hessische MrseilzeitW
& „Hessische Morgenzeitung" erscheint werktäglich *
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Nr. 269
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Montag, den 30. November 1925, mittags
I Druck und Verlag: Gutenberg-Buchdruckerei in h : Fulda, Buseckstraße 7, Fernsprecher Nr. 974. I (Anzeigenpreis: für die 8 gespaltene Kolonelzeile ■
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59. (2.) Jahrgang
N^?Ä*^" I Die Unterzeichnung in London
Wahlen
Frankfurt a. M., 29. November. Die Kommunallandtagswahlen waren schon vor dem Kriege ziemlich unpopulär, weil man sich leider über die Aufgaben der Provinzial- 11 nb Kommunallandtage in weiten Kreisen immer noch etwas im unklaren ist oder sie 1 uns sonstigen Gründen nicht richtig einzu- N lhätzen vermochte. Bei den heutigen kom- I Malen Wahlen zeigte sich das wiederum I jchr deutlich, deren Ergebnis man ohne jede I Spannung entgegensah. Am heutigen Sonn- I tag gar tat auch der anhaltende Schneefall in Wahl einen weiteren erheblichen Äb- iluch. Zehntausende Wähler haben heute ihre Wahlpflicht dem Schneesport oder der Schneervanderfreude^ im glitzernden Weiß geopfert. So kam es, daß im besetzten ®e= Viet des Regierungsbezirks Wiesbaden ein- schließllch der Stadt Frankfurt a. M., die
; Mhlöeteiligung nur 35—40% betrug, t Im unbesetzten Gebiet der Provinz
Keessn-Nassau, im Regierungsbezirk Cassel war die Wahlbeteiligung wenigstens etwas besser, sie wird dort auf 45—50 % geschätzt, hat aber auch, wie aus den Ziffern zu ersehen ist und schon vorher betont wurde, I unter dem ersten Schneesportvergnügen ( während des Sonntags in diesem Jahre erheblich gelitten.
I Ke Wahlen im Kreise Falda.
Kommunallandtagswahl.
I Vorläufiges Ergebnis: Hessen-Nassauische / sche Partei 1682, Zentrum (a) 16656, Zen- I trum (b) 2734, Deutsche demokratische Par- I tei 360, Kommunisten 488, Handwerk und I Gewerbe 164, Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes 347. Gültige Stimmen zusammen 23 179.
1 Kreistagswahl.
Vorläufiges Ergebnis: Bürgerblock 1296, I Sozialdemokratische Partei 1800, Zentrum 120067, Deutsche demokratische Partei 422, I Kommunisten 508. Gültige Stimmen zusammen 24 093.
»vorläufiges Gesamtergebnis für den Regierungsbezirk Wiesbaden.
I Sozialdemokraten 93175 (16 Sitze), I Zentrum 69 288 (12), Deutsche Volkspartei I 19 556 (3), Deutschnationale Volkspartei I 16 547 (3), Kommunisten 19 556 (4), Arbeit- I "ehmergruppe 6 921, Demokraten 16 736 (3), L ^relsarbeiterschaft des Kreises Limburg I Schutzverband der Wohnungssuchen- ' 1145, Sozialdemokratische Arbeitneh-
[ w» 853, Unabhängige Sozialdemokraten I ^9, Wirtschaftliche Vereinigung 1458, I Rutsche Wirtschaftspartei 14 724 (3).
I Has neue französische Kabinett. I T. U. Paris, den 21. Nov. Um 5 Uhr hat I Briand das neue Kabinett dein Präsident der Re-
■ ^litjbi’rgefteUt Morgen wird das Kabinett über I Ministererklärung beraten. Wie neuerdings I Rautet wird Briand bereits am Mittw -ch nach- I Mag um 4 Uhr die neue Regierung der Kammer I »orstellen.
per IM j." 7" ...
v. Schilling über seine Entlassung.
I Merlin, 27. November. (Telunion.) Der ' F^"d""t her Staatsoper, Professor von
Mings, der vom preußischen Kultus- ."Aster Becker vorgestern fristlos entlassen V ’ 'Nacht nach der „Berliner Neuen Zeitg." die Vorgeschichte seiner Entlassung
Ausführungen:
ab’ k Entlassungsschreiben, das ich gestern ,erhalten habe, nimmt einen Umstand . "> Anlatz meiner fristlosen Entlassung, der ' iDerf Oeffpntlichkeit leicht den Eindruck er-
s könnte, als sei ich an dieser plötzlichen idiuT^ 8 in meiner ungeheuerlichen Affaire Uji “' 3n dem Entlassungsschreiben wird bcra Nichterscheinen in der für gestern an« gewesenen Etatsberatung gerügt bet die fristlose Entlassung begrün- Uiib • Mensch mit meinem Ehrgefühl seiner Vergangenheit, ja überhaupt konnt- ' "sch ""* irgend einem Ehrgefühl
L nach den vorhergegangenen Ereig-
Abfahrt der deutschen
Delegation nach Loudon.
TN. Berlin, 30. November. (Telunion.) Gestern abend 12 8 Ahr sind der Reichskanzler Dr. Luther und der Reichsautzenminister Dr. Strefemanni. Begleitung derStanLs- fekreèäre von Schubert und Kempner fonrie eines kleinen technischen Per- sonalstabSs nach London abgereist.
TU. Berlin, 30. November. (Telunion.) Die deutsche Delegation zur Unterzeichnung der Locaruo-Vertrüge hat Ab, wie bereits gemeldet, gestern abend 8 30 Uhr Überstehende nach London begeben. Di' Delegation besteht aus dem Reichskanzler Dr. Luther, dem Reichsaußenmini stcr Dr. Stresemann, dem Staatssekretär in der Reichskanzlei Dr. Kempuer und dem Staatssekrtär des Auswärtigen Amts von Schubert. Ferner reisten mit den Ministern nach London Oberregierungsrat Den Stockhausen aus der Reichskanzlei, der Sekretär des Retchsautzenministers Bernhard und die Lega tionssekretäre Redelhammer und Dr. Strom sowie technisches Personal. Auf dem Lehrter Bahnhof hatte sich zum Abschied eine große Anzahl Herren der verschiedenen Reichsbehörden und der auswärtigen Vertretungen eingesunden. Man sah den
des Polizeipräsidiums Friedcnsb rg, Pressechef Dr. aiep, Ministerialdirektor Köpke, die Geueimräte von Dirksen und Salier, ferner den Kommandeur der Schutzpolizei Oberst Kaupisch Aus der Diplomatie sah man den belgischen und den polnischen Gesandten sowie den französischen Geschäftsträger, der in Vertretung des gcgenwätig verreisten französischen Botschafters erschien n war. Auch die Frau des Reichsaußenmimsters Dr. Stresemann hatte sich mit ihren Söhnen zum Abschied auf dem Bahnh >f eingefunden. Bevor di : Delegation den Zug bestieg, mutzte sie sich noch eine lange Zeit dem Kreuzfeuer der Photographen und der Kinooperateure aussetzen.
Unterzeichnung am Dienstag.
Berlin, 30. November. Am Montag Abend werden in der englischen Hauptstadt alle führenden Staatsmänner versammelt sein, die in Locarno das Vertragswerk paraphiert hatten, und die sich bis zum letzten Augenblick für die Annahme der Verträge eingesetzt haben. Wie man hört, werden sich die Minister nach der erfolgten Unterzeichnung noch zu einer zwanglosen Aussprache zusammenfinden, die sich auf die wichtigen politischen Fragen beziehen wird, die im Zusammenhang mit dem Abschluß der Paktoerträge aufgetaucht sind.
Von deutscher Seite sind jetzt alle Formalitäten, die mit der Unterzeichnung und dem Inkrafttreten der Paktverträge Zusammenhängen, restlos erfüllt.
Am Sonnabend vormittag hat der Reichspräsident von Hindenburg das Locarnogesetz unterzeichnet, sodaß die Ratifizierung der Abmachungen.von Lovarno damit prompt erledig tist.
Nach den stürmischen Auseinandersetzungen, die es im Reichstag anläßlich der Äus- sprache wegen der Locarno-Verträge gegeben hat, ist jetzt eine völlige Beruhigung in der öffentlichen Meinung eingetreten. Die Aufmerksamkeit der politischen Kreise konzentriert sich unnmehr auf die Lösung der großen politischen Aufgaben, die die neu zu bildendee Reichsregierung m Zusammen-
nissen unmöglich mit einem solchen Minister und einem solchen Ministerium zusammenarbeiten und ich habe es ablehnen müssen, mich an einer Beratung zu beteiligen, die Instituten gegolten hätte, denen ich nach dem Willen des Ministers zu dieser Zeit nicht mehr vorstand. Ich hatte schon am 23. November vom Herrn Minister ein „ganz geheimes und persönliches" Schreiben erhalten, in dem mir in einer geradezu lächerlichen Weise meine Sünden vorgehalten
hang mit den Locarno-Verträgen anstreben
muß, und die letzten Endes den Beweis dafür erbringen soll, daß die deutsche Außenpolitik, die zur Annahme der Verträge geführt hat, richtig oder falsch gewesen ist. Nach der Rückkehr der deutschen Staatsmänner aus London, die voraussichtlich erst am Donnerstag erfolgen wird, tritt die gegenwärtige Rumpfregierung Luther zu ihrer letzten Kabinettssitzung zusammen, um ihren Rücktritt zu beschließen und den Weg für ein neues Reichskabinett frei zu machen. Trotzdem Reichskanzle Dr. Luther und Außenminister Dr. Stresemann sich schon jetzt auf die Neubildung der Regierung eingestellt haben, werden sie sich in London die größte Mühe geben, um in der- Regelung der Rheinlandfrage das Versprechen einzulösen, das sie erst jetzt wieder dem Reichstag gegeben hatten, indem sie erklärten, daß die Erweiterung der Rückwirkungen sofort in Angriff genommen werden solle.
Am Dienstag findet die feierliche Unterzeichnung des Locarno-Vertrages in London statt.
Angesichts des Todes der Königin-Mutter v. England sind die äußerlichen Prunkfestlichkeiten abgesagt worden, aber trotzdem erwartet man, daß die leitenden Staatsmänner bei der Unterzeichnung Ansprachen austauschen werden, die einen hochpolitischen ElEDr,,, tragen dürften.
Deutscherseits rechnet man mit einer wichtigen Rede Chamberlains, der sich als der Vater der Locarno-Verträge betrachtet, und der persönlich der Inspirator der neuen europäischen Politik sein wird, die sich aus dem neugeschaffenen Zustand herausbilden wird.
Von unterrichteter Seite erfahren wir, daß die Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund in der nächsten Zet den Ee-- _
genstand lebhafter diplomatischer Unter- 8 Personals der Staatsoper hat an Hand des Handlungen zwischen Berlin, London undg âenmaterials Kenntnis von den Vorgän- Paris bilden wird. Falls es der Reichsregierung möglich wäre, im Laufe des Februar das deutsche Zulassungsgesuch an den Völkerbund zu richten, so müßte man sich immerhin beeilen, schon jetzt die Formalitäten für die Aufnahme Deutschlands festzusetzen. In der letzten Zeit sind von verschiedenen Blättern ausführliche Angaben über die angebliche Verteilung der deutschen Sitze im Völkerbundrat und dem Eeneralsekretariat des Völkerbundes gemacht worden. Diese Angaben waren geeignet, einige Bedenken hervorzurufen, da der Anschein erweckt wird, als wäre Deutschland nicht den anbereif Großmächten gleichgestellt. In den deutschen Regierungskrefien hält man es daher für notwendig, daß die Behandlung Deutschlands selbstverständlich in einer Form erfolgen muß,
die dem Grundsatz der völligen Gleichberechtigung mt den anderen Großmächten entspricht.
Aus diesem Grunde werden die Verhandlungen zur Vorbereitung des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund 3 bis 4 Wochen in Anspruch nehmen.
Anmeldung zum Völkerbund erst nach der Räumung Kölns.
TU. London, den 30. Nov. Aus G m Be-' richtet R n ter, daß Deutschland im Laufe der kommenden Tagungsperiode keinen Antrag auf Zulassung jum Völkerbund stellen weide. Deutschland habe den Wunsch, die Räumung der Kölner Zone abzu- warten, ehe es sich zur Einreichung des Aufnahme- gesuchs entschließe.
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wurden. In diesem Schreiben wurde mir auch nahegelegt, meine Entlassung für heute Freitag einzureichen. Der Minister sagte mir auch zu, er würde diese in denkbar scho- nendster Form und in der vornehmsten Art vornehmen. Nach dieser Einstellung des Ministeriums konnte ich mich doch nicht mehr als Intendant der Staatsoper betrachten und es wäre töricht von mir gewesen, unter diesen Umständen und zu diesem Zeit- 'wnkt noch in di" d'T-»
Institute mit hineinzusprechen. In dem Schreiben vom 23. November lautet wörtlich ein Satz: „daß ich den letzten Rest von Vertrauen verwirkt habe". Sollte ich da, des Vertrauens bar, noch einen Etat beraten? Wozu lud man mich dann vor, wenn man für mich nicht einmal den Rest eines Vertrauens hatte?
Wie lächerlich die gegen mich erhobenen Vorwürfe sind, geht schon daraus hervor, daß ich vor anderthalb Jahren vom Minister Bölitz mit den Ausdrücken des höchsten Vertrauens und mit äußerst lobender Anerkennung beehrt wurde. Die Vergehen, deren ich mich schuldig gemacht haben soll, sind natürlich Haarspaltereien und nur der Vorwand gewesen, mir einen Strick zu drehen. Nunmehr erkläre ich, es geht nicht um mich, nicht um meine Person. Hier handelt es sich um künstlerische Prinzipien. Ich, werde in die bürokratischen Verhältnisse, unter denen gegenwärtig die Kunstinstitute des Staates zu leiden haben, gehörig hineinleuchten. Natürlich werde ich den Klageweg betreten und bei dieser Gelegenheit wird die Oeffentlichkeit Dinge zu hören bekommen, die sehr interessant sind.
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Protest des Bühnenpersonals gegen die fristlose Entlassung von Schillings.
Berlin, 28. November. (Telunion.) Das gesamte Bühnenpersonal der Berliner Staatsoper hatte sich Freitag abend 11 Uhr zu ' einer Protestversammlung gegen die fristlose Entlassung ihres Intendanten von Schillings in der Singakademie versammelt. Nach einem eingehenden Referat Dr. Hen-
sels über die Vorgeschichte des Konflikts zwischen dem Intendanten und dem preußischen Kultusminister an Hand des Aktenmaterials sowohl der Jntendalur wie des Ministeriums wurde eine vom Präsidenten der Bühnengenossenschaft Wallauer eingebrachte Entschließung einmütig und mit großem Beifall angenommen, die besagt: „Die heutige Vollversammlung des Bühnen
tzen genommen, die zur fristlosen Entlassung des Intendanten von Schillings geführt haben. Die Versammlung kann darin keinen Grund für eine solche entwürdigende Maßnahme des Kultusministeriums erblicken und steht ihrem bisherigen Führer in dem ihm aufgezwungenen Kampf geschlossen zur Seite."
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Ein Bankett des Reichsaußenministers zu
Ehren des Intendanten von Schillings.
Berlin, 28. November. (Telunion.) In der gestrigen Protestversammlung des Bühnenpersonals der Staatsoper gegen die fristlose Entlassung des Intendanten von Schillings teilte der Versammlungsleiter mit, daß am gestrigen Freitag abend der Reichsaußenminister dem Intendanten von Schillings zu Ehren ein Bankett gegeben habe.
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Demission von Schillings.
Wie die Telunion erführt, hat Intendant von Schillings nach der vom preußischen Kultusminister gegen ihn ausgesprochenen fristlosen Entlassung am Freitag von sich aus seine Demission eingereicht.
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Mißtrauens« ntrag gegen Kultusminister
Becker.
Berlin, 28. November. (Telunion.) Die deutschnationale Fraktion hat im Landtag wegen des Falles des Intendanten von Schillings einen Mißtrauensantrag gegen den preußischen Kultusminister Becker eingebracht.
Segnet geht nach Hamburg.
Berlin. Wie der Lokal-Anzeiger aus Hamburg meldet wird, wird Professor Ieß- ner, der Intendant des Staatlichen Schauspielhauses in Perlin, der sich mit Herrn von Schillings solidarisch erklärt, hat und von seinem Amt zurückgetreten ist, dem an ihn ergangenen Ruf als Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, Folge