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Nr. 292

Dienstag, den 29. Dezember 1925, mittags.

59. (2.) Jahrgang

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Berlin, 29. Dezember.

(Von unserem Berliner Vertreter.)

Die Frage des Eintritts Deutschlands in den Völker­bund tritt jetzt immer mehr in den Vordergrund, je näher der Termin heranrückt, zu dem das deutsche Zulassungsge­such erfolgen soll. Ein Teil der Presse hat bereits voreilige Mitteilungen über die Persönlichkeiten der künftigen Ver­treter Deutschlands veröffentlicht und damit eine Diskussion hervorgerufen, die angesichts der klaren Sachlage eigentlich als völlig überflüssig angesehen werden kann. Wie wir von maßgebender unterrichteter Seite erfahren, kommt die Ernennung eines ständigen deutschen Vertreters beim Völkerbund nicht in Betracht. Vielmehr hat sich der Brauch eingebürgert, daß die Völkerbundmächte sich an den wichtigen Tagungen des Völkerbundes durch ihre Außen- minister vertreten lassen, ein BrauH, dem sich auch Deutsch­land anschlichen wird, da es immer praktisch erscheint, den führenden Staatsmann der Außenpolitik an die Front zu stellen. Nur die kleineren Mächte lassen sich durch einen ständigen Vertreter beim Völkerbund repräsentieren, da es bei ihnen weniger darauf ankommt, einen Staatsmann zu delegieren, zumal sie die wichtigsten Aktionen meistens auf diplomatischem Wege austragen müssen.

Es ist demnach zu erwarten, daß der Reichsaußen- ^âMfter die persönliche VertMung des Reiches im Völkerbund übernimmt und daß er an den wichtigsten Tagungen des Rates, die viermal im Zahre stattfinden, selbst nach Genf gehen wird. Darüber hinaus wird man einen zweiten Vertreter unterhalten, der von Fall zu Fall bestimmt wird und der an den weniger be­deutungsvollen »Sitzungen teilzunehmen hat.

Es ist sachlich unrichtig, wenn gemeldet worden ist, daß der Reichspräsident sich mit der Ernennung der deutschen Völkerbundsvertreter persönlich beschäftigt haben soll. Schon im Hinblick auf die noch ungeklärte Regierungsfrage kann der Reichspräsident im gegenwärtigen Augenblick der­artigen Erwägungen nicht nachgehen, da er der kommenden Regierung nicht vorgreifen will.

Die Vertretung Deutschlands im General-Sekretariat des Völkerbundes spielt bei den gegenwärtigen Erörterun­gen ebenfalls eine große Rolle. Bekanntlich hat das Ge­neral-Sekretariat insofern eine besonders wichtige Position, als es in allen entscheidenden Fragen als außenstehendes Ergan betrachtet werden muß, deren Initiative es ist, au­ßerordentliche Tagungen >des Völkerbundes einzuberufen und etwaige Beschwerden von Völkerbundsmitgliedern so­fort zur Verhandlung weiterzugeben. Die Heranziehung eines deutschen Vertreters des General-Sekretariats ge­hört jedoch zu den Obliegenheiten des leitenden General­sekretärs, der in diesem Falle die betreffenden Vorschläge der in Frage kommenden Regierungen entgegennimmt. Es ist sehr wahrscheinlich, daß bereits eine Fühlungnahme zwischen dem Generalsekretär und der deutschen Regierung erfolgt ist, aber irgend ein positives Resultat hinsichtlich der Ernennung des deutschen Vertreters liegt zur Zeit noch nicht vor. Wie man hört, sollen die Verhandlungen hier­über erst Anfang kommenden Jahres zum Abschluß ge­langen.

Die Frage des Eintritts Deutschlands in den Völker­bund wird selbstverständlich in spätestens zwei bis drei Mo­naten entschieden sein müssen. Es ist daher zu erwarten, daß das neu zu bildende Reichskabinett unmittelbar nach seinem Amtsantritt die Beratungen hierüber aufnehmen wird und daß man dann über die Formalitäten der Ein­reichung eines deutschen Zulassungsgesuches und der Nomi­nierung der deutschen Vertreter beim Völkerbund nähere Entscheidungen treffen wird. Voraussichtlich wird sich auch

der Reichstag nochmals mit der Völkerbundsfrage befas­sen, sodaß dieses Problem in der nächsten Zeit in der deut­schen politischen Oeffentlichkeit sehr lebhaft zur Erörterung gelangen wird.

Die deutsche Antwort in der Abrüstungs­frage.

Berlin, 29. Dezember.

Die Antwort der Reichsregierung auf die Einladung des Völkerbundsrates zu der vorbereitenden Konferenz über die Abrüstungsfrage wird voraussichtlich erst zu Be­ginn des kommenden Jahres abgesandt werden. Die Re­gierungsstellen haben zwar schon jetzt die Beratungen hierüber ausgenommen, doch hat sich die Notwendigkeit er­geben, die Sachverständigenkreise zu diesen Beratungen hin­zuzuziehen. Die deutsche Antwort dürfte sehr ausführlich auf die einzelnen Punkte des Einladungsschreibens des Völkerbundes eingehen und einiges Material über die Ab­rüstung Deutschlands enthalten. Als deutscher Delegier­ter zu den am 15. Februar 1926 beginnenden Verhand­lungen ist nach wie vor der Gesandte von Eckhardt in Aus­sicht genommen.

Die Freigabe des deutschen Eigentums in Amerika.

Berlin, 29. Dezember.

Von unterrichteter Seite erfahren wir, daß der endgültige Beschluß der amerikanischen Regierung über die Freigabe des beschlagnahmten deutschen Eigentums voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Januar zu erwarten ist. Die Angelgenheit steht insofern nicht ungünstig, als bisher von keiner Seite irgendwelche anderweitigen Vorschläge ge­macht worden sind, sodaß das kürzlich vereinbarte Ab- 'kommèn zwischen den deutschen und den amerikanischen Vertretern in seiner ursprünglichen Form unverändert in Kraft gesetzt werden dürfte. Allerdings kommt es darauf an, daß ein möglichst früher Termin für die Auslieferung des zurückgegebenen Eigentums festgesetzt wird.

Der amerikanische Beobachter der Reparationskommisfion.

Berlin, 29. Dezember.

Wie aus Paris gemeldet wird, hat nunmehr der neue amerikanische Beobachter bei der Reparationskommisfion, Kemerer, sein Amt angetreten. Seine Mitwirkung inner­halb der Reparationskommisfion ist für Deutschland von größter Wichtigkeit, da Amerika nunmehr einen ausgleich­enden Einfluß auf alle strittigen Fragen auszuüben ge­denkt. Die Reparationskommission selbst erführt durch die Hinzuziehung des amerikanischen Beobachters eine gewisse moralische Festigung, die aber ihre an sich schon durch die Londoner Abmachungen stark begrenzte Position kaum be­rühren wird.

Kurzer Urlaub des Reichskanzlers.

Berlin, 29. Dezember.

Reichskanzler Dr. Luther hat die Reichshauptstadt zu einem kurzen Urlaub verlassen. Die Beratungen des Reichskabinetts über die deutsch-französischen Wirtschafts­verhandlungen, über die Luftfahrt-Konferenz und über die Erwerbslosenfürsorge dürften erst in den ersten Januar­tagen wieder ausgenommen werden. Bei allen außenpoli­tischen Verhandlungen ist nunmehr eine Ruhepause einge­treten, die man aus Zweckmäßigkeitsgründen um einige Tage verlängert hat.

Die Neuregelung des Reichskabinetts.

Berlin, 29. Dezember.

Wie wir erfahren, sind nunmehr die Verhandlungen über die Regierungsbildung auf den 12. Januar festgesetzt worden. Das Zentrum hat die gemeinsame Tagung der Parteileitung und der Fraktionsvorstände erst für den 10. Januar einberufen, weil es verhindern will, daß vor der nochmaligen Aufrollung der Großen Koalition irgend­welche anderweitigen Bemühungen zur Lösung der Regie­rungskrise unternommen werden. Die Zentrumsvorstände werden am 10. Januar einen formulierten Beschluß fassen, der die Wiederaufnahme der Verhandlungen auf der Grundlage der Großen Koalition fordert und der dem Reichspräsidenten noch am selben Tage zugestellt werden soll. Demnach ist anzunehmen, daß Reichspräsident von Hindenburg nochmals einem Führer des Zentrums die Re­gierungsbildung anbieten wird und daß auf Grund dieser Sachlage wahrscheinlich Dr. Marx den Auftrag annehmen dürfte.

Die Ferienpause.

Berlin, 29. Dezember.

Wie gemeldet wird, kehrt Reichskanzler Dr. Luther von seinem Erholungsurlaub erst am 7. Januar zurück. Vor­her dürfte Reichspräsident von Hindenburg weitere Schritte in der Neubildung der Regierung nicht unternehmen. Der Zentrumsführer, Reichskanzler a. D. Dr. Marx, der bei den kommenden Verhandlungen über die Regierungs­bildung eine große Rolle spielen wird, dürfte erst gegen den 9. Januar in Berlin eintreffen. Am 10. und 11. Januar werden die- Reichstagssrattionen ihre Beratungen wieder aufnehmen.

670000 unterstützte Arbeitslose.

Berlin, 29. Dezember.

Nach der letzten Zählung der unterstützten Erwerbs­losen sind im unbesetzten Deutschland 567 200 oder 10,6 pro Tausend der Bevölkerung erwerbslos. Im besetzten Ge­biet betrug die Zahl der Erwerbslosen-Empfänger 102 000 oder 17,46 pro Tausend der Bevölkerung. Der nicht unterstützten Erwerbslosen dürften nach allgemeiner Schätzung etwa 320 000 betragen.

Die Verhandlungen de Zouvenels mit den Drusen.

Paris, 28. Dez. Die Londoner Meldung, daß die Füh­rer der Drusen die französischen Vorschläge angenommen hätten, sind im Quai d'Orsay nicht bestätigt, es wird aber zugegeben, daß nach den letzten Telegrammen aus Beirut die Verhandlungen zwischen den Drusen und de Jouvenel einen günstigen undvielversprechenden" Verlauf neh­men.

Kein Krieg gegen Mossul.

Berlin, 29. Dezember. Die Morgenblätter berichten aus Paris: Nach einer Meldung derChicago Tribune" aus Angora soll die türkische Regierung endgültig be­schlossen haben, es wegen der Mossulangelegenheit nicht zu einem Krieg kommen zu lassen.

Französische Truppenlandung in Beirut.

Berlin, 29. Dezember. Wie den Morgenblüttern aus Beirut gemeldet wird, sind dort weitere französische Trup­pen gelandet worden.

Neue Stürme über Frankreich ausgebrochen.

* Paris, 29. Dezember. Nach vorübergehender Windstille sind gestern neue Stürme über Frankreich ausgebrochen. Die telegraphischen und telephonischen Verbindungen mit dem Ausland sind zum Teil wieder unterbrochen. Die Windstöße sind von heftigen Regengüssen begleitet. Aus der Provinz werden Ueberschwemmungen gemeldet. In Chalons stehen die Erdgeschosse der Häuser unter Wasser. Bei Belfort sind ganze Ebenen überschwemmt. Bei Ai les Wains ist ein 100 Meter langer Damm eingestürzt. Der Verkehr ist unterbrochen. In Paris selbst werden umfang­reiche Maßnahmen getroffen, weil man befürchtet, daß die Seine über die Ufer treten wird. Bei La Rochelle sind meh­rere Fischerboote im Sturm gekentert, wobei 7 Personen ertranken.

Aufwertung! 3n letzter Stunde.

Drohender Rechtsverlust für Hypothekenglüubiger mit dem Ablauf des 31. Dezember 1925.

Alle Hppothelrengläubiger, denen das Kapital bis zum 14. Februar 1924 zurückgezahlt wurde, müssen zur Wahrung ihrer Rechte die Anmeldung ihrer Ansprüche bis zum 31. Dezember 1925 vornehmen.