.
59. (2.) Jahrgang
Die Loearno-Richtliuien der deutschnationalen Partei.
Die Meinung der VerLreLerNersamMlung in Dresden. Ksme Spaltung der DeutschnMsnalen^ Paris rechtfertigt das Mißtrauen der Deutschnatisnalen.
TU. B e r l i n, 30. Okt. (Telunion.)
Von deutschnationaler Seite erhält die Telegraphen-Union den Wortlaut der Entschließung, die von der deutschnationalen Reichstagsfraktion unmittelbar vor ihrer Zustimmung zur Annahme der Einladung von Locarno dem Kabinett bekanntgegeben wurden. Die Entschließung lautet:
A. Die Antwortnote muß zum Ausdruck bringen:
1. Deutschland hält an der Note vom 20. Juli als Grundlage für weitere Besprechungen und Verhandlungen fest.
2. Die Beratung der Außenminister hat nur einen formellen und vertraulichen Charakter, bindende Abmachungen auch über Einzelpunkte finden also nicht statt.
Ä Spätestens gleichzeitig mit der ''
rvfl nähme der Einladung wird den Signatâr- ten II. I ittächten des Versailler Vertrages gegenüber ">d l Lurch Erklärung der deutschen Reichsregie-
5. Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund erfolgt nur, wenn
1. alsbaldige Verhandlungen über die allgemeine Abrüstung gesichert sind,
2. im Hinblick auf die allgemeinen Ab- rüstungsmaßnahmen des Völkerbundes, denen auch Deutschland sich unterwerfen wird und auf die bereits durchgeführte völlige Entwaffnung Deutschlands alsbald alle einseitigen Entwaffnungs- und Kontrollmaßnahmen gegen Deutschland (vor allem die Jnvestigationsbeschlüsse) sistiert werden,
3. bis zur Durchführung der allgemeinen Abrüstung durch rechtlich bindende Abmachungen die Anwendung des gesamten Inhalts des Artikels 16 der Völkerbundssatzung auf Deutschland ausgeschlossen wird.
ä. Tue jchließtlche Annahme oer Vertrüge bleibt davon abhängig, daß bei den Verhandlungen etwa unter Hinweis
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rung das erzwungene Schuldbekenntnis des Art. 231 ausdrücklich aufgesagt.
C. Folgende Grundsätze werden durch Kabinettsbeschluß für die weiteren Verhandlungen und Besprechungen festgelegt:
Fr Eine Konferenzeinladung an Deutsch- land wird nicht angenommen werden, wenn nicht vorher die Entwaffnungsnote befriedigend erledigt und die Räumung der Kölner Zone zu einem bestimmten, möglichst nahen Termin F vertraglich sichergestellt ist.
2 . Die Konferenzeinladung wird weiter nicht angenommen werden, wenn nicht die Beseitigung aller Rechtswidrigkeiten des Vesatzungsregimes im besetzten Rheinland und Saargebiet und eine Revision des Rheinlandabkommens sowie der erlassenen Ordonnanzen sicher- gestellt ist.
3 - Ein Verzicht auf deutsches Land und Volk ist schon im Hinblick auf das Eelbstbestimmungsrecht der Völker unmöglich, daher darf ein abschließender Sicherheitspakt nichts weitergehendes als ein Verzicht auf Angriff, Einfall oder Krieg zur Aenderung der bestehenden deutschen Grenzen im Westen enthalten. Dies ist von der Reichsregierung auch der Oeffentlichkeit gegenüber klarzustellen. Die Präambel des Londoner Entwurfes ist entsprechend zu ändern.
Weitere Einzelvorschläge siehe Anlage.
41 Ein Sicherheitspakt und Schiedsverträge sind nur anzunehmen, wenn
1- Jede Garantie östlicher Verträge durch Frankreich ausgeschlossen wird.
2. Politische Fragen, namentlich Streitfragen über die Grenzen lediglich dem Vergleichsverfahren unterworfen werden.
3. Der unparteiische und paritätische Charakter des Schiedsverfahrens sichergestellt ist.
auf Artikel 431 eine Abkürzung der Besatzungsfrist in der zweiten und dritten Rheinlandzone und eine frühere Volksabstimmung im Saargebiet erreicht wird.
reits bei den melden.
Anlage zu C 3: Beschränkung eines cherheitspaktes und
Diese-Forderung ist be- Vorbesprechungen anzu-
Jeder Zweifel über die durch Annahme des Si- Eintritt in den Völker-
bund auszusprechenden Verzichtes wird ausgeschlossen, wenn Folgendes erreicht wird:
1. Ausdrücklicher Vorbehalt Deutschlands gegenüber Art. 10 der Völkerbunds-
2.
3.
satzung.
Aenderung des bezüglichen Paktes der Präambel des Londoner Entwurfes.
