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Nr. 251
Samstag, den 7. November 1925, mittags.
59. (2.) Jahrgang
Um die Kölner Zone.
„Beschluß" der Botschafter- Konferenz. — Neue Unterredung Hoesch-Briand.
Nach der „Times" aus Brüssel betrifft bei gegenwärtige Meinungsaustausch der Besatzungsmächten nicht die Frage der Entwaffnung, sondern die der „militärischen" Organisationen Deutschlands. Die Alliierten würden alles versuchen, um zu einer Verständigung zu gelangen. Während die „Times" glaubt, daß die deutschen Maßnahmen eine Räumung Kölns schon vor dem 1. Dezember rechtfertigen würden, betonte der Pariser „Temps", daß die Kölner Zone nur dann freigegeben wrden könne, wenn Deutschland seine letzten Abrüstungsverpflichtungen erfüllt habe.
Paris, 6. November. Die Botschaf- terkonferenz ist heute vormittag zur Beratung über die letzte deutsche Abrüstungsnote tusammengetreten. Das bei Ausgang der
*Ä Sistig herausgegeben Kommunique besagt, to& von den Gutachten des interalliierten L Militärkomitees zu der letzten deutschen Ab- j rüstungsnote Kenntnis genommen wurde, k Auf Grund dieses Berichtes hat die Bot- kl fchafterkonferenz den Text einer Mitteilung U festgelegt, die dem deutschen Botschafter in I Paris übergeben wurde. Die Botschafter- ■ tonferenz bittet darin die deutsche Regie- I rung um gewisse Aufschlüsse in der Hoffi I nung, daß die deutsche Antwort es den Al- ' W liierten erlauben wird, ein Datum für den N Beginn der Räumung der Kölner Zone in ■ Erwägung zu ziehen. Die Wünsche auf die U /ich die Anfrage der Botschafterkonferenz be- i zieht, sind folgende:
1. Neubildung des großen Generalstabes.
2. Sondierung der Sicherheitspolizei.
3. Militärische Ausbildung der Jugend-
- > verbände.
Vor der Sitzung empfing Briand den I Vorsitzenden Zules Cambon, den englischen I Botschafter Lord Crewe und den deutschen | Botschafter von Hösch. Der „Temps" hebt I hervor, daß ein Datum für die Räumung I der Kölner Zone nicht festgesetzt wurde. Da- I von könne überhaupt keine Rede sein, solan- I 9e Deutschland nicht die letzten Abrüstungs- I Verpflichtungen erfülle. Man könne anneh- I wen, daß dies bis Ende des Jahres der Fall I ^n wird. Die Alliierten werden dann, so- I â^d die interalliierte Kontrollkommission I Offiziell die Ausführung der Abrüstungslau- I '5 durch Deutschland sestgelegt hat, feststel- ^ daß der Räumung der Kölner Zone Mts mehr im Wege stehe. Der „Jntran- 'goaut" will wissen, daß die deutschen Bot- Mfter von Berlin aus angewiesen wurden, I dei du alliierten Mächten wegen Erfüllung I ‘Cf in Locarno gegebenen Versprechen vor- '°llig zu werden .
Aus Kreisen der Pariser deutschen Bot- ^"st wird erklärt, daß die heutige Unter- edung des deutschen Botlchafters nur im "hmen der laufenden Verhandlungen er- "lqtc, die seit dem Ausgang der Konferenz '°" Lucarno wiederholt jede Woche statt- muden.
(Eigene Meldung.)
Berlin, 7. November. Wie wir hö- ' u>ird der deutsche Botschafter in Paris,
Widerstand gegen die große Koalition.
Berlin, den 7. November 1925.
