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2 Erscheint {eben Werktag. Bei Lieserungs- < bchiiidcrungen durchHöhere Gewalt", Streiks, : Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem I Bezieher keine Ansprüche. Druck und Verlag ; von Friedr. Lhrenklau, Lauterbach, Hessen, Mit- : glied des Vereins Deutscher Zeitungsverleger. ! Postscheck-Konto: Frankfurt a. M. Nr. 5585.

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Nr. 11 1926

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Fulda- und Haunetal * Fuldaer Kreisblatt imiiiuimuüiuHiiumiiHUiuuiOmiHiiiwiHnuriHiiMtflttniiiiimtfiiuiiumM^

Redaktion und éefdfstfisftelle: Mühtenstrotze I, Telefon Nr. 528

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nadjOru® ber mit » versehenen Krtikelnur mit Quellenangabe ;5ulo. Hna." gestattet.

Hulda, Dienstag 19. Januar

Der Anzeigenpreis für Behörden, Genossen, schäften, Banken usw. beträgt für die Klein» zeile 0.30, sür auswärtige Austraggeber 0.25, für die ReNamezcile 0.90 und alle anderen 0.15, Reklamereile 0.60 X Bei Rechnungsftel. long hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu ersol» gen. Tag- und Platzoorschriften unverbindlich.

3. Jahrgang

Klsmr Zeitung für eilige Leser.

* Montag stellten sich der Kabinettsbildung durch Dr. L' nlhei neue Schwierigkeiten in den Weg. Die Bayerische BolkSpartei erhob Widerspruch gegen die Ernennung des de» m akratischen Führers Koch zum Reichsinnenminister.

* Die deutsche Regierung bat in London und Paris Ein- ipcucâ erhoben gegen die Belassung einer Stärke von 75 000 Mann fremder Truppen im rheinischen Besatzungsgebiet.

* Durch eine furchtbare Benzinexplosion wurde in Berlin- Moabii ein Haus in die Luft gesprengt. Aus den Krümmern wurden alsbald neun Tote, etwa 12 Schwerverletzte und über 50 Leichtverletzte geborgen.

* Durch ein Dekret des Königs von Italien müssen samt« i nUe Familiennamen in der Provinz Trient, die auch von vielen Deutschen bewohnt wird, italienisiert werden.

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über das Ausland erhalten wir soeben Kenntnis da­von, daß Deutschland bei der Botschafterkonferenz gegen den Beschluß der Entente protestiert hat, die Stärke der Besatzungstruppen in der zweiten und dritten Zone des Rheinsandes nicht unter 75 000 Mann herunter- zusetzen.

Ein derartiges Vorgehen Deutschlands war nach den Debatten im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages zu erwarten; war doch die Frage der Besatzungsstärke dort Gegenstand eingehendster Beratung gewesen. Be­kanntlich war der deutschen Delegation in Locarno, aber auch später in London eine Rückführung der Stärke der Besatzungstruppen auf jene Zahl zugesâgt worden, die der Stärke der deutschen Truppen in der Vorkriegszeit entsprach, Jetzt kommt man plötzlich damit, daß mav.. überhaupt nur eine Herabsetzung der Stärke versprochen habe, und man verweist darauf, daß in den drei Zonen 115 000 Mann Besatzungstruppen ge­standen haben, was fast dreimal soviel war, als die deutsche Truppenstärke int Rheinland betrug. Die Herab­setzung auf 75 000 Mann bedeutet also tatsächlich keine ÄÄWiÄÄ^*W^ bât ver­bleibenden Gebiet, wobei man auch gar keine Rücklicht darauf nimmt, daß von den früheren deutschen Truppen Privatquartiere überhaupt nicht in Anspruch genommen n urden, dies jedoch von den fremden Besatzuugsiruppen in großem Ausmaße geschieht.

Das alles ist im Auswärtigen Ausschuß mit jeder nur wünschenswerten Deutlichkeit gesagt worden, hat aber im Ausland nicht den geringsten Widerhall gefunden. Ein dentschnationWr Antrag, der dahin ging, den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund an die zugesagte Ver­minderung der Besatzungstruppen zu knüpfen, wurde im Interesse einer Entschließung zurückgestellt, die von der Regierung ein energisches Vorgehen gegen diesen Bruch der Versprechungen von Locarno verlangte und im Hin­blick auf ihre äußere Wirkung einstimmig angenommen wurde. Die Regierung hat nun dieser Entschließung durch ihren Schritt in Papis Ausdruck gegeben.

