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Hessische MrgenzeitW

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Nr. 249

Dienstag, den 3. November 1925, mittags

59. (2.) Jahrgang

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Syrien und Marokko.

Ein Schuldiger wird gesucht.

Damaskus von den Drusen um­zingelt.

TU London, 2. Nov. Trotz der zu­nehmenden Beruhigung innerhalb der Stadt Damaskus zeigt die allgemeine Lage in Syrien eine weitere Verschlechterung. Viele von der Beschießung Betroffenen, schreibt derDaily Expreß"-Korrespondent, find zu den Aufständischen übergegangen, die dadurch erhebliche Verstärkungen erhalten haben. Das Vorgehen der Franzosen in Damaskus ist, wie der gleiche Korrespondent berichtet, außerordentlich rigoros. Die der Stadt auferlegte Strafe beträgt 200 syrische Pfund pro Kopf der Bevölkerung. Das sind in deutschem Gelde etwa 700 Mark. Die französischen Streitkräfte stützen sich gegen­wärtig auf Deraat, Ezra und Khirbel el Ghazali. Die Neulegung der Eisenbahn von Deraat nach Balra und Eski Shams wird mit allen Kräften gefördert. Die Re­konstruktion dieser Bahn würde die fran­zösischen Aufgaben wesentlich erleichtern, insbesondere die Versorgung mit Wasser. Gerade der Wassermangel ist ein großer wichtiger Faktor bei den Operationen. Wie dieTimes" schreibt, ist es höchst unwahr­scheinlich, daß vor Frühjahrsanfang ein ernsthafter Versuch zum Vormarsch gemacht werden wird. Winterliches Wetter hat be­gonnen und macht militärische Operationen unmöglich.

TU Paris, 2. Nov. Nach Telegrammen desJournal" aus Alexandrien haben die Drusen die Stadt Damaskus von allen Seiten umstellt und die Verproviantierung unterbunden.

Sarrail unter Anklage?

TU Paris, 2. Nov. DerMatin" wirft an leitender Stelle die Frage auf, ob General Sarrail nach seiner Rückkehr nach ein Kriegsgericht gestellt zu werden. Gegen Sarrail werden dieschwersten Be­schuldigungen" erhoben. Er habe ein bisher friedliches Land mit Feuer und Schwert verletzt. Direkt oder indirekt trüge General Sarrail die Schuld für das Hin­schlachten mehrer tausend französischer Sol­daten. Sarrail würde bei seiner Rückkehr über alle diese Dinge klare und unzwei­deutige Erklärungen abgeben müssen. Für den Fall, daß diese Erklärungen nicht aus­reichend seien, könnte die bloße Maßnahme nicht genügen.

Gegenüber diesen Meldungen, wonach Genral Sarrail nach seiner Rückkehr nach ^aris nicht nur vom Kriegsministerim zur Verantwortung gezogen, sondern unter Um­ständen auch einem kriegsgerichtlichen Ver­ehren unterworfen werden könnte, erklärt die Telunion, daß man in eingeweihten Kreisen eine solche Möglichkeit für ausge- lchlossen halte. General Sarrail hat nach Auffassung zahlreicher Kreise in Syrien eine .gefährliche und vielleicht tödliche Politik ge- sNeben, aber er hat Nicht eine Schlacht ver- vreu. Das Kriegsgericht wird sich mit °Mem Fall nicht zu befassen haben, sondern, wenn eine weitgehende Untersuchung gefor­dert werden sollte, eher eine parlamen- "nsche Untersuchungskommission, die gleich- festzustellen hätte, durch welche Ein- General Sarrail auf seinem Posten ge­halten wurde.

Stimmung und Kriegslage in Marokko.

Die Lage in Syrien beginnt sich nun "uch in Marokko auszuwirken. Die fran- huschen Niederlagen müssen naturgemäß ew Rifleuten das Rückgrat stärken und sie

Für und wider Locarno

Erst Bekanntgabe der Rückwirkungen, dann Entscheidung ob Für oder Wider".

Der Streit der Parteien für und wider Locarno dauert an und es wiederholt sich das Schauspiel, vom Frühjahr 1924. Der eine Teil des deutschen Volkes will Locarno annehmen ohne Rücksicht auf die Aus­wirkungen, über die bisher überhaupt noch nichts verlautet ist. Der andere Teil lehnt mehr oder weniger schroff ab wie damals den Dawes-Vertrag, so auch jetzt den Ver­trag von Locarno ab, bevor nicht ganz klar und deutlich bekannt ist, welcher Nutzen und welcher Schaden für das deutsche Volk daraus erwachsen.

