Hessische MrgmeitW
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Nr. 268
Samstag, den 28. November 1925, mittags.
59. (2.) Jahrgang
Annahme des Locarno-Gesetzes.
Das Gesetz mit einfacher Mehrheit angenommen.
TU. Berlin, 27. November. Die im
Reichstag vorgenommene Schlußabstimmung über den Gesamtenwurf des Gesetzes über die Verträge von Locarno und den Eintritt DM^fchlands in den Völkerbund ergaben
das 468 sich 291 der
folgende Resultat: Abgegeben wurden Karten, drei Abgeordnete enthielten der Stimme, 174 stimmten mit Nein, mit Ja. Das Gesetz ist demnach nach Erklärung des Präsidenten Loebe in
einfach er Mehrheit angenommen. Die im Artikel 76 der Reichsverfassung vorgeschrie- benen zwei Drittel aller Abgeordneten sind nach der Erklärung des Präsidenten an« wHenb. Davon ist eine Zweidrittelmehrheit nicht erreicht. Der Präsident fügt hin- ru, da 6er dies feststelle, ohne zu der Frage der Verfassungsmäßigkeit Stellung zu nehmen. •
Der Endkampf im Reichstag
Es war ein Augenblick höchster Spannung als nach sechsstündiger unermüdlicher Debatte im vollbesetzten Hause die endgültige Abstimmung über die Locarno-Verträge vorgenommen wurde. Mit ernster feierlicher' Stimme stellte der Reichstagspräsident die Annahme fest, nachdem es sich zweifelsfrei herausgestellt hatte, daß die 110 Stimmen Mehrheit, über die die Regierung verfügte, sich nickit verringert hatten. Das Haus nahm das Abstimmungsergebnis mit großer Bewegung entgegen, während die Rechte einige mißbilligende Protestrufe ertönen läßt während die Kommunisten zischen und dR Sozialdemokraten mit lärmenden Zurufen'überschütten, enthält sich die Mehrheit, die für Locarno gestimmt hat, jeglichen Demonstrationen. Lediglich einige Sozialdtsmokraten bekunden das Ab- stinzmungsergebnis mit Beifallsgemurmel, aber auf allen übrigen Bänken herrscht iirengstes Stillschweigen. Reichskanzler Dr. Luihn, der auf der Regierungsbank Platz genommen hatte, zeigt ein sorgenvolles Gesicht und läßt durch keinerlei Mienenspiel irgendwelche Befriedigung über den Ausgang des Kampfes erkennen.
Unter den Parteien hatte es vorher lebhafte Auseinandersetzungen gegeben. Sehr heftig war der Kampf um die Hinausschiebung des Eintritts in den Völkerbund and um die Aussetzung der Verkündung der «ocarno-Gesetze. Große Unruhe entstand, Us der deutsch-völkische Abgeordnete von «raefe einen Apell an den Reichspräsiden- I !en von Hindenburg richtete und ihn auf« Aderte ,den Locarno-Verträgen seine Zu- hunmung zu verweigern. Auf die großen ^den, die in der Schlußdebttte gehalten Nrden, vollzogen sich unter lebhafter Un- ■ W des Hauses, da es den Redner nicht St folgen will und dessen Aufmerksam- sich lediglich auf die Abstimmung kon- «ailierte. Nur bei der Rede der greisen Kmunistin Klara Zetkin, die nach mehr- sahrigem Aufenthalt in Rußland erst vor /aigen Tagen nach Deutschland zurück- Mit war, herrschte wirklich gespannteste "Unerksamkeit. Die 68jährige Revolutio- die mit ihrer kleinen .gebückten Ee- . und dem schlohweißen Hatr wie ein Jes gutes Eroßmütterchen aussieht, hielt je meisterhafte Rede, die auch von den [Q„?etMen Abgeordneten an den mar- Stellen durch lebhafte Zustimmung ^strichen wurde, als sie feststellte,
Deutschland es im Völkerbund mit Wut imperialistischen Mächten zu tun werde, die das Instrument des fuiller Vertrages fest in der Hand halten.
Im übrigen bestand allgemein der Eindruck, daß die Vedankengänge, die' die kommunistische Rednerin vortrug, von der Moskauer Diplomatie inspiriert worden sind. Trotzdem war es außerordentlich interessant, zu beobachten, mit welch schneidiger Geschicklichkeit die alte Kommunistin sich mit den Zwischenrufen einiger Sozialdemokratischer Abgeordneter auseinandersetzte, die deren Reden dauernd unterbrachen, während die bürgerlichen Parteien ihr stillschweigend zuhörten.
