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Hessische MrgenzeitW

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Nr. 286

Samstag, den 19. Dezember 1925, mittags.

59. (2.) Jahrgang

Ost- und Ännerafien.

»Der Völkerbund in der Mandschurei, -

Berlin, 18. Dezember. Nach den Abendblättern wird I inDaily Mail" im Anschluß an die Meldung von der ) Besetzung Mukdens durch japanische Truppen der Vorschlag I gemacht, Japan ein Mandat der Mächte über die Mand- I schurei zu geben, bis China eine feste Regierung habe.

Japan würde aus einem solchen Mandat natürlich kommerzielle Vorteile ziehen. Aber, wenn Japan nicht das Mandat bekommen würde, würde für alle frem­den Länder der Handel mit der Mandschurei überhaupt I aufhören.

Die Russen würden sich natürlich einem solchen Mandat widersetzen, aber da die Bolschewisten ihre ganze Propa­ganda in China gegen England und Japan richteten, so wä­re ein solcher japanischer Gegenzug sicher nicht zu beklagen.

Brlin, 18. Dezember. Gegenüber einem Vertreter des Berliner Tageblattes" äußerte sich der Berliner japanische Geschäftsträger Ito über Japans Vorgehen in der Mand­schurei. Die Entsendung von Ersatztruppen, so erklärte er, ist nicht erfolgt, um den Vormarsch der Armee Kuosunlins aufzuhalten, oder der Armee Tschangtsolins Schutz und Zu­flucht zu gewähren, sondern lediglich, um die japanischen Untertanen in der Eisenbahnzone zu beschützen. Die japa­nische Regierung habe keine Absicht, plötzlich in den Gang -.der Ereignisse einzugreifen, solange die sich Setämpfenden s chinesischen Armeen das Leben und den Besitz der japani­schen Staatsangehörigen gebührend achten. Zur Rechtslage erklärte der Geschäftsträger: Wir haben auf Grund unse­rer Verträge mit der chinesischen Regierung das Recht, ge­wisse militärische Streitkräfte in der Mandschurei zu unter- ! halten, um die mandschurische Bahn und ihre Zone zu ' schützen. Die jetzige Truppenentsendung ist völlig gesetz­mäßig, denn das Recht hierzu ist uns in einem Vertrag mit I China ausdrücklich zuerkannt worden. Wir haben den sich I feindlich gegenüberstellenden Generälen die Warnung er­teilt, innerhalb der Eisenbahnzone und in unmittelbarer Nähe derselben keine Feindseligkeiten zu führen. Falls die- . gen unsere Erwartung derartige Ereignisse dennoch eintre­ten sollten, werden wir gezwungen sein, unsere Rechte so­wie das Leben und den Besitz unserer Landsleute zu be­schützen.

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Berlin, 18. Dezember. DieVossische Zeitung" meldet ms Peking: Das sofortige Ueberrrennen des Gegners ist beiden Parteien im mandschurischen Bürgerkrieg mißlun­gen. In modernen Schützengräben haben sich die Truppen systematisch verschanzt. In Tientsin ist eine Lage geschaf­fen, die angesichts des Mangels an Kriegsmaterial, Ver­pflegung, Nachschub und Lazarettwesen ganz neuartig für die chinesische Kriegsführung ist. Feng You Siangs Versuch der Truppenausladung in Tongku mit der Absicht, die letz­te offene Eisenbahn zu unterbrechen, führte zu einem leich­ten Zusammenstoß mit der französischen Wache. Von bei­den Seiten wurde protestiert. Die vertragliche Lage ist un­klar. Die Studenten beginnen mit einer christenfeindlichen Propaganda. Gegen Weihnachten ist eine große Demon­stration angesagt.

London, 18. Dezember. Die Berichte der englischen Blätter aus China sind recht unklar. DieTimes" berich­tet aus Peking, Feng Pou Siangs Streitkräfte wären in den letzten Tagen sehr verstärkt worden und hätten gestern früh einen Vorstoß nuternommen. Die auf dem linken Flügel operierenden Truppen hätten Tangku an der Tientsin-Mukden-Eisenbahn nördlich von Taku besetzt. Da­mit sei die Verbindung mit der See abgeschnitten. Die Ho- "antruppen auf dem rechten Flügel, die angeblich zuriick- «egangen sein sollten, wären nunmehr auf dem Vormarsch. , enn sich diese Nachricht bestätigen sollte, werde Tientsin 'n Kürze eingeschlossen sein. Die englischen, italienischen und niederländischen Vertreter der Justizkommission sitzen 'n Tientsin fest und können sich nicht zu der Eröffnungs- nhung der Beratungen über die Exterritorialitätsfragen

Japan meldet sich. Der Bürgerkrieg.

DerDaily Telegraph" berichtet aus Tokio, daß Japans Politik zur Verteidigung seiner mandschurischen Interessen sich bisher auf die Hoffnung gegründet habe, daß ein Kampf zwischen Tschang Tso Lin und dem General Kuo Sun Lin 'letzen Endes durch einen friedlichen Kompromiß erledigen würde. Diese Hoffnung ist in letzter Stunde enttäuscht worden, da Tschang Tso Lin offensichtlich seine Meinung ge­ändert habe und nunmehr bis zum letzten Mann kämpfen wolle. Die japanischen Truppen haben Mittwoch abend die Stadt Mukden' auf Bitten des Konsulatskorps besetzt und die Verantwortung für die Ereignisse in der Stadt übernommen. Die japanischen Blätter sind mit den neuen mandschurischen Unternehmungen der Regierung nicht ein­verstanden und befürchten Komplikationen. Ein Teil der englischen Blätter benutzen die Ereignisse zum Anlaß recht sensationeller Berichterstattung, vor allen Dingen die Daily Mail."

Rußland und Turkestan.

Berlin, 18. Dezember. Der Asien-Europadienst meldet aus Moskau/ Auf Beschluß des Kriegs- und Revolutions­tribunals wurde der General Bogdanitzki, seine Frau und sein Adjutant am Mittwoch, den. 16. Dezember 1925 in Taschhent standrechtlich erschossen. Bogdanitzki war des Verrates beschuldigt, sowie bezichtigt worden, Beziehungen zu den Generälen der Weißen Armee und den russischen Emigranten im Auslande unterhalten zu haben. General Bogdanitzki war bis zuletzt Chef des Militärkreises Tur­kestan.

Berlin, 18. Dezember. Der Asien-Osteuropadienst mel­det aus Moskau: Der Arbeiter- und Verteidigungrat hat beschlossen, eine Kommision zu bilden, die sich mit der Untersuchung der russischen Kriegsindustrie befassen soll, um etwaige Mängel zu beseitigen. Gleichzeitig hat diese Kommission die Aufgabe, das Material für ein Programm zum Ausbau und bezw. zur Modernisierung dieser In­dustrie zu sammeln. Zum Vorsitzenden dieser Kommission wurde Trotzki ernannt. Ferner gehören dieser Kommission noch Kameneff und Dzerzinski an. Trotzki wird demnächst mit Mitgliedern dieser Komission eine Reise durch ganz Rußland unternehmen und dabei die in Frage kommenden Werke besichtigen. Die erste Reise wird im Frühjahr näch­sten Jahres erfolgen und nach Turkestan gehen. Charakte­ristisch ist der Beginn der Zusammenarbeit Trotzkis und Kameneffs. Es ist dies der erste Versuch, die erfolgte Ver­söhnung sich auswirken zu lassen.

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In Marokko ist Abd el Krim immer noch unbesiegt. Die allwöchentlich auftauchenden Nachrichten über seine Friedensangebote" werden regelmäßig beinahe durch Meldungen über neue Kämpfe dementiert. Im Hedschas ist der König von Englands Gnaden, der zum Lohn für seine Verräterei im Kriege ein kurzes Monarchendasein ge­fristet hat, vom Aufstand hinweggeweht. Die heiligen Städte sind in der Hand der Wachabiten. Syrien ist im­mer noch nicht zur Ruhe gekommen. Der Mossul-Streit hat eine die Türkei keineswegs befriedigende, für England allerdings um so günstigere subjektive Lösung durch den Völkerbund gefunden. In Zentralasien macht der Bolche- wismus auf dem Wege nach Indien muntere Fortschritte. China, von inneren Kämpfen zerrissen, von den interessier­ten Mächten (wegen seiner Bodenschätze) argwöhnisch be­obachtet, gleitet in eine europafeindliche, russenfeindliche Politik.

Wo soll das hin?

Weitere Hoffnungen auf die große Koalition.

Unser Berliner Vertreter schreibt uns: Trotz des Schei­terns der Bemühungen des demokratischen Parteiführers D. Koch haben die Demokraten die Hoffnungen auf ein nachträgliches Zustandekommen einer Regierung der Gro­

ßen Koalition nicht aufgegeben. Wie wir hören, werden nach den Weihnachtsfeiertagen zwischen den demokratischen und sozialdemokratischen Parteiführern Besprechungen statt­finden, bei denen die Frage geprüft werden wird, inwie­weit die Sozialdemokatie bereit ist, die Verhandlungen über die Große Koalition wieder aufzunehmen. Neuer­dings ist das Gerücht verbreitet, daß das Zentrum und die Demokraten bei der Wiederaufnahme der Verhandlungen zur Kabinettsbildung den Reichspräsidenten von Hinden­burg dringend ersuchen wollen, noch einen weiteren Ver­such mit der Großen Koalition zu machen, und zwar will man diesmal auf dem Wege unverbindlicher Vorbesprech­ungen eilt neues Programm ausstellen, auf dessen Grund­lage die Verhandlungen mit den Parteiführern wieder auf­genommen werden könnten. Die Demokraten erinnern da­ran, daß die Sozialdemokraten nicht die Große Koalition als solche, sondern lediglich die bisher unter Dr. Koch ge­führten Verhandlungen als ungeeignete Grundlage zurück- gewiesen hätten. Möglicherweise werde sich das Zentrum bereit erklären, diesmal einen Zentrumsführer in Front zu schicken, der dem Reichspräsidenten zur Beratung vorge­schlagen werden soll.

Wetterführung der Geschäfte durch das Kabinett Luther.

Berlin, 18. Dezember. Im Hinblick auf die gestern im Reichstag beschlossenen Weihnachtsferien des Parlamentes ersuchte der Herr Reichspräsident den Reichskanzler und die Reichsminister die Geschäfte auch, fernerhin weiterzu­führen. Der Herr Reichspräsident wird seine weiteren Entschließungen in..der. Frage der Neubildung der Reichs- regierung vor dem am 12. Januar nächsten Jahres fol­genden Miederzusammentritt des Reichstages machen.

Die Verkündung der Mossulentscheidung.

Genf, 17. Dezember. Um 6.15 Uhr begann die mit Spannung erwartete Sitzung des Völkerbundsrates, die heute die endgültige Entscheidung in der Mossulfrage zu Gunsten Englands brachte. Zu Beginn der Sitzung wur­de ein Schreiben des türkischen Außenministers, Ruchby Bey, verlesen, der es ablehnt, zu der Sitzung zu erscheinen und Protest gegen die schiedsrichterliche' Entscheidung des Rates einlegte.

Nach der Verlesung dieses Briefes wird ein ausführli­cher Rahmenbericht zur Entscheidung des Rates verlesen, der eine Uebersicht über die bisherige Behandlung dèr Streitfrage bringt. Die Mitglieder des Rates, so sagt der Bericht, hätten sich vor zwei Möglichkeiten befunden, ent­weder das Mossulbudget zwischen dem Irak und der Tür­kei zu teilen oder dem Irak bis zur Brüsseler Grenze das Mossulgebiet zu zusprechen.

Der Rat habe^ich heute für die zweite Lösung ent­schieden und damit vier Fünftel des Mossulgebietes Eng­lands zugeteilt, unter der Voraussetzung, daß das Man­dat über dieses Gebiet um 25 Jahre verlängert wird. Die englische Regierung wird weiterhin vom Rat aufgefordert ihm Vorschläge zu unterbreiten, ob die Selbstverwaltung unter der kurdischen Bevölkerung durchgeführt werden kön­ne und sich zur Annahme der anderen wirtschaftlichen und kulturellen Empfehlungen der Untersuchungskommission bereit zu erklären. Der Bericht und die Resolution wer­den Hierauf vom Rat einstimmig angenommen.

Der englische Kolonialminister Amery dankte im Na­men der englischen Regierung dem Rat für seine unpar- teirflhe und sorgfältige Arbeit. Er bedauert, daß der Rat sich nicht entschlossen hätte, die Grenzlinie noch weiter nörd­lich zu Gunsten des Irak zu ziehen. Im Namen seiner Re­gierung und der Regierung des Irak nehme er die Beding­ungen des Rates an. Die englische Regierung wird sehr bald dem Rat neue Vorschläge für die Erfüllung seiner Forderungen unterbreiten. Auch der englische Außenmi- ntster Chamberlein dankte seinerseits dem Rat für die Entscheidung und erklärte sich jederzeit bereit, friedliche und ehrliche Verhandlungen mit den Türken über die zu- künftigen Beziehungen zwischen dem Mossulgebiet und der Türkei zu beginnen und alle diesbezüglichen türkischen und anderen Vorschläge gewissenhaft zu prüfen.

Genf, 17. Dezember. Zu der Entscheidung des Völker­bundsrates in der Massulfrage veröffentlicht die türkische Delegation eine Erklärung, in der es heißt:Die engli- schen blätter haben schon seit mehreren Tagen die Ent- scheidung veröffentlicht, die der Rat in seiner heutigen Sitzung gefaßt hat. Die türkische Delegation hat bereits ?^Eber erklärt, daß ihre Vollmachten durch den eschluß des Rats, die Rolle eines Schiedsrichters zu über- neymen. beendet seien. Die vom Rat empfohlene Erenre ist ungefähr dieselbe, die die Türkei bereits in Lausanne zuruckgewiesen hat und verläuft noch nördlicher als die in Vertrag von^ Sevres vorgesehene Grenze. Die souveränen Rechte der Türkei über das Mossulgebiet bleiben in vol- £rt "^ bèhen. Im übrigen hat jetzt Angora das