Einzelbild herunterladen
 

â DieHessische Morgenzeitung" erscheint werktäglich | ; mittags um 1 Uhr), mindestens Seiten stark. I j Jeden Samstag mit Beilage H. M. 3. im Bild, j I Bezugspreise: durch die Post bezogen monatlich » ; 1,50 Mark ausschließlich Postgebühren; bei der !

Zustellung durch unsere Träger 1,75 Mark.

W 9loroen$eitng

Maer Kreisölött, 7. Jr für Rhäa Nii BaM»!, Mi- and Hmetal

^Druck und Verlag: Gutenberg-Buchdruckerei in |

: Fulda, Buseckstraße 7, Fernsprecher Nr. 974. ! (Anzeigenpreis : für die 8 gespaltene Kolonelzeile i 15 Pfg., fiir auswärtige Inserenten die Zeile I

; 20 Pfg., für die Reklamezeile unter Tert 60 Pfg. :

^Bei Wiederholung Rabatt nur nach Vereinbarung^

GH

CT

Nr. 270

Dienstag, den 1. Dezember 1925, mittags

59. (2.) Jahrgang

a

53

Ein neues Kabinett

Luther.

TA. Berlin, 1. Dezember. iSrahtmeldung.) Wie wir aus par­lamentarischen Kreisen erfahren, wird Reichskanzler Dr. Luther nach dem Rücktritt seines Kabinetts, der für Freitag vorgesehen ist, unter allen Umstünden den Versuch machen, eine neue Regierung zu bilden. Der Kanzler folgt damit dem Wunsche des Reichspräsidenten und ins­besondere die Forderung der Deut­schen Volkspartei, die es für not­wendig hält, die Stetigkeit der bisherigen politischen Linie des Ne­gierungskurses zu wahren.

Die Sozialdemokraten gegen Luther.

Berlin, 1. Dezember. (Drahtmeldung). Die Führer der sozialdemokratischen Neichs- tagëfraJiton haben sich in den letzten Tagen sehr eingehend mit der Regierungsfrage im Reiche beschäftigt. Wie man von unterrichteter Seite erfährt will die Sozialdemokratie auf keinen Fall ein neues Kabinett Luther, das etwa darauf bedacht sein würde, die Fühlyug- Ahme nach rechts aufrecht zu erhalten, tolerierest^ ~ ""'~feaaMMM

solchen 4

Mißtrauen gegenüber

dem schärfsten

Rücktritt des Kabinetts am

Samstag.

Berlin, 30. November. Im Laufe der Un­terhaltung vor der Abfahrt bemerkte Dr.

Der deutsche Vizebotschafter Dufour-Feronce war übrigens der Delegation gestern früh nach Dover entgegengereist. Nach der Be­grüßung begaben sich die Delegierten zu den Wagen und fuhren in ihre Hotels. Cham- Stresemann, wie derMontag" meldet, »berlain war die Liebenswürdigkeit und die. daß die Rückkehr der Delegation am Freitag »Freude selbst. Er strahlte über das ganze und die Demission des Kabinetts dann wohl »Gesicht, als er die einzelnen ihm bekannten am Samstag erfolgen wurde.

0

Die Räumung Kölns.

TU. Paris, 30. November. Eine erste Abteilung in Stärke von hundert Mann des englischen Verpflegungskorps wird morgen aus Köln abrücken und in der Castelnau- Krserne in Wiesbaden Quartier für die Be- satzungsarmee machen, für deren Abmarsch aus Köln noch kein endgültiges Datum fest­gestellt sei. Die Castelnau-Kaserne wird so­fort nach Abrücken der französischen Truppen von der englischen Vorhut instandgesetzt werden. Am Dienstag den 1. Dezember wird das KorpsRoyal Medical" Köln verlassen. Das erste reguläre Jnfanteriebataillon desMan­chester-Regimentes" wird aber erst am Don­nerstag beim Morgengrauen nach Königstein abrücken, wo es eine neuerbaute Kaserne bezieht. Die Truppen werden, um Aufsehen zu vermeiden, in kleineren Abteilungen nach einem Vorstadtbahnhof marschieren.

Räumungsbeginn in Köln.

Berlin, 30. November. Nach den Morgen- Gattern meldet Reuter aus Köln, daß die Räumung der Kölner Zone am Montag, ^o einen Tag früher als vorgesehen, be- 5innt.

0

Explofionsunglück auf der

ZecheLothringen".

TU. Essen, 30. Nov. Heute nachmittag gegen 2 Uhr hat sich auf 1er ZecheLothringen" I und II in Gerthe bei Bochum ein Unglück er- klgnet, bei dem eine Anzahl Tote und Verletzte zu beklagen sind. Der ^ermutnng nach handelt es sich um nne Explosion, deren Ursache noch Ulcht bekannt ist. Es sind vier Tote geborgen und 12 Verletzte, darunter lntge Schwerverletzte.

Heute UnterzeilhiMg in ßoniion

Ankunft der deutschen Delegation.

Chamberlain strahlt.

London, 1. Dezember.

Schon lange vor der um 4,30 Uhr erwar­teten Ankunft der deutschen Delegation hat­ten sich auf der Viktoria-Station zahlreiche Zuschauer und Vertreter der Presse einge­funden. Der Sonderzug hatte jedoch Ver­spätung und lief erst 5,15 Uhr auf dem Bahnhof ein. Inzwischen waren als Ver­treter der englischen Regierung Außen­minister Chamberlain und der Unterstaats- sekretür im Auswärtigen Amt Sir William Tyrell, ferner der deutsche Botschafter Dr.

Sthamer und der belgische Botschafter ron Moncheur erschienen. Die deutsche legation befand sich im ersten Wagen

Ba- De­des

Sonderzuges und als erster entstieg der Reichskanzler Dr. Luther, der von Chaln- berlein aufs herzlichste begrüßt wurde, dem Zuge. Nach kurzen Gesprächen mit den deutschen Delegierten eilte Chamberlain nach dem zweiten Wagen, wo inzwischen Vandervelde und die übrigen belgischen De- ^GMM ,*R -b.em .Bahnsteig erschienen was

ist ein Ereignis, dem man in der ganzen ^Welt die größte politische Bedeutung Be-I MAmißt. Obwohl die Feierlichkeiten infolge Dann bildeten auf dem Bahnsteig ber englschen Hoftrauer auf ein Minimum zwanglos zusammenstehende Gruppen. Man reduziert worden sind, sind in der englischen bemerkte u. a. die hohe Gestalt Lord d'Aber- Hauptstadt doch eine ganze Reihe von Vor-

ren.

nos, des englischen Botschafter in Berlin.

Herren begrüßte. Die Ueberfahrt nach London verlief nicht nur bei schönstem Wet­ter, sondern auch in voller Harmonie. Van­dervelde, der belgische Delegierte, gab der deuschen Delegation ein Mittagessen. An Bord befand sich übrigens auch ein Detache­ment englischer Truppen, die aus Köln ab­transportiert wurden.

Anterzeichnungsfeierlichkeèten .

Die Unterzeichnung der Verträge von Lo­carno wird in dem sogenannten goldnen Empfangssaal des Foreign Office stattfin­den, der in vergangenen Zeiten bereits mehrmals Zeuge bemerkenswerter Histori- scherscher Versammlungen und Handlungen gewesen ist. Um 10 Uhr traten Beauf­tragte der Signaturmächte zur Prüfung der, Vollmachten der Delegierten zusammen. Um 11 Uhr beginnt die feierliche Handlung der Unterzeichnung der Verträge. Die Dele­gierten nehmen an einem großen, mit grü­nem Tuch bedeckten Tische in der Mitte des Raumes Platz. Die Verteilung der Plätze ist dieselbe wie in Locarno. Am oberen Ende der Tafel sitzt Baldwin als Führer der britischen Delegation zur Rechten des Außenministers Chamberlain. Die übrigen Delegierten gruppieren sich in folgender Reihenfolge: Frankreich, die Tschechoslowa­kei, Polen, Belgien, Deutschland und Itali­en. Hinter den Tischen sitzen die diploma­tischen Vertreter der Signatarmächte, die britischen Gesandten in Paris, Berlin und Brüssel, die Mitglieder des britischen Ka­

binetts und die hohen Kommissare der

bri-

tischen Dominions. Nach Eröffnung der Sitzung teilen die Rechtsbeiräte des Foreign Office mit, daß die Vollmachten der Dele­gierten geprüft und für gültig befunden worden sind. Darauf wird Chamberlein den Delegierten vorschlagen, die verschiede-

neu Verträge zu unterzeichnen. Der gegen­seitige Sicherheitsvertrag wird von den Be­vollmächtigten in der Reihenfolge des französischen Alphabetes unterzeichnet wer­den. Für Großbritannien werden Baldwin und Chamberlain unterzeichnen. Sie wer­den dabei eine tradionelle Feder in Form eines Gänsekiels benutzen. Danach werden die Schiedsgerichtsverträge zwischen Deutsch­land und Belgien, Deutschland und Polen, Deutschland und der Tschechslowakei unter­zeichnet werden. Neben die Unterschriften der Delegierten werden die Staatssiegel ge­drückt. Darauf folgt die Ueberreichung der verkündeten Kollektionote über dine Ausle­gung des Artikels 16 des Völkerbundspaktes an die deutsche Delegation und die Unter­zeichnung der Verträge zwischen Frankreich und Polen und Frankreich und der Tschecho­slowakei durch die Vertreter dieftr Staaten. Nach der Unterzeichnung werden die Dele- aationsführer kurze Ansprachen halten. Die Vertreter aller großen Zeitungen Europas sind eingeladen worden.

Die Unterzeichnung des Locarnovertrages,

kehrungen getroffen worden, die dem gro­ßen Staatsakt einen würdigen Rahmen ge­ben sollen. Schon die Tatsache, daß sich die Staatsmänner aller großen und einfluß­reichen Nationen Europas allerdings mit Ausnahme Rußlands in London versam­melt haben, hat das Interesse der politischen Kreise auf die Vorgänge in der englischen Hauptstadt gelenkt.

Neue Besprechungen.

Ueber die in Aussicht genommenen Be­sprechungen zwischen den beteiligten Staats­männern wird gegenwärtig noch völliges Stillschweigen bewahrt. Man erklärt, daß es sich nur um eine allgemeine Aussprache handeln werde, die mit dem Vertrage von Locarno zusammenhängen.

Die deutschen Vertreter werden ledig­lich die Glegenheit wahrnehmen können, den Boden für spätere Verhandlungen über die von deutscher Seite aufgestellten Fragen der früheren Räumung des be­setzten Nheinlandes vorzubereiten.

Es kann den alliierten Regierungen nicht entgangen sein, daß diejenigen deutschen Reichstagsparteien, die dem Vertragswert von Locarno zugestimmt haben, eine Ent­schließung eingebracht hatten, in der verlangt wird, daß sich die Reichsregierung mit allen Kräften für weitere Erleichterungen im Rheinland einsetzt. Chamberlain und Briand werden daher keineswegs überrascht sein können, wenn Reichskanzler Dr. Luther und Außenminister Dr. Stresemann dieses Problem jetzt zur Sprache bringen werden.

Aller Voraussicht nach wird die nörd­liche Rheinlandzone schon früher von der Besatzung befreit sein, als dies in der letzten Note der Botschafter-Konferenz an- gekündigt worden war.

Inzwischen haben die Räumungsmaßnah­men in der Kölner Zone begonnen. Auf Grund der Vorbereitungen der Besatzungs­behörden hat die englische Besatzung den Abmarsch von Köln in die Wege geleitet, der schon in kürzester Frist soweit beendet sein dürfte, daß die Stadt Köln selbst als vollständig geräumt gelten kann.

Der Geist von Locarno.

TU. Bit bürg, 30. Nov. Der Kreisausschuß Bitburg hat folgenden Beschluß als Protest gegen die bevorstehende Truppenbewegung im Kreise Bit­burg gefaßt, der dem Regierungspräsideulen, dem Oberpräsidenten, dem Minister des Innern und der deutschen Delegation in London telegraphisch mit­geteilt wurde:

Der Kreisausschuß erhebt entschieden Einspruch gegen die beabsichtigte Beschlagnahme von einem Qadratkilometer fruch barsten Geländes bei Wols­feld zur Anlegung eines fianzö ischen Flugplatzes, sowie gegen die bevorstehende Beschlagnahme wei- terer Geläudestreuen für Errichtung eines fran- zösischen Munitionsdepots bei Bitburg. Die Ent­ziehung dieser Ländereien aus der landwi tschast- ltchen Bewirlsch istung und die mit der Anlegung verbu deue große Einquartierung ist für die hiesige Gegend unerträglich und mit dem Geiste von Locarno unvereinbar. Wir bitten lle maßgebende Stellen, auf Abwehr dieser gewaltig erhöhten Mih.belaft- ung hinzuwirken.

0

Protestdemonstration gegen die Besoldungsordnung.

Die Protestdemonstration der Beamten­schaft gegen die Besoldungsordnung bildet gegenwärtig den Gegenstand lebhafter Er­örterungen der führenden parlamentarischen Kreise. Man ist der Auftastung, daß die Frage der Beamtenbesoldung vor den Weih­nachtsferien nicht mehr geregelt werden kann, da erst die neue Regierung gebildet werden muß, ehe man eine derartige Frage entscheiden kann. Das gegenwärtige KabinettLuther hat es jedenfalls abgelehnt, von sich aus dem Parlament' irgendwelche Vorschläge zu machen, so daß die einzelnen Parteien in den nächsten Wochen eingehende Beratung über das Problem der Neuord­nung der Beamtenbesoldung abhalten wer­den. Nach der Neubildung der Regierung müßte dann in kürzester Frist eine entspre­chende Vorlage im Reichsfinanzministerium ausgearbeitet werden.

0

Ein kanadisch-britischer Riesenbankerott.

TU. London. Die Eröffnung des Kon­kursverfahrens gegen den bekannten Finanz­mann Sir Edgar Mackay hat an der Lon­doner Börse große Aufregung hervor­gerufen. Mackay, der seine ersten Erfolge an der Effektenbörse in Montreal in Kanada zu verzeichnen hatte, lebt bereits seit längerer Zeit in London, wo er eine führende Rolle in der Finanzwelt spielt. Er ist der Besitzer desSaturday Review", eines der größten englischen Wochenblätter. Vorsitzender der Kanadischen Erdölgesell­schaftBritisch Controlles Oilfields Ltd. Cy.", die über ein Grundkapital von 45 Milliarden Dollar verfügt. Außerdem be­sitzt Mackay mehrere schöne Landgüter in England und in Kanada und einen bekann­ten Rennstall, den er jedoch in der letzten Zeit zum größten Teil verkauft hat. Außerdem ist er Teilhaber an der großen Bankfirma Sperling u. Co. Die Ursache des Konkurses dürfte in verfehlten Riesen­spekulationen liegen.

Einrichtung einer Schnellzugslinie WiesbadenCalais.

TU. Wiesbaden, 30. November. Die britischen Besatzungsbehörden haben sich mit der Deutschen Reichsbahn über die Ein­ri btung einer Schnellzugsverbindung Wies­baden Ca'ais geeinigt.

Schwere Zugentgleisungen.

Paris, 30. November. Aus Atlante (Pennsylvanien) wird gemeldet, daß zwei Güterzüge, die in halbstündigem Abstande in derselben Richtung fuhren, in der Nähe der Stadt an derselben Stelle entgleisten. Drei Personen des ersten Zuges und zwei des zweiten Zuges wurden auf der Stelle getötet. Außerdem wurden drei Schwer­verletzte und beträchtlicher Sachschaden ge­meldet.