Zul-aer MZeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg zuida- und Haunetal * Fuldaer Kreisblatt llllinillilllllllllllllllllllllllllllilllflllllllllllllfHllJlllllllliHllflllllllllllllllUIIIIIIIIIimilllllllllllllllllllllllllHllllllllllllllllllHIIIIIIHIllllUllllillillllllHlllllHlllllin Redaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstratze 1, Teleson Nr. 989 unniiniiJMiiiiiHimmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiymmmiimHiiiiiHimimiiiiiiimiimimimHiiiimmiiim
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Nr. 46 — 1926
Fulda, Montag, 1. März
3. Zahrgan;
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Die Vorlage über die Hauszinssteuer wurde in der letzten Sitzung des Preußischen Landtages von der Tagesordnung abgesetzt, da das Haus beschlußunfähig war.
* Landgerichtsdirektor Jürgens aus Berlin, der unter dem Verdacht des Versicherungsbetruges steht, ist in Kassel verhaftet und nach Berlin gebracht worden. Auch seine Frau wurde in Haft genommen.
* Die 500 000-Mark-Prämic der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie ist mit einem Geivinn von 1000 Mark auf die Nummer 285 623 gefallen, die in Nürnberg und Kanftatt gespielt wurde.
* Ministerpräsident Briand hielt in der Französischen Kammer eine Rede über den Vertrag von Locarno, dem er ein begeistertes Loblied sang. Briand wurden nach seiner Rede große Ovationen bereitet und es wurde der Vorschlag gemacht, seine Rede öffentlich anzuschlagen.
Ein Hoffnungsstrahl?
Darf man aufatmen? Soll man hoffen? Zum erstenmal seit mehr als fünf Monaten hat die nach oben schnellende, ins Riesige anwachsende Ziffer der Erwerbslosen eine Vermehrung nicht erfahren. Nur wenig ist sie in der zweiten Hälfte des Februar auf 1% Millionen männlicher und rund 300 000 weiblicher Hauptunter- stützten, zusammen über 2 Millionen, gestiegen, während aber gleichzeitig die Zahl der Zuschlagsempfänger eine etwa gleich hohe Verminderung erfuhr.
Soll man hoffen, darf man aufatmen? Gewiß, die Krise ist noch nicht im Weichen, aber sie ist wenigstens Nicht mehr im Ansteigen. Und das ist für uns schon ein geringer Trost, ein wenn auch schmaler Hoffnungsstrahl.
Jede Krise, aber auch ihr Widerspiel, die günstige Konjunktur, hat größtenteils wirtschaftliche Ursachen. Aber nicht eine, sondern viele. Dabei treibt eines das andere, hinunter oder hinauf. Diese Ursachen festzustellen, ist meist nicht sehr schwer. Aber hei der Entstehung einer Krise, ebenso wie in ihrer Weiterentwicklung, spielen auch
MdLre.tMhel'chL,Kräfte mit. DM sind einzel- und massenpshchologische Kräfte, deren Spiel und Widerspiel oft unauffindbare Regungen im Einzelmenschen wie im ganzen Volk sind. So banal-abgegriffen das Dichterwort auch ist: „Es irrt der Mensch, solang' er strebt", — man kann es variieren: „Es hofft der Mensch, solang' er strebt". Und diese Hoffnung teilt sich dem anderen und den anderen mit, wird dadurch aber auch wirtschaftlich wichtig.
Die großen Kreditpläne des Reiches, die mannigfachen kreditpolitischen Beziehungen auch unserer Privatindustrie namentlich mit Rußland, das fast hemmungslose Hereinströmen aber auch fremden Kapitals bei uns, die Frenden„sprünge" der Börse — all das erzeugt eine Art hossnungsfroher Zuversicht im Wirtschaftsleben, wenn man bei genauem Prüfen vielleicht auch einen stichhaltigen Grund kaum finden mag. Trotzdem ... Man will wieder aufwärts; und ein vernünftiger Optimismus ist ein nicht unwichtiges Stück des Hebels, mit dem man die Wirtschaftskrise überwinden kann. Vielleicht sogar — das wichtigste Stück.
Ein anderes, wirtschaftlich bedeutsameres kommt hinzu. Von der Witterung begünstigt, tritt jetzt schon die Landwirtschaft an die Arbeitsaufnahme heran und begehrt Arbeitskräfte nicht nur, sondern wird auch Käufer. Zur rechten Zeit noch ist die große Anleihe des Kalisyndikats fertig geworden, um sich nun für die Finanzierung des Düngemittelverbrauchs geltend machen zu können. Ferner ist der Geldmarkt so flüssig wie nie zuvor — leider freilich nur für kurzfristige Gelder. Weiter: die Handelsbilanz, die ja im letzten Monat des vergangenen Jahres aktiv geworden war, hat ihre Tendenz nicht verändert, ohne daß man die Augen davor verschließen darf, daß es damit nicht allein getan ist, weil die Auswirkungen der ausländischen Kapitaleinfuhr — die doch auch verzinst und amortisiert werden muß — eben gewisse Besorgnisse hervorrufen muß. Denn auch das steht leider fest: die Auslandskredite sind manchmal recht wenig wirtschaftlich zweckmäßig verwendet worden.
Soll man hoffen? Man muß hoffen. Denn wirtschaftlicher Pessimismus, ein mattes Hinnehmen dessen, was angeblich das Schicksal über uns verhängt, ein inneres — und oft auch äußeres — Hände-in-den-Schoß-legen ist stärkste Hemmung wirtschaftlichen Wiederaufbaues. Vielleicht ist aber noch ein anderer Fehler zu rügen: Allzuoft und allzusehr wird gerade von bedeutenden und klugen Wirtschaftsführern die a l l g e m e i n e Konjunktur, die Höhe und Ausdehnung der allgemeinen Krise beurteilt von der Konjunktur, von der schweren Krise aus, in der der eigene Wirtschaftszweig steckt. Wie hier die Produktions- und Absatzverhältnisse sind, wie die Ardelts- und Finanzlage — danach werden dann ost Schlüße aus die Lage der gesamten Wirtschaft gezogen, die nach oben oder nach unten, nach der optimistischen, aber auch nach der pcsii- mistischen Seite zu T st gehen. Weit schwieriger wie in den Verhältnissen der Vorkriegszeit ist darum letztt jede Voraussicht und Voraussage über die weitere Entwicklung der Konjunktur; viel größeren Irrtümern ist sie unterworfen und viel weiter gehen Die Ansichten auseinander.
Immerhin, man ist doch wenigstens in der Lage, Günstiges aufzählen zu können. Und eins von diesem Erfreu- lichen ist gerade die Handelsbilanz des <0 a it na r, i ie in ihren Einzelheiten jetzt bekannt wird. Erfreulich ist, daß die Ausfuhr besonders ar Fertigwaren gestiegen ist, während die Fcrtigwar-neinftlhr sank. Im ganzen ist die Einfuhr um 50 Millionen zurückgegangen, die Ausfuhr aber — wenn auch nur um ein geringes — gestiegen.
Gewiß: alles keine überwältigenden Gründe mw- schwcisendcr Hoffnungen, aber doch Hosfiningsschimmer
Kundgebung zum Volkstrauertag.
Ehrung der Gefallenen durch Reichspräsident und Reichsregiervng
Zum diesjährigen Gedenktag an die int Weltkriege gebliebenen Brüder erließen Reichspräsident und Reichs- regierung folgende amtliche Kundgebung:
In stiller Trauer gedenkt das deutsche Volk am heutigen Tage seiner Brüder ^e in dem grüßten aller Kriege ihr Leben gaben für fei Verteidigung der Heimat.
Für uns sind sie in den Tod gegangen. An den Gräbern unserer Gefallenen, die sich für uns alle opferten, soll die Zwietracht schweigen. Mahnend steht vor uns das deutsche Leid, das heilige Opfer der im Kriege Gebliebenen, die starben, damit Deutschland lebe.
Aus dem Leid wuchs immer des deutschen Volkes höchste Kraft. Wenn heute die Flaggen halbmast wehen, wenn große Scharen sich zu würdigen Gedächtnisfeiern still vereinen, soll der Entschluß in uns sich fest gen, im Glauben an Deutschland das Wort zu verwirklichen:
„Stimmer wird das Reich zerstöret, Wenn ihr einig seid und treu!"
Berlin, den 28. Februar 1926.
Der Reichspräsident Die Reichs re gierung
von Hindenburg. Dr. Luther.
GedenkWorte.
Zahlreiche hervorragende in- und ausländische Persönlichkeiten haben die Bedeutung des Gedenktages in herzlichen Worten hervorgchobcu. Nachstehend seien einige davon wiedergegeben:
Dr. Frank, Gesandter der Republik Österreich in Berlin: Die ständige Einrichtung eines Volkstrauertages zur Erinnerung an sie erscheint mir als eine. der wertvollsten Kraftquellen zur Selbstbehauptung unseres Volkes und seines Aufstieges in eine lichtere Zukunft.
Dr. M. Popoff. Kal. Bulgarischer Gesandter in Berlin: An dem Gedenktage Der Toten, die als Opfer des großen Krieges gefallen sind, wollen wir, in weihevoller Erinnerung an ihr gewaltsam unterbrochenes Leben, uns dem Gedanken -uwenven, daß in Zukunft die Gegensätze zwischen den Völkern einen anderen Weg zur Schlichtung finden möchten.
Kemal Eddin Sami Pascha, Botschafter der Republik Türkei in Bertin: Möge das Volk sich stets bewußt sein, was diese Helden für ihr Vaterland geleistet haben, uns möge es ihnen ein treues und dankbares Andenken bewahren.
Kardinal Bertram, Fürstbischof von Breslau: Es i,i ein Zug edler Pietät, der Opfer des Weltkrieges, in ernster Feierstunde gemeinsam zu gedenken und der Sprache zu lauschen. die aus den stummen Gräbern uns alle mahnt
dafür, daß wir über den Berg hinweg sind, )o doch vielleicht auf dem Gipfel angelangt sind. Viele, viele pnd zu- fauimeugebrod)en auf dem Wege dorthin; aber was am Leben blieb, wird jetzt hoffnungsfreudiger die Arme rühren. *
Vrbeitslosenziffer im Februar.
Wäbreud der Mvuat Januc.c noch ein beträchtliches Anwachsen in der Zahl der unterstützten Erwerbslosen gebracht hatte, ist diese Zahl in der ersten Hälfte des Februar im wesentlichen unverändert geblieben. Unverändert ist insbesondere die Zabl der männlichen Hauptunter- stützungsclnpfänger mit 1 773 000. Erne Zunahme, nämlich von 257 000 auf 285 000, hat bei den weiblichen Haupt- unterstützungsempsüugern stattgesunden. Insgesamt betrug die Zahl der HauptunterstützuugSempfanger am 15. Februar 2 059 000 gegenüber 2 031 009 am 1. Februar. Andererseits hat sich feie Zahl der Zu>ch!agsempfanger (unterhaltsbcrcchtigècn Angehörigen von Haupiunter- stützunaScmpsângern) von 2 361 000 aus 2 332 000 verringert. Unverkennbar hat im Berichtszeitraum wie all- jährlich der Bedarf nach landwirtschaftlichen Arbeitskräften eingesetzt.
Die Durchführung i-es Volksbegehrens.
Die Prüfung der Eintragungsberechtigten
Der Reichsminister des Innern hat auf Anregung des Deutschen Städtetages zur Erleichterung des Außendienstes in den größeren Städten bei Durchführung des Volksbegehrens den Gemeinden über 20 000 Einwohnern freigestellt, die Prüfung der Eintragungsberechtigten nicht bei der Eintragung selbst, sondern erst nachher binnen drei Tagen vorzunehmen, so daß bei der Eintragung zunächst nur die Identität der Person geprüft zu werden braucht. Eintraguiigsberechtigte, die aus einer Gemeinde mit fortlaufend geführter Stimmkartei verzogen sind, können einen Eintragungsschein von der Gemeindebehörde ihres neun Wohnorts erhalten. Für das Prüfungsver- fahren kann, wenn die Stimmlisten und Stimmkarteien der letzten Reichswahl nicht mehr brauchbar sind, ein »eueres, für eine spätere öffentliche Wahl (Landtagswahl, Provinziallandtagswahl) ausgestelltes Wählerverzeichnis zugrunde gelegt werden.
zu opferwilliger Liebe zum Vatcrkaube und zu treuer Einigkeit. Deutschlands Katholiken werden es gewiß nicht bei äußerlicher Gedenkfeier bewenden lassen, sondern in dankbarer Erinnerung an die Heldengesinnung der Gefallenen heiße Gebete für sie und für unseres Volkes Zukunft zum Himmel senden.
Oberbürgermeister Mitzlaff, Teutscher Stnvtetag: Die Ehrfurcht gegen die Toten soll das ganze Volk am allgemeinen Trauertag zusammenführen im Gedanken an die, die für uns gefallen sind, damit wir leben. Es sei auch ein Tag des Besinnens, daß die nationalen Güter höher stehen als parteipolitische Ziele, und daß die erste Pflicht heißt, sich zu der Volksgesamtheil zu bekennen, zu der man gehört. Von dem weltkühlen England sollen wir lernen: right or wrong, my Country.
Gouverneur z. D. Dr. Schnee, Präsident des Bundes der Ausländsdeutschen: All den tausenden Ausländsdeutschen, di- unter Überwindung unsäglicher Schwierigkeiten auf jedem W-ge und auf jede Weise es versuchten, sich bei Kriegsbeginn und später der Heimat zur Verfügung zu stellen, ist in der deutschen Öffentlichkeit