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Hessische Morgenzeitling

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Nr. 272

Donnerstag, den 3. Dezember 1925, mittags.

59. (2.) Jahrgang

Vor der Sitzung des Bölkerbundrats.

TU. Genf, den 3. Dezember. Zu den Hungen des Völkerbundrats am 7. De- Mlber und zu den verschiedenen Kommissions- sitzungen werden eine größere Anzahl nam­hafter Staatsmänner in Genf erto artet. Italien wird durch den Senator Scialoja vertreten sein, der von der Londoner Locarno- Tagung direkt nach Genf kommen wird, um den Vorsitz im Rat zu führen, der diesmal den Italienern zufällt. Über Briands Genf- Reise ist anscheinend noch keine Entscheidung gefallen. Chamberlain hat die Bitte aus­gesprochen, gemeinsam mit ihm eine Woche in Genf zu verweilen. Loucheur, der unter anderen Verhältnissen sicherlich auch gleich­zeitig nach Genf gekommen wäre, um seinen Plan über die internationale Wirtschafts- konferenz vor dem Rat persönlich zu vertreten, wird vermutlich zur selben Zeit in London weilen Paul Boncourt trifft bereits am 3. Dezember in Genf ein, um dem Rataus­schuß zu präsidieren, der über die Einberufung einer Abrüstungskonferenz zu beraten hat. Benesch hat die Absicht, auf seiner Reise von London nach Genf einige Tage in Paris zu verweilen, falls ihn nicht dringende Staats- Geschäfte vorher nach Prag rufen sollten. Bandervelde hat seine Ankunft in Genf für den 6. Dezember an gemeldet, ebenso der frühere belgische Außenminister Hymans, der von VLndervelde zum ständigen Vertreter im Rat ernannt wurde, und der schwedische Außenminister Unben. Äußer den Ratsmit­gliedern werden noch eine größere Anzahl anderer Staatsmänner erwartet. Der un= g arische Finanzminister ist bereits am Montag kingetroffen. Graf Bethlen hatte sich für gestern abend angesagt. In seiner Begleitung befindet sich der ungarische Kultusminister Klebelsberg, der über den Numerus clausus vor dem Rat berichteu wird. Österreich ist vorläufig durch den Sektionschef Schüller vertreten, doch werden Bundeskanzler Ramck, Außenminister Mataja und Finanzminister Ahrer, an der Sitzung des Finanzkomitees persönlich teilnehmen. Die türkische Delegation, die am Freitag eintrifft, wird von dem Außenminister Tewfik Ruschdy Bei und dem Berner Gesandten Munir Bei geführt. Die griechische Regierung entsendet den früheren Außenminister Rentis. Die Zusammensetzung W bulgarischen Delegation ist noch nicht be- himt. Der Danziger Senatspräsident Sahm wird in Begleitung von Staatsrat Evert am Donnerstag in Genf eintreffen.

Luther bei Baldwin.

TU. London, 3. Dezember. Wie die Blätter mitteilen, hat Luther gestern der Downingstreet einen kurzen Besuch abgestattet. Wo er eine kurze Aussprache mit Baldwin hatte. Vandervelde, Benesch und Scialoja waren indessen bei Chamberlain im Aus­wärtigen Amt. Ueber das Ergebnis dieser Aussprache ist bisher nichts gesagt worden, ^hamberiain wird nach der Vmkerbundrats- sitzung einen Erholungsurlaub von vier­wöchentlicher Dauer in Italien verbringen, bevor er wieder nach London zurückkehren wird, nachdem er im Sommer nur einige Tage Ruhe gehabt hat.

Abbau der Militärkontroll- Kömmisfion.

Berlin, 2. Dezember. Der Abbau her interalliierten Militärkontrollkommission in Deutschland hat in den letzten Wochen wesentliche Fortschritte gemacht. Nachdem nunmehr auch die Distriktkommissionen in Breslau, Frankfurt/Main und Hamburg auf= gelöst worden sind, befindet sich nur noch der vierte Teil der alliierten Militärkontroll- Organe üben jedoch zur Zeit keinerlei Kvn- trolltätigkeit mehr aus, sodaß lestgestellt werden kann, daß auch diese lediglich auf wre Abberufung aus Deutschland warten.

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Zentrum und Demokraten gegen ein Kabinett der Mitte.

TU. Berlin, 2. Dezember. Die seit Anfang dieser Woche schwebenden Verhandlungen zwischen den Mittelparteien und den Sozialdemokraten können im Augenblick als abgeschlossen gelten, nachdem sie einen Erfolg nicht gehabt haben. Man will jetzt abwarten bis der Reichskanzler Dr. Luther aus London znrückgekehrt ist. Die Initiave zu den interfraktionellen Besprechungen zur Bildung der großen Koalition ging vom Zentrum und von den Demo­kraten aus. Soivohl die Zentrumsfraktion des Reichstages, als auch die demokratische Fraktion hatten einstimmig Beschlüße gefaßt, iu denen die Bil­dung eines neuen Reichskabinettes auf der Grundlage der großen Koalition für wünschenswert erachtet wurde. Der Abgeordnete Fehrenbach (Zentrum) lud daher für Montag die Vertreter der für die großen Koalition in Frage kommenden vier Parteien (Zentrum, Demokraten, Deutsche Volkspartei und Sozialdemokraten) zu einer Besprechung ein, an der aber die Deutsche Volks­parei nicht teilnahm, da, wie sie erklären ließ, ihre Parteiinstanz zu der Frage noch nicht Stellung genommen hätte. Die Sozialdemokraten nahmen die Anregung entgegen, konnten aber ebenfalls uoch keine bindende Erklä­rung abgeben. Am Dienstag verhandelte dann der Abgeordnete Fehrenbach mit den Abgeordneten Dr. Scholz (Deutsche Volkspartei) der nochmals da­rauf verwies, daß er zur Zeit noch keinerlei Erklärungen abgeben könne, da die Parteiinstanzen noch keine Entscheidung getroffen hätten. An dieser Besprechung nahm auch der Abgeordnete Leicht (Bayrische Volkspartei) teil. Der Abgeordnete Fehrenbach hat daraf " seine weiteren Bemühungen zur Bildung der großen Koalition zunächst eingestellt. Die Vertreter des Zen- trums und der Demokraten brachten, noch einmal zum Ausdruck, daß sie eine Koalition der kleinen Mitte, wie sie von der der deutschen Volkspartei befürwortet wird, nicht mitmachen können.

Am Dienstag Entscheidung über die große Koalition

Berlin, 2. Dezember. Am' kommenden Dienstag wird der Parteivor­stand der Sozialdemokraten in Berlin zusammentreten, um über die politische Lage zu beraten. Aus unterrichteten Kreisen hören wir, daß die allerdings inoffizielle Fühlungnahme des Zentrums und der Demokraten mit den So­zialdemokraten und die dabei in Aussicht gestellten Zugeständnisse an die Sozialdemokratie ihre Wirkung nicht verfehlt haben. Die Entscheidung über die Verteilung der Sozialdemokraten an der Regierung wird in der kommen­den Vorstandssitzung sollen. Die offiziellen Verhandlungen der Parteien über die Umbildung, werden erst noch der Entscheidung der Sozialdemokra- ten, also frühesten am Mittwoch der kommenden Woche einsetzen. Dr. Luther soll vor seiner Abreise geäußert haben, daß er im Falle einer neuen Über­nahme der Kabinettssührung seine Entscheidung zwar im Einvernehmen mit den Parteien treffen wolle, der sich keineswegs bedingungslos den Wünschen der Parteien unterwerfen werde.

Das Abendessen im Laneasterhause. Die Paktunterzeich- ner sehen sich im Film.

TU. London, 2. Dezember, Das gestrige Abendessen im Lancasterhaus, daß der Aussenminister Sir Austen Chamberlain der Delegation gab, verlief in ausgezeichneter Stimmung. 79 Gäste waren zugegen. Den Vorsitz führte Chamberlain, der einen Trinkspruch auf Locarno und die Signatarmächte ausbrachte. Weitere Reden wurden nicht gehalten. Rach dem Essen wurde der Film von der Unterzeichnungsverhandlung vorgeführt, der bei den An­wesenden großes Vergnügen hervorrief.

Die Wiederaufnahme der deutsch-französischen Handels­vertragsverhandlungen.

TU. Paris, 2. Dezember. Zu der Nachricht derSournee industrielle", daß die deutsche Handelsdelegation am 8. oder 10. Dezember nach Paris zurückkehren wird, wird von deutscher zuständiger Seite erklärt, daß ein Termin für die Ankunft der deutschen Delegierten nicht feststehe, daß aber voraussichtlich eine Wiederaufnahme der direkten Verhandlungen in aller­nächster Zeit stattfinden wird. Die deutsche Regierung hat der französischen Regierung erklären lassen, daß die Vorarbeiten zur Wiederaufnahme der Verhandlungen abgeschlossen sind und daß man deutscherseits bereit sei, die Verhandlungen so bald wie nwglidj wieder aufzunehmen.

Primo de Rivera erledigt! Die spanische Regierungs­umbildung.

TU. Paris, 2. Dezember. Nach den letzten Nachrichten, die hier aus Spanien eintreffen, wird es immer wahrscheinlicher, daß eine ©efamtbemiffwn der Regierung binnen kurzem erfolgen wird.

Berichts-VeröffeiitlichMg -er Anter- MngsluMiiiion des griechisch- Mgattfdj. Grenzstreites am Donnerstag

TU. Genf, 3. Dez. Das Völkerbundssekretariat gibt bekannt, daß am Donnerstag nachmittag der Bericht der Untersuchungskommission des griechisch­bulgarischen Grenzstreites veröffentlicht wird. Wie verlautet' wird der griechischen Regierung eine hohe Bußezahlung auserlegt werden, die sie an Bulgarien für die ihm zugefügten materiellen und moralischen Schäden zu entrichten haben mird.

Räumung Solingens.

TU. Berlin, 3. Dez. Solingen wird nach den Morgenblättern ant 13. Januar 1926 von der eng­lischen Besatzung geräumt sein. Einige Teile der englischen Truppen werden vorher abrücken. Der britische Kreisoffizier stellte gestern seine Tätigkeit ein. Die der Besatzung bisher vorbehaltenen leer­stehenden Häuser am Liebknechtplatz werden zur an­derweitigen Vermietung freigegeben.

Köln am 31. Dezember geräumt?

TU London, 2. Dez Wie in Kreisen der deutschen Delegation verlautet» ist mit der Durchführung der Räumung Kölns bis zum 31. Dezember zu rechnen.

Briand fielt nicht die Benranensirage.

TU. P a r i S, 3. Dezemb. Die Kammer hat ihre Sitzung um 10 Uhr wieder ausgenommen. Man hat den Eindruck, daß eine Meh heit für die Finanzpro­jekte gesichert ist, da einige Mitglieder des Republi­kanischen Verbandes, darunter Taittinger, erklärt haben, fpr die Negierung stimmen zu wollen. Trotz­dem hat Briand beschlossen, bei der Abstimmung über die Finanzpläne nicht die Vertrauensfrage zu stellen.

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Chamberlains Reise nach Genf.

TU. Paris, 3. Dej. Der Vertreter der Tel- union erfährt, daß Cdamberlain kommenden Frei­tag mit einer ungewöhnlich starken Delegation in Genf eintreffen wird. Das außerordentlich kräftige Aufgebot, das von englischer Seite entfaltet wird, erklärt sich durch die direkten Verhandlungen, die der englische Auszenminister während des Genfer Aufenthalts mit Vertretern der Türkei in . der Mossulfrage zu führen gedenkt. Anderseits st, ht bereits fest, dasz auch Briand Ende der Woche zu mehrtägigem Aufenthalt sich nach Genf begibt.

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Eisenbahnunfall bei Probstzella.

TU. Berlin, 3. Dez. Wie die Morgenblätter aus Probstzella mel­den, fuhr gestern nachmittag 1,15 Uhr der Zug zwischen Probstzella und Marktgölitz auf einen vor dem Ein- fahrtssingnal des Bahnhofs Probst­zella haltenden Güterzug auf. 12 Personen wurden leicht verletzt.

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Ein schweres Grubenunglüch auf den Rosiger Vrannbohlenwerben.

TU. Meuselwitz, 3. Dez. Aus Grube 145 in Meuselwitz wurden vier Bergleute durch niederbrechende Kohlenmassen verschüttet. Die bei­den Knappen Planer und Knastner aus Rositz konnten nur noch als Leichen geborgen werden, während zwei andere Bergleute schwere Ver­letzungen erlitten.

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