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Nr. 289
Der MOhaOlt für WA.
Em 7,7 Milliarden Mat — Die ungeheuren Dawes-Lasten.
Auf der Tagesordnung der öffentlichen Vollsitzung des Reichsrats vom Samstag stand der Entwurf des Reichshaushaltplanes für das Rechnungsjahr 1926, aus dem he- fonders der in den kommenden Jahren noch steigende Einfluß der Dawesverpflichtungen auf den Reichshaushalt deutlich wird. Ministerialdirektor Sachs führte als Berichterstatter u. a. aus:
Infolge des Umstandes, daß der Reichstag auch in diesem Jahre die verfassungsmäßige Pflicht, den Reichshaushaltsplan vor Bginn des Rechnungsjahres zu verabschieden, nicht erfüllt hat, wird die Finanzgebarung immer verworrener. Es ist in Betracht zu ziehen, daß die Ausgabe- Bewilligungen des Reichstages zum Teil ohne Rücksicht auf die verfügbaren Deckungsmittel vorgenommen find. Dem Reichsrat erwächst daher unter Umständen die verantwortungsvolle Aufgabe, Ausgaben und Einnahmen in Einklang zu bringen.
Der Haushaltsplan hält in Einnahme und Ausgabe mit 7,7 Milliarden Reichsmark das Gleichgewicht und wird voraussichtlich den Gesamtabgabebedarf für 1925 nicht überschreiten, wiewohl sich die aus dem Haushaltplan zu bestreitenden Entschädigungslasten für das Rechnungsjahr 1926 um dreihundert Millionen Reichsmark gesteigert haben.
An .
Einnahmen
sind eingestellt aus Besitz- und Verkehrssteuern 4,888 Milliarden Reichsmark (hundert Millionen weniger als im Vorjahre), Die Einnahmen aus Einkommen- und Körper- fchaftssteuer sind mit 2350 Millionen Reichsmark gleich veranschlagt worden wie im Vorjahre. Die Umsatzsteuer ist mit 1350 Millionen Reichsmark um 80 Millionen niedriger veranschlagt worden als im Vorjahre, was ja in der vorgenommenen Senkung dieser Steuer ohne weiteres seine Begründung findet. Die Ueberweisungen für Länder und Gemeinden bleiben mit 2337 Millionen Reichsmark um 14,9 Millionen Reichsmark gegenüber den voraussichtlichen Jst-Ueberweifungen für 1925 zurück. Der Einnahmeansatz für Zölle und Verbrauchssteuer übersteigt mit 2 Milliarden Reichsmark den vorjährigen Ansatz um 1;1 Millionen. Man wird anerkennen können, daß die Veranschlagungen im allgemeinen vorsichtig erfolgt sind. Gleichwohl ist nicht abzusehen, inwieweit sie der Entwicklung unseres Wirtschaftsleben standhalten werden.
Endlich waren aus den Uebelschüssen des Jahres 1924 220 Millionen Reichsmark als Rücklage für Entschädigungszwecke vorbehalten worden, die im Entwürfe jetzt dazu dienen, die Entschädigungslasten des Jahres 1926 bestreiten zu helfen.
Die
Ausgaben
für die allgemeine Reichsverwaltung bleiben mit 4116 Millionen Reichsmark um 142 Millionen Reichsmark hinter denen des Vorjahres zurück. Aus der bereits erwähnten Uebersicht ist zu entnehmen, daß hiervon 18 v. H. (669,8 Millionen) auf die Bezüge der Beamten, Angestellten und Arbeiter des Reiches, 40 v. H. (1512,8 Millionen) auf sächliche Ausgaben entfallen. Eine schwere Belastung für den Haushalt bilden die Pensionsfonds mit 1,5 Milliarden Reichsmark. Die Versorgungsgebührnisse verschlingen im ganzen 42 v. H. der allgemeinen Reichsausgaben. Die aus dem Reichshaushalt zu leistenden Entschädigungsausgaben belaufen sich im Rechnungsjahr 1926 auf rund 600 Millionen Reichsmark gegen 291,2 Millionen im Vorjahre, die inneren Kriegslasten auf 298,4 Millionen Reichsmark, das find 110 Millionen weniger als 1925.
