„5)essilcheMorgeiizeitung" erscheint w.-klüglich , ; (mittags um 1 Uhr), mindestens 6 Seiten stark. j j Jeden Samstag mit Beilage H. Al. 3. im Bild, j I Bezugspreise : durch die Post bezogen monatlid) j ; 1,50 Mark ausschliehlich Postgebühren: nei der :
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Nr. 248
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Montag, den 2. November 1925, mittags
I ^auptschriftleitung : Generalinajor a. D. Rembe. I Druck und Verlag: Gutenberg-Buchdruckerei in I Fulda, Buseckstraße 7, Fernsprecher Nr. 974. , Anzeigenpreis: für die 8 gespaltene Kolonelzeil« : 15 Pfg., für die Reklamezeile unter Text 60 Pfg I Bei Wiederholung Rabatt nur nach Vereinbarung.
59. (2.) Jahrgang
Der Kampf der Linken gegn Dr. Luther.
Die provisorische Lösung, di die Krise des Kabinetts Luther durch be i Beschluß der Regierung, bis zur Erledigung der Locarno-Verträge im Amte zu bleiben, befunden hat, stößt jetzt auf ernste parlamentarische Schwierigkeiten. Die Sozialdemokratie ist nunmehr zu der großen Offensive gegen das Rumpfkabinett vorgegangen, indem sie ganz offen den Rücktritt der Regierung fordert, und das Verlangen ausspricht, daß eine neue Regierung gebildet wird, die der durch den Austritt der Deutschnationalen aus dem Kabinett neugeschaffenen Lage Rechnung trägt. Wie wir hören, ist die sozialdemokratische Reichstagsfraktion entschlossen, sofort bei Wiederzusammentritt des Reichstags ein Mißtrauensvotum gegen die Rumpfregierung einzubringen und dadurch eine klare Entscheidung zu erzwingen. Hierbei bleibt jedoch die Frage offen, ob die Deutschnationalen in diesem Falle gegen die Regierung stimmen würden und ob sie dadurch den sozialdemokratischen Vorstoß indirekt unterstützen. Ohne die Stimmen der Deutschnationalen würde der sozialdemokratische Mißtrauensantrag zweifellos abge- lchnt werden, sodaß die Linke ihre Maßnahmen bis zur Ablehnung bey Locarno-Lerträge verschärfen müßte, ehe es ihr gelingt, das Kabinett Luther aus dem Sattel zu heben.
Inzwischen haben bereits die Demokraten einen Einigungsvorschlag gemacht, indem sie den Reichskanzler Dr. Luther auffordern, bestimmte Garantien dafür zu geben, daß das gegenwärtige Kabinett nach Erledigung seiner Aufgabe zurücktritt und einer Regierung der großen Koalition Platz macht. Die demokratische Presse betont, daß ohne diese erforderlichen Garantien nicht daran zu denken wäre, daß die Linksparteien in die Bresche springen, um dem Kabinett Luther die Unterzeichnung der Locarno-Verträge zu ermöglichen.
Damit wäre die Frage akut, ob es zu einer Reichstagsauflösung kommen wird und ob man die letzte Entscheidung der Wählerschaft appellieren muß. Praktisch liegen die Dinge so, daß zur Annahme der Locarno-Verträge nur eine einfache parla- mentarische Mehrheit erforderlich ist. Eine Zweidrittel-Mehrheit, wie sie bei den verschiedenen Gesetzen des Dawesplans notwendig war, kommt diesmal nicht in Frage, denn der Sicherheitspakt enthält keinerlei Bestimmungen, die irgendwelchen verfassungsändernden Charakter haben. Eine einfache Mehrheit kann die Regierung Luther aber nur dann zustande bringen, wenn entweder die Linke für die Verträge stimmt, oder aber wenn der größte Teil der Deutschnationalen nachträglich sich der Stimme enthält und teilweise sogar für den Sicherheitspakt eintritt. Eine solche Möglichkeit dürfte Jedoch nicht bestehen, denn die deutschnationale Fraktion ist entsprechend ihrer bisheri- !gen Beschlüsse daran gebunden, den Sicher- -heKspakt als unannehmbar abzulehnen. Schon die bloße Stimmenthaltung der Sozialdemokratie und der Demokraten würde die Annahme der Paktverträge vereiteln und die Auflösung des Reichstages notwendig machen.
