Einzelbild herunterladen
 

Hessische MorgenzeitW

^.Hessische Morgenzeitung" erscheint werktäglich | «(mittags um 1 Uhr), mindestens 6 Seiten stark. 2 'AW Samstag mit Beilage H. M. 3. im Bild. I / Mgspreise: durch die Post bezogen monatlich j ! ] 50 Mark ausschließlich Postgebühren; bei der ; j Zustellung durch unsere Träger 1,75 Mark.

Mm KreiÄlall, Aizeiüer für Rhm

uni Bozelsberg, Mi- md

Nr. 253

Dienstag, den 10. November 1925, mittags.

; Fulda, Buseckstraße 7, Fernsprecher Nr. 974. (Anzeigenpreis: für die 8 gespaltene Kolonelzeile

15 Pfg., für auswärtige Inserenten die Zeile : 20 Pfg., für die Reklamezeile unter Tert 60 Psg. I Bei Wiederholung Rabatt nur nach Vereinbarung.

59. (2.) Jahrgang

Die Gerüchte über r Bayern.

Von unserem Berliner Vertreter.

Berlin, 10. November 1925.

Seit einigen Tagen bringt die Presse un­kontrollierbare Meldungen über angeblich innenpolitische Gefahren in Bayern, sodaß Sie Aufmerkamkeit der politischen Kreise sich auf einen Aufsehen erregenden Bericht der Frankfurter Zeitung" gelenkt hat, der einem alarmierenden Gerücht nachgeht, wo­nach der ehemalige Kommandeur der bayer. Reichswehr-Division, General von Mvehl, dm Vorschlag gemacht haben soll, den Kron- Mzen Rupprecht von Bayern in naher Jett zum König v. Bayern auszurufen. Die bayerische Regierung habe diesen Vorschlag abgelehnt und erklärt, daß sie jeden gewalt­samen Versuch zur Aenderung der Ver­fassung mit aller Energie abwehren würde. Soweit man von Berlin aus die Dinge übersehen kann, beurteilt man die Lage ab­solut zuversichtlich. Man glaubt nicht dar­an, daß die Anhänger des monarchistischen Gedankens in Bayern einen irgendwie ge­arteten Versuch unternehmen könnten, die Mederherstellung der Monarchie jetzt auf­zurollen, wo die allmähliche Beruhigung ver Verhältnisse es gestattet, den wirtschaft­lichen Wiederaufbau in Angriff zu nehmen, und wo niemand ernsthaft daran denkt, po- W^e Experimente vorzunehmen. Aus diesem Grunde würde es der Reichsregie- wng gar nicht einfallen, die über Bayern verbreiteten Gerüchte für ernst zu nehmen und sich irgendwie damit zu beschäftigen. Seitdem Hindenburg Reichspräsident ge­worden ist, ist die Streitfrage der Staats- form Deutschlands so wesentlich gemildert vorden, daß die politische Oeffentlichkeit es garnicht verstehen würde, wenn sie jetzt durch irgendwelche Einzelunteruehmungen in den Vordergrund gedrängt werden sollte. Be­sonders die monarchistischen Kreise im Reiche nehmen immer nachdrücklicher den Stqnd- Punkt ein, daß die Wiederherstellung der Monarchie vorläufig überhaupt nicht in Ärge kommen kann, und daß jeder voreilige Schritt geeignet wäre, dem .monarchistischen Gedanken ernsthaft zu schaden. Man weiß, daß in Bayern eine sehr starke Strömung vorhanden ist, die die Rückkehr des bayerischen Königshauses auf den Thron wünscht, und die es sehr gern sehen würde, wenn Rupprecht zum König ausgerufen wurde. Diese Wünsche sind aber gerade in der letzten Zeit nicht so lebhaft hervorge- "men, daß man daraus etwa die Besorgnis verleiten könnte, Bayern werde gesondert vorgehen und ohne Rücksicht auf den Ee- mmtwillen des deutschen Volkes seine eige- nen Wege einschlagen. Im Gegenteil! Das Zusammenarbeiten zwischen Reich und Bayern hat sich im Laufe der letzten Jahre wesentlich gebessert, daß man sogar von ^ljr innigen Verhältnis zwischen ueichsregierung und zwischen bayerischer Legierung sprechen kann, ein Verhältnis, nicht einmal dadurch getrübt worden â daß in der Frage des Finanzausgleiches ernste Differenzen entstanden waren.

» denkt alo niemand daran, die bayerische onrgsfrage für akut zu halten.