So hat der engere Vorstand des Landes­verbandes Hessen-Darmstadt der Deutsch- nationalenVolkspartei in seinerSitzung vom 31. Oktober nach eingehender Aussprache die Haltung des Parteivorstandes und der Reichstagsfraktion, sowie den Austritt der deutschnationalen Minister aus der Reichs­regierung einstimmig gebilligt. Auch der hessische Landesvorstand hält den Vertrag von Locarno für untragbar.

Aus der Begründung der umfangreichen Entschließung führen wir nur zwei Haupt­punkte an:

Ueber die sogenanntenRückwirkungen", Erleichterungen für das besetzte Gebiet, Ab­kürzung der Besatzungszeiten, Verminderung der Besatzungstruppen und somit Linderung der brennenden Wohnungsnot, frühere Ab­stimmung im Saargebiet usw. sind nur unverbindliche Aeußerungen der gegen­wärtigen Staatsmänner unserer Vertrags­gegner erfolgt, ihre Nachfolger sind durch nichts gebunden.

Das Schlußprotokoll von Locarno läßt keine Abänderungen irgend einer Vertrags­bestimmung zu (no varietur!). Die Annahme des Vertrages würde daher eine dauernde politische und wirtschaftliche Knechtung und Versklavung bedeuten.

Auch die Deutsche Volkspartei steht keineswegs in geschlossener Front auf dem

zu weiterem Wiederstand gegen die Franzo­sen stärken.

Dazu wird aus London gemeldet:

die die ge-

Die Berichte aus Syrien haben, wie Blätter aus Tanger berichten, auf Marokkaner einen sehr tiefen Eindruck , macht, insbesondere auf die gebildeten Kreise der Rifleute. Man glaubt, daß die Anhänger Abd el Krims aus diesen Nach­richten' Kapital schlagen werden und daß man vor einer neuen Hochflut anti­französischer Propaganda steht. Gleichzeitig machen die Befürchtungen wegen der Ab­reise des Marschalls Lyauthey. Seine An­wesenheit wäre gerade im Interesse der Ein­geborenen in Marokko heute notwendiger denn je. Die Beschießung von Tetuan dauert an. Täglich fallen etwa ein Dutzend Grana­

ten in die Stadt.

Marschall Petain, der gestern die Rück­reise nach Paris antrat, hielt vorher einen Kriegsrat in Fez unter Teilnahme sämt­licher Truppenführer ab. Nach einer Aus­sprache über die Unterkunft und die Ver­pflegung der Truppen während des Winters wurde eine Umorganisation der Front be­schlossen, deren Einzelheiten geheim gehal­ten werden, indessen glaubt die marok­kanische Presse mitteilen zu können, daß die Nordfront in zwei Flügel, einen westlichen

Boden der bedingungslosen Bereitschaft zur Unterzeichnung.

Auf einer gestern von der Deutschen Volkspartei in der Vürgergesellschaft einbe- rusenen Versammlung sprach Reichstagsab­geordneter Professor Dr. Moldenhauer über

Locarno. Der Redner führte, wie die unter dem 3 d. M. aus Köln berichtet, folgendes aus:

Ob der Schritt, den wir vorwärts

TU u. a.

ge-

tan, die Opfer lohnt, wird erst dann wärts getan, die Opfer lohnt, wird erst dann zu entscheiden sein, wenn wir die Rück­wirkungen der Abmachungen von Locarno auf das besetzte Gebiet überblicken. Bei die­ser Frage können wir uns nicht mit leeren Versprechungen begnügen. Wir müssen, ehe wir unsere Entschlüsse fassen, positive Er­klärungen von der Gegenseite erhalten. Wir müssen verlangen, daß das Ausland den veränderten Verhältnissen mehr Rech­nung trägt. Wenn etwa die Verurteilung deutscher Offiziere auf leere Denunziationen hin fortgesetzt wird, so müssen wir darin einen solchen Verstoß gegen das Friedens­werk erblicken, daß die Annahme des Ver­trags uns unmöglich erscheint. Wir ver­urteilen es, wenn die sozialdemokratische Partei ihre Zustimmung zu dem Vertrag von Locarno von der Haltung einer anderen Fraktion abhängig macht, trotzdem sie früher bedingungslos über Kopf dem Völkerbund beitreten wollte. Das Primat gehört der Außenpolitik. Die Deutsche Volkspartei wird ihre Stellungnahme zu dem Vertrag von Locarno nicht abhängig machen von inner­politischen Rücksichten, sondern allein von der Frage, ob die Annahme dem Vaterlande dient.

Auch der Außenminister Dr. Stresemann betonte in einer Rede, die er auf dem Fest­bankett anläßlich des 50jährigen Jubiläums der Königsberger Allgemeinen Zeitung ge­halten hat, daß die Regierung von keiner Partei verlangt hätte, ihr Votum abzu­geben, ehe die Rückwirkungen der Verhand­lungen von Locarno sich übersehen ließen.

und einen östlichen eingeteilt wird und daß das System der kleinen Posten aufgegeben werden soll. Stattdessen sollen Garnisonen von mindestens einem Bataillon Stärke in alle Hauptpunkte gelegt werden.

