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Hessische ^orwitng

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Nr. 287

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Montag, den 21. Dezember 1925, mittags.

59. (2.) Jahrgang

Die Japaner in der Mandschurei.

Mukden besetzt. Eingreifen der Mächte.Des Pudels Kern?"

Reuter meldet aus Peking: Der niederländische Ge­sandte überrreichte dem chinesischen Außenamt ein Memo­randum, in dem es unter anderem heißt:

Das diplomatische Korps ist bereit, seine Staatsange­hörigen vor oer Gefahr beim Durchschreiten der Kampf­zone zu warnen, besteht jedoch auf der Aufrechterhaltung des freien Verkehrs durch die Eisenbahn, sowie auf der Sicherung der Straße zwischen Peking und dem Meere in Uebereinstimmung mit dem Protokoll vom Jahre 1901, um den Ausländern zu ermöglichen, ihren friedlichen Beschäfti­gungen nachzugehen, sowie die Gesandtschaften in die Lage zu versetzen, diplomatische Kuriere und Post zu empfangen und zu senden. Dieser Verkehr ist bereits seit zehn Tagen unterbrochen.

Die Japaner in Mukden.

Reuter meldet aus Shanghai, es werde erwartet, daß die hartnäckige Propaganda, die für einen Streik als Pro­test gegen die japanische Intervention in der Mandschurei betrieben wird, zu weiteren Unruhen unter der Arbeiter­schaft führen werde. Die Stimmung sei verschärft worden durch die am Donnerstag erfolgte geheime Hinrichtung ei­nes der hervorragendsten chinesischen Arbeiteragitatoren, der ein führendes Mitglied des einflußreichen Allgemeinen Arbeiterverbandes von Shanghai war.

Nach einer Meldung der LondonerDaily Mail" haben japanische Truppen die Hauptstadt der Mandschurei auf Er­suchen der dortigen Konsuln besetzt, um die dort wohnenden Ausländer gegen Ausschreitungen chinesischer Truppen zu schützen. Aus Tientsin wird berichtet, dah Tschangsolins Alliierte, die Truppen des Generals Feng in Toschow, lüO Meilen südlich von Peking, geschlagen hätten. General Schangtschungschang, der Sohn des Marschalls Tschang­solins, marschiere auf Tientsin, um den dort kämpfenden Abteilungen Tschangtsolins zu Hilfe zu kommen.

9* Zentrum Meliert mchmis a die SsjititaoMt.

Berlin, 21. Dezember.

(Von unserem Berliner Vertreter.)

Während die Regierungsverhandlungen bis Anfang Januar vertagt sind und in den nächsten Wochen kaum ir­gend welche entscheidenden Schritte zur Lösung der Regie­rungskrise unternommen werden dürften, sind die Führer des Zentrums gegenwärtig angestrengt bemüht, die Frage der Großen Koalition wieder aufzurollen.

Dr. Marx ist von seiner Fraktion offiziell beauf­tragt worden, die Vorstände der Partei einzuberufen und eine Aktion vorzubereiten, mit der das Zentrum bei der Wiederaufnahme der Verhandlungen über die Regierungsbildung hervortreten will.

Wie wir hierzu erfahren, soll der neue Versuch der Zen­trumspartei mit größter Schlagkraft geführt werden, um die sozialdemokratischen Widerstände endgültig zu brechen. Hierbei dürfte auch im Zusammenhang mit dem gescheiter­ten Versuch des demokratischen Parteiführers Dr. Koch die Frage aufgetaucht sein, inwieweit der Zentrumsführer Dr. Marx demnächst in den Vordergrund treten soll, um ge­gebenenfalls vom Reichspräsidenten den Auftrag zur Re­gierungsbildung zu erhalten. Innerhalb der Zentrums­fraktion wurde nämlich darauf hingewiesen, daß die Er­klärung Fehrenbachs, das Zentrum könnte unter keinen Umständen den Kanzlerposten in einer Regierung der Gro­ßen Koalition übernehmen, nunmehr praktisch aufgehoben werden müsse, da die Verhandlungen über die Regierungs­bildung in ein ganz neues Stadium eingetreten sind. Man kann sogar damit rechnen, daß der Zentrumsführer ^Dr. Marx tatsächlich darauf hinzielt, sich nach der Wiederauf­nahme der Besprechungen mit dem Reichspräsidenten mit der Regierungsbildung betrauuen zu lassen.

