Hessische MorgenzeitW
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Suter
Nr. 257
Hindenburg in Frankfurt a. M. Die Begrüßung im Römer. — Gedenkfeier in der Universität. — Besuch des Stadions. — Festvorstellung im Opernhaus. —
Abschiedskundgebungen.
Frankfurt am Main hat heute Fest- und Feiertag! Hindenburg ist da! Die Schnl- kinder haben frei, die Läden im Innern der Stadt sind zum größten Teil geschloffen. Die Straßenbahnen überfüllt und starkes Gedränge in den Straßen, die der Reichspräsident passieren soll. Ueberall ist die große Volksmenge in gespannter Erwartung, denn auch Frankfurt am Main hat reich geflaggt, geschmückt und selbstverständlich auch sonst alles getan, um dem Reichspräsidenten einen würdigen Empfang zu bereiten, zumal ja Hindenburg vom Magistrat schon gleich nach seiner Wahl eingeladen wurde, nach Wunsch und Belieben hier im alten Bundespalais alljährlich eine zeitlang Wohnsitz zu nehmen. Ihn sehen zu können, war bei der Frankfurter Bürgerschaft ein Bedürfnis und so war Eicon auch die Begrüßung in Frankfurt am Main, noch dazu unter Teilnahme Tausender Menschen aus dem gasigen Rhein- Maingaugebiet eine außerordentlich herzliche.
Um 12,51 rollte der Zug von Darmstadt auf dem Frankfurter Bahnhof ein, wo sich zu einem ganz kurzen Empfang Oberbürgermeister Dr. Landmann, Polizeipräsident Ehrler, die Herren der Reichsbahndirektion und sonstige amtliche Zersönlichkeilen eingefunden hatten. In drei Autos fuhren die Herren, Reichspräsident v. Hindenburg mit Dr. Landmann im ersten Wagen voran, von der unzähligen Menschenmenge bejubelt, über die Kaiserstraße, wo die vaterländischen Verbände Aufstellung genommen hatten und Spalier bildeten.
Beim Eintreffen auf dem Römerberg kurz vor dem Römer, wo der Hauptbegrützungs- akt vor sich ging, bot sich ein überaus eindrucksvolles Bild. Hier waren u a. etwa 23 000 Schulkinder der oberen Klaffen angetreten, um dem Reichspräsidenten eine Huldigung darzubringen. Beim Betreten der Römerhalle überreichte die Tochter des Stadtrats Meckbachs dem Reichspräsidenten einen Blumenstrauß und sprach einige Verse.
Im großen Kaisersaal hatten sich inzwischen etwa 300 Persönlichkeiten, Vertreter der Städtischen und Staatlichen Behörden, der Kunst und Wissenschaft, des Wirtschaftslebens und Berufsverbände eineingefunden. Reichspräsident von Hindenburg, in dessen Begleitung Oberbürgermeister Dr. Landmann, Staatssekretär Dr. Meißner, Major von Hindenburg, der Ober- präsident von Hessen-Nassau, Exzellenz Schwander und der Reichswehrgruppenführer in Kassel, General der Infanterie Ritter von Möhl befanden, ließ sich dann die einzelnen Persönlichkeiten vorstellen. Unbeschreiblicher Jubel wurde laut, als sich der Reichspräsident auf den Balkon begab. Von hier aus richtete Hindenburg an die Jugend herzliche und eindrucksvolle Worte, mahnte Ke, dem deutschen Vaterland die Treue zu bewahren und brachte ein Hurra auf unser
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Samstag, den 14. November 1925, mittags.
Schwindende Bedenken?
Die Verhandlungen über die Rückwirkungen abgeschloffen. Die deutschnationale Anfrage an den Kanzler. — Kein
K
Fraktionszwang der Deutschnationalen.
Wie wir von bestunterrichteter Seite erfahren, sind die diplomatischen Unterhandlungen zwischen Deutschland und den Alliierten über die Frage der Rückwirkungen am Donnerstag durch die Aussprache zwischen Briand und dem deutschen Botschafter, von Hoesch, der auch der neue deutsche Rheinlandkommissar, Freiherr Langwerth von Simmern, beigewohnt hat, endgültig Arm Abschluß gelangt. Eine Einigung wurde darüber erzielt, daß die Frage der Rückwirkungen noch vor der Unterzeichnung der Locarno-Verträge gelöst wird. Es verlautet weiter, daß die bevorstehende Erklärung der Alliierten zu keinerlei Differenz führen wird.