Volks - Abstimmung? oder Provisorium der Mitte.

Berlin, 2. Nov. Der Plan des Reichs­kanzlers Dr. Luther im Amt zu bleiben, stößt auf immer größere Schwierigkeiten. Die Besprechungen, die der Kanzler am Dienstag mit den Führern der noch in der Regierung verbliebenen Parteien, der Deutschen Volksparti i und des Zentrums haben wird, werden zeigen, ob es ihm ge- lingt, diese Schwierigkeiten zu überwinden oder ob er gezwungen sein wird, doch noch die Demission des Gesamtkabinetts Herbei- zuführen. Eine endgültige Entscheidung wird aber erst am Donnerstag erwarte1, wo weitere Besprechungen der Parteiführer stattfinden werden.

In den Kreisen der Regierungsparteien ist man jetzt vor allen Dingen bemüht, die Gefahr einer Auflösung des Reichstages zu beseitigen, da man dem Volke einen neuen Wahlkampf ersparen will und da man der Auffassung ist, daß die parlamentarischen Möglichkeiten noch nicht erschöpft sind. Das Zentrum wird am Dienstag durch seine Vertreter dem Kanzler eine Reihe von Vor­schlägen unterbreiten und ihm nahelegen, sofort die erforderlichen Schritte zu unter­nehmen, um die parlamentarische Situation zu klären. Es besteht immer noch einige Hoffnung, daß der Konflikt zwischen Kanz­ler und dem Zentrum vermieden werden kann, aber es ist schwer, vorauszusehen, ob die Demokraten und die Sozialdemokraten sich auf eine anscheinend vom Zentrum ge­plante provisorische Lösung, die in der Bildung einer Regierung der Mitte be­stehen soll, einverstanden erklären werden.

Neuerdings ist der Plan aufgetaucht, einen Volksentscheid herubeizuführen, der auf Grund der Verfassung vom Reichs­präsidenten angeordnet werden kann. Wie wir hören, wird ein solcher Vorschlag in weitesten Kreisen der Reichstagsparteien für unanehmbar gehalten, da die Vorbe­reitungen hierzu mit gewissen politischen Agitationsmethoden verbunden sein wür­den, deren Auswirkungen für die aus­wärtige Politik unter Umständen sehr ge­fährlich sein könnten. Für den Fall einer Ablehnung des Locarnovertrages durch den Reichstag werde tatsächlich nichts anderes, als die Neuwahl des Parlaments übrig bleiben, von der man eine Klärung der parlamentarischen Situation erwarten dürfte.

Der neuerdings vom-Zentrum gemachte Vorschlag, provisorisch eine Regierung der Mitte unter Hinzuziehung der Demokraten zu bilden, wird gegenwärtig auch in den demokratischen Kreisen sehr lebhaft erörtert. Die führenden Demokraten sind der Auf- fassung, daß ein Kabinett der Mitte, wie es unter Marx vor der Bildung der Regierung Luther bestanden hat, schwerlich in der Lage sein würde, den innen- und außen­politischen Notwendigkeiten Rechnung zu tragen. Wenn man ernsthaft den Versuch machen wolle, die parlamentarische Mehr­heit für die Locarnoverträge zu sichern, gebe es nur den Weg einer Regierung der großen Kolation. Die Ausschaltung der So­zialdemokratie aus der Reich-^egielun^ sei gerade jetzt verhängnisvoll, nachdem durch das Ausscheiden der Deutschnationalen aus dem Kabinett Luther eine große Lücke in der parlamentarischen Mehrheitsbildung eingetreten ist, die nur durch eine starke Partei ausgefüllt werden könne.

Es ist unmöglich, daß die sozialdemo­kratische Reichstagsfrakton, die am kommen­den Freitag zusammen tritt, zu einer Be­schlußfassung gelangt, die die Verhand­lungen über die Möglichkeit einer Wieder­herstellung der großen Koalition in Fluß bringen werden. Auf jeden Fall erscheint es den parlamentarischen Führern für dringend notwendig, daß bis spätestens in vierzehn Tagen eine völlige Klärung ein­getreten sein muß, wenn nicht die Gefahr eintreten soll, daß die Reichstagsauflösung nicht mehr zu vermeiden ist.

Annahme des Loearno-Bertrages in London.

Nach einer Meldung derKasieler Post" aus London hat das britische Kabinett am Sonnabend den Vertrag von Locarno ein­stimmig angenommen und seine sofortige Weiterleitung in das Unterhaus beschlosien.