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Nr. 260
Donnerstag, den 19. November 1925, mittags.
59. (2.) Jahrgang
Das erwachende
Asien.
Aufstandsbewegung der Turckmenen.
TU. Paris, 18. November. Nach Meldnug aus Konstantinopel hat die Bewegung unter den Turkmenen erheblich zugenommen. Zahlreiche Banden durchziehen das Land und - greifen die Garnisonen der Roten Armee | an. In Samarkand haben am 17. November mbekannte Täter ein großes Eranatlager zur Explosion gebracht. Mehr als 50 000 ' Granaten wurden zerstört. 20 Soldaten blieben tot und mehr als 50 wurden ver- I Wjt . Die Stadt selbst hat keinen Schaden erlitten.
Saraill wird verhört.
TU. Paris, den 18. November 1925. (Tânion). General Saraill wurde heute früh von der Armeekommission gehört. Dem amtlichen Communique zufolge gab der General eine ausführliche Schilderung der Lage in Syrien und berichtete über die nä^eien Umstände des Drusenaufstandes, I sowie über die Gründe, die ihm bei den Werfällen der aufständischen Drusen und Beduinen und der transjordnischen Elemente auf Damaskus zwangen, Artillerie auffahren zu lassen.
Aus den Darlegungen Saraills ist noch zu erwähnen, daß er den General Michaud, Wbekanntlich bei Sueida geschlagen wurde, «on jeder Schuld freisprach. Dagegen beschuldigte er den Oberkommandierenten von Sueiba, daß er seiner Aufgabe nicht gewachsen gewesen sei. Zur Beschießung von Damaskus gab Saraill eine Reihe von Aufklärungen und mußte auf Befragen zugeben, daß sich infolge der Unfähigkeit des Bedienungspersonals der Artillerie Granaten verirrt hätten und weit vom Ziel weg eingeschlagen wären. General Saraill kam dann auf die politische Seite der Ereignisse zu sprechen. Nach seiner Ansicht sei Syrien noch nicht für ein Mandat reif. Er lobte in warmen Ausdrücken die wertvolle Unterstützung, die ihm durch das englische Lriegsministerium und das Außenamt zu- leil geworden sei.
Der amtliche Bericht.
TU. Paris, den 18. November 1925. Nach dem amtlichen Bericht herrscht in Syrien überall Ruhe. Nur im Osten von Damaskus habe sich die verstärkte Tätigkeit von Vander bemerkbar gemacht. Ferner wird erklärt, daß die Meldungen über den Anschluß her Städte Palmyra, Aleppo und Deir-El-Sor an die Aufständischen jeglicher Grundlage entbehrten.
Ein Führer der Syrier auf dem Wege nach Genf.
TU. Paris, 19. November. Nach einer Meldung des „Temps" aus Konstantinopel ist einer der bedeutendsten Führer der syrischen Aufstandsbewegung in Kon- Üantinopel eingetroffen. Er wird sich nach der Schweiz begeben, um dem Völkerbund die Wünsche der Araber vorzutragen. Sie wrdern vor allem, daß das Mandat über Syrien einer anderen Macht übertragen werden soll.
Tagesgeschichte
^um Landesparteitag der Deutschen Volkspartei Thüringens.
^TU. Jena, 16. November. Außer der ^upttagung der Deutschen Volkspartei des Landesverbandes Thüringens fanden vergebene Nebenveranstaltungen statt, so ige Tagung des Landwirtschafts-Ausgusses und die bereits erwähnte Frauen- rgung. Auf der ■ Frauen-Tagung sprach f au Klara MendeBerlin, M .d. R., in Meise über „Die Frau in der Di» m " ^b »Meine Erlebnisse in Amerika."
Ausführungen der Rednerin über die
Die Loearno-Derträge vor den Ministerpräsidenten.
T. U. Berlin, den 18. Nov. Wie die Telegraphen-Union erfährt ist die vom Reichsaußenminister zu bearbeitende Vorlage, die die Zustimmung der gesetzgebenden Körperschaften zu der Locarnovertrag, sowie zum Eintritt Deutschlands in den Völkerbund enthält, im Laufe des Mittwoch soweit gediehen, daß sie in der Donnerstag vormittag stattsindeden Konferenz mit den Ministerpräsidenten der Länder fertig vorliegen wird. Rach der Stellungnahme der Ministerpräsidenten wird das Reichskabinett erneut zusammentreten, um end gültig über die Vorlage Beschluß zu fassen.
Reklame für die Zwangsjacke.
Wir entnehmen dem „Tag" die folgende Meldung:
Gegenüber der Räumungsmache für Locarno, die sich auf das angebliche Interesse Amerikas an dem Vertragsschluß beruft, ist festzustellen, daß in Berliner-amerikanischen Kreisen die Aufnahme des Vertrages von vornherein sehr kühl gewesen ist. Man betrachtet Locarno als ein schlechtes Geschäft für Deutschland. Auf die sogenannten Rückwirkungen habe das Reich ohnehin anderweitige Rechtsansprüche gehabt (!) und die Verminderung der Besatzungstruppen wäre für Frankreich auch sonst aus finanziellen und militärischen Gründen unvermeidlich gewesen. Für Amerika sei eigentlich nur die durch Locarno beabsichtige Einbeziehung Deutschlands in die antirussische Front von Interesse. Mit Krediten habe Locarno nichts zu tun. Amerikas Standpunkt in wirtschaftlichen Fragen werde durch das Vertragswerk nicht berührt. Im übrigen habe nach Amerikas Ansicht Frankreich, nicht Deutschland ein vordringliches Interesse am Abschluß.
Welcher Mittel sich die Locarnoreklame der Linkspresse bed.ent, um die Massen zu verdummen und einzunebeln, zeigte sich besonders deutlich, als schon am Moutag abend dem staunenden Volk durch Wanderschrift augezeigt wurde, daß das Reichskabinett einstimmig die Unterschrift beschlossen habe, obwohl schon feststand, daß die Beratungen noch längst nicht beendet waren und erst 20 Stunden später zum Abschluß kamen. Phantasie ist etwas Schönes — die Begeisterung für die Zwangsjacke nimmt aber in diesem Falle unheimliche Ausnahme an!
Sm Zeichen der „Abrüstung"
TU. Paris, 19. November. In Cherbourg wurde gestern morgen ein neues Unterseeboot vom Stapel gelassen. Das Fahrzeug ist 85 m lang, 7 m breit und hat einen Tiefgang von 5 m sowie eine Wasserverdrängung von 1400 Tonnen. Das neue Unterseeboot fährt an der Oberfläche 16 Knoten in der Stunde und unter Wasser 10 Knoten.
unterschiedliche Stellung der Frau im öffentlichen Leben Deutschlands und Amerikas und die aus diesen Verhältnissen sich ergebenden Folgen für das ganze soziale Leben waren sehr interessant. Auch was die Rednerin über die deutschen Minderheiten im Auslande und ganz besonders in Amerika sagte, fesselte die Zuhörer stark. Ein offizieller Begrüßungsabend im historischen Hotel „Zum schwarzen Bären" zeigte die unverminderte Lebenskraft und den Willen zum weiteren Aufstieg der Deutschen Volkspartei in Thüringen.
Die verhafteten Allensteiner Landarbeiter auf freiem Fuß.
TU. Allenstein. Wie die „Allensteiner Zeitung" berichtet, sind die unter dem Verdacht der Geheimbündelei verhafteten 20 Landarbeiter nach ihrer Vernehmung am Sonntag entlassen worden.
Locarno im englischen Parlament.
TU. Berlin, 17. November. Wie die Morgenblätter aus London melden, kündigte im Oberhaus die Regierung an, daß am Dienstag nächster Woche, am 24. November, eine Aussprache über die Vorträge von Locarno veranstaltet werden soll. Die Debatte über die Verträge von Locarno wird im Unterhaus am Mittwoch nächster Woche beginnen.
50 000 Mann Verstärkungen für Syrien gefordert.
TU. Pa»is, 18. November. Aus Damaskus wird erklärt, daß General Gamelin, der französische Oberkommandierende in Syrien, der Pariser Negierung einen Bericht
eingesandt habe, in dem er die Entsendung von 50000 Mann zur Verstärkung fordert, um die Lage in Syrien wiederherzustellen, An der Grenze Palästinas ist von den Engländern der Belagerungszustand verhängt worden.
Amerika zur Rede Westarps.
TU. New-Bork, 17. November. Die Redè Westarps auf dem deulfchnationalen Parteitag, wird deswegen hier stark beachtet, weil Westarp die Möglichkeit von engeren Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland berührte, falls der Locarno-Vertrag nicht zustande käme. Bezeichnend ist, daß die Hearstpresie, die während des Krieg s anti- engllsch eingestellt war, die Sicherheitsverhandlungen kritisch behandelt, während die im Kriege deutschfeindliche Presse immer wieder betont, daß Deutschland nunmehr, da es sich gebessert habe, in den Bund der Nationen wieder ausgenommen werden könne, falls es bereit sei, denLocarno-Vertrag zu unterzeichnen, also im proenglischen und antirussischen Fahrwasser zu segeln.
Hinzuziehung Deutschlands zur Votschasterkonferenz.
TU. London, 16. Nov. In amtlichen Kreisen wird bereits lebhaft erörtert, was in Zukun't aus den beiden interalliierten Körperschaften in Paris, der Botschafterkonferenz und dem Vaisailler Militärkomitö, werden soll, da sie mit dem Inkrafttreten des Locar- noer Vertrages überflüssig werden. Wie verlautet, soll die Botschafterkonferenz unter Hinzuziehung des deutschen Botschafters noch beibehalten werden.
DieUeberführung der sterblichen Ueberreste
Richthofens.
TU. Paris, 18. November. Wie „Petit Parisien" aus Straßburg meldet, wird der Sarg mit den sterblichen Ueberresten des deutschen Kampffliegers Freiherrn v. Richthofen heute nacht v. Kehl nach Appenweiler weitergeführt, wo ihn eine Abordnung von acht ehemaligen deutschen Fliegern in Empfang nehmen wird.
TU. Kehl, 18. November. Heute morgen 6,30 Uhr wurde die Leiche des erfolgreichsten deutschen Kampffliegers, Freiherrn Manfred von Richthofen von Vertretern des Karlsruher Fliegerbundes in Kehl übernommen, wo der Sarg schon zwei Tage zuvor angekommen war und zur Uebernahme bereitstand. Er war bis dahin nur von dem jüngeren Bruder Richthofens, dem Vorsitzenden des Familienverbandes der Richthofen, der die Ausgrabung und die Ueberführung bisher geleitet hatte, begleitet worden. Schon am Abend zuvor fand um acht Uhr in Kehl, obgleich, dem Karlsruher Fliegerbund von der französischen Behörde Kranzniederlegungen verboten war, eine gemeinsame Trauerfeier an der Bahre Richlhofens statt. An ihr nahm der Musik- verein Kehl, die Feuerwehr mit Fackeln, ferner ehemalige Frontsoldaten und eine große Anzahl Männer und Frauen der Kehler Bevölkerung teil. Direktor Stiel brachte im Namen der Kehler Bürgerschaft dem Toten den ersten Gruß auf deutschem Boden. Nach einem Ehoral ergriff Rechtsanwalt Mayer im Namen der Frontsoldaten das Wort und betonte, daß es sehr zu bedauern sei, daß man Richthofen nicht in der Weise eine Gedenkstunde bereiten könne, wie es dem Ruhm und den Taten der verdienstsvollsten deutschen Helden entsprechen würde. Bürgermeister-Stellvertreter Baumgarten aus Kehl sprach im Namen- der Stadt. Darauf erfolgten zahlreiche Kranzniederlegungen.
In Appenweiler, Achern, Brühl, Oos, Karlsruhe, Heidelberg — überall fanden Gedenkfeiern statt, in deren Reden dankbar des großen Helden gedacht wurde. Die ehemaligen Karlsruher Frontflieger und Kameraden Richthofens, die aus Freiburg eingetroffen waren, stellten von Appenweier an die Ehrenwache am Sarg, die im weiteren Verlauf der Fahrt von anderen Fliegerorganisationen abgelöst wurde. Auf der ganzen Strecke, an den herrlichen Bergen des Schwarzwaldes entlang erwiesen ehemalige Flieger, Militärvereine und vaterländische Verbände dem Toten die letzte Ehre.
In Frankfurt fand gestern mittag um H12 eine große Feier bei der Durchfahrt des Zuges statt. Auf dem Bahnsteig hatten sich Abordnungen sämtlicher vaterländischer Verbände, sowie des Republikanischen Reichsbundes, des Reichsbanners und der Fliegerverbünde eingefunden. Beim Einfahren des Zuges in die Halle spielte eine Kapelle einen Choral, worauf eine Abordnung der Schupo die Ehrenwache stellte. In den verschiedenen Gedächtnisreden kam die schmerzliche Trauer und die große Bewunderung um den geliebten Helden zum Ausdruck. Alle Redner legten große Lorbeerkränze mit entsprechenden Widmungen nieder. Nach 15 Minuten war die schlichte Feier zu Ende und unter den Klängen des Liedes vom guten Kameraden fuhr der Zug in der Richtung Gießen-Kassel weiter, wo ebenfalls unter Teilnahme der vaterländischen Verbände und der kameradschaftlichen Vereine ähnliche Feiern stattfanden.