Zeitliche Begrenzung dèr deutschen
Verpflichtung durch Einführung eines wirksamen Kündigungsrechtes jedes vertragsschließenden Teiles. Dies ist zu erreichen:
a) Aenderung des Artikels 8 des Londoner Entwurfes,
b) Zusatz zu Art. 11 des Londoner Entwurfes, daß Pakt- und Schiedsvertrüge nur so lange in Geltung bleiben, als sämtliche Signatarmächte dem Völkerbund angehören,
c) ausdrückliche Anerkennung, daß die in Art. 1, Absatz 3 der Völkerbundssatzung aufgestellte Voraussetzung für ein Kündigungsrecht fürDeutsch- land hinsichtlich seiner Reparations- Verpflichtungen durch das Dawesabkommen, hinsichtlich seiner Entwaffnungsverpflichtungen durch Erledigung der letzten Entwaffnungsnote erfüllt ist.
TU, D r e s d e n , 30. Okt. (Telunion.) Zn einer Vertreterversammlung des deutschnationalen Landesverbandes Sachsen, die gestern abend stattfand, wurde nach Reden der Reichstagsabgeordneten Dr. Quaatz und Graf Westarp folgende Entschließung angenommen:
„Die Parteivertretung des Landesverbandes Sachsen der Deutschnationalen Volkspartei hält das Ergebnis von Locarno für verderblich für Deutschlands politische und wirtschaftliche Zukunft, denn es bedeutet die dauernde freiwillige Hörigkeit von Volk und Wirtschaft. Die Parteivertretung begrüßt die Entschlüsse des Parteivorstandes und der Reichstagsfraktion und spricht beiden sowie ihren Führern Dank und Vertrauen aus. Der Rücktritt der deutschnationalen Reichs- Minister ist eine letzte Mahnung an das nationale Gewissen des deutschen Volkes. Nach unserer Auffassung stehen wir in einer Front mit allen Kreisen der vaterländischen Bewegung."
Aus der Rede des Grafen Westarp ist folgendes hervorzuheben: „Wenn jetzt gesagt werde, die Deutschnationalen seien ab- gewichen, so müsse dem entgegengehalten - ? ^it, daß nicht die- Deutschnationalen, sondern die andern von den getroffenen Vereinbarungen abgewichen seien. Es sei falsch, daß die deutschnationalen Minister der Paraphierung zugsstimmt hätten.
Das Kabinett habe dazu seine Zustimmung nicht gegeben. Es sei verfassungsmäßig dazu auch gar nicht in der Lage gewesen. Die Paraphierung haben Luther und Stresenmann auf eigene Verantwortung unternommen. Das Kabinett habe nichts weiter beschossen, als daß die Verhandlungen auf der alten Grundlage der Note vom 20. Juli fortgesetzt würden.
Solange die Schuldlüge auf uns laste, seien wir nicht gleichberechtigt. Erreicht habe man, daß das Schuldbekenntnis in amtlicher Form widerrufen sei.
B e r l i n, 31. Okt.
(Eigener Informationsdienst. Telegr.) Von deutschnationaler Seite erfahren wir, daß die in den letzten Tagen mehrfach in der Oeffentlichkeit erörterte Gefahr einer Spaltung der Deutschnationalen Partei oder der deutschnationalen Reichstagsfraktion überhaupt nicht besteht. Die Beratungen der Partsioorstände hätten vollste Einmütigkeit ergeben und man könne schon jetzt Voraussagen, daß das Votum der deutschnationalen Fraktion im Reichstage einstimmig ausfallen werde.
TU. Pari 's, 30. Okt. (Telunion.) " Die vorgestrige Rede Dr. Luthers wird im großen und ganzen in Paris günstig ausgenommen. Der „Temps" hebt in einem Kommentar besonders hervor, daß die Interpretierung, die Luther dem Artikel 16 gegeben habe, richtig zu sein scheine. Deutschland könne nicht zu einem Krieg gegen Rußland gezwungen werden, es sèi denn nach Maßgabe seiner Mittel und im Rahmen einer Völkerbundsaktion. Diese Auslegung müsse zur Folge haben, daß die deutschnationale Presse ihre Bedenken gegen Deutschlands Eintritt in den Völkerbund nunmehr ausgebe. (Aus vorstehender Meldung geht klar hervor, daß das Mißtrauen der Deutschnationalen vollständig gerechtfertigt ist. Die Red.)
Syrien.
Schwere Verluste der Franzosen.
TU. P a r i s, 30. Okt. (Telunion.) iibe^r VMter sind mit Alarmmeldungen ri Lage in Syrien gefüllt. General etitn« n soll auf seinem von den Drusen ich"ungenen Rückzug nach Damaskus re Verluste erlitten haben. Die fran-
zösischen Verluste seit der Erhebung der Drusen werden auf mehr als 6000 Tote geschätzt.
Nottet Nachfolger von Sarrail?