das dritte Dawesjahr
In das Rechnungsjahr 1926 fallen fünf Zwölftel des zweiten und sieben Zwölftel des dritten Entschädigungsjahres. Es sind demnach zu leisten: fünf Zwölfetel für das zweite Jahr von 250 Millionen Reichsmark Beförderungs- steuer und 250 Millionen, die aus dem
Verkauf von Vorzugsaktien der Reichsbahn oder aus anderen Mitteln verfügbar zu machen waren, das Millionen Reichsmark. Ferner sieben ur d-'"e Jahr von 110 Millionen Reichs- Haushalt zu entnehmen sind, gleich 64,1 h und von 290 Millionen Beförde- <Wn S dem Haushalt ent- aibt sick, Melonen Reichsmark. Es er- von 441,1 Millionen nÄlim^ eb*„nteÄ ’2'S
für die sieben Monate ‘ beschriftet ?nt-$f,bf1^ anstatt der Monatszahluna von ein Zwölftel des Betrages von einbunderlcen» 11 ^eitfjsmarn ein Zehntel mehr zu leisten ist und der Unterschiedsbetrag zwischen ein Zwölftel und ein Zehntel L ÄPÄ« «'"^ ™^
Mittwoch, den 23. Dezember 1925, mittags.
Aus dem Haushalt sind hiernach im ganzen 454,2 Millionen Reichsmark Entschädigungslasten zu bestreiten. Hinzu kommen aus dem Schuldoerschreibungsdienst der Deutschen Reichsbahn 572,5 Millionen Reichsmark und aus dem Dienst der Zndustrieobligationen 187,5 Millionen so daß sich eine
Gesamtleistung von 1214,5 Millionen Reichsmark ergibt. Weiterhin war in Betracht zu ziehen, daß die Vorschrift der Londoner Abmachugen, wonach, wenn die verpfändeten Einnahmen aus Steuern und Zöllen im dritten Entschädigungsjahre eine Milliarde Reichsmark überschreiten, ein Drittel des Ueberschusses, aber nicht über 250 Millionen Reichsmark, mehr zu leisten sind. Da mit entsprechenden Mehreinnahmen zu rechnen ist, so waren auch noch sieben Zwölftel des Betrages von 250 Millionen Reichsmark, gleich 145,8 Millionen Reichsmark, bereitzustellen, die zwar erst nach Ablauf des dritten Entschädigungsjahres fällig werden, aber ihrem Aufkommen nach das Rechnungsjahr 1926 belasten. Rechnet man diesen Betrag der Gesamtausgabe für 1926 hinzu, so ergibt sich alles in allem eine Entschädigungsleistung von 1360,3 Millionen Reichsmark.
Haushalt und Wirtschaftsbelastung.
Wie ernst die Wirtschaftslage ist, lehrt jeder Tag. Ihre Rückwirkungen auf die Finanzlage des Reiches und damit auch der Länder und Gemeinden können nicht ausbleiben, und wenn es gelungen ist, den vorliegenden Haushaltplan ins Gleichgewicht zu bringen, so ist doch nicht abzusehen, ob selbst die vorsichtigen Einnahmeschätzungen der Reichsre- giernug gegenüber der weiteren Entwickelung standhalten werden, und ebenso wenig nach den bisherigen Erfahrungen bei der Beratung des Haushaltplanes für 1925, ob die Bemühungen der Reichsregierung und des Reichsrates, das Gleichgewicht zu erhalten, die Unterstützung des Reichstages finden werden.
Ein Ausblick auf die späteren Rechnungsjahre lehrt, wie schnell und in wie gewaltigem Ausmaß die den Haushaltplan belastenden Ausgaben aus dem Londoner Abkommen ansteigen. Im Rechnungsjahr 1927 sind für Entschädi- 'gungszahlungen nben den von der Industrie und der deutschen Reichsbahn aufzubringenden Betrögen aus dem Haushalt 362 Millionen Reichsmark mehr als im Rechnungsjahre 1926 aufzubringen; im Rechnungsjahre 1928 sind es 735 Millionen Reichsmark mehr und vom Rechnungsjahre 1929 ab jährlich 940 Millionen Reichsmark, also nahezu eine Milliarde mehr. Das sind ungeheure Summen. Rücklagen für diese Zahlungen sind nicht vorhanden. Daß derartige Beträge durch eine Steigerung der Abgaben aufzubringen sein könnten, wird niemand für möglich halten.