Es fragt sich nur, ob dieser Schritt mehr Erfolg haben k ird als ein anderer, der in Paris hinsichtlich der Ab­kürzung der Besatzungssristeu und der Abänderung des S a a r r s g i in e s getan worden ist und der völlig er­gebnislos blieb: man hat sich in Paris glatt geweigert, sich über diese beiden Fragen, die doch gleichfalls Rückwir­kungen von Locarno darstellen, irgendwie einzulassen. Infolgedessen sind Stimmen lant geworden, die den Ein­tritt Deutschlands in den Völkerbund auch an die Erfüllung dieser zweiten Bedingung oder zum mindesten ihrer Sicher­stellung geknüpft wissen wollen, Stimmen, die in jenem obenerwähnten deutschnationalen Antrag ihren Nieder­schlag fanden. Derartige Absichten sind aber auch in den Parteien lant geworden, die grundsätzliche Freunde des Vertrages von Locarno sind. Es wird behauptet, daß auch der deutsche Außenminister Dr. S t r e s e m a n n Be­denken gegen einen die jetzige Entwicklung übersehenden Eintritt Deutschlands in den Völkerbund hege. Schwer­wiegender wird die Weigerung Frankreichs nicht dadurch, daß sie gar keine grundsätzlich- ist, sondern in dem Augen­blick aufhören soll, in dem Deutschland mir gewissen finanziellen Zugeständnissen durch Flüssig­machung der Eisenbahnobligationen einverstanden wäre.

Es ist von geringem Interesse, wer an dieser die Er- warumgen enttäuschenden Entwicklung schuld ist, ob wirklich der französische Ministerpräsident am Widerstand seiner Generale scheiterte. Die gesamte deutsche Öffentlich­keit wirb aber mit dem Schritt der Reichsregicrung ein­verstanden sein.

Einspruch ßr^ 'n London.

Der deutsche Botschafter in London, Dr. Sthamer, gab im Auftrage Dr. Stresemanns dem Unterstaatssekre­tär des Auswärtigen Amtes eine Erklärung der deutschen Regierung zu den Absichten der Alliierten hinsichtlich der Truppenstärke in den beiden verbleibenden Besetzungs­zonen im Rheinlands ab. Dabei protestierte Dr. S t h a . m e r energisch gegen die Entscheidung der Botschaster- lonfercnz, dcrznfolgc die alliierte Garnison 75 000 Mann (60 000 Franzosen, 8000 Engländer, 7600 Belgier) stark sein sollte, da diese Entscheidung mit dem Artikel 429 des Versailler Friedcnsvertragcs nicht im Einklang stehe und noch weniger mit dem Geist des Locarnovertrages ver­einbar sei.

Wirb für deine Zeitung!

Erschwerte Kabinettsbildung.

Ms Klipps hss SniiémÄetimitë.

Während es cm Sonntag den Anschein hatte, als wenn alle Schwierigkeiten überwunden wären, legten sich dem mit der Kabinettsbildung beanftraaten bisherigen Reichskanzler Dr. L u i h e r Montag neue Hindernisse in den Weg. Und diese Hindernisse gruppierten sich um den Mann, dem das ReichLmueuministerium anvertraut wer­den sollte. In der Sonntag bekanntgewordenen ver­mutlichen Minisrerlisèe, aus die sich die Parteien ge­einigt haben sollten, war der demokratische Führer Koch als Neichsiünenmrnister genannt. Seine Kandidatur fand nun neuerdings lebhaften Widerstand, der diesmal von der BayerischcnBolkspartei ausgrng.DiePartei soll Herrn Koch auf das bestimmteste ablehuen und ge­sonnen sein, die Verantwortung für ein mit Koch als Innenminister gebildetes Kabinett nicht zu tragen, son­dern in diesem Falle in die Opposition zu gehen.

Der Vorsitzende der Fraktion der Bayerischen Volks­partei, Abgeordneter Leicht, hat sich, nachdem die Ver­handlungen bei Dr. Luther vertagt waren, unverzüglich nach München begeben und dort mit den Führern der Bayerischen Volkspartei, vor allem mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Held, Fühlung genommen. Der Widerstand der Fraktion der Bayerischen Volkspartei gegen die vorläufigen Vereinbarungen scheint sich durch die Besprechungen in München v e r st ä r k t zu haben.

MWe ter SayrrisKen Volkspartei.

Im Reichstag trat Montag früh die Bayerische Volkspartei zusammen, nm über die Situation zu beraten. Nach ein Uhr mittags waren Die Verhandlungen

»eichr-räsibkul uns zungssusscher Orden

Die Verhandlungen mit Frankreich.