Innerhalb der Deutschen Volkspartei steht man den gegenwärtigen Bemühungen des Zentrums keineswegs wohlwollend gegenüber. Die volksparteilichen Politiker sind nämlich der Meinung, daß jede Voraussetzung dafür fehle, den Versuch der sehlgeschlagenen Großen Koalition wiederholen zu wollen. Lediglich die Sozialdemokratie habe es in der Hand, von neuem die Initiative zu ergrei­fen, wenn sie bereit ist, zu erklären, daß sich ihre Haltung nunmehr geändert habe. Auf andere Weise werde es nicht möglich sein, einen neuen Versuch zu der Großen Koalition zu machen. Angesichts der Notwendigkeit, die Reaierunas- neubildung zu beschleunigen, will die Deutsche Volkspartei daran festhalten, dem Reichspräsidenten die Betrauuna Dr. Luthers vorzuschlagen.

Inzwischen haben jedoch die führenden Zentrumspoli- trker in Preußen die Gelegenheit wahrgenommen, mit der

Japanisches Militär hat also, angeblich auf Wunsch des diplomatischen Korps, zum Schutze der Ausländer die Hauptstadt der Mandschurei, Mukden, besetzt. So­weit die kurze Meldung aus Ostasien.

Zu gleicher Zeit beeilt sich der Berliner Geschäftsträger diesen Vorgang in ein der japanischen Regierung ange­nehmes Licht zu rücken. Für einen Chinesen müssen seine Worte etwa so klingen, wie für uns seinerzeit die Begrün­dung der Ruhrbesetzung. Versuchte Herr Poincare damals das Recht der Besetzung aus dem Versailler Vertrag her­zuleiten, so pocht Japan jetzt auf ein Akommen mit China, das ihm das Recht gibt, in der Mandschurei längs der Bahnlinie Garnisonen zu unterhalten, wonach also die Be­setzung Mukdens keine vertragwidrige Handlung ist. Die Begründung hört sich zwar recht nett an, sie basiert doch aber ebenfalls auf einem Abkommen, das China abgepreßt worden ist und von dem sich jede chinesische Regierung lie­ber heute als morgen lösen würde, wenn sie eine entsprech­ende militärische Macht hinter sich hätte. Daß die Landung starker japanischer Kontingente bei Darren und die Ab­grenzung einer neutralen Zone keine Einmischung in den chinesischen Bürgerkrieg bedeuten soll, glauben die Japa­ner doch selbst nicht.

Ihr ganzes Bestreben geht jetzt dahin, im Trüben zu fischen und ihrem Sechzig-Millionen-Volk, das auf den Inseln teilten Platz mehr hat, Siedlungsland auf chinesischem Hoheitsgebiet zu verschaffen. Die frucht­bare Mandschurei ist den Japanern hierzu gerade recht. Sie bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit zu annektieren, sei es auch unter Bedingung einer kriegerischen Auseinandersetzung, ist das Endziel der japanischen durch die Besetzung Mukdens einen bedeu­tenden Schritt vorwärts gekommenenPolitik der Nichteinmischung in chinesische Verhältnisse."

Sozialdemokratie in neue Besprechungen einzutreten. In diesem Zusammenhang erfahren wir von unterrichteter Seite, daß es noch eine kleine Aeberraschung geben wird, da die preußischen Sozialdemokraten sich bereit erklärt haben sollen, -

die Bemühungen des Zentrums zur Bildung einer Regierung der Großen Koalition im Reiche energisch zu unterstützen.