Auf der anderen Seite ist es eine Selöft- ^itlindlichkeit, zu betonen, in welche ernste Gelegenheiten das Reich geraten könnte, ^w jetzt die bayerische Königsfrage auf- lrollt-iDerben würde. Man müßte zweifel- ^i?. ^fürchten, daß dadurch der innenpoli- U^ Freden zerstört und eine unerträg- ^e Situation für den Reichspräsidenten . " Hindenburg geschaffen würde, der vor vom Amtsantritt zur Einigkeit gemahnt an das Volk einen Appell gerichtet hat, n " iunerpolitischen Streit in den Hinter- und treten zu lassen. Die Reichsregierung bau ^ut auf jeden Fall darauf, daß die dp "siche Regierung alles tun wird, um Gefahren für den inneren Frie- Deutschlands abzulehnen.

Räumungs- Borbereitungen.

TU. Berlin, 10. November. Wie derTag" aus Wiesbaden meldet, hat die englische Offizierskommission, die die ersten Vorbereitungen für die Übersiedlung der britischen Truppen gemacht hat, die Stadt wieder verlassen. Anfang dieser Woche wird die englische Eisenbahnunterkommission bei der Reichsbahndirektion in Mainz ihre Tätigkeit aufnehmen. Der Unterkommission obliegt die Vorbereitung zur Durchführung der Vorlegung der englischen Truppenverbände.

Bor der Ankündigung der Änderungen des Rheinlandregimes.

TU. Berlin, 10. November. DieVoss. 3tg. meldet aus London: Daily Telegraph" kündigt an, daß die Alliierten wahrscheinlich am 11. November anläßlich der Jahresfeier des Waffenstillstandes Gelegenheit nehmen werden, die zwischen London, Brüssel und Paris vereinbarten Änderungen des Rheinlandregimes anzukündigen.

Zur Übersiedlung der englischen Besatzung in den Taunus.

TU. Wiesbaden, 9. November. Der englischen Eisenbahnunter­kommission,, die die Porbereztullgen dZ^. Truppentransporte von Köln nach Wiesbaden bezw. den Taunus zu treffen hat, sind in der Eisenbahndirektion Mainz auf Anforderung die nötigen Räume zur Verfügung gestellt worden.

Am Donnerstag Antwort an die

Botschafter-Konferenz.

Eigene Meldung.

Berlin, 10. November 1925. (Drahtmel- dung.) Wie wir hören, wird die. deutsche Ant­wort auf die letzte Note der Botschafter-Kon­ferenz bereits am Donnerstag überreicht wer­den. Die Reichsregierung hat bereits die Ressordstellen damit beauftragt, die Vorschläge aaszuarbeiten, die Deutschland zur Beilegung der noch strittigen Punkte der Entwaffnungs- frage machen soll. Schon in den letzten Ta­gen hat man sich sehr eingeheud im Reichs­kabinett mit der Abrüstungsirage beschäftigt und ist dabei zum Schluß gekommen, daß von deutscher Seite aus neue Vorschläge gemacht werden könnten. In den Berliner Negierungs­kreisen nimmt man an, hM es gelingen wird, die Angelegenheit vor dem 1. Dezember zu bereinigen und daß dann die Durchführung dir Räumung der Kölner Zone begonnen wer­den kann.

Die Neubesetzung des Reichs­ministeriums für die besetzten

Gebiete.

Eigene Meldung

Berlin, 10. Nov. (Drahtmeldung) Die Frage der Wie.derbesetzung des Reicheniniste- riums für die besetzten Gebiete, das gegen­wärtig vom Reichsjustizminister Dr. Fraenkel provisorisch mitverwaltet worden ist, ist durch die Ernennung eines deutschen Nheinlandkom- missars wieder in ein akutes Stadium einge­treten. Wie wir hören, soll daß Ministerium im Falle einer Umbildung des Kabinetts Luther unter allen Umstünden neu besetzt wer­den, und zwar denkt man schon jetzt an die Berufung eines rheinischen Zentrumspolitikers, der bereits vor mehreren Monaten als Reichs minister für die besetzten Gebiete in Aus­sicht genommen worden war. Es würde die Aufgabe des neuen Ministers sein, in engstem Einvernehmen mit dem deutschen Rheinland­kommissar zu arbeiten.

Die Besprechung des Kanzlers mit dem Reichstagsprièfidenten

Berlin, den 10. November 1925. (Drahtmeldung.) Die Besprechung zwischen dem ReichskanzlerDr.Luther und dem nach Berlin zurückgekehrten Reichstags-Präsidenten Loebe hat, wie wir erfahren, in der Frage der Einberufung des Reichstages kein neues Moment ergeben. Vielmehr war sich der Kanzler und der Reichstagspräsident völlig einig da­rüber, daß die Entscheidung über die Annahme der Loearno- Verträge durch den Reichstag nicht eher erfolgen kann, bis die außen­politische Lage hinreichend geklärt ist.

Stahlhelmtag im Industrie­gebiet.

