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Nr. 271

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Hessische MorgenzeitMü

Mott KreisMt, Alizeiger für Rhö«

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Mittwoch, den 2. Dezember 1925, mittags.

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Die Besprechungen über die

Regierungsbildung.

Sie Deutsche Bollisuartei in der großen Koalition.

Berlin, den 1. Dezember 1925.

Die beiden in der Reichsregie- ung vertretenen Parteien, Zent­rum und Deutsche Bolkspartei, ha­ben nunmehr die Besprechungen lüber die Regierungsneubildung er- Iöffnet. Wie wir erfahren, hat das Zentrum mit großer Entschiedenheit die Forderung ausgesprochen, daß der Versuch der Bildung eines Ka­binetts der großen Koalition unter- I Hommen wird. Die Deutsche Volks-

w , Partei hat sich damit einverstanden - »erklärt, daß schon jetzt Richtlinien

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ß ausgearbeitet werden, die die bei« j öen Parteien gemeinsam bei der f Neubildung des Kabinetts befolgen werden.

Zur Frage der großen Koali- â haben sich die volkspartei- klichen Führer ausdrücklich ihre (Handlungsfreiheit Vorbehalten.

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Rußlands Stellung zu England.

(Eigene Meldung)

Berlin, den 1. Dezember 1925.

Wie wir hören, werden die Rach- mchten über ein Zusammentreffen Tschj- Ucherins mit Chamberlain, bei dessen »Aufenthalt in Paris, anläßlich sei- mer Genfer Reise von Seiten der rus- Men Botschaft in Berlin als durch­aus unwahrscheinlich hingestellt. Mußland strebe ein friedliches Zusam- » Mieten mit den Westmächten an und [ werde es begrüßen, wenn es zu einer i Aussprache über die wirtschaftlichen und l Mischen Ostfragen auf einer Konse- |r^ käme, an der auch England teil- Wehmen Könne.

I Sn Mitteleuropa ist jetztFrieden" Mater englischer Aussicht! Warum sollte Wer Knabe mit dem Palmenzweig und Wem öligen Lächeln nicht auch Ruß- Wads gerissensten Außenminister über- Wipeln? Herrn Chamberlain und sei- Mm getreuen d'Abernon ist noch man- Wes zuzutrauen. Warten wir ab.

Die wterzeiOmg in LMn.

Beginn der Anterzeichnungs-Sitzung Die Auffahrt der Delegationen.

TU. London, 1. Dez. Die Unterzeichnung der Locarno-Verträge begann kurz nach 12 Uhr Mitteleuropäische Zeit. Bei der Auffahrt der Delegationen hatte sich vor dem Konferenzgebände eine große Menschenmenge angesammelt. Als erste erschienen die Italiener, dann folgten die Vertreter der englischen Regierung, mit Ausnahme des Ministerpräsidenten Baldwin, der unbemerkt durch eine andere Tür eingetreten war, als dritte erschienen die Franzosen, an ihrer Spitze Ministerpräsident Briand, gleich darauf der belgische Mini­sterpräsident Vandervelde.

Die deutsche Delegation wurde bei der Ankunst mit lebhaften Beifallskundgebungen der Zuschauer begrüßt. Reichskanzler Dr. Luther und Außenminister Dr. Stresemann dankten indem sie den Hut lüfteten, mit sreundlichen Lächeln.

Der Verlauf der Sitzung! Zermonie und Bedeutung in amtlicher englischer Darstellung.

TU. London, 1. Dez. Der amtliche englische Funkspruch schreibt zu der Unterzeichnung der Verträge von Locarno:

Die Unterzeichnung bedeutet das endgültige Ende des Kriegszustandes in Europa und den Beginn neuer Anstrengungen zur Aufrechterhaltung des Friedens in der Kriegszone Europas. Die historische Bedeutung dieses Ereignisses wurde von, Mn Zeitnehmer gewürdigt. Sie kam

auch in der feierlichen Zermonie des Unterzeichnungsaktes zum Ausdruck.

Chamberlain empfing die Delegierten des Auslandes mit ihrer Beglei­tung im Sekretariat des Außenamtes. Rach der Prüfung der Vollmachten und der Vertäge begaben sich die Delegierten in den Goldenen Saal zur Unterzeichnungssitzung. Die Delegierten nahmen die Plätze ein, die vorher für sie bestimmt waren. Die Sitzung begann pünklich um 1 Uhr. Neben den Hauptdelegierten nahmen die übrigen Delegierten der Delegationen Platz. Besondere Plätze waren für die Botschafter der ausländischen Signatarstaaten in London reserviert, ebenso für die britischen Botschafter in Berlin, Lord d'Abernon, und Lord Crewe iu Paris, die an dem Zustandekommen des Werkes besonderen Anteil haben.

Eine Botschaft des Königs.

Zu Beginn der Sitzung erhob sich Chamberlain und verlas eine Begrüßungs- und Glückwunsch-Botschaft des Königs von England. Rach der Vorlesung fuhr Chamberlain fort:Die Regierung Seiner Majestät teilt vollständig die Wünsche ihres Königs. Die Konferenz von Locarno hat nicht nur die alte Freundschaft gestärkt, sie ist jauch die Grundlage für die Versöhnung mit Deutschland geworden nnd wir sind überzeugt, daß mir von nun an Freunde sein werden.

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59. (2.) Jahrgang

Die Aufnahme der Unterzeichnung im Auslande.

New-Zork, 1. Dezember. Auch die Abendzeitungen schweigen stch über die Wirkung der Londoner Unterzeichnung aus. Nur die Be­richte über die Vorgänge in Lon­don werden abgedruckt. Die Eve- ning Post bringt als einzige Zei­tung einen kurzen Aufsatz, in dem ausgesührt wird, es sei durchaus möglich, daß Locarno nicht der Wendepunkt sei, wofür er viel­fach in Europa gehalten werde. Zum mindesten sei es verfrüht, schon jetzt darüber Erörterungen anzustellen.

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TA. London, 1. Dezember. Die Abendblätter bringen enthufiasti- sche Berichte über die Paktunter­zeichnung. Die Frühausgaben ent­halten zum Teil schon photogra­phische Aufnahmen des welt- Historifchen Aktes.

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede aus Erden", stellt die Eoe- ning News ihren Bericht als ihr Motto vor.

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Eine dichte Menschenmenge erwartete die Delegierten nach der Unterzeichnung in der Downingstreet. Als Luther und Stresemann das Foreign Office im offenen Wagen ver­ließen, war auch kaum ein Mann in der Menge, der seinen Hut nicht lüstete. Ein Kompliment, das die beiden deutschen Minister mit dem Hute in der Hand sich verbeugend, erwiderten. Unter Beifallsrufen des Publi­kums verließen die Minister die Downingstreet.

TU. London, 1. Dezember. Die fran-

zösische Mittagspreffe unterstreicht allgemein die Äußerung Stresemanns, daß es in London keinen Nebel gäbe. Die Befürchtung, daß die

Wir sind uns vollkommen darüber klar, daß noch viel getan werden muß, bis unsere Hoffnungen sich verwirklichen. Wir werden auf dem vorgezeich­neten Weg noch viele, viele Schwierigkeiten finden, aber wir werden sie | deutschen Delegierten neue Forderungen stellen überwinden. Wir sind entschloßen, dieses Friedenswerk in denselben Geiste S ^'nnwn hält an. Zu dieser Befürchtung hat sortzusetzen, oon dem die VechMdlung-n in L°eam° beseelt waren. Nach-1 dsmschs^-^wis mi?eiL z^ dem mir unsere Hand an den Pflug gelegt haben, dürfen mir znruckblicken. I Personal in London erschienen ist, als die

Die englische Regierung wird alles tun, was in ihren Kräften steht, um j übrigen, während man aus dem' geringen

den Erfolg unserer Arbeit zn sichern, um die künftige Generation von einer Umsang der belgischen und französischen £ere=

Wiederholung der Leiden zu bewahren, deren Folge nnd Opfer die heutige gchronen schließt daß diese beiden Regierungen

Die englische Regierung wird alles tun, was in ihren Kräften steht, um

Rot ist."

(Fortsetzung siehe 2. Seite).

keine wichtigen Verhandlungen erwarten.

^sprechungen über das Rheinland und die deutsche

Luftschiffahrt in Paris.

hi TU. London, 2. Dezember. Wie der Weter der Telunion aus Delegiertenkreisen Wt, hat es sich bei der gestrigen Minister- kstprechung in Foreign Office hauptsächlich P Mei Fragenkomplexe gehandelt: 1. um

Rheinlandfrage, 2. um die Luftschifffahrt, der letzteren Frage wird am 4. De- è Konferenz auf der Grundlage MUster Gleichberechtigung aller Parteien in beginnen. Über' das Ergebnis der I ^mlandbesprechungen verlautet bisher noch

nichts. Es ist anzunehmen, daß sich beim Abendessen im Lancasterhause, wo die Dele­gierten wieder zusammentrafen, weitere Ge­legenheit zur Fortsetzung der Unterhaltung geboten hat, zumal Briand schon heute früh wieder uach Paris zurückkehrt. Der Empfang im Buckingham-Palast ist einfach und würdig verlaufen. Der König ist aus naheliegenden Gründen kaum in Erscheinung getreten, doch sind ihm alle Delegierten vorgestellt worden. Er hat sich mit jedem einzelnen kurz unter­halten. Beim Enkpfang herrschte absolute Einfachheit, auch in der Kleidung, da die ganze Audienz einen durchaus privaten Cha­rakter trug. Die Deligierteu erschienen im im schwarzen Rock. An dem Empfang im Buckingham-Palast und an den Besprechungen im Foreign Office haben nur die Haupt- delegierten teilgenommen. Über das Programm

für Mittwoch ist noch nichts entschieden

worden mit Ausnahme des Preffeempsangs bei Stresemann und des

Baldwin in feinem Hause street geben wird.

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3um Konkurs

Abendessens, da? in der Downing-

der Aga.

Berlin, 1. Dez. Von acht Gläubi­gern der Stinnesschen Agawerke ist Montag früh der Staatsanwaltschaft eine Srafanzeige gegen Dr. E. Stinnes eingereicht worden.

Von gewisser Seite wird erwartet, daß auch die russische Frage aufgeworfen werden wird. Hier­zu hat besonders die Erklärung Beneschs Anlaß gegeben, nach der man unverzüglich zu einem Ab­kommen mit Rußland gelangen müsse. Auf franzö- sischer Seite wird erwartet, daß Deutschland größere Konzessionen auf wirtschaftlichem Gebiete für eine weitere Milderung des Besatzungsregimes anbieten wird.

Nach derInformation" wird in Anbe­tracht der kurzen Zeit, die dem Ministerprä­sidenten Briand zur Verfügung steht, die Besprechung mit den deutschen Delegierten sich lediglich auf das Datum des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund und auf die Räumung der Kölner Zone erstrecken. Die Abrüstungsfrage und die Umwandlung des Saarregimes soll zunächst von dem Ver­sailler Militär-Ausschuß und vom Völker­bundsrat geprüft werden, sobald Deutsch­land in ihm vertreten ist.