Es wird kaum bestritten werden können, daß die Belastung der Wirtschaft mit Steuern und sozialen Abgaben
eine Erhöhung nicht mehr verträgt. Die Steuerlast ist, das ist erst jüngst von sachkundiger Seite vor der Oeffent- lichkeit dargelegt worden, seit der Vorkriegszeit um mehr als das Doppelte angestiegen. Wir bedürfen einer starken Steigerung unserer Ausfuhr, um damit unsere Entschädigungskosten wenigstens zum Teil (!) zahlen und den gewaltigen Fehlbetrag in unserer Handelsbilanz abmildern zu können. Aber unsere Industrie ist im Auslande nicht wettbewerbsfähig, solange ihre Erzeugung mit so hohen Lasten beschwert ist und solange ihr im Auslande die gute und zahlungsfähige Kundschaft der Landwirtschaft fehlt. Die Landwirtschaft, mit den gleichen Lasten beschwert, erzeugt zu teuer, um ihre Erzeugnisse zu lohnenden Preisen absetzen zu können. Ihr fehlt die Kraft, ihre Betriebe auszubauen und hierfür Jndustrieerzeugnisse abnehmen zu können. Das Ziel, unsere landwirtschaftliche Erzeugung in dem Maße zu erweitern und so ergiebig zu gestalten, daß wir auf Nahrungsmitteleinfuhr verzichten und hierdurch den Fehlbetrag unserer Handelsbilanz beträchtlich verringern können, kann nicht erreicht werden, solange der Landwirtschaft die Möglichkeit fehlt, ihre Erzeugnisse zu hinreichend lohnenden Preisen zu verwerten. Der Mangel solcher Absatzmöglichkeit führt im Gegenteil zu einer Einschränkung der Erzeugung.
Sollen die Beträge, deren Aufbringung zur Erfüllung der übernommenen Verpflichtung unabweisbar ist, aus den laufenden Einahmen des Reiches gewonnen und sollen diese zugleich durch Steuersenkung geschmälert werden, so gibt es nur ein Mittel: es muß nllenhalben zu der unnachsichtigen Sparsamkeit geschritten werden, die unserer Verarmung und unserer Belastung mit Zwangsausgaben entspricht.
er Berichterstatter machte sodann ausführliche Angaben über die Etats der einzelnen Verwaltungen.
Schließlich nahm der Reichsrat den Haushalt im ganzen und im einzelnen an.
59. (2.) Jahrgang
Der Posten des Sparkommissars wurde mit 262 000 Mk. wieder in den Haushalt eingestellt und zwar nach einem einstimmig angenommenen Anträge Preußens genau in der bisherigen Fassung.
Der jetzt im Reichsrat genehmigte Haushaltsplan für 1926, der weitaus größte, den das deutsche Reich jemals gehabt hat, ist mit seinen himmelschreienden Eröffnungen über die Reparationslasten ein Schulbeispiel für die Kraft- und Ziellosigkeit unserer Erfüllungspolitik. Die breite Masse schweigt, weil ihr die Wahrheit nicht gesagt wird. Sie weiß nicht, wo die Wurzeln der allgemeinen Armut stecken, weiß es nicht im genügenden Umfange. Sie könnte es nunmehr aber aus dem vorgelegten Etat ersehen, in welchem der Sparkommissar geradezu wie ein Hohn wirkt, 1360,3 Millionen für die satte Entente, während das deutsche Volk verhungert: wird nun wenigstens angesichts dieses Sachverhaltes der Widerstand gegen Dawesplan und Locarno verständlich?
MaulWurfsarbLtt der Marxgruppe.