Auf Anregung des Zentrums haben in den letzten zwei Tagen lebhafte Besprechungen zwischen Führern der Demokraten, der Sozialdemokraten, des Zentrums und schließlich auch der Deutschen Volkspartei stattgefunden, die sich mit der Frage der neuen Mehrheitsbildung im Reichstage bei der Verabschiedung der Locarno-Verträge beschäftigten. Diese Verhandlungen haben, wie uns von unterrichteter Seite ausdrücklich versichert wird, bisher zu keinerlei Ergebnis geführt. Die sozialdemokratischen Führer haben den Vertretern des Zentrum gegenüber den Standpunkt eingenommen, daß nach Auffassung der Sozialdemokratie zurzeit noch keinerlei Möglichkeit für das Zustandekommen einer Reichsrgierung der Großen Koalition gegeben wäre. Die Auffassung der Deutschen
Bolkspartei.
Berlin, den 7. November 1925.
Aus parlamentarischen Kreisen erfahren wir, daß die Deutfche Volkspartei sich erst dann mit der Frage einer Umbildung des Reichskabinetts beschäftigen kann, wenn die außenpolitische Situation geklärt ist und wenn der Deutschnationale Parteitag eine klare Entscheidung über die Annahme oder Ablehnung der Locarno-Verträge gefällt hat. Der größte Teil der volksparteilichen Fraktionsmitglieder steht auf dem Standpunkt, daß die Deutschnationalen durch eine Ablehnung der Locarnoverträge tatsächlich aus der Regierung ausscheiden und daß man dann eine neue parlamentarische Regierungsbasis schaffen müsse. Es sei aber zu bezweifeln, ob diese Basis aus dem Wege der Großen Koalition gefunden werbest könne.
Der Kampf gegen die Indiskretionen.
Berlin, den 7. November 1925.
Die Vorstellungen des deutschnationalen Fraktionsführers, Graf Westarp, beim Reichskanzler Dr. Luther wegen der in der Presse begangenen Indiskretionen im Reichskabinett haben im Laufe des Freitag zu einer ausgiebigen Untersuchung geführt. Dabei hat sich ergeben, daß über eine Sitzung des Reichskabinetts tatsächlich eine große Indiskretion in der Presse begangen worden ist und daß sich die betreffenden Blätter nunmehr verpflichten sollen, derartige Indiskretionen nicht mehr zu veröffentlichen. Wie wir hören, wurde einwandfrei nachgewiesen, daß der Außenminister Dr. Stresemann in keiner Weise mit den Indiskretionen in Zusammenhang gebracht werden kann.
Immer noch Luftfahrtkontrolle.
TU. Berlin, 7. Nov. Wieder „Täglichen Rundschau" aus Luftsahrt- kreisen mitgeteilt wird,- setzt das Luftfahrtgarantiekomitee seine Kontrollbesuche nicht nur in Luftfahrzeugbaufirmen, sondern auch auf Flugplätzen und in Sportfliegerschulen nach wie vor fort. So besuchten in den letzten Tagen Vertreter dieses Komittees verschiedene westfälische Landungsplätze, u. a. Münster und Paderborn. Dabei sollen sie sich vorwiegend für die Namen der Lust- polizeibeamten interessiert haben, die zur Ueberwachung des Luftdienstes auf Flugplätzen stationiert sind. Beanstandungen sind hier wie auch bisher nicht erfolgt.
Dr. von Hösch, am Sonnabend von dem französischen Außenminister Briand empfangen werden. Die Verhandlung wird sich in der Hauptsache um die Frage der Rück- wirungen drehen. Der deutsche Botschafter wird bei dieser Gelegenheit darauf Hinweisen, daß die deutsche Regierung in den bisherigen Ankündigungen über die Erleichterungen im besetzten Gebiete erst einen kleinen Teil der gwünschten Rückwirkungen erblicken könne.
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Aus der Tages- gefchichte.
Der Attentatsplan auf Muffolini.
Rom, 6. November. Infolge der Entdek- kung eines Anschlages auf Mussolini hat sich eine große Erregung im ganzen Lande aus- gebreitet. Die Verhaftung des sozialistischen Abgeordneten Zaniboni und des Generals Capello soll ergeben haben, daß bestimmte Attentatspläne gegen Mussolini vorlagen.