In dieser Situation gibt es kaum irgend eine Möglichkeit, einer klaren Entscheidung aus dem Wege zu gehen. Reichskanzler Dr. Luther scheint bereit zu sein, in den nächsten Tagen mit den Demokraten zu verhandeln, über die Möglichkeiten einer Einigung sind derart gering, daß man im Laufe der nächsten Woche mit verschärften parlamentarischen Kämpfen zu rechnen haben wird.
Was die Deutschnationalen anbetrifft, durfte schon jetzt mit Sicherheit feststehen, ihr Wiedereintritt in die Reichsregie- sur die nächste Zukunft nicht mehr in Betracht gezogen werden kann. Ein führendes Ueutschnationales Blatt, die „Deutsche Tageszeitung", formuliert die Stellungnahme «er Deutschnattonalen folgendermaßen:
Schwere Schlagwetterexplosion auf der Zeche Holland.
Gelsenkirchen, 1. November. Eine schwere Schlagwetterexplosion hat sich in den späten Abendstunden auf der Zeche „Holland" Schacht I und II ereignet. Bis um Mitternacht konnten drei Tote geborgen werden. Eine große Anzahl von Bergleuten, man spricht von über 40, sind noch eingeschlossen, an deren Rettung die Mannschaften ununterbrochen arbeiten.
Der deutsch-italienische Handelsvertrag unterzeichnet.
Nom, 31. Oktober. Der deutsch-italienische Handels- und Schiffahrtsvertrag ist in Rom vom deutschen Botschafter v. Neurath und Mussolini aus der Grundlage der gegenseitigen Meistbegünstigung unterzeichnet worden.
Der Flieger Costes begnadigt.
Eine Verbeugung gegen Frankreich.
Karlsruhe, 31. Oktober. Der Iustizminister hat sich mit der Frage des französischen Fliegers Costes befaßt und hat die Rechtsstrafe des vom Amtsgericht Freiburg wegen Überfliegens von deutschem Gebiet zu 5000 Reichsmark Geldstrafe verurteilten Sportfliegers im Gnadenweg erlassen.
„Die Deutschnationalen lehnen das Ergebnis von Locarno, wie es nunmehr vorliegt, ab. Ob es trotz Paraphierung in den entscheidenden Punkten anders gestellt werden kann durch Textänderung oder gemeinsame Auslegung der Vertragsmächte steht dahin."
Aus dieser Aeußerung will man in parlamentarischen Kreisen schließen, daß noch immer Bemühungen im Gange sind, die Deutschnationalen wieder mit der Regierung Luther zu vereinigen. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob eine solche Wiederannäherung die Voraussetzungen zu einer Aenderung der Haltung der deutschnationalen Reichstagsfraktion gegenüber dem Vortragswerk von Locarno schaffen könnte. Schon jetzt irgendwelche Hoffnungen auf eine Sinnesänderung der Deutschnationalen zu setzen, wäre zum mindesten verfrüht, da keinerlei Anhaltspunkte dafür zu sehen sind.
Aus der Tagesgeschichte.
Die neuen deutsch-polnischen Wirt- schastsverhandlungen.
TU. Berlin, 28. Okt. (Teleunion). Die Abreise der polnischen Delegation für die Handelsvertragsverhandlungen nach Berlin ist um einige Tage verschoben worden, da das Wirtschaftskomitee des Ministerrats seine Beratungen über die Veränderung des Zolltarifs noch nicht beendet hat. Die Abreise der Delegation wird vermutlich erst am Donnerstag stattfinden. Man rechnet hier damit, daß die neuen Verhandlungen binnen sechs Wochen zu einem Vertrag führen werden.
Die Botschafterkonferenz über die Abrüstungsnote.