Der frühere deutschnationale Abgeordnete Dr. Traub hat in einem offenen Brief an den Reichskanzler Dr. Luther im Zusammenhang mit den Locarnoverträgen drei Fragen ausgestellt, von deren Beantwortung er das Endurteil der Deutschnationalen abhängig macht. Wenn der Reichskanzler diese drei Fragen mit einem glatten „Nein" beantworten könne, so werde das deutsche Volk wissen, daß ihm kein neuer Krieg droht. Die drei Fragen lauten:
2.
3.
Ist Deutschland verpflichtet, im Falle eines Krieges zwischen Rußland einerseits und einer oder mehrerer Völkerbundsmächte einzugreifen?
Ist Deutschland verpflichtet, im Falle eines solchen Krieges deutsche Truppen zur Verfügung zu stellen?
Hat eine der Bölnerbundsmäcyte in einem solchen Falle das Durchzugs-
recht durch deutsches Gebiet?
Wie wir hören, ist Reichskanzler Dr. Luther der festen Ueberzeugung, daß man diese drei Fragen ohne Umschweife mit einem glatten „Rein" beantworten könnte.
In den parlamentarischen Kreisen verlautet, daß die Deutschnationale Reichstagsfraktion entschlossen sei, bei der Abstimmung über die Locarno- Verträge den Fraktionszwang aufzuheben, sodaß den Mitgliedern der Fraktion freigestellt wird, nach eigenem Ermessen für oder gegen Locarno zu stimmen. Diese Absicht sei darauf zurückzuführen, daß mehrere Fraktionsmitglieder die Auffassung vertreten, daß die außenpolitischen Entscheidungen nicht im Zusammenhang mit der innerpolitischen Einstellung der einzelnen Parteiangehörigen stehen und daß man den Anhängern der Locarno-Verträge frei stellen müsse, ihrer eigenen Überzeugung nach zu stimmen.
Havas über den Inhalt der Noten in der Entwaffnungsfrage.
TU. Paris, 14. November. Nach einem Havasbericht aus London werden die Alliierten unverzüglich auf die letzte deutsche Note antworten. Die Verhandlungen zwischen Deutschland und den alliierten Mächten werden mit größter Schnelligkeit geführt, da die Räumung Kölns am 1. Dezember auf jeden Fall beginnen soll.
Der deutschnationale Parteitag.
TU. Berlin, 13. November. Die Tagesordnung für den in Berlin stattfindenden deutschnationalen Parteitag ist nun endgültig festgesetzt. Am Sonntag tritt im Plenarsaal des deutschen Landtages die Parteivertretung zusammen. Zunächst wird die Tagesordnung besprochen werden, dann sollen der Jahresbericht und der Kassenbericht erstattet und Satzungsänderungen vorgenommen werden. Schließlich kommen Anträge zur Beratung. Der ordentliche Reichsparteitag tritt am Montag im Kriegervereinshaus zusammen. Nach der Eröffnungsansprache des Parteivorsitzenden Dr. Winkler und nach weiteren Begrüßungsansprachen hält Gras Westarp das Hauptreferat über deutschnationale Außenpolitik. Der Abend bringt zwei öffent- lid)e Kundgebungen. Es sind Ansprachen vorgesehen von Frau Dr. Käthe Schirmacher, Staatsminister Hergt und dem Reichstagsabgeordneten Schlange- Schöningen, Dr. Koch-Elberfeld, Staatsminister a. D. Wallraf, Reichstagsabgeordneten Behrend und von der Landtagsabgeordneten Frau von Tilling.
Verlängerung des polnischen Einfuhrverbotes für deutsche Waren.
Berlin, 13. November. (Telunion). Wie dem Industrie-Kurier aus Warschau berichtet wird, hat die polnische Regierung dieser Tage den Beschluß gefaßt, die Gültigkeit der Verordnung über das Verbot der Wareneinfuhr aus Deutschland, die am 14. November d. Is. abläuft, um weitere drei Monate zu verlängern.