In die Öffentlichkeit gelangte Mitteilungen über einen Empfang des Hochmeisters des Jungdeutschen Or­dens, Maraun, beim Reichspräsidenten entsprechen, wie gemeldet wird, nicht den Tatsachen. Maraun ist am 4. Januar vom Reichspräsidenten in Gegenwart eines Beamten empfangen worden und hat dem Reichspräsiden­ten berichtet, daß er auf Anregung von französischer Seite Besprechungen gehabt hätte, die eine Besserung des deutsch-französischen Verhältnisses zum Ziele hätten. Der Reichspräsident hat Herrn Maraun kurz angehört und ihn bezüglich dieser Verhandlungen an die zuständigen Stellen, nämlich den Reichskanzler und den Außenminister, verwiesen. Von einer Zustimmung oder einem Einverständnis des Reichspräsidenten mit den entwickelten Gedanken ist keine Rede. Die Unterhaltung ist protokollarisch sestgelegt worden.

Politische Rundschau. Deutsches Heidi.

Sachsen und die Fürstenabfindung.

Zur Frage der Fürstenabfinduug verbreitet die Nach­richtenstelle in der sächsischen Staatskanzlei eine Meldung, in der es heißt:Für Sachsen ist die Auseinandersetzung mit dem vormaligen Königshaufe durch den Vertrag vom 25. Juni 1924, der vom Landtag gegen sieben kommu­nistische Stimmen genehmigt worden ist, erledigt. Damit hat der Antrag Rechtskraft erlangt; die sächsische Re­gierung ist an diesen Vertrag ebenso gebunden wie das vormalige Königshaus. Weder ein Volksentscheid noch ein Reichstagsbeschluß können an einem nach den Vorschriften des geltenden bürgerlichen Rechtes von der sächsischen Regierung abgeschlossenen Vertrage etwas ändern."

Forderungen der Winzer.

Die Hauptversammlung des Winzervereins, die in Bad Türkheim tagte, nahm einstimmig eine Entschließung an, in der Protest gegen das Provisorium mit S p a - n i e n erhoben wird. Von der R e i ch s re g i e r u n g wird gefordert, daß bei den bevorstehenden Handels- vcrtragsverhandlungen die Interessen des deutschen Wein­baues und die von seinen bewährten Führern gestellten Forderungen unbedingt berücksichtigt werden. Durch wirksamen Zollschutz müsse ein gerechter Ausgleich zwischen in- und ausländischen Weinprodukten erzielt werden, wenn der deutsche Weinbau nicht ganz vernichtet und die Winzer von Hans und Hof vertrieben werden sollen.

Aus Zn- und Ausland.

Berlin. Nach hier eingetroffenen Meldungen haben in Wiesbaden und Dortmund Protestkundgebungen gegen die F ü r st e n a d f i n d u n g e n siattgcsundcn. In den bei Den Kundgebungen wurde gefordert, gegebenenfalls einen Volks- entscheid herbei Zufuhren.

Danzig. Das Plenum des Danziger Obergerichts hat ent­schieden', baß bei dem vom Danziger Holkstage angenommenen AufwerlungSgesetz die A u f w c r t u n g der Hvpo t h eken- f o r d e r u n g c u sowie der Restkäufgelder Der Verfassung ent­spricht. Dagegen erklärte das Obergericht die im Gesetz vor­gesehene Auswertung der S p a r k a s s c n g n t h a b c n als verfassungswidrig.

Paris. Bei einer Demonstration staatlicher und städtischer Beamter zugunsten einer Gehaltserhöhung kam es zu Zu­sammenstößen mit der Polizei, wobei 16 Polizisten ver­letzt wurden.

beendet. Wie man vernimmt, wurde folgender Beschluß gefaßt:

Erstens: Eine Kandidatur Koch als Reichsinnen- »ninister fei untragbar; zweitens sei die Besetzung des Postens des Reichsinnenministers durch einenFach- mann" notwendig.

Dieser Beschluß soll bereits sowohl der demokratischen Reichstagsfraktion wie auch dem Zentrum zugestcllt wor­den sein. Auch gegen den sächsischen Finanzminister Reinhold, der das Reichsfinanzministerium über­nehmen soll, erhob sich Einspruch bei den Bayern. Die Bedenken der Bayerischen Volkspartei gegen Koch sollen auf einer Denkschrift fußen, die Koch 1920 verfaßt hat und in der er sich gegen das Hervortreten desföderalistischen" Standpunktes im Reiche wandte. Wie sich demgegenüber die Verhältnisse entwickeln würden, konnte Montag am späten Nachmittag noch nicht übersehen werden. Für den Abend hatten fast sämtliche beteiligten Parteien Fraktions­sitzungen einberufen, ebenso fanden Besprechungen Dr. Luthers mit den Führern statt.

Hepps Ablehnung.

Der Reichstagsabgeordnete Hepp, der Präsident des Nerchslandbundes ist und der Deutschen Volkspartei angehvrt, war in der vorläufigen Ministerliste zum Land- Wirtschafts- und Ernährungsminister vorgesehen. Hepp hat nun eine Erklärung an Dr. Luther gelangen lasten, in der er sagt, in der obwaltenden Situation den Posten nicht übernehmen zu können.

Die volksparteiliche Fraktion hat ihrem Vorsitzenden, dem Abg. Tr. Scholz, auch in Anbetracht der bayerischen Entschlüsse, volle Handlungsfreiheit bei den weiteren Er­wägungen überlassen.

Budapest. Der Anklageseuat des Budapester Strafgerichts» Hofes hat auf eine Beschwerde der Staatèanwaltschafl le- schloffen, in Bestätigung der Entscheidung des Untersuchungs­richters den Feldbischof Zadravetz auf freiem Fuß zu belassen, da er keiner strafbaren Handlung schuldig ist und Fluchtverdacht nicht Vorliegt. Ter dem Staatsanwalt oorge» sühne Dr. Ferdinando ist ebenfalls vom Anklagesenat miebe auf freien Fuß gesetzt worden.

Pcliug. Der Kinanzminister ist zurückgetreten und hat fiit nach Tientsin begeben. Den Grund des Rücktritts bildet die -ungemein schwierige Finanzlage des Landes, besten Staatsschatz vollkommen erschöpft ist

ZialièMenmg teurer Familiennamen.

Mussolini gegen d i e Opposition.

Durch ein Dekret des Königs von Italien ist ange­ordnet worden, daß in der Provinz Trient sämtliche Fa- iniliennamcn, die lateinischen oder italienischen Ursprungs sind, aber in andere Sprachen übersetzt wurden, nunmehr die italienische Form a n n e h m c n müssen. Familiennamen mit fremdsprachlicher Endung oder Ortho­graphie müssen gereinigt werden. Familiennamen, die aus alten Ortsbezcichnungen abgeleitet sind, sowie Adels- präoikate muffen italienisiert werden. Rein fremd­sprachliche Namen können auf Antrag italienisiert werden. Dieses Dekret kann auch auf andere Provinzen ausgedehnt werden. Für Zuwiderhandlung sind Geldstrafen von 500 bis 5000 Lire angedrohi. Dieses Dekret ist vor allem gegen die durch den FriedeuSverlrag an Italien gefallenen Teutschen Südtirols gerichtet.

In einer außerordentlichen Kammersitzung kam Ai u s s o l i n i auf die Zwischenfälle zurück, die sich durch den Hinauswürf der Oppositionsparteien aus der Kammer ereigneten. Die Aventin-Opposition müsse, so führte er ans, bevor sie wieder in Der Kammer erscheine, erstens die faschistische Revolution ö s f c n t l i ch aner­kennen, zweitens ihr B e d a ii e r n aussprechen über Die gegen den Faschismus geführte Skandalkampagne, drittens jede Gemeinschaft mit Den italienischen Emigranten ab» brechen, die im Ausland gegen Die Regierung hetzten. So­lange er am Ruder sei, werde es Den AventiN-Parteien niemals erlaubt sein, die Kammer zu betreten, ebe sie Diese Bedingungen nicht erfüllten. Die Erklärung Mussolinis wurde mit frenetischem Jubel der Abgeordneten begleitet, zumal er im Verlauf Der Sitzung Der Hoffnung Ausdruck gab, daß er noch recht lange an der Spitze Italiens stehen werde

MMrischrJugenderziehMg in Frankreich

Die Militärdienstzeit in der Tschechoslowakei.

In Anwesenheit des Präsidenten der Französischen Republik und des Kriegsministers Painlevä hat der ver­band Der Gesellschaften zur körperlichen Ertüchtigung und Vorbereitung für den Mi'litärdienst eine öffentliche Versammlung abgehalten, an Der eine Anzahl Minister, Marschälle und eine Reibe auslandiicher lall« tärattachâs teilnahmen. Kriegsminister V a i n I e V e hielt eine Rede, in Der er erklärte, es sei nolwendig, Die Bürger auf ihre Pflicht, die sie Der Gcfamtdeit ichulmg seien, vorzubereiten. Trotz der friedlichen Epoche müsse man bedenken, daß entgegen den Gefühlen, die in Frank­reich herrschten, bei anderen Völkern unheilvolle Kräfte am Werke seien. Daher müsse Frankreich wachen, um niemand in dem Glauben zu lassen, daß es im Begriffe sei, sich selbst aufzugeben.