TU. Essen, 9. November. Am Sonntag hielt der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, seine erste Zusammenkunft nach dem Abzug der Besatzung ab, zu dem die Bundesbezirke im Ruhrbezirk zahlreiche Abordnungen ent­sandt hatten. Vormittags sammelten sich die verschiedenen Ortsgruvpen in den Großstäd­ten, wobei von den Bundesführern in An­sprachen die nationalen Aufgaben der Anhän­ger des Stahlhelms erörtert wurden. So sprach in Essen in der Kaupenhöhe der Bun­desführer S e l d t e-Magdeburg vor einer Ver-- sammlung von etwa tausend Anhängern Die Ausführungen des Redners gipfelten in der Aufforderung an die Mitglieder, weiterhin im Sinne des Frontsoldaten zu werden, um die Seele des deutschen Arbeitnehmers für die nationale Idee zu gewinnen.

In stattlichem geschlossenem Zuge mit zahl­reichen Musikkorps marschierten dann die Teil­nehmer zum Hauptsammelplatz auf dem Flug­platz in Gelsenkirchen. Dort hatten sich ge­gen 3 Uhr nachmittags etwa 8000 Mitglieder des Stahlhelm mit ihrer Führerschaft aufge- stellt, die aus den Großstädten zu Fuß und in Extrazügen herbeigeeilt waren. General Kreuter nahm die Weihe von 60 Fahnen vor.

Wach der Fahnenweihe setzten sich die Tausende zu einem imposanten Zuge durch die Stadt Gelsenkirchen in Bewegung. Die Hauptfeier fand im großen Ausstellungsgebäude statt, wo der Bundesführer Seldte-Magdeburg, Oberst- leutnaut Düsterberg und General Kreuter An­sprachen hielten. Gelsenkirchen wies zahlreichen schwarz-weiß-roten Flaggenschmuck auf.

Gefallenen-Gedenktag in München.

TU München, 9. November. Am Sonntag vormittag wurde das Denkmal für die 13000 Gefallenen der Landeshauptstadt vor dem Armeemuseum der Oeffentlichkeit über­geben. Nach den Gottesdiensten rückten die Kriegervereine mit ihren Fahnen zum Denk mal, an dem sich schon zahlreiche Festgäste eingefunden und eine Kompagnie der Reichswehr Aufstellung genommen hatte. An der Feier nahmen Vertreter der Landes­regierung mit dem Ministerpräsidenten Held an der Spitze, Mitglieder des königlichen Hauses, die Bürgermeister, die Rektoren der Hochschulen und die studentischen Korpora­tionen teil. General von Reutter, der Vor­sitzende des Bayerischen Kriegerbundes, hielt die Festrede, die in einer Mahnung zur deutschen Einheit gipfelte. Darauf über­nahm Oberbürgermeister Scharnagel das Denkmal in die Obhut der Stadt.. Mit der Niederlegung von Kränzen fand ie Feier ihr Ende. Die Nationalsozialisten hielten eine geschlossene Trauerfeier für ihre ge­fallenen Kameraden vom 9. November 1923 ab. Als nach der Trauerfeier einzelne Gruppen versuchten, nach der Feldherrnhalle zu gelangen und dort Blumen niederzu­legen, wurden sie von einem Aufgebot von Schutzmannschaften daran gehindert.

Rintschitsch über den griechisch­bulgarischen Zwischenfall.

TU Paris, 10. November. Der jugoslawische Außenminister Nint- schitsch gab gestern in der Skuet- schina Erklärungen über den grie­chisch-bulgarischen Konflikt ab. Er kritisierte die Haltung Griechen­lands, warf aber auch Bulgarien die Duldung der Komitatschibanden vor, die beständig Unruhe hervorriefen. Ein Abgeordneter betonte die Soli* tarität Serbiens mit Bulgarien und beschuldigte Griechenland, die bul­garische Bevölkerung in Mazedonien und Thrazien systematisch vertrieben zu haben, um seinen eigenen Staats­angehörigen aus Kleinasien Platz machen.

Der bulgarische Gesandte in Bukarest über den Balkanpakt.

TA. Bukarest, 10.November. Der neue bulgarische Gesandte in Bukarest, Pomjanoff, hat gestern Pressevertretern eine bedeutsame Erklärung über den Balkanpakt abgegeben Er sagte, die politischen Kreise Bulgariens wären allgemein der Auffaffung, daß zuerst alle Tragen gelöst werden müßten, die die Reibungen zwischen den Balkan- staaten hervorrufen könnten, bevor man an die Behandlung der Trage eines Dalkanpaktes herantreten könnte. Der Pertrag von Locarno sei auch für den Balkan von größter Bedeutung. Die endgültige Stel­lungnahme Sowjetrußlands zu den Balkanstaaten werde jedoch erst den Ausschlag geben. Das polnisch­sowjetrussische Übereinkommen sei für die osteuropäische Politik be­stimmend, wie auch der Anterzeich- nung des deutsch-russischen Handels­vertrags durch Tschitscherin persön­lich eine günstige Vorbedeutung beigemeffen werden könne.