59. (2.) Jahrgang
geliebtes und so schwer geprüftes Deutsch- nach Zehntausenden zählende Menge be- nach Zehntaubsenden zählenden Menge begeisterten Widerhall fand. Im Anschluß daran wurde spontan das „Deutschlandlied" gesungen.
Hierbei hielt Oberbürgermeister Di Landmann die Begrüßungsansprache.
In seiner Begrüßungsansprache feierte der Oberbürgermeister Dr. Landmann die Persönlichkeit Hindenburgs an der alten geschichtlichen und Kulturstätte Frankfurt mit warmen Worten. Er gedachte der schweren Kriegs- und Nachkriegsjahre, die hinter uns liegen und versprach das unbedingte Zu- fammenstehen der Heimat mit dem Reiche zum Wiederaufbau. Als kostbarsten Baugrund zum Wiederaufbau bezeichnete er die politische Einheit von Reich und Volk, um dann fortzufahren:
Die Bürgschaft dafür, daß wir durch alle Stürme und Fährlichkeiten der kommenden Zeit dieses köstliche Erbgut retten_ werden, erblicken wir heute vor allem in der Gesinnung, in der Sie, Herr Reichspräsident, Ihr Amt übernommen habe nund führen. Ihr Leben ist für uns die Verkörperung der Treue zum deutschen Volke. Zweimal ist der Ruf des Vaterlandes an Sie ergangen in Ihre hohen Lebenslage hinein als Ihnen nach langen Jahren der Pflichterfüllung die u^IüMü'.tc Ruhe als Ehren «old des Lebens gebührt hätte. Das war damals, als Sie mutvoll ans Werk gingen mit wuchtig ausholenden Schlägen den Alpdruck von unserem Volke zu nehmen, den das Eindringen der Russen in deutsches Land erzeugt hatte . Und dann als sie zurückge- kehrt aus den schwersten Kämpfen, in denen Sie Jahre hindurch die ungeheure Verantwortung trugen und deutsches Land vor den Fußtritten der fremden Heere schützten ,der Ruf vernahmen, das äußerst würdevolle, aber unendlich schwere Amt des Reichspräsidenten des deutschen Volkes zu übernehmen, das siegte über alle Hemmungen und inneren Kämpfe. Über die Scheu vor der neuen schweren Last, deren sie gewärtig sein mußten, in Ihnen das Gefühl der Pflicht und der Treue zum deutschen Volke . Diese Hingabe an das große Ganze in jeder Lage ist uns Gewähr dafür, daß Sie Ihr Amt in dem Sinne ausüben werden, in dem es Ihnen vom deutschen Volke anvertraut worden ist. Wir sind gewiß, daß Sie das deutsche Reich, die deutsche Republik bewahren werden vor allen Angriffen, mögen sie kommen von oben oder von unten . Wir sind gewiß, daß unter Ihrem Wirken an höchster Stelle des Reiches alle Glieder des in der jungen Republik geeinten deutschen Volkes sich immer mehr zum Ganzen verbinden und kraftvoll danach trachten werden, die Einigkeit nach Innen zu festigen, die Wohlfahrt zu fördern und das^Aussehen nach außen zu mehren.
In Treue fest, so stehen Sie vor Ihrem Amte und dem Deutschen Reich, für befielt Erhaltung ,für dessen Schutz und für dessen Staatsform Sie Ihr Manneswort verpfändet haben. So haben Sie bisher gehandelt ,so wird künftig Ihr Tun sein. Dieser Ihrer Treugesinnung soll nunmehr der Ruf entgegenhallen, zu dem ich die Vertreter der Frankfurter Bürgerschaft und der Spitzen der Reichs- und Landesbehörden auffordere: Des deutschen Volkes Repräsentant, des Deutschen Reiches Resident, er lebe hoch!"
(Fortsetzung des Berichtes am Montag.)
An unsere Leser!
Die H. M. 3. im Bild ist noch nicht eingegangen und wird einer der nächsten Nummern beigelegt.