Die offizielle Bestätigungder Abdankung des GeneralsSar- r a i l w i r d st U n d l i ch e r w a r t e t. Briand hat bereits Befehl zur Einleitung einer Untersuchung über die Porgänge in Damaskus gegeben. General Sarrail soll nach sei-
ner Rückkehr nach Frankreich Rechenschaft über die Gründe ablegen, aus denen er die Beschießung der Stadt Damaskus angeordnet hat.
Kein Eingreifen des Völkerbundes in Syrien.
TU. Paris, 30. Okt. (Telunion.)
Es verlautet, daß die Regierung von ihrem ursprünglichen Gedanken abgekommen
ist, einen Parlamentarier als Oberkommissar nach Syrien zu senden. Man denkt nunmehr an den General Rollet, der militärischer Befehlshaber in Syrien werden soll, der bis zu seiner Ankunft durch General Du- port vertreten sein würde. Die gesamte Presse fährt fort, in erregten Artikeln die Lage in Syrien zu besprechen. Besonders die rechtsstehenden Blätter üben schärfste Kritik an den Maßnahmen des Generals Sarrail. Gerüchtweise verlautet, daß auch der Völkerbund die Entsendung einer besonderen Untersuchungskommission nach Damaskus in Erwägung zieht.
Kehraus auf dem Balkan.
TU. P a r i s, 3». Okt. (Telunion.)
Painleve hatte gestern mit Briand eine Unterredung Uber die Vorgänge in Syrien. Ein von General Sarrail eingegangenes Telegramm berichtet, daß die Lage in Syrien mit Ausnahme der Gegend von Damaskus ruhig sei. Sarrail erklärt weiter, daß er gezwungen gewesen sei, Damaskus zu bombardieren, ohne die in der Stadt weilenden Europäer benachrichtigen zu können. Es sei unwahr, wenn von britischer und amerikanischer Seite behauptet würde, daß die französischen Staatsangehörigen vorher benachrichtigt worden seien. Am Quai d'Or- sey erklärt man, daß vom Völkerbund in der syrischen Frage nichts unternommen worden sei. Nur die Mandatskommission des Völkerbundes habe vom Quai d'Orsey regelmäßige Berichte erhalten. Von einem Eingreifen des Pölkerbundes selbst sei aber keine Rede.
TU. Paris, 30. Okt. (Telunion.)
Der Völkerbundsrat hat heute seine letzte Sitzung wegen des griechisch-bulgarischen Grenzzwischenfalles abgehalten. Der Rat nahm von dem letzten Bericht der Militär- attachees, in dem die vollständige Räumung des bulgarischen Gebietes festgestellt wird, Kenntnis und dankte Briand und Chamberlain für die tatkräftige Unterstützung. Briand und Chamberlain wiesen in kurzen Ansprachen auf die Bedeutung der Beilegung des Streitfalles hin.
Der Rückzug der Griechen beendet.
TU. P a r i s, 30. Okt. (Telunion.) Wie der „Matin" aus Athen meldet, haben die griechischen Truppen gestern früh um 8 Uhr die Räumung des bulgarischen Gebietes beendet.
Der Besuch des Reichspräsidenten in Frankfurt am Mein.
TU. Frankfurt a.M., 30. Okt. Telunion)
Aus dem Büro des Herrn Reichspräsidenten ist heute Mitteilung an den Magistrat gelangt, daß der Reichspräsident von Hindenburg nach seinem Besuch bei der hessischen Regierung in Darmstadt am Freitag, den 13. November, mittags, in Frankfurt a. M. einzutreffen und abends 10.25 Uhr nach Berlin weiter zu reisen gedenkt. Aus der Tagesgeschichte. Kreuznach Bingen— Wiesbaden englische
Besatzungszone?
TU. Kreuznach, 28. Ott.
Die Pressenachrichten, daß nach der Räumung der Pölner Zone die englischen Truppen auf die 3. Rheinlandzone verteilt werden sollen, wird nunmehr durch Rückfragen der britischen Kölner Stellen über die Unterbringungszustände in Kreuznach und Bingen bei französischen Instanzen bestätigt. Es verlautet, daß die britische Rheinarmee nach der Räumung Kölns nicht vermindert wird, sondern mit dem Hauptstandort Wiesbaden auf die Linie Wiesbaden—Bingen— Kreuznach und eventl. obere Nahe verteilt wird.
Preußische Regierung und Optantenpolitik.
TU. Berlin, 28. Okt. (Teleunion). Nachdem in Polen in der Optantenpolitik ein Umschwung eingetreten ist, hat, wie die Morgenblätter erfahren, die preußische Regierung entsprechend dem Beschluß des polnischen Ministerrates an die örtlichen Behörden die Anweisung ergehen lassen, daß die in der jüngsten Zeit als Repressalie verfügten Ausweisungsbefehle gegen polnische Optanten unverzüglich rückgängig gemacht werden.