Wer erinnert sich nicht der stolzen Worte des Herrn Marx im Stadtsaal, daß das Zentrum in jedem bisherigen Kabinett (seit 1918) durch feine Mitwirkung „zum Wohl des Volkes gearbeitet hat?" Und es ist den Herren gar nicht darauf angekommen, einmal ihre Sympathien arg weit nach links ziehen zu lassen, das andere Mal mit der Rechten zu fraternisieren. Die alte Feindschaft ist eben aus Gründen der Zweckmäßigkeit oft genug — vorübergehend — begraben worden.
Da kam Locarno. Die deutschgesinnten Abgeordneten mußten ablehnen. Das Zentrum, als Vorkämpfer auf dem Wege zur alleuropäischen Völkerunion mußte mitmachen. Der Riß war da — und wurde durch Pressepolemiken und Agitationsreden verschärft. („Gewissenlose Art" — hat Herr Marx gesagt.) Und die sich daraus konsequent ergebende Notwendigkeit in der parlamentarischen Konstellation der erweiterten Mitte, bezw. der Großen Koalition hat, bevor sie über das Vorhaben hinausgekommen war, schon ihr Fiasko erlitten. Warum? Weil Herr Koch viel zu unsympathisch als Kanzler ist, weil die Demokraten (trotz bei Sinnesart ihrer Wähler, die anscheinend wenig auf ihre Abgeordneten abgefärbt hat) nicht handeln, schachern können. Sie sind keine Geschäftsleute, am allerwenigsten Herr Koch. Unser Freund Marx würde das Geschäft ganz anders verstanden haben. Aus leicht verständlichen Gründen hat er für seine Partei den Kanzlerposten tabu gemacht. Herr Koch hat sich die Finger verbrannt (ob und inwieweit Volkspartei und Sozialdemokraten daran Schuld waren, ist ja in diesem Rahmen unwesentlich), Tatsache ist, daß er sich die Finger erheblich verbrannt hat.
Im entscheidenden Augenblick wird aber Herr Marx als Gummimann einen Umfall tun, er oder Herr Fehrenbach werden Reichskanzler a. D., derzeitiger Reichskanzler auf ihre Visitenkarte drucken lassen — und es wird schon gehen. Denn die Zentrumsleute können schon was erreichen. Neidlos soll es ihnen zugestanden sein. Nur dürfen sie es nicht wagen, unbedingte Hochachtung vor ihren Praktiken — die natürlich immer dem idealen Vorhaben dienen! — und „Künsten" zu verlangen.
Um die Sozialdemokraten bei einer Neuaufnahme der Verhandlungen gefügig zu machen, wird jetzt im preußischen Landtag ein stilles Minierwerk beginnen.
Warten wir also ab!
Blutegel in Oldenburg.
Der „Grenzmark" Flatow wird folgendes Geschichtchen von der Waterkant geschrieben: Kommt da kürzlich ein biederer Landbewohner aus X. zum dortigen Apotheker Es entspann sich nun folgendes Gespräch: „Goden Dag' Ick woll man eben en paar Blutsugers (Blutegel) heb- vcn. Upotheser" ,50 lieber Mann de Hebb ick genz nicht mehr, de Hebb ick all stet Jahr und Dag nich mehc' — Der anbre: So, — wo kann ick denn die Dinger krägen? - Apotheker: Oh, da gehn se man tum Finanzamt, da schöllt «e woll en paar kragen könnt! — Gesagt, getan — er wandert nun tatsächlich zum Finanzamt und wurde dort ganz gehörig angefahren. Worauf er erwiderte: Ja, de Apotbeker in T hät mi doch dat seggt, ick könne die Dinger yler »ragen, -i ie Folge davon war eine Beleidigungs- Age des Finanzamts gegen den Apotheker. Urteil' 20 Mark Geldstrafe. Der Apotheker bezahlt die 10 Mark 'chlckt aber das Urteil und ein an ihn gerichtetes Schreiben des Finanzamtes dem Kladderdatsch ein. Dieser schickt dem dem Apotheker dafür 70 Mark. Hierauf schreibt er dem Mnanzamt er habe die Strafe von 20 Mark bezahlt vom Kladderadatsch aber 70 Mark erhalten. Nun bitte er das Finanzamt um Angabe, unter welcher Rubrik er den Verdienst von 50 Mark zwecks Versteuerung buchen solle'