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Nr. 12 — 1926
Fulda, Mittwoch 20. Januar
3. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser.
Das Kabinett der Mitte unter dem Vorsitz Luthers ist gebildet worden.
Im Reichsministerium des Innern ist ein Antrag auf Volksentscheid in der Frage der Fürstenabfindung einge- gangen.
* Das Schwurgericht in Hannover verurteilte in der Be- rusurUsverhandlung den Genossen des Hingerichteten Haarmann, Hans Grans, zu zwölf Jahren Zuchthaus. In erster Instanz war die Todesstrafe gegen Grans ausgesprochen worden. :
* Bei der Erörterung der Franksälscherskandale kam es im Ungarischen Abgeordnetenhause zu surchtbaren Lar.nszenen, Der Ministerpräsident Bethlen wurde niedergeschrien und die Sitzung mußte unterbrochen werden.
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Das Reichsinnenministerium.
Die Bildung eines „Kabinetts der Mitte" durch Dr. L u t h e r ist gescheitert an dem Widerspruch der Bayer i- s ch e n V o l k s p a r t e i, die einer Besetzung des Reichs- innenministeriums durch den Demokraten Koch nicht zustimmen wollte, obwohl derselbe Koch einmal gesagt hat, dieses Ministerium komme ihm vor wie — eine Dame ohne Unterleib. Er spricht aus Erfahrung, denn er war schon einmal zwei Jahre hindurch Neichsinnenminister. Doch, wenn man nicht gerade diesen drastischen Vergleich brauchen will — das Ministerium ist zum mindesten ein Messer ohne Schneide. Und mit dem bloßen Heft kann man auch nicht gerade viel machen.
Der Reichsinnenminister ist — man braucht das nicht anzüglich aufzufassen — ein Kops, zu dem der Leib fehlt. Also zunächst die ausführenden Organe. Die sind zwar theoretisch da, nämlich die Innenministerien der L ä n d e r ; aber diese „ausführenden Organe" pflegten und pflegen im allgemeinen nur das auszuführen, was sie selbst wollen. Und wenn z. B. zwischen dem Reichsinnenminister und etwa dem des größten Landes, Preußen, ein partei- “W- -MMjchfr Gegensatz obwaltet, wie zwischen dem früheren Minister Schiele und Severing, dem preußischen Innenminister, dann ist der Reichsminister praktisch machtlos. Übrigens ist es auch ebenso in anderen Fällen, wenn man sich z. B. an das manchmal recht eigenartige Verhältnis zwischen dem Reich und Bayern erinnert. Dort in München hat man oft gar wenig darauf geachtet, wenn in Berlin der Reichsinnenminister die Hände rang.
Der hat eigentlich nur einen „politischen" Einfluß als Hüter der Verfassung; die Beziehungen zwischen Reich und Einzelstaaten zu Pflegen, auszugleichen, eventuell auch verfassungsrechtlich anders zu gestalten, gehört zu seinem Aufgabenkreis. Nun war Koch den Bayern einmal als Demokrat und daher als Z e n t r a l i st sehr verdächtig, verdächtiger noch, weil er seinerzeit eine zentralistische Antwort auf die bekannte bayerische Denkschrift über die föderalistische Umgestaltung der Beziehungen zum Reich verfaßt hat. Ebensowenig hat aber praktisch das Reichs- Ministerium auf einem anderen Gebiet zu sagen, das zu seinem Ressort gehört, dem der Schutzpolizei. Auch hier muß es sich auf eine allgemein regelnde Tätigkeit beschränken. Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Tätigkeitsgebiete, wie Gesundheits-, Presse- und Vereinswesen, die Fragen der Reichsangehörigkeit und Bevölkerungspolitik, Versicherungswesen und Zensur, Fremdenpolizei und Sport — aber überall findet hier nur eine „Tätigkeit der Richtlinien" statt — abgesehen von der Statistik —, während die Ausführung den Länder n obliegt.
Als „Hüter der Verfassung" hat der Neichsinncn- minister aber noch einige andere Aufgaben, die an Kitzligkeit kaum etwas zu wünschen übriglassen, weil sie innerpolitische Streitfragen allererster Ordnung betreffen. Es gibt nämlich in der Verfassung einige Artikel, die nur allgemeine Grundsätze enthalten und dazu den Zusatz, daß „alles Nähere durch ein Reichsgesetz geregelt" wird. Da ist z. B. der Artikel 48, der den sogenannten „Belagerungszustand" behandelt. Da ist ferner der Kampf um den Artikel 18, also der Kampf um die Art, in der die Neugliederung des Reiches, Veränderungen im Bestand der Einzel- staa.en, erfolgen soll. Da ist der vielleicht umstrittenste Artikel 146, der die Verhältnisse im Schulwesen regelt oder vielmehr nicht regelt, da bis zur Verabschiedung eines Reichsschulgesetzes alles beim alten bleiben muß. Bekanntlich ist ein derartiger Entwurf schon 1921 heraus- gekommen, aber 1924 ergebnislos wieder zurückgezogen worden; 1925 wurde ein Referentenentwurf bekannt, wodurch ein erbitterter Kampf um das Schicksal der Bekenntnisschule entfesselt wurde. Und hierin wollen sich die Bayern mit einem Demokraten nicht befreunden, da seine Partei ja Vorkämpferin der Simultauschule ist. Da hierüber die Meinungen selbst innerhalb der Mittel- Parteien arg auseinandcrgchcu, hat das Zentrum aus das Innenministerium unter der stillschweigenden Voraussetzung verzichtet, daß ein solcher Rcichsschulgcsctzeut- Wurf vorerst nicht herauskommt.
Es ist also doch etwas dran an dieser „Dame ohne Unterleib".
Die Notlage der Landwirtschaft.
Berlin. Auf eine Kleine Anfrage eines Landlagsabgeord- neten antwortet der preußische Finanzminister, daß von den Großgrundbesitzern 60 % frei veranlagt worden sind, 20 26 zur Einkommensteuer herangezogen wurden, bei weiteren 20 /o schwebt Buchprüfung. Die Freiveranlützung der bezeichneten 60 '; ist fast ausnahmslos auf Verschuldung jsttrückzufuhrem Best sämtlichen srcivcraulagtcn Großgrundbesitzern sind die Schulden im WirtschastSjabr 1924/25 erheblich gestiegen, in manchen Jollen um mehr als 100 000 RM.
Das Kabinett Luther gebildet.
Die RegillUWverhanblvngen.
Man sprach in Berlin schon von dem vollständigen Scheitern der Mission Dr. Luthers, der seinen Auftrag zur Regierungsbildung in die Hände des Reichspräsidenten zurücklegen wolle. Die Idee eines Beamten- kabinetts sand wenig Anklang. Aber in dieser Zeit der Überraschungen kam es wieder einmal anders. Nachdem Montag alles gescheitert schien, wurden Dienstag früh die Verhandlungen Dr. Luthers mit den Parteien wieder ausgenommen, mit Einschluß der Demokraten.
An den Beratungen nahmen teil von der Deutsch i Volkspartei Dr. Scholz und Dr. Zapf, vom Zentrum Marx und Fehrenbach, von den Demokraten Haas und Erkelenz, von der Bayerischen Vollspartci Dr. Leicht. Später kamen an Ministern noch Reichsausrenminister Dr. Stresemann, Neichsarbeitsminister Brauns, Neichspostminister S t i n g l und Reichswehrminister Geßler hinzu. Zu Beginn der Sitzung gaben die demokratischen Vertreter von dem gefaßten Beschluß ihrer Fraktion Kenntnis, der den Widerspruch der Bayerischen Volkspartei gegen die Kandidatur Kcch für das Reichsinnenministerium ablehnte. Der Kanzler regte zunächst an, in neue Kompromißverhandlungen einzutreten, und verhandelte dann mit jeder Fraktion einzeln. Nach einiger Zeit entfernten sich die beiden demokratischen Vertreter, um Fühlung mit Koch und ihrer Fraktion auf u- nehmen. Die Vertreter der übrigen Fraktionen und die Minister blieben beisammen, um die Möglichkeiten ei r Kompromißlösung zu prüfen. Der Kompromißvorschlag bestand darin, daß das Innenministerium der demokratische Abg. Dr. K u e l z erhält, das Finanzministerium der demokratische Führer Koch, das Wirtschastsminr- sterium der volkspartciiiche Ab«. Dr. Curtins.
Berlin, 19. Jan. Der Reichspräsident v. Hindenburg empfing gestern nachmittag den Reichskanzler Dr. Luther sowie die Führer sämtlicher Mittelparteien und richtete an diese einen dringenden Appell, das Zustandekommen einer tragfähigen Regierung noch am selben Tag zu ermöglichen. Wie das Nachrichtenbüro Deutscher Zeitungsverleger aüs parlamentarischen Kreisen erfährt, wird Reichskanzler Dr. Luther nunmehr eine Kabinettsliste den Fraktionen vorlegen und diese sollen sich entsprechend dem dringenden Wunsche des Reichspräsidenten noch heute dazu äußern, ob sie diesen Vorschlag annehmen wollen oder nicht. Wie das Nachrichtenbüro weiter hört, hat der Führer der Demokraten Koch für seine Person auf einen Ministersitz verzichtet, wofür ihm der Reichspräsident besonderen Dank aussprach. Es ist nunmehr beabsichtigt, dem demokratischen Abg. Külz das Reichsinnenministerium zu übertragen. Die Fraktionen der Mittelparteien treten in den Abendstunden zu entscheidenden Beratungen zusammen.
Die Besprechungen beim Reichspräsidenten.
Berlin, 19. Jan. (Amtlich.) Der Herr Reichspräsident hat heute nachmittag 6 Uhr die Vertreter der für die Koalition der Mitte in Frage kommenden Parteien empfangen. Für die Deutsche Volkspartei erschien Reichsminister a. D. Dr. Scholz, für das Zentrum Reichskanzler a. D. Marx, für die Bayerische Volkspartei Abg. Leicht, für die Demokraten die Abgeordneten Koch, Dr. Haas und Erkc- Imz. Der Reichspräsident gab den erschienenen Herren folgende Erklärung ab: „Ich habe Eie zu mir gebeten, meine Herren, um vor Ihnen auszusprechen, daß meines Dafürhaltens nunmehr eine Regierung zustande kommen muß. Nachdem durch das Ausscheiden der Deutschnationalen Volkspartei der bisherigen Mehrheitsregierung die Grundlage entzogen worden war, nachdem trotz der hingebungsvollen und schweren dankenswerten Arbeit des Herrn Abgeordneten Koch die andere Möglichkeit, einer Mehrheitsregierung, nämlich die sogenannte Große Koalition, sich ebenfalls nicht hat verwirklichen.lassen, blieb als zwar wenig tragfähige, aber immerhin noch durchaus gangbare Lösung die Regierung der Mitte übrig. Sollte auch diese Lösung scheitern, so würde damit das deutsche Vaterland vor eine Lage von größtem Ernst gestellt, da jedem Gedanken einer anderen Regierungsbildung schwerste Bedenken entgegenstehen. Ich habe es deshalb aufrichtig begrüßt, daß die von Ihnen, meine Herren, geführten vier Parteien sich grundsätzlich bereit erklärt baden, eine Koalition der Mitte einzugehen. Herr Reichskanzler Dr. Luther hat mich fortlaufend darüber unterrichtet, welche großen Schwierigkeiten durch die einzelnen Parteien bisher haben überwunden werden müssen, um einer praktischen Lösung näher zu kommen. Es ist ihm leider nicht gelungen, diese Schwierigkeiten ganz zu räumen. Auf der anderen Seite erträgt aber die Lage des Landes eine längere Verzögerung nicht mehr. Was nach einem völligen Scheitern der Versuche dieser letzten Wochen, eine parlamentarische Regierung zustande zu bringen, folgen würde, ist nicht zu übersehen. Unter diesen Umständen habe ich mich für verpflichtet gehalten, den Herrn Reichskanzler Dr. Luther zu bitten, nunmehr, aufgrund dieser bisherigen Bemübungen den Parteien einen Plan zur endgültigen Beschlußfassung über die Besetzung der Ministerien vorzulegen. Ich bin von vornherein uoer- zeugt, daß der Herr Reichskanzler dabei nicht alle an sich berechtigten Wünsche der Parteien erfüllen kann, bin mir aber klar, daß es einen anderen Weg, baldigst aus der Krise hcrauszukommcn, nicht gibt. In Ausübung
meiner verfassungsmäßigen Verantwortung muß ich es begrüßen, daß der Herr Reichskanzler mich nunmehr ersuchen will, ihm noch heute abend Ihre endgültige Stellungnahme zu seinen Vorschlägen mitzuteilen. Ich bitte die hier vertretenen Parteien, ihre restlichen Bedenken hinter die großen vaterländischen Gesichtspunkte zurückzustellen und' jedes Opfer zu bringen, damit endlich das betrübende Schauspiel der unausgesetzten Regierungskrisis beseitigt und die Möglichkeit fruchtbarer Arbeit, die jetzt mehr denn je erforderlich ist, wieder geschaffen wird. — Im Anschluß hieran dankte der Reichspräsident dem Abg. Koch nochmals persönlich für seine wertvolle und selbstlose Mitarbeit bei den bisherigen Versuchen zur Schaffung einer Regierung. Die Parteiführer begaben sich sodann mit dem Reichskanzler nach der Reichskanzlei, wo der Reichskanzler seine Ministerliste vorlegte, die ohne weitere Diskussion entgegengenommen wurde.
Die Liste lautet — wie das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger hört — folgendermaßen:
Reichskanzler: D r. Luther,
Neicksaußenminister: Dr. Stresemann. Reichsminister des Innern: Dr. Külz (Dem.),
Reichsfinanzminister: Rheinhold (Dem.),
Neichsarbeitsminister: Brauns (Ztr.),
Nsichsjustrzminister: Marx (Ztr.),
Reichsme^rminister: Geßler (Dem.),
Neichspostminister: Stingl (Bayer. Vpt.),
Reichsverkehrsminister: Dr. Krohne (Dt. Vpt.).
Das Ernährungsministerium ist zurzeit noch nicht besetzt. Es wird wahrscheinlich durch einen dem Zentrum nahestehenden Politiker besetzt werden. Falls eine Besetzung jetzt noch nicht erreicht werden sollte, so wird der ; Reichskanzer selbst das Ministerium verwalten. Das i Ministerium für die besetzten Gebiete bleibt zunächst unbesetzt, wird aber provisorisch von Dr. Marx verwaltet werden. Bis 10 Uhr abends wird die Entscheidung der Fraktionen erwartet. Die Fraktionen der Mittelparteien versammeln sich sofort nach der Rückkehr der Parteiführer.
Wie das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger weiter hört, ist die Deutsche Volkspartei mit der Liste einverstanden. Das Zentrum ist ebenfalls grundsätzlich einverstanden. Dr. Marx wird dem Reichspräsidenten bis heute abend 8 Uhr davon Mitteilung machen.
Berlin, 19. Jan. Außer dem Zentrum und der Deutschen Volkspartei stimmte auch die Bayrische Volkspartei nach kurzer Beratung der Fraktion der vom Reichskanzler Dr. Luther vorgeschlagenen Liste zu. Tie Sitzung der Demokraten dauert noch an.
Zustimmung der Demokraten.
Berlin, 19. Jan. Die Reichstagsfraktion der demokratischen Partei beschloß heute abend nach mehr als 2^stündiger Fraktionssitzuna mit 10 Stimmen geegn 10, wobei die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag gab, die Liste des Kabinetts Luther zu genehmigen. Damit ist das neue Kabinett Luther gebildet. Reichspräsident von Hindenburg wird nunmehr Herrn Dr. Luther zum Reichskanzler sowie die übrigen auf der Liste aufgeführten Herren zu Kabinettsmitglicdcrn ernennen.
Die Entscheidung der Demokraten.
Berlin, 19. Jan. Nach Schluß ihrer 2 ^stündigen Sitzung gab die demokratische Reichstagsfraktion in der 11. Nachtstunde folgendes Kommunique aus:
„In der Sitzung der Fraktion der demokratischen Partei, in der die Liste des Reichskanzlers für das Kabinett zur Entscheidung vorgelegt wurde, wiederholte der Frak- ! tionsvorfitzende Koch seine Bitte, ohne Rücksicht auf seine I Person die Entscheidung nach rein sachlichen Gesichtspunkten zu treffen. Er erklärte, daß er bei der durch fremdes Verschulden auf die Fraktion und ihren Führer zugespitzten Lage nicht einem zu bildenden Kabinett anzu- gchören wünsche und empfahl, keinen Widerspruch gegen die vorgeschlagcnc Liste zu erheben, um in der schweren Bedrängnis des Vaterlandes eine parlamentarische Regierung zu ermöglichen. Es wurde nach längerer Debatte, in der die Fraktion sich darüber einig war, daß Gründe und Gegcngründe sich fast die Wage halten, folgende Entschließung gefaßt: Die Traktion hält die von ihr geltend gemachten schweren Bedenken gegen die Art der KaSinctts- Lildung aufrecht. Sie erblickt insbesondere in der Berücksichtigung des hegen alle parlamentarischen Gcp'logcn- Heiten erhobenen, aus partikularistischen Gründen hcrvor- gcgangenen Einivruchcs der Bayriscbcn Volkspartei gegen die Ernennung ihres Fraktionsvorsitzenden zum Innenminister eine schwere Belastung der Reichspolink. Sre hatte erwartet, daß der mit der Kabinettsbildung Beauttragte und die beteiligten Parteien diesen Einspruch nachdrücklich zurückgcwicscn hätten. Nachdem aber der Fraktionsvor- sitzende erklärt hat, dem neuen Kabinett nickt angehören zu wollen und seinerseits den Eintritt in die Koalition empfohlen hat, und nachdem ^urch die B-rufurm des Dr. Külz an seiner Stelle die Teilnahme eines Fraktionsmit- gtiedes gesickert ist, das den politischen Standpunkt des Fraklionsoorsitzenden in vollem Umfang teilt, stimmt die Fraktion der Bildung des vorgesehenen Kabinetts zu, da-