TU. Berlin, 27. Okt. (Teleunion). Die „Vossische Zeitung" meldet aus Paris: Die Botschafterkonferenz hat heute von 11—1 Uhr unter dem Vorsitz von Jules Cambon über die deutsche Abrüstungsnote vom 23. Oktober beraten. Marschall Foch wohnte der Sitzung in seiner Eigenschaft als Präsident des interalliierten Militärkomitees bei. Die Botschafterkonferenz beschloß, über die in der deutschen Note berührten Abrüstungsfragen einzufordern.
Heeringens Dank.
Leipzig, 28. Okt. Der Präsident des Deutschen Rreichskriegerbundes Kyffhäuser, Generaloberst von Heeringen, hat an den
Leipziger Oberbürgermeister folgendes Schreiben gerichtet: „In seltener Harmonie ist die imposante Kundgebung des ersten deutschen Reichskriegertages verlaufen. Es liegt mir am Herzen, Ihnen und der gesamten Bevölkerung Leipzigs den aufrichtigen und herzlichen Dank für die vielen Beweise der Sympathie und des innerlichen Zusammenstehens seitens der Kreise der Leipziger Einwohnerschaft zum Ausdruck zu bringen. Der Jubel, mit dem in den Straßen der Stadt die Vertreter bei. alten Armee begrüßt wurden, der Girlanden- und Fahnenschmuck in den Straßen sind ebenso wie die zahlreiche Illumination in den Abendstunden sichtbare Beweise gewesen, in wie weitem Umfange der Sinn für echte vaterländische Empfindung in unserem Volke sich erneut Bahn bricht, gez. v. H e e r i n g e n, Generaloberst, Präsident".
Köln, 30. Okt. Die Reichsbahndirektion Köln schreibt: In letzter Zeit häufen sich die Fälle, daß auf fahrende Züge mit Steinen und sonstigen Gegenständen geworfen wird. Es erscheint daher angebracht, nachstehendes Gerichtsurteil als abschreckendes Beispiel der Oeffentlichkeit bekanntzugeben: „Am 3. Juni ds. Js. wurde auf der Strecke Friedrich-Wilhelmshütte— Menden ein Personenzug mit Steinen beworfen. Ein Stein traf die Lokomotive, zertrümmerte eine Fensterscheibe und verletzte den Heizer. Der TA- ter, der in der Person eines 21jährigen jungen Mannes ermittelt werden konnte, wurde in der Sitzung des Schöffengerichts Siegburg wegen Sachbeschädigung (Par. 304 Str. E. V.) in Tateinheit mit fahrlässiger Transportgefährdung zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten kostenpflichtig verurteilt. Da erfahrungsgemäß der Unfug des Werfens und Schießens auf fahrende Züge besonders von Schulkindern in ihrer freien Zeit und während der Ferien verübt wird, erscheint es wünschenswert, daß die Lehrpersonen und die Eltern, besonders mit Rücksicht auf die bevorstehenden Ferien, häufiger Gelegenheit nehmen, die Kinder auf das gefährliche und strafbare Tun aufmerksam zu machen, sie zu belehren und zu verwarnen.
Wieder ein Eisenbahnunglück in Frankreich.
TU. Paris, 31. Oktober. Bei Caen entgleiste gestern nachmittag um 2 Uhr ein Schnellzug. Die Lokomotive stürzte die steile Böschung hinab. Drei Personenwagen wurden zertrümmert, zahlreiche Personen erlitten zum Teil sehr schwere Verletzungen. Sämtliche Insassen eines Abteils 1. Klaffe wurden mit gebrochenen Beinen aufgefunden.
Lokales.
Fulda, 2. November 1925.
An unsere Leser!
Infolge technischer Schwierigkeiten sind wir heute nicht in der Lage voll zu erscheinen. Wir hoffen den Schaden heute zu beheben und werden im Laufe der Woche unsere Leser durch erweiterten Umfang entschädigen.
Jagdreiten. Morgen Dienstag, den 3.'November findet die', diessäyrige Hubertusjagd statt. Sammelpunkt für Zuschauer 12 Uhr mittags an der Johannisberger Brücke. Da von dort aus die ganze Jagd sehr gut zu übersehen ist, kann der Besuch nur dringend empfohlen werden.
