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Nr. 281
Montag, den 14. Dezember 1925, mittags
59. (2.) Jahrgang
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Kampf um die Beamtengehölter
Neue Kompromitzversuche der Parteien.
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Die Verhandlungen über die Regierungsbildung sind seit Samstag mittag auf dem toten Punkt angelangt. Der Reichspräsident glaubte am Freitag abend, auf Grund der Erklärungen der Deutschen Volkspartei, auf Grund des Briefes der sozialdemokratischen Fraktion mit einzelnen Forderungen für das Arbeitsprogramm einer großen einer großen Koalition und auf Grund der bereitwilligen Erklärung des Zentrums und der Demokraten, den Reichskanzler Dr. Luther Samstag vormittag mit der Bildung der Großen Koalition beauftragen zu können. Inzwischen haben sich aber mehrere Schwierigkeiten ergeben, die wahrscheinlich dazu führen werden, daß die Beauftragung einer Persönlichkeit mit der Regierungsbildung verschoben werden wird.
Diese Schwierigkeiten liegen zum Teil auf persönlichem, zum Teil auf parteipolitischem, zum Teil aber arch auf sachlichem Gebiet. Im Laufe des Freitag abend und des Samstag vormittags spielten die sachlichen Schwierigkeiten die größte Rolle.
Nachdem eine Einigung zwischen allen bürgerlichen Parteien und gegen die Stimmen der Sozialdemokratie in der Frage der Erwerbslosenfürsorge erreicht war, verhan- dele der Hauptausschuß des Reichstages über die sMal^ demokratischen Anträge, die eine
Erhöhung des Zuschlages zu den Beamtengehältern fordern.
Durch die zu diesen Anträgen im Haushaltsausschuß entgegen den Anträgen der Regierung gefaßten Kompro- mißbeschlüsse der Parteien ist eine wesentliche Verschärfung der augenblicklichen parlamentarischen Situation entstanden. da diese Beschlüsse über das. von der Regierung für möglich erachtete Maß der Zugeständnisse ziemlich weit hinausgehen. Der Hauptausschuß hat nämlich den Regierungsvorschlag, der für die unteren und mittleren Beamten eine einmalige Zuwendung von einem Viertel bezw. einem Fünftel des Monatsbezuges vorsah, abgelehnt, und dafür nach einem Zentrumsantrag eine Erhöhung, des allgemeinen Teuerungszuschlages von 12,5 auf 25 Prozent bei den Gruppen 1—4 bezw. zwanzig Prozent bei den Gruppen 5 und 6 beschlossen. Dr. Luther steht aber als derzeitig geschäftsführender Finanzminister und Reichskanzler auf dem Standpunkt, daß diese Maßnahme für den Reichsetat nicht tragbar sei. Es dürfte von der Klärung dieser Angelegenheit abhängen, ob Dr. Luther sich imstande fühlen wird, die Regierungsbildung zu übernehmen. Dr. Luther kommt aber nach wie vor in erster Linie hierfür in Frage.
Dafür stimmten in der Nacht zum Samstag im Hauptausschuß die Völkischen, die Deutschnationalen, das Zentrum, die Demokraten und die Sozialdemokraten. Mit Ausnahme der Kommunisten lehnten nur die Deutsche Volkspartei und die Wirtschaftspartei diesen Antrag ab, weil nach den Erklärungen des Reichsfinanzministeriums die nötigen Mittel nicht zur Verfügung stehen.
Der Reichskanzler Dr. Luther erklärte nun, daß er Verhandlungen über die Bildung der Großen Koalition nicht für möglich halte, wenn Zentrum und Demokraten zugunsten eines Kompromisses mit der sozialdemokratischen Fraktion schon geegn bindende Erklärungen des Reichsfinanzministeriums und des geschäftsführenden Kabinetts umfielen und nur die Deutsche Volkspartei die sachliche Linie des neuen Kabinetts einhalte.
Diese sachlichen Schwierigkeiten will man auf folgende Art zu beheben versuchen:
Bei den Plenarverhandlutzgen über die sozialistischen Anträge zur Beamtenbesoldung werden die Deutschnationalen,' die Deutsche Volkspartei und die Wirtschaftspartei einen Antrag einbringen, der für die Stufen 1 bis 6 eine einmalige Zuwendung von 25 Mark und für die Stufen 7 bis 12 eine einmalige Zuwendung von 125 Mark fordert. Die drei Parteien werden, obwohl die Deutschnationalen im Hauptausschuß zunächst für den Antrag des Zentrums gestimmt haben, den Antrag des Hauptausschusses ablehnen, womit dieser im Plenum keine Mehrheit finden wird.
Die Regierungskrise versteift sich.
Daraufhin wird wahrscheinlich das Zentrum den ursprünglichen Regierungsvorschlag wieder aufnehmen, so daß aller Voraussicht nach im Endergebnis nur eine einmalige Zuwendung von einem Viertel des Monatsgehaltes für die Gruppen 1—4 und von einem Fünftel des Monatsgehaltes für die Gruppen 5 und 6 herauskommen wird.
Nach Beseitigung der durch die Beamtenbesoldungsfrage entstandenena Schwierigkeiten sind aber noch so viel persönliche und parteipolitische Schwierigkeiten für Verhandlungen des Reichskanzlers Dr. Luther zur Bildung der Großen Koalition übrig geblieben, daß der Reichspräsident Dr. Luther noch nicht beauftragen kann. Einmal ist noch nicht geklärt, ob die sozialdemokratische Fraktion überhaupt eine Große Koalition unter Führung des Reichskanzlers Dr. Luther will, dann sind aber auch bei anderen Fraktionen der eventuellen Großen Koalition Stimmungen entstanden, die einer Kabinetsbildung durch Dr. Luther im Augenblick nicht günstig sind.
Der Reichspräsident hat infolgedessen Samstag vormittag im Reichstag durch den Staatssekretär Dr. Gleißner mit dem demokratischen Abgeordneten Koch und mit dem Zentrumsabgeordneten Fehrenbach Verhandlungen darüber führen lassen, ob si^hrenbach oder Koch als ei zent- liche Anreger des Gedankens der Großen Koalition bereit seien, sich mit der Bildung eines solchen Kabinetts betrauen zu lassen. Von diesen liegen bis zur Stunde noch keine bindenden Antworten vor.
Vorläufig lehnen beide Abgeodnete es ab, den Aurtrag anzunehmen, so daß sicherlich ein praktisch durchführbarer Gedanke für die Verhandlungen für die Große Koalition noch nicht vorhanden ist. Infolgedessen ist im Reichstag schon der Plan aufgetaucht, daß der Reichspräsident nunmehr nach altem Schema zunächst die größte Partei. die Sozialdemokraten, beauftragen und nach dem Scheitern der Sozialdemokraten die zweitgrößte Partei, die Deutschnationalen, mit dem Versuch der Kabnettsbldung beauftragen soll.
Auch das können nur takische Versuche sein, um überhaupt Verhandlungen wieder in Gang zu bringen, die nach sehr weit verbreiteter Ansicht in parlamentarischen Kreisen schließlich doch zu einer Beamtenregierung oder zu einer Koalition der Mitte unter Dr. Luther führen müssen.
Eine Note an die Reichsregierung.
die sich von
Die Botschafterkonferenz, die am Donnerstag über Regelung der deutschen Luftfahrtfragen beriet, stellt bei der Wiederherstellung der wiederholt insbesondere den Franzosen durchbrochenen Bestimmungen des ja an sich schon sehr zangenmäßigen Versailler Vertrages ganz fürchterlich an. „Petit Parisien" teilt in einer sichtlich offiziösen Auslassung mit, daß die Botschafterkonferenz gestern „auf Grund gewisser technischer Erwägungen und im Geiste des Vertrages von Locarno" den Beschluß gefaßt habe, an die Reichsregierung eine Note zu richten, in der die Voraussetzungen für den Zusammentritt einer Sachverständigenkonferenz aufgezühlt werden. Die Konferenz wird die Prüfung der Manahmen zum Ziele haben, die an Stelle der gegenwärtig für Deutschland geltenden Luftfahrtbestimmungen treten sollen. Ebenso soll der offizielle Fortfall der Luftfahrtkontrolle durch das interallierte Militärkomitee erörtert werden. „Matin" teilt mit, daß die deutschen Sachverständigen nach zwei Sitzungen mit ihren französischen Kollegen nach Berlin zurückgekehrt seien, um ihrer Regierung Bericht zu erstatten. Man nehme an, daß sie in einigen Tagen wiederum nach Paris kommen werden und daß die Frage des Ueberfliegens deutschen Gebietes durch französische Flugzeuge einerseits und des UebeZlie- gens des Rheinlandes von deutschen Flugzeugen! andererseits noch vor Ablauf dieses Jahres geregelt werde.
Trotzdem weitere Kontrolle.
„Matin" berichtet, die Konferenz habe die neuen Bestimmungen geprüft, die bisher für die deutsche Luftschiffahrt galten und zwar mit der Absicht, diese Bestimmungen für die Verkehrsflugzeuge zu mildern. Die Botschafterkonferenz werde außerdem die Frage studieren, unter welcher Form die Kontrolle der zivilen und militärischen Luftfahrt in Deutschland durchgeführt werden solle. Schließlich wurde die interalliierte Kommission von dieser Aufgabe entlastet und diese Kontrolle gemäß dem Versailler Vertrag durch den Völkerbund ausgeübt werden.
Die bevorstehenden Luftfahrtverhandlungen.
Die neue Note, die die Botschafterkonferenz an die Reichsregierung über die Regelung der Luftfahrtfragen gerichtet hat, ist jetzt in Berlin eingetrosfen und wird von den Regierungsstellen einer sorgfältigen Prüfung unterzogen werden. Die Tatsache, daß die Botschafterkonferenz der deutschen Regierung nunmehr die Einberufung einer Sachverständigen-Konferenz vorgeschlagen hat, ist insofern von großer Bedeutung, als nunmehr der ganze Fragenkomplex nicht mehr auf dem Wege der Einzeloerhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich, sondern vor den Sachverständigen aller beteiligten Großmächte zur Verhandlung gelangen soll.
Weiterhin wird von den zuständigen deutschen Regierungsstellen mit großer Befriedigung darauf hingewiesen, daß man einen beschleunigten Termin für die in Aussicht gnommenen Verhandlungen festgesetzt hat, und daß dadurch die Gefahr einer Verschleppung dieses wichtigen Problems sowie das Hineinspielen anderer politischer Nebenfragen ausgeschlatet wird.
Die deutsche Politik ist im höchsten Grade daran interessiert, zu einer Gesamtregelung zu gelangen, die den großen Entwicklungsmöglichkeiten des deutschen Luftverkehrs Rechnung trägt, und die den gegenseitigen Luftverkehr auf der Grundlage der völlig gleichberechtigten Stellung Deutschlands stellt.
Es handelt sich dabei um zwei Fragen, über die auf der bevorstehenden Sachverständigen-Konferenz verhandelt werden muß:
1. Um die Revision der Bestimungen über den deutschen Flugzeugbau und
2. die Regelung der Frage des Ueberfliegens deut- ichen Gebietes durch französische Flugzeuge sowie die Freigabe des Flugzeugverkehrs im besetzten Gebiet.
Die beiden letztgenannten Probleme bleiben allerdings mehr oder weniger der Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich vorbehalten, sodaß die französische Regie- Mng tatsächlich in der Lage sein wird, ihren Einfluß au die Sachverständigen-Konferenz geltend zu machen.
Deutscherseits wird man großen Wert darauf legen müssen, daß die deutschen Unterhändler in der Geltendmachung der deutschen Forderungen in keiner Weise beeinträchtigt werden.
Es besteht daher eine gewisse Besorgnis, daß die Sach- verständigen-Konferenz in ihrem Beratungsprogramm erhebliche Einschränkungen vornimmt, durch die die deutschen Unterhändler in ihrer Bewegungsfreiheit stark beengt werden könnten. Da die Verhandlungen in Paris stattfinden sollen, besteht allerdings die Möglichkeit, daß die Sonderverhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich bis zur Eröffnung der offiziellen Konferenz weiter gehen werden und daß bei dieser Gelegenheit einige Fortschritte hinsichtlich der Vorbereitung des ganzen Beratungsstoffes erzielt werden dürften.
Was die Frage des Luftverkehrs zwischen Deutschland und Frankreich anbetrifft, so ist der deutsche Standpunkt bereits hinlänglich bekannt. Die deutsche Regierung hält nach wie vor daran fest, daß das von Frankreich gewünschte Recht zum Ueberfliegen deutschen Gebietes nur durch eine Rechtskonvention zugestanden werden kann und zwar müssen diese Abmachungen auf dem Prinzip völliger Gegenseitigkeit beruhen. Die Schwierigkeiten, die sich im allgemeinen hierbei ergeben werden, sind nicht unüberwindlich, aber es gilt als eine Selbstverständlichkeit, daß Deutschland nur dann ein ernsthaftes Interesse daran haben kann, eine . deutsch-französische Luftfahrt-Konvention einzugehen, wenn ihm die Freiheit seines zivilen Flugzeugbaues zugestanden wird. Bei der großen Bedeutung, die diese Frage namentlich für die deutsche Wirtschaft einimmt, legt man deutscherseits den größten Wert darauf, daß die Luftfahrtverhandlungen so schnell wie möglich zu einem befriedigenden Resultat geführt werden.
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Denkt an die Bögel!
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