Die Zeitungen bringen in Extraausgaben lange Berichte über den Anschlag. Da von faszistischer Seite größere Ausschreitungen drohen, hat Muffolini ein Rundschreiben an die Präfekten ergehen lassen, in dem er alle Vergeltungsmaßnahmen gegen nichtfaszisti- sche K reffe streng verbietet. Auch die Leitung der faszistischen Partei hat allen Fas- zisten untersagt, irgend welche Gewalttaten zu unternehmen. Wie die Blätter melden, wurde Mussolini in den letzten Wochen ständig von einem umfaffenden Bewachungs- dienit umgeben, da die Polizei schon vor längerer Zeit von Attentatsvorbereitungen gehört hatte. In einem Erlaß Mussolinis an die faszistischen Verbände heißt es: „Die Ordnung darf nicht im geringsten gestört werden. Ich verlange dies mit aller Strenge . Der mißlungene Versuch bestätigt die Verzweiflung der größten Elemente in der Opposition, die ihren Kampf unrettbar verloren sehen." Die Regierungsmatznahmen bestehen in der Besetzung aller Logen, in der Verhaftung der Schuldigen, der Auflösung der sozialistischen Einheitsfront und die Einstellung der „La Notizia".
Rom» 6. November. Zu dem geplanten Attentat auf Muffolini bringt die „Jdea Nazionale" weitere Einzelheiten, die auf eine lange Vorbereitung schließen laffen. Zaniboni hatte unter dem Namen Silve- strini, Major der Alpini, ein Zimme im Hotel Dragoni schon vor Tagen reservie- ren lassen, von dessen Balkon aus der Eckbalkon des Palazzo Chigi übersehbar ist, von dem aus Muffolini seine Ansprachen hält. Zaniboni traf vorgestern gegen abend in Majorsuniform und mit faszistischen Abzeichen ein und verfolgte vom Balkon aus den faszistischen Vorbeimarsch. Bei der Verhaftung, die kurz darauf erfolgte, waren die Jalousien geschlossen. Neben dem Fenster stand eine geladene Präzisionsbüchfe mit aufgeschraubtem Fernrohr. In der Nähe des Motels wartete ein neues Auto, das reichlich mit Benzin und Proviant versorgt war. Mit diesem hoffte Zaniboni in der ersten Verwirrung zu entkommen. Zaniboni hat der Verhaftung keinen Widerstand entgegengesetzt und kein Geständnis abgelegt.
Damaskus ständig bedroht.
Paris, 6. November. Nach Meldungen aus Damaskus sind in den letzten Tagen mehrere Bandenüberfälle auf die französischen Posten an der Peripherie der Stadt verübt worden. Das französische Kommando hat der Bevölkerung mitgeteilt, daß die Artillerie heute anfangen werde, über die Stadt hinweg Ansammulngen von Aufständischen zu beschießen. Nach einer amtlichen Mitteilung seien in der nächsten Umgebung von Damaskus keine ernsthaften Zusammenstöße zu verzeichnen gewesen. Man könne die Lage im allgemeinn ruhig nennen.
Verstärkungen für Syrien.
Paris, 6. November. (Telunion). Heute schiffen sich zwei französische Jnfanterieba- taillone zur Verstärkung nach Beirut ein.
de Margerie bei Briand.
Berlin, 6. November. Die „Voss. Zeitung" meldet aus Paris: Brian dkonferierte gestern vormittag mit dem hier eingetoffe- nen Botschafter in Berlin, de Margerie.
Amnestierung der deutschen Studenten am 1. Mai?
Berlin, 6. November. Wie der „Lokalanzeiger" aus Moskau meldet, soll die Sowjetregierung beschlossen haben, die deutschen Studenten Kindermann, Wolscht und von Dittmar zum 1. Mai endgültig zu amnestieren und aus dem Gebiet der Sowjetunion auszuweisen.