Der Naturheilverein e. V. Fulda übermittelt uns den folgenden Bericht über eine Sitzung im Preußischen Landes-Gesundheitsamt:
Am 10. Oktober fand eine Sitzung des Preußischen Landes-Gesundheitsrats in Berlin statt, in deren Mittelpunkt das Thema stand: „Ueber die Aufhebung des Impfzwanges in Deutschland". Das Referat hatte der Jmpffreund Professor Gins, der Chef des Impfwesens für Groß-Berlin, und das Gegenreferat hatte Dr. Winsch. Es gab einen harten Kampf, aber auch einen schönen Erfolg. Anwesend waren etwa 25, Jmpfgegner und Jmpfzwanggegner, und zirkt 20 Jmpffreunde. Es wurde schließlich beschlossen, daß der Preußische Staat die Jmpfgeschädigten entsprechend entschädigen soll; die Gewissensklausel, wurde noch abgelehnt, aber es waren doch sieben Stimmen dafür, also sogar schon einer von den Jmpf- freunden. Und privatim hat der Chef des Preußischen Medizinalwesens noch erklärt, daß er sofort an sämtliche Kreisärzte die Order geben würde, keine Zwangsimpfungen mehr zu veranlaffen. Das ist der größte Erfolg, den die Jmpfgegner seit 1914 zu verbuchen haben. Wir sind jetzt überzeugt, daß wir in wenigen Jahren auch die Gewissensklausel bekommen werden.
Wochen-Sportschau.
Der Berliner Rennverein hat mit seinem letzten großen Rennen, dem „E l a d i a t o r e n - R e n n e n", Glück gehabt. Der Kampf der drei besten Dreijährigen brachte wieder ein anderes Resultat, als man allgemein erwartet hatte. Weißdorn war „Favorit". Außer ihm wurde nur noch Roland gewettet. Dabei sahen die beiden Altefelder Aditi, auf dem diesmal Hans Blume saß, und Marduck entschieden am besten aus. Das Rennen selbst verlief verhältnismäßig einfach. Marduck kam nach einem glatten Ablauf sofort seiner Verpfich- tung als Pacemacher nach, hinter ihn legten sich Sonnenblümchen und Aditi, dann folgte Jdomeneus vor Roland, Weißdorn und Si- syphus. In ruhigem Tempo kam das Feld zum ersten Mal an den Tribünen vorbei. In der Geraden wurde Aditi vorgebracht. Der prachtvolle Hengst erlangte rasch die Spitze vor Marduck und ging nun als leichter Sieger nach Hause, drei Längen vor seinem Stallgefährten, dessen Jockei augenscheinlich höchst erstaunt war, daß er Zweiter blieb und nicht ein einziger von den gefürchteten Gegnern einen Angriff machte. Die Entscheidung des großen „Zukunfts- Renne n", die gestern in Mariendorf fiel, löste um so stärkeres Interesse aus, als die Besetzung mit Pferden vom Range eines Quadrat, eines Lebenskünstler, einer Frieda Madowan nichts zu wünschen übrig ließ. Die lange 1800 Meter-Strecke stellte harte Anforderungen. Quadrat, der am schnellsten flott war, führte in strammer Fahrt vor Belwin. Auch Frida Magowan war bald nach dem Ablauf angesprungen und hatte viel Boden verloren, den sie in großem Stil wieder aufholte. Auf der Gegenseite war der diesmal ohne jeden Fehler trabende Lebenskünstler auf den zweiten Platz hinter Quadrat gegangen. Der gute Hengst des Stalles Lindt kam noch mit klarer Führung in den Einlauf. Vis zur Distanz sah er wie )er Sieger aus, aber dann rückte Lebenskünstler immer näher an den Führenden heran, der kurz vor dem Ziel wie mit einem Ruck fast stehen blieb und dem Vertreter des Gestüts Germania einen noch ganz sicheren Sieg überließ.