Der deutschnationale Führer Graf Westarp ergriff in letzter Stunde nochmals das Wort, um dqrzulegen, daß die Deutschnationale Partei bis zur Selbstaufopferung an der verantwortlichen Politik der Re'gierung Luther mitgearbeitet hätte und daß sie jetzt in voller Erkentnis der Trtgweite gegen die Locarno-Verträge stimmen müßten. Vor ihm sprach der deutschvölkische Abgeordnete von Gräfe, der mit leidenschaftlichem Temperament gegen die Mehrheitsparteien an« kämpfte, und bei dessen scharfer Tonart es wiederholt zu stürmischen Auseinandersetzungen zwischen der Rechten und der
Liyken kam. Die Redner der äußeren Parteien, die für die Annahme der Verträge eintraten,
veranstalteten eine gemeinsame Demonstration gegen das Besatzungsregime und brachten in nachdrücklichen Erklärungen ihre Besorgnisse wegen der unbefriedigenden Lösung der Rückwirkungen zum Ausdruck.
Im Namen der Reichsregierung gab Staatssekretär Dr. Zweigert vom Reichsministerium des Innern die Erklärung ab, daß eine Zweidrittelmehrheit für die Verträge nicht notwenidg sei, da sie keinen verfassungsändernden Charakter hätten.
Die Abstimmung dauerte über eine halbe Stunde, da über die verschiedensten Anträge abgestimmt werden mußte. Nach der Annahme der Paktverträge wurden die Mißtrauensanträge, die von sämtlichen Oppositionsparteien einzeln eingegangen waren, mit großer Mehrheit abgelehnt. Nach minutenlangen Auseinandersetzungen über das Abstimmungsergebnis wurde Sitzung geschlossen.
dann die
TU. Berlin,
Abegordneten, stimmung über
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November.
bei der
Die drei Schlußab
Locarno-Frage sich der
Stmme enthielten, sind die Mitglieder der Bayrischen Volkspartei Frau Lang-Vru- mann, Merck und Rauch-München.
Unterzeichnung durch den
Reichspräsidenten heute?
TU. Berlin, 28. November. Wie der „Lokalanzeiger" erfährt, traten gestern abend nach Verabschiedung der Locarno- Verträge im Reichstag die Mitglieder des Rumpfkabinetts zu einer internen Besprechung zusammen. Diese Zusammenkunft habe den nunmehr notwendigen Vorbereitungen der Unterzeichnung in London gegolten . Die Unterzeichnung durch Hindenburg werde voraussichtlich heute vormittag erfolgen.
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Demission der Reichsregierung.
TU. Berlin, 28. November. Wie die Morgenblätter melden, ist der 4. Dezember als Termin der Gesamtdemission von der Regierung festgesetzt worden.
Proteste der Nationalsozialisten und Kommunisten.
TU. Berlin, 28. November. Wie der „Lokalanz." meldet, verlautet in parlamentarischen Kreisen ,daß die nationalsozialistische Reichstagsfraktion gestern abend nach erfolgter Abstimmung über die Locarno-Gesetze sofort einen Protest gegen die Durchdringung der Gesetze mit einfacher Mehrheit beim Reichstagspräsidium eingebracht hat und eine Entscheidung des Staatsgerichtshofs über den verfassungs- änoernden Charakter der Gesetze herbei- führen will.
TU. Berlin, den 27. November 1925. Die kommunistische Partei hatte ihre Mitglieder am Freitag nachmittag zu einer Demonstration gegen die Annahme des Locarnovertrages im Lustgarten zusammengerufen. Im Lustgarten waren gegen ^6 Uhr abends fetwa - zehntausend Menschen versammelt. Einige Landtagsabgeordnete ergriffen das Wort und wandten sich in scharfer Weise gegen den Locarnovertrag, der als das Siegel unter die Kriegserklärung der Westmächte gegen Rußland bezeichnet wurde.
DieKammermehrheit
Briands.
TU. Paris, 27. November. Die Bildung des Kabinetts Briand wird noch für heute abend erwartet. Wenn sich die Kabinettsbildung verzögert hat, so liegt das an der Schwierigkeit der Besetzung des Finanzministeriums. Man glaubt, daß die Persönlichkeiten ,die von Briand befragt wurden, die Uebernahme dieses Portefouilles abgelehnt haben. Auch Caillaux, der am Abend eine Besprechung mit Briand hatte, soll die Uebernahme des Portefeuilles entschieden abgelehnt haben. Mit Bestimmtheit läßt sich bisher nur sagen, daß Ley- gues das Marineministerium und Pietri das Budgetministerium übernehmen werden. Die beiden Persönlichkeiten stehen den Rechtsparteien nahe und schlagen damit eine Brücke zu einer neuen Mehrheit. Die für Briand in Frage kommende Regierungsmehrheit umfasst unter Ausschluß der Sozialisten die Linksrepublikaner und die neu gebildete demokratische unabhängige Linke. Sie wird nach den Berechnungen, die auf der heutigen Tagung der Radikalsozialisten angestellt wurden, mit nur 275 bis 280 Stimmen eingeschätzt.
T.U. Paris, 28. November. Die Schritte Briands haben wider Erwarten bis gestern abend noch zu keinem Ergebnis geführt. PaüHeve hat die Uebernahme eines Ministersitzes abgelehnt. Painlevè ist dem Eintritt in das Kabinett Briand abgeneigt, weil Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und Laval, dem Freunde Caillaux', bestehen ,dem er im neuen Kabinett nicht zu begegnen wünscht. Briand hat seine Antwort an den Präsidenten der Rupublik auf heute Samstag vertagt. Ob Loucheur zur Uebernahme des Finanzministeriums bereit ist, läßt sich zur Zeit noch nicht sagen. Die Lage ist wieder sehr unübersichtlich. In politischen Kreisen wird die Ergebnislosigkeit der Schritte Briands als ein Anzeichen dafür angesehen, daß wieder neue Schwierigkeiten eingetreten sind. Die Verzögerung der Kabinettsbildung wird auch zum Teil daraus erklärt, daß Briand im Hinblick auf seinen Gesundheitszustand die Gewohnheit hat, jeden Abend um 9 Uhr zu' Bett zu gehen.
Der Streit um den neuen
Oberkommiffar für Danzig.
_ TU. Danzig, 27. November. Die „Danziger Neuesten Nachrichten" lassen sich von ihrem Sondervertreter folgenden Bericht drahten:
Die auf der Tagesordnung der am 7. Dezember beginnenden Session des Völkerbundsrates stehende Frage der Anerkennung eines neuen Hohen Kommissars für Danzig würde möglicherweise vertagt werden, da sich gegen die Persönlichkeit des bisher aussichtsreichsten Kandidaten, des Holländers van Hamel ,auch neben den in der Danziger Presse geltend gemachten Einwendungen sonstige Stimmen erhoben haben. So wird von italienischer Seite auch weiterhin dem Wunsche nach einer Besetzung des Danziger Postens mit einem Italiener Ausdruck gegeben. Auf der anderen Seite wird in Genf von gewissen Kreisen des Völkerbundsekretariates die Kandidatur Hamel weiter befürwortet. Aus welchen Gründen heraus dies so eifrig geschieht, darüber besteht keine Klarheit. Bei Beurteilung der ganzen Frage muß die Tatsache unterstrichen werden ,daß bei der Ernennung des Hohâr Kommissars nach bestehendem Brauch die Freie Stadt Danzig nicht gefragt wird, ob ihr die betreffende Persönlichkeit angenehm ist.
Die unmöglichen Kontumaeials Urteile.
Berlin, 28. November. (Telunion.) Mehrere deutsche Blätter meldeten kürzlich, das ein französisches Kriegsgericht den Generalmajor Paul Weicker in Cassel-Wilhelmshöhe und den Rittergutsbesitzer Wilhelm Schulz in Alterwalde (Kreis Neustettin) wegen angeblicher Gewalttaten gegen französische Zivilpersonen im Abwesenheitsverfahren zum Tode verurteilt hat. Dazu erfahren wir, daß die französischen Beschuldigungen schon vor längerer Zeit vom deutschen Reichsgericht eingehend untersucht worden sind, wobei sich ihre völlige Haltlosigkeit herausgestellt hatte. General Weicker hatte sogar ausdrücklich seine Truppen unter Hinweis auf die bestehenden scharfen Strafandrohungen vor Ausschreitungen gewarnt. Von Schulz ist festgestellt worden, daß er am Tage des ihm zur Last gelegten angeblichen Vorkommnisses von dem Ort Porquericourt, wo sich dieses zugetragen haben soll, dienstlich abwesend war.
Belagerungszustand in Syrien.
Berlin, 27. November. Wie die Morgen- blätter aus Beirut melden, hat der Oberkommissar wegen der in bei Nähe von Da- maskus umherstreichenden Banden beschlossen, den Belagerungszustand über Damaskus und die Sandschaks u^n Damaskus und Hau ran zu verhängen. Merdseium wird weiter von den französischen Truppen gehalten.
Dorpostengefecht.
Spreche niemand wegwerfend von den „kleinen" Wahlen des 29. Novembers ! In diesem „Kleinen" kann die Ursache zu etwas Großem liegen. Die Gegner sind alle auf dem Plan. Severing sprach vom 29. November als von einem „Vorpostengefecht für etwa kommende größere Wahlen". Also versäume kein staatsbewußter Deutscher, kein Mann, keine Frau, am kommenden Sonntag die Wahl. Das Vaterland erwartet Pflichterfüllung. Auch diesmal gilt das Hindenburgwort:
Wahlrecht ist Wahlpflicht!
Wählt zum Kreistag die Lifte des Mgerdlaift, Lifte i
Wählt zaai Koailliunallaiiriag die „HessW-NaffmislheArdeitsgemeinschaft
Liste 1.