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fett im Londoner Eildenhaus über das Bertragswerk von Locarno und über den neuen europäischen Friedensgeist gesprochen. Am Mttwoch abend hält Reichskanzler Dr. Luther in Berlin ebenfalls eine große Locarno-Rede, die an die Ausführungen Chamberlains anknüpft und die eine Wiederholung des deutschen Standpunktes darstellen soll. Wahrscheinlich wird auch in den nächsten Tagen der französische Außenminister Briand sprechen, sodaß man den Beginn einer öffentlichen Diskussion der
englische Außenminister Chamberlain hat am Montag abend auf dem Dan-
Berlin, 11. November 1925.
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^Hessische Morgenzeitung" erscheint werktäglich j Hcgs um 1 Uhr), mindestens 6 Seiten stark. ‘ AM Samstag mit Beilage H. M. 3. im Bild. । 1 Bezugspreise: durch die Post bezogen monatlich t 1,50 Mark ausschließlich Postgebühren; bei der
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Mittwoch, den 11. November 1925, mittags.
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59. (2.) Jahrgang
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Was man sagt — und was man nicht sagt.
Der Anterzeichnungstag der Vertrage.
3n London . . . mit anschließender Siegesfeier. — Neuregelung der Besatzung. — Die Entwaffnungsnote.
Wie wir erfahren, wird Reichskanzler Dr. Luther am 29. November von Berlin abreisen, um die Unterzeichnung des Vertragswerkes von Locarno vorzunehmen. Auch Außenminister Dr. Stresemann wird in London seine Unterschrift unter die Verträge setzen. Die Aussprache im Reichstage, die in der letzten Novemberwoche über die Außenpolitik vorgesehen ist, soll daher bis spätestens den 27. November zum Abschluß gelangen. In den deutschen Regierungskreisen erwartet man, daß gleichzeitig mit der Unterzeichnung der Paktverträge ein besonderes Protokoll über die Regelung der Besatzuugsfragen unterschrieben werden wird.
Nähe gelegene Dorf Alaincourt sollen auf Befehl des Obersten niedergebrannt worden sein. Die gegen Leutnant Schulz erhobene Anklage lautet dahin, daß er im September 1914 einen französischen Pächter er- fchoffen und deffen Gut seinen Mannschaften zur Plünderung überlassen habe.
Syrien und Marokko.
jtllt ( Staatsmänner feststellen kann, die immer in [ Erscheinung tritt, wenn die politische Si-
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tuation auf Entscheidung hin drängt. In den Berliner diplomatischen Kreisen weist man daher mit Entschiedenheit darauf hin,
den daß jetzt erst der letzte Kampf bevorstehe, ben Deutschland um die Wahrnehmung seiner Gleichberechtigung und seiner Lebensrechte zu führen haben wird.
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Wie wir erfahren, soll am Mittwoch abend gleichzeitig von London und Paris aus halbamtliche Mitteilungen über die Neuregelung des Besatzungsregimes herausgegeben werden. 3n Berlin erwartet man mit größter Spannung diese Ankündigungen der alliierten Kabinette, die damit den Boden für die Programmerklärungen vor den Parlamenten vorbereiten sollen. Es ist aber mit aller Sicherheit anzunehmen, daß die alliierten Kommuniques nur allgemein gehaltene Ankündigungen enthalten werden, die erst nachträglich durch die Reden her Staatsmänner einer genauen Interpretierung bedürfen.
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Die Rede Chamberlains bietet allerdings noch sehr wenig Anhaltspunkte für deutsche Erwiderungen. Das, was der englische Außenminister gesagt hat, «ist bei weitem nicht so bedeutungsvoll wie das, was er nicht gesagt hat. Aus diesem Grunde wird Reichskanzler Dr. Luther in seiner Erwiderungsrede auf alle diejenigen Fragen zurückkommen, die zurzeit noch offen und die dem ; deutschen Volke für die Annahme der Verträge unerläßliche Voraussetzung sind. Neuerdings heißt es, daß Briand etwa am* Donnerstag die erwarteten Erklärungen vor der französischen Kammer abgeben wird und es wird daher sehr wichtig sein, den deutschen Standpunkt in sehr präziser Form zum Ausdruck zu bringen, noch ehe der fran- «ldsische Außenminister Gelegenheit erhält, einer klaren Interpretation der Frage der Rückwirkungen auszuweichen.
In London werden alle Vorbereitungen zu einer festlichen Ausgestaltung des 1. Dezember, des Unterzeichnungstages der Locarner Verträge, getroffen. Am Abend des 1. Dezember soll in Buckinghampalast ein großes Bankett beim Königspaar stattfinden, wo zum ersten Male nach dem Kriege Deutsche erscheinen werden. Das berühmte goldene Tafelgeschirr der Königlichen Familie soll bei Tisch gereicht werden. Keine Ausgaben sollen gescheut werden, um diesem Tage festlichen Glanz zu verleihen.
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Am 18. und 19. November wird sich das englische Parlament mit dem Locarno-Vertrag beschäftigen, sodaß der englische Außenminister Chamberlain Gelegenheit haben wird, bis zu diesem Zeitpunkte diejenigen Lücken auszufüllen, die man deutscherseits in seiner Guildhall-Rede festgestellt hat. Lediglich eine Stelle seiner Ausführungen vom Montag hat in Deutschland große Beachtung gefunden und zwar handelt es sich um die Erklärung, daß seiner Ueberzeugung nach nach erfolgter Ratifizierung der Locarno- Verträge kein Staatsmann es mehr wagen dürfe, vor der Geschichte die Verantwortung Zu übernehmen, die Hoffnungen zu vernichten, die Locarno erweckt habe. Deutscherseits wird man darauf antworten können, daß derartige Hoffnungen, von denen Chamberlain gesprochen hat, gerade in Deutschland erweckt worden sind. Die deutsche Re- glerung u. mit ihr die Mehrheit der Reichstagsparteien habe aus der Konferenz von Locarno die Hoffnung gewonnen, daß man d. Gleichberechtigung Deutchlands anerkannt und in aller Zukunft davon absehen wird, gewaltsame Schritte gegenüber Deutschland Zu unternehmen, wie-man das in den frühe-
Was enthält die neue Entwaffnungsnote?
TU. Berlin, 12. November Der „Berliner Lokalanzeiger" fordert heute in eindringlicher Form die Veröffentlichung der bisher peinlich geheimgehaltenen Entwaffnungsnote der Botschafterkonferenz. Das Blatt schreibt: Es sind ganz außergewöhnliche Vorkehrungen getroffen worden, um diese Geheimhaltung zu sichern und man ist dabei so weit gegangen, daß Stellen, die man in einer die Reichswehr anlangenden Frage als zuerst unterrichtet ohne weiteres annimmt, heute noch nicht einmal den genauen Inhalt, geschweige denn den Wortlaut der Note kennen. Mit größter Bestimmtheit treten Gerüchte auf, nach denen die Forderungen der jetzigen Note in manchen Punkten sogar noch über die der letzten hinausgehen sollen. Authentisches ist nicht zu erfahren. Wenn man aber das Gespräch auf die Note bringt, so scheint der Gesichtsausdruck der wenig Wissenden den schwersten Befürchtungen nicht zu widersprechen. Es ist selbstverständlich, daß sich infolgedessen eine immer größere Beunruhigung in politischen Kreisen ausbreitet und die Forderung erhebt sich immer dringender, mit dieser Geheimhaltung zu brechen. Auch, das „Berliner Tageblatt" nennt die neuen Entwaffnungsforderungen „überraschend umfangreich".
reu Jahren beinahe zur Gewohnheit werden ließ. Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, der die wichtigste Folgerung des ganzen Sicherheitspaktès darstellt, kann für die deutsche Politik nur dann die erwarteten Fortschritte bringen, wenn auch in dem Völkerbund ein neuer Geist einzieht, der sich dem Vertragswert von Locarno anpaßt und der durch die gleichberechtigte Zulassung Deutschlands eine völlige Neugestaltung erfährt, wie sie schon immer von den außerhalb stehenden Nationen gefordert worden war.
Der „Geist" von Locarno.
TU. Paris, 10. Nov. (Telnnion) Das Kriegsgericht in Amiens hat heute den deutschen Obersten Weicke vom 56. Infanterie-Regiment und Leutnant Schulz vom 17. Art.-Regt. in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Der Oberst soll 1914 in einem Gut bei Betheneourt 12 Einwohner der Ortschaft zur Deckung seiner Truppen benutzt haben. Mehrere wurden dabei durch französische Kugeln getötet. Betheneourt und das in der
Neuer Drusenangriff auf Damaskus?
TU, London, 11. November. (Telnnion.) Nach Meldungen aus Damaskus haben die syrischen Aufständischen fast das ganze Gebiet nördlich und südlich von Damaskus besetzt. Die französischen Verstärkungen treffen unter den gegebenen Transportverhältniffen so rasch wie möglich ein, doch sind viele Einwohner aus Furcht vor einer Belagerung nach Beirut geflüchtet.
Die Aufständischen ziehen sich unter der Führung von Bakri im Norden der Stadt Damaskus zusammen.
Englische Skepsis über die militärische Lage in Marokko.
TA. London, 11. November. (Telnnion). Die optimistischen Äußerungen Marschall Petains, der bei seiner Rückkehr in Marseille sagte, die militärische Seite des Krieges in Marokko wäre erledigt, werden in England skeptisch beurteilt. Man habe bisher nur von Schwierigkeiten Abd el Krims gehört, keineswegs aber von seiner Niederlage. Was wäre denn, fragt der „Evening Standard", inzwischen geschehen, um Erklärungen, wie sie Petain abgegeben habe, zu rechtfertigen
Friedensverhandlungen in Tanger.
TU. D e r l i n, 11. November. Die „Boff.-Ztg." meldet aus Madrid: Nach Pressemeldungen sind in Tanger Abgesandte verschied. Stämme der Rifkabylen eingetroffen, darunter solche der Dschebalas, um mit den Spaniern über den Frieden zu verhandeln.
Die ewige Angst ....
TU. Paris, 10. November. „Oeuvre" veröffentlicht einen aufsehenerregenden Artikel über die elsaß-lothringische Frage. Das Blatt verweist auf die Befriedigung, die der Pakt von Locarno in Elsaß-Lothringen ausgelöst hat. Wenn auch der formelle Verzicht Deutschlands auf diese beiden Provinzen darin zum Ausdruck komme, so sei die lebhafte Agitation nicht zu leugnen, die im Reiche für die Wiedergewinnung oder für eine Autonomie dieser Länder geführt wird. Man müsse annehmen, daß ca. 40 000 ehemalige Elsaß-Lothringer in Deutschland daran arbeiten, diese beiden Provinzen Frankreich wieder zu entreißen. Jedoch wäre dieser Bewegung keine besondere Bedeutung beizumessen, wenn nicht im Lande selbst Strömungen vorhanden wären, die auf eine Loslösung der beiden Provinzen von Frankreich hinzielten.