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Nr. 273 Freitag, den 4. Dezember 1925, mittags. 59. (2.) Jahrgang
Die Umgruppierung der Besatzung.
Kme neuen Garnisonen nach der Räumung.
Köln a. Rh., den 3. Dezember 1925. Zu ben in letzter Zeit aufgetauchten Gerüchten, wonach die Besatzung die Absicht habe, das Uhrtal, insbesondere Sinzig und Ahrweiler mit einem Regiment und Neuenahr mit einem höheren Stab zu belegen, erfährt die „Kölnische Zeitung" von zuverlässiger Seite, daß diese Nachrichten sich nicht bewahrheiten. Von maßgebender Stelle der Besatzung liegt die Erklärung vor, daß eine Belegung des Ahrtales mit französischen Truppen nicht beabsichtigt sei. Grundsätzlich sollen nach der Räumung neue Garnisonen möglichst nicht mehr geschaffen werden.
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Weiterer Abtransport englischer Truppen.
Köln, den 3. Dezember 1925. Ein Va- toillon des Manchester-Regimentes in Stärke von etwa 400 Mann und 20 Offizie- M hat heute Köln in Richtung Königstein verlassen. Zugleich ist ein größerer Trans- portzug mit Material und Pferden abgehangen. Wie der Telegraphen-Union von Mündiger englischer Seite versichert wird, meiden in nächster Zeit täglich kleinere Trupps verladen werden, die teils nach der neuen englischen Zone überwiesen, teils nach England zurückkehren werden. Am nächsten Dienstag wird ein großer Teil des im Kölner Hauptquartier beschäftigten Büropersonals abtransportiert werden, als deren Bestimmungsort von englischer Seite ebenfalls teils Wiesbaden, teils London angegeben wird. Die Transporte der englischen Truppen gehen, nach Wiesbaden, Langenschwalbach, Schierstein, Dotzheim, Idstein, Amöneburg und Bingerbrück.
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Die Verteilung der englischen Besatzung.
Berlin, 4. Dezember. Die Morgenblätter melden aus Wiesbaden: Das englische Hauptquartier der Rheinarmee gibt die Verteilung der neuen englischen Besatzung Vanni. Danach befindet sich das Hauptquartier in Wiesbaden, weitere Garniso- uen sind: Biebrich, Dotzheim, Schierstein, ^angenschwalbach, Königstein, Amöneburg, Ästein, Erbenheim und Bingerbrück.
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Freigabe eines Flugplatzes.
Berlin, 4. Dezember. Wie die Morgen- bläter aus Sembach in der Pfalz berichten, ist der von den Franzosen seit längerer Zeit beschlagnahmt gewesene 280 Morgen große Flugplatz nunmehr frekgegeberr worden.
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Beendigung der Militärkontrolle erst End- Februar.
Berlin, 4. Dezember. Wie die Morgenblätter einer Korrespondenz entnehmen, haben von den Offizieren der interalliierten ^ilitärkontrollkommission nunmehr etwa 60 Prozent die Mitteilung bekommen, daß He am I.Januar Deutschland zu verlassen und ihre Standorte in den alliierten Ländern wieder einzunehmen haben. Es werden in ganz Deutschland etwa 30 bis 40 Kontrolleffiziere zurückbleiben. In den Kreisen der Interalliierten Kontroll kom- dussion rechnet man damit, daß die noch zu «enben Aufgaben Ende Fbruar erledigt werden und daß dann die gesamten ^'tglieder der Kommission Deutschland ver- könnten.
• Die deutschen Vertreter „befrrMgt". — Ssnuabend KadineLsfitzung. — Dr. Haas statt Dr. Geßler?
TU. Lsnbon, 3". Dezember. Die deutsche Delegation ist heute mittag 2 Uhr von der Victoira-Station nach Ostende abgereist. Am Zuge hatten sich zum Abschied der Vizemarschall des diplomatischen Korps als Vertreter des Königs und der Regierung und die Herren der deutschen Botschaft eingefunden. Sm gleichen Zug reiste die polnische Delegation ab. Über das Resultat der Besprechung äußert man sich allgemein befriedigt.
TU. LondÄN, 3. Dezember. Die belgischen Locarno-Delegierten haben heute als erste frühmorgens London verlassen. Etwas später reiften die Italiener ab. Dr. Benesch gedenkt erst morgen abzureisen. Das Geleit wird jedesmal von der betreffenden Botschaft und einem Vertreter des britischen Außenministeriums gegeben.
Dr. Stresemann über Locarno.
TU. ^ad®, 4. Dezember. Dr. Stresemann hat den Londoner Vertreter der Radio-Agentur vor seiner Abreise eine Unterredung gewährt, in der er u. a. sagte, die Abmachungen von Locarno feien lebhaft kritisiert worden' Man habe vom juristischen Standpunkt aus darauf hingewiesen, daß gewisse Artikel verschieden ausgelegt werden könnten und man darin einen Teil der kommenden Schwierigkeiten erblicken wolle. Eine solche Auffassung bedeute eine völlige Verkennung der Bedeutung dieser Abmachungen. Das Bedeutsame sei die Einigung aller Signatarinächte auf eine Zusammenarbeit, die an die Stelle der Gewaltpolitik trete. Die Zeit nach dem Waffenstillstand sei keine Friedenszeit gewesen. Die Besetzung der Ruhr habe die Atmosphäre Europas vergiftet und den,.Unterdrücker ebenso geschadet wie den Unterdrückten. Der Vertrag von Locarno bedeute einen verheißungsvollen Anfang der Verständigung. Die Zeit der Gewalt sei zu Ende, die Zeit der Zusammenarbeit habe begonnen. Die Folgen eines solchen Wechsels kämen nicht nur in Europa, sondern auch in den anderen Ländern zur Auswirkung.
Keine konkreten Ergebnisse in London.
TU. Berlin, 3. Dezember. Gegenüber verschiedenen Pressemeldungen über das Resultat der Besprechungen der deutschen Delegierten in London wird in gut unterrichteten politischen Kreisen Berlins darauf hingewiesen, daß es sich in London ausschließlich um eine persönliche Fühlungnahme und um eine allgemeine Aussprache gehandelt hat. Irgendwelche Beschlüsse oder Entscheidungen seien nicht getroffen worden und konkrete Ergebnisse seien daher von diesen Besprechungen nicht zu erwarten. Ihr Zweck war, lediglich eine spätere Lösung verschiedener Einzelfragen vorzubereiteu.
Am Samstag KirbmetLeM^mg«
TU. Berlin, 4. Dezember. Wie die „Vofs. Sig." meldet, ist für Samstag 11 Uhr vormittags die letzte Sitzung des Kabinetts Luther an- gefetzt mit der Tagesordnung: Überreichung der Gefamtdennsfion.
Rücktritt Geßlers?
TA. Berlin, 4. Dez. Der „Vorwärts" meldet: Reichswehr-- minifter Dr. Geßler hat, wie die „Tranks. 3tg.“ hört, gestern dem Reichspräsidenten mitgeteilt, daß er von seinem Amt als Reichswehrmmister Znrücktretsn und bei der NsuLildung des Kabinetts entgültig ansscheißen werde.
Dr. Haas statt Dr. Geßler?
Berlin, den 4. Dezember. Sm Reichstag ist das Gerücht verbreitet, daß die demokratische Reichstagsfraktion im Falle ihres Wiedereintritts in die Reichsregierung die Absetzung des Reichswehrminister Dr. Geßler durchsetzen wolle. Anstelle Dr. Geßler solle der demokratische Abgeordnete Dr. Haas Reichswehrminister werden. Wie wir aus demokratischen Kreisen erfahren, handelt es sich hierbei nicht um irgendwelche Beschlüße der bemo' kratischen Reichstagsfraktion, die ihre Erörterungen über den Fall Dr. Geßler noch nicht zum Abschluß gebracht hat.
Die Danziger Fragen vor dem VUKerLmck.
TU. Genf, 4. Dez. Die beiden Danziger Fragen, die auf der Tagesordnung der Völkerbundesratstagung stehen, werden beide in geheimer Sitzung behandelt werden. Die erste verlangt eine Entscheidung des Rats, ob die Unterbringung von 88 Mann des polnischen Militärs auf der Westerplatte zum angeblichen Schutz des polnischen Munitionslagers die Errichtung einer Militär- oder Marinebasis bedeute. Wenn man in betracht zieht, daß bereits eine polnische Kriegsflotte von 15 Schiffen mit 600 Mann polnischer Besatzung ständig im Danziger Hafen liegt, so kann man die Befürchtung der Danziger Bevölkerung nur allzu gut verstehen. Die Neuernennung des Danziger Völkerbundkonunissars wird für Danzig von besonderer Bedeutung sein.
Neues aus Syrien.
Die Syrier zum Durchhalten entschlossen.
.L o n d o n , 4. Dez. Je Jouvenels Ab- Weisung der Syrier in Kairo, die von ihm eine weitgehende Autonomie gefordert hatten, hat in Syrien die Empörung gegen die französische Fremdherrschaft bedeutend verschärft. Von den Verband ungen. die de Jouvenel zur Beruhigung der Lage in Nordarabien angekündigt hat, wird für die syrische Freiheitsbewegung nichts mehr erwartet. Sultan el Attrasch hofft selbst bei einem Fehschlag der vorbereiteten Entscheidungskümpfe vor Damaskus die Franzosen durch einen Guerillakri g über den Winter hinaus einzuhrlten, um dann im Frühling mit starken Kräften aus allen Teilen Arabiens die Franzosen entscheidend zu treffen. Für ihn kommt es jetzt nicht mehr allein auf die Autonomie seines eigenen Gebiets, sondern auf die Unabhängigteit ganz Syriens an. Beim Betreten syrisch m Bodens in Beirut erklärte de Jouvenel, der Friede sei nur für diejenigen da, die ihn wünschten. Für alle andern gebe es nur den von ihnen gewünschten Krieg. Durch jenes Prinzip habe Frankreich in Europa den Sieg davongetragen.
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Vor einer Entscheidungsschlacht in Syrien.
j TU. Kairo, den 3. Dez. Nach einer Meldung aus Beirut ist de Iuoeuel heute iu Damaskus angekommen, wo er die französische Garnison in erhöhter Alarmbereitschaft vorfand. Die syrischen Freiheitskämpfer sollen alle Vorbereitungen zu einem Entscheidungskampf getroffen haben.
Ein Besuch Stresemanns in' Paris.
I Varis, 3. Dezember. Der Londoner Sonderberichterstatter des „Matin" meldet, daß Dr. Stresemann auf der Rückreise nach Berlin in Paris haltmachen werde. Sauerwein will von maßgebender deutscher Seite eine Erklärung erhalten haben, in der zugegeben wird, daß seit der Unterzeichnung des Locarnovertrages eine Reise des deutschen Außenministers nach Paris grundsätzlich beschlossen worden sei.
Dr. Stresemann würde bereits seine Reise nach London über Paris zurllckgelegt haben, wie Briand ihm vorgeschlagen habe, wenn nicht in Frankreich die Kabinettskrise ausgebrochen wäre. Es sei auch kaum $ wahrscheinlich, daß Dr. Stresemann heute st nach Paris kommen werde, weil anzuneh- f men sei, daß Briand die Nacht im Parla- : ment verbracht habe und außerdem von schweren innerpolitischen Sorgen erfüllt sei. S Die Verhandlungen mit Stresemann könn- v len daher um einige Tage hinausgeschoben I werden. Sauerwein glaubt feststellen zu I können, daß Stresemann spätestens in eini- E gen Tagen nach Paris kommen werde. In y der letzten Unterhaltung mit Briand hätten Pi die deutschen Minister die Frage der Abwe- I senheitsurteile in Frankreich und besonders g in Belgien zur Sprache gebracht. Ferner È fei vereinbart worden, daß die Luftfahrt- konferenz, die ursprünglich nächsten Monat I itattfinden sollte, bereits in der kommen- * den Woche zusammentreten werde.
; Chamberlains Reise nach Genf I m TU. P a w s. den 3. Dezemb. lTelunion) Der t Vertreter der Telumon erfährt. das, Chamberlain I kommenden Freitag mit einer ungewöhnlich star- D k N Delegoti N 'N Genf eintreff n wird. Da» au< t kerordentlich träHine Aufgebot bas vou -mglisch r 6 Seite entfaltet wird, ert ärt sich durch die dirck f ten Verbandlungen, die der englische Autzenmi- L Nister malmend des Genfer Aufenthalts mit Bertre- I tcrn der Türkei in der Mossulfrage zu führen ge- I denkt. Andererseits steht bereits fest, daß auch Briand 8 Ende der Woche zu mehrtägigem Aufenthalt sich
” nach Genf beerbt.