Von sozialdemokratischer Seite liege auch eine Erklärung vor, aus der hervorginge, daß ihr Dr. Marx als Reichs­kanzler durchaus genehm sei. Der demokratische Partei­führer Dr. Koch habe übrigens die Verhandlungen mit den Parteien dadurch zu einem völlig negativen Resultat ge­führt, daß er es unterlassen habe, die Zustimmung bet Deutschen Volkspartei zu den wichtigsten innerpolitischen Forderungen einzuholen. Tatsächlich habe sich bis heute noch nicht herausgestellt, ob die Deutsche Volkspartei bereit gewesen wäre, dem von Koch vorgetragenen Programm zu­zustimmen. Sollte die Zentrumspartei wirklich bemüht sein, einen nochmaligen ernsten Versuch zur Bildung einer Regierung der Großen Koalition zu unternehmen, so werde die Sozialdemokratie dazu bereit sein, ihrerseits eine neue Erklärung zu veröffentlichen, durch die die Möglichkeit zu neuen Verhandlungen gegeben sein wurde.

Offensichtlich hat man es mit einem Stimmunqs- umschwung innerhalb der sozialdemokratischen Partei zu tun, die allmählich einsieht, daß der ablehnende Be­schluß, durch den das Scheitern der Großen Koalition herbeigeführt wurde, geeignet war, die Parteien des Zentrums und der Demokraten immer mehr von der Weimarer Koalition zu entfernen. Sollten neue Ver­handlungen über die Große Koalition zustande kom­men, so würde sich herausstellen, daß die Sozialdemo­kratie im entscheidenden Augenblick umgefallen ist und daß ihre bisherige Stellungnahme keineswegs einem ausschlaggebenden sachlichen Prinzip entsprungen war.

Eisenbahnunglück bei Saargemünd.

Saargemünd, 20. Dezember. Hinter dem Bahnhof hat­ten sich von einem Güterzug acht Wagen gelöst, die auf der Streje stehen blieben. Ein nachfolgender Güterzug stieß in voller Fahrt mit ihnen zusammen, wobei die Maschine und 14 Wagen vollständig zertrümmert wurden. Von »dem Personal wurden zwei Personen schwer verletzt. Der Materialschaden ist sehr groß.

5te Jelltschlsudlied im tschechischen Parlament.

Neue Tumulte im Prager Ageordnetenhause.

Prag, 19. Dez. In der gestrigen Sitzung des Abgeord­netenhauses kam es wieder zu großen Tumulten, da die Slowaken und die Deutschen schärfste Obstruktion trieben. Ministerpräsident Svehla wurde an der Verlesung der Re­gierungserklärung verhindert. Unter großem Lärm und unter begeisterten Kundgebungen der Opposition überreich­te ein slowakischer Abgeordneter dem Ministerpräsidenten ein großes Paket, in dem sich die Heimatscheine aller der­jenigen Slowaken befanden, denen das Heimatrecht aber­kannt worden ist, wodurch sie politisch völlig entrechtet wur­den. Als ein Abgeordneter der Regierungsparteien die Papiere zerriß, stürmten die slowakischen Abgeordneten auf die Koalitionsparteien ein. In das Handgemenge griffen darauf auch die deutschen und die ungarischen Ab­geordneten ein, sodaß sich eine förmliche Schlacht entwik- kelte, in den zahlreiche Ohrfeigen ausgeteilt wurden. End­lich konnte der Ministerpräsident zu Worte kommen, wobei er die schärfsten Angrnfe gegen die Opposition richtete. Plötzlich erhoben sich die Slowaken und fingen während der Rede das slowakische Rationalied zu singen an. Die deutschen Parteien unterstützten die Slowaken mit großem Beifall, erhoben sich dann ebenfalls von ihren Sitzen und sangen das Deutschlandlied, das von den Slowaken be­gleitet wurde. Während dieser Vorgänge sah man ver­schiedenen Ecken des Hauses ständig raufende Abgeordnete. In dein allgemeinen Gewirr sah man, daß einige Abgeord­nete der Koalitionsparteien die Hand erhoben, was, wie nachträglich festgestellt wurde, die Annahme der Regier­ungserklärung bedeuten sollte. Im weiteren Verlauf der Sitzung gaben die Deutsche Nationalpartei und die Unga­rische Partei eine Erklärung ab, in der für beide Natio­nalitäten das Selbstbestimmungsrecht gefordert wird. Die Erklärung der Deutschen Nationalpartei hat folgenden Wortlaut:

Durch die Friedensverträge des Jahres 1919 wurden mehr als 40 Millionen Menschen in Europa um ihr Be­stimmungsrecht betrogen, darunter fast 4 Millionen Sude­tendeutsche, die in den tschechischen Staat gewaltsam ein­gepfercht und seither in der brutalsten Art und Weise in in ihren Existenzbedingungen bedroht werden. Solange uns und den andern Unterdrückten Nationen das Recht auf freie unbeeinflußte Selbstbestimmung über das staats­rechtliche Schicksal vorenthalten wird, können nicht Ruhe und Frieden eintreten. Als die gewählten Vertreter der Deutschen Nartionalpartei erklären wir daher beim Zu­sammentritt der neugewählten Parlamente, daß wir un­verbrüchlich an der vom Abgeordneten Ladgman am 1. Tu- ni 1920 im Namen der im deutschen parlamentarischen Ver bände vereinigten Parteien, des Bundes der Landwirte, der Deutschen Nationalpartei, der Deutschen Christlich-so- zralen Volkspartei und der Deutschen Demokratischen Frei- Hertspartei, abgegebenen staatsrechtlichen Erklärung fest­halten. Wir verwerfen die Phrase vom reinen tschechischen ^.taat und der tschechoslowakischen Nation und von der tschechoslowakischen Sprache als mit den Tatsachen hand­greiflich im Widerspruch stehend. Wir werden niemals die Tschechen als Herren anerkennen, niemals uns als Knechte in diesem Staat fühlen. Unrecht kann auch durch tausend- lahrrge Uebung nie Recht werden, solange es nicht von den Betroffenen selbst aus freier Anschauung anerkannt wur­de. Wir verkünden daher feierlich, daß wir niemals auf- horen werden, die Selbstbestimmung unseres Volkes zu fordern, daß wir dies als den obersten Grundsatz aller un­serer Maßnahmen und unseres Verhältnisses zu diesem otaat. den gegenwärtigen Zustand aber als unser unwür­dig und mit den Grundsätzen unserer modernen Entwick­lung und unvereinbar betrachten. Dies als ein Vermächt­nis denen zu hinterlaßen, die unsere Nachkommen werden halten wir für unsere Pflicht.

Für die übrigen deutschen Parteien gab Professor Dr Spina eine Erklärung ab, in der auf die Erklärung vom Jahre 1920 hingewiesen wurde, der Protest aber auf Hult- schin und die später annektierten Gebiete Niederösterreichs ausgedehnt wurde. Die Erklärung kündigte den Kampf gegen das nationalstaatliche System an, auf dem die Tsche­choslowakei aufgebaut sei und das zu schwersten Benachtei­ligungen der nationalen Minderheiten auf dem Gebiete des Schulwesens, der Wirtschaft und der Kultur geführt

Das Erbe Hugo Stinnes.

_ ?eâ,^- Dezember. ^eufe fanb üor bem Amtsgericht xu'ilin^itb^ die offizielle Gläubigerversammlung der Aga (Aktiengesellschaft für Automobilbau) statt. Der Konkursverwalter Wunderlich legte einen von ihm aufge- machten Status der Gesellschaft vor, aus dem sich zunächst ergibt, daß den Gesamtaktiven in Höhe von 1,7 Millionen lianum in Hohe von 17 Millionen gegenüberstehen. Es wurde sich eine Quote von 10 Prozent für die Gläubiger ergeben. Falls die zu erwartenden Regreßprozesse einer- Z'^ gegen die Banken, andererseits gegen Edmund Stin- nes von Erfolg begleitet sein würden, so würde sich die ungefähr erhöhen können. Schließ- ± wurde festgesetzt, daß bw gesamten Betriebe der Aga sollen 0' b ^' ab bis auf weiteres stillgelegt werden