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Nr. 261

Freitag, den 20. November 1925, mittags.

59. (2.) Jahrgang

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lini im Gegensatz zu den anderen Staats­männern, die im Hotel wohnen werden, in der italienischen Botschaft bleiben wird.

Sie Ent- wRiiilsfnie. Nach erfolgter Veröffentlichung des Notenwechsels in der Entwaffnungsfrage zwischen der Deutschen Regierung und der Botschafterkonferenz drucken wir im folgen­den die mündliche Erklärung des General­sekretärs der Votschafterkonferenz Massig!; gegenüber dem deutschen Botschafter in Paris vom 14. November 1925 ab:

Die Botschafterkonferenz hat nach Kennt­nisnahme der letzten im Namen der deut­schen Regierung hinsichtlich der noch offen- gebliebenen Entwaffnungsfragen gemachten Vorschläge beschlossen, den Beginn der Räu­mung der Kölner Zone auf den 1. Dezem­ber festzusetzen. Die Botschafterkonferenz wird am 16. November an den deutschen Äotschafter eine schriftliche Bestätigung dieses Beschlusses sowie der herbeigeführten grundsätzlichen Einigung richten, die autzer- dem eine Mitteilung über den möglichst nahen Zeitpunkt, bis zu dem die Räumung beendet sein kann, enthalten wird.

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Die bevorstehende Kanzlerrede im Reichstag.

Eigene Meldung.

Berlin, 19. November 1925. Wie wir erfahren, wird Reichs­kanzler Dr. Luther anfang der nächsten Woche die große Programm- rede über die Loearns-Berträge im Reichstag halten, mit der die Reichs- regierung die Debatte über die Außenpolitik einleiten wird. Die Kanzlerrede wird voraussichtlich erst am Dienstag erfolgen, da es noch fraglich ist, ob bis zum Mon­tag volle Klarheit über die parla­mentarische Situation geschaffen sein wird. Da die Rede des englischen Außenministers Chamberlein in den deutschen politischen Kreisen einen starken Eindruck gemacht hat, wird der Kanzler seine Ausführungen in erster Linie darauf konzentrieren, dem englischen Außenminister zu antworten und die Erwartungen Deutschlands hinsichtlich der Er­füllung seiner Versprechungen zum Ausdruck bringen.

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Abstimmung im Unterhaus über den Loearno-Dertrag.

TU. London, 19. November. Kurz nach 11 Uhr abends fand gestern im Unterhaus die Abstimmung über den Vertrag von Locarno statt, die eine überwältigende Mehrheit für die Regierung ergab. 375 Stimmen sprachen sich gegen, 13 Stimmen für die Annahme des Vertrages aus. Der sozialistische Abänderungsantrag wnrde mit 332 gegen 130 Stimmen abgelehnt.

Schwere Erkrankung der Königinmutter von England.

TU. London, 19. Nov. Die Königinmutter von England hat heute nachmittag einen schweren Herzanfall erlitten. DieAerzte haben wenig Hoffnung, daß sich die Königin wieder erholen wird.

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Eine Entschließung der Regierungsparteien im Reichstag.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, den 20. November. Wie wir hören, wirb von den hinter der Regierung stehenden Parteien schon jetzt der Entwurf einer Entschließung ausgearbeitet, die nach Abschluß der Locarno-Besprechungen abgegeben werden und die eine Kundgebung des deutschen Parlamentes darzustellen hätte. Die Entschließung der Regierungsparteien soll alle großen politischen Fragen umfassen, die in Anbetracht der Annahme des Vertragswerkes von Locarno nunmehr in den Vordergrund der deutschen Außenpolitik zu treten hätten. Dabei handelt es sich, wie wir von unterrichteter Seite erfahren, in erster Linie um folgende Punkte: 1. Abkürzung der Besatzungsfristen, 2. Aufrecht­erhaltung des Artikels 19 der Völkerbundfatzungen, der Deutschland das Recht gibt, die Revision des Versailler Vertrages zu fordern, 3. das Recht Deutschlands aus koloniale Betätigung, 4. Beratungen über die allgemeine Abrüstung, 5. der Locarno-Vertrag stellt unter keinen Umständen ein Bündnis gegen Rußland dar, 6. Deutschland erwartet vollkommenene Gleichberechti­gung im Völkerbund.

3n den Kreisen der Regierungsparteien hofft man, daß diese Ent­schließung mit einer überwältigende Mehrheit angenommen wird, sodaß dadurch die Position der Regierung Luther bei der Unterzeichnung des Vertragswerkes von Locarno die erforderliche Rückenstärkung erhält.

Die Stimmung im Rheinland.

I Eigene Meldung.

TU. Berlin, 19. November. Wie wir aus rheinischen Parlaments­kreisen erfahren, beurteilt man im besetzten Gebiet die kn Aussicht gestellten Erleichterungen des Besatzungsregimes wesentlich günstiger als im unbesetzten Deutschland. 3m Vergleich zu der gegenwärtigen Handhabung des Regimes würden die in Aussicht gestellten Milderungen einen Zustand schaffen, der für das besetzte Gebiet einen sehr erheblichen Fortschritt bedeuten würde. Es sei ganz unverkennbar, daß allein schon die Herabsetzung der Stärke der Besatzungstruppen geeignet sei, sehr empfindliche Lasten zu beseitigen I und daß die Rückgabe der Rechtssprechung an die deutschen Gerichte, die I nn dringendsten verlangt wurde, sehr viele Härten der Besetzung abmildern könnte. Die Bevölkerung der besetzten Gebiete sei daher an sich der Über­zeugung, daß es unklug sein würde, die angekündigten Erleichterungen als ungenügend zurückweisen zu wollen.

Das amtliche Kommunique über die Ministerpräfibentenkonferenz.

TU. Berlin, 19. November. Heute vormittag traten die Staats- u. Ministerpräsidenten der Länder mit den Mitgliedern des Reichskabinetts unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Luther zu einer gemeinsamen Beratung der außenpolitischen Lage zusammen. Auf Grund der Aussprache wird die Reichsregierung nunmehr entsprechend dem vorgestern unter Vorsitz des Herrn Reichspräsidenten gefaßten Beschluß den gesetzgebenden Körperschaften und zwar zunächst dem Reichsrat den Entwurf eines Gesetzes über die Verträge von Locarno und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zugehen lassen.

Die Aeberweisung des Gesetzentwurfes Wer den Loearnovertrag an den Reichsrat.

TU. Berlin, 19. November. Wie die Telunion erführt, ist die Zu­leitung des Gesetzentwurfes über den Vertrag von Locarno an den Reichs­rat auf einen Beschluß des Kabinettes zurückzuführen, das sich im Anschluß an die Konferenz des Reiches mit den Ländern zu einer Sitzung versammelte, die sich neben laufenden Fr gen natürlich auch mit dem Hauptproblem des Tages befaßte.

Stuatskrife in Polen.

TU. Warschau, 19. November. Nachdem Skrzynski gegen %7 Uhr den Auftrag, das Kabinett zu bilden, zurückgegeben hatte, erklärte um ^8 Uhr der Staatspräsident Wojciechowski, daß er den Auftrag von Skrzynski nicht zurücknehme. Er ersuchte diesen, das Kabinett zu bilden. Wie der Vertreter des Asien-Osteuropa-Dienstes er­fährt, hat der Staatspräsident ben' Sejm­marschall Rataj beauftragt, die Bildung des Kabinetts zu übernehmen. Wie verlautet, wird die Kabinettsbildung in Verbindung

mit dem Führer der Wyzwolende, Witos, erfolgen, dem ein sehr maßgebender Ein­fluß im Kabinett eingeräumt werden soll.

Z «Mussolinis Besuch in London Die Sorge um seine Sicherheit.

TU. London, 19. November. Wenn kein unvorhergesehenes Ereignis eintritt, wird Mussolini nun doch am 1. Dezember in Lon­don zur Unterzeichnung des Locarnover­trages eintreffen. Die Frage seiner persön­lichen Sicherheit bereitet den Behörden die größten Sorgen. Es ist möglich, daß Musso­

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Richthofens sterbliche Ueber- reste in Berlin.

TU. Berlin, 19. November. Gestern abend um 10% Uhr traf der D-Zug mit dem Sarge des Fliegeroffiziers Manfred von Richthofen auf dem Potsdamer Bahnhof ein. Auf dem Bahnsteig hatten sich zahl­reiche ehemalige Fliegeroffiziere und Ver­treter der Reichswehr eingefunden, um den toten Helden zu ehren. Der Wagen, in dem der Sarg stand, war über und über mit Kränzen bedeckt. Die Ehrenwache hielten vier Reichswehroffiziere. Der Sarg wurde von acht ehemaligen Kameraden Richthofens aus dem Wagen gehoben und zum Leichen­auto getragen. Die große Menge, die sich auf dem Bahnsteig und vor dem Bahnhof angesammelt hatte, grüßte ehrfurchtsvoll. Um 11 Uhr fuhr der Leichenwagen zur Enadenkirche ab, wo heute nachmittag von 12 bis 4 Uhr die öffentliche Aufbahrung er­folgt.

Die Trauerfeierlichketten für!

Manfred von Richthofen

T U. B e r l i n, den 19. Nov. Heute vormittag wurden die sterblichen Überreste Mansted v. Richt­hofens in der Enadenkirche in der Juvalidenstraße feierlich aufgebahrt, Der braune, eichene Sarg, auf dem der Degen und Helm des berühmten Fliegers liegen, hat vor dem Altar Aufstellung gefunden, zu beiden Seiten große Kandelaber mit unzähligen Lichtern. Den ganzen Vorraum des Altars bedekt eine Fülle von Kränzen, vor dem Sarg ragt das schlichte Kreuz empor, das die Franzosen dem ge­fallenen Kapfslieger auf dem Einzelgrab errichtet hatten, mit der einfachen Inschrift:53091, Richt­hofen, von, Baron, Kapitain. E. A." Vor dem Sarg liegen auf einem Kissen sämtliche Orden und Ehrenzeichen des Gefallenen. In die Totenwache teilen sich ehemalige Offiziere des Kampfgeschwaders 1 und des Ulanenregimentes 1, von denen je zwei mit gesenkten Degen die Bahre lanzierten. Unter den vielen Blumenspenden fällt ein großer Kranz auf, den die Traditionskompagnie der Fliegergruppe, die 4. Maschinengewehrkompagnie des 9. preußi­schen Infanterieregimentes gesandt hat. Die weiße Schleife des Kranzes trägt die Inschrift:Unserem Richthofen, dem König der Lüfte". Auch der Bund der Jagdflieger und der Ring der Flieger haben Kränze mit schlichten weißen oder schwarzen Schlei­fen gesandt. Die vaterländischen Verbände, wie jungdeutscher Orden usw., haben ebenfalls Kränze mit schwarz-weißroten Schleifen gesandt. Ferner sind von den zahlreichen Offiziersorganisationen und Studentenvereinigungen Kranzspenden ein- gegangen. Die Kirche hat durch Lorbeerarrange­ments eine würdige Ausschmückung erfahren. Eine zahlreiche Menschenmenge hatte sich einöesunden, um den großen Toten zu ehren und pünktlich um 12 Uhr wurden die Tore des Jnvalidenparkes, der die Kirche umgibt, für das Publikum geöffnet.

Auflösung der britischen Rhein­landkommission.

TU. London, 19. November. Die britische Kommission in Köln, die eine Unterkom­mission der Interalliierten Rheinlandkom­mission ist, wird am 1. Dezember aufgelöst werden.

Zur erneuten Mahnung.

Ueber 100 Einwohner aus den Städten der Umgebung von Wies­baden und Berlin, die im besetzten Gebiet ohne vorschriftsmäßigen Personalausweis angetroffen wur­den, erhielten von dem Militär- polizeigericht wieder Geldstrafen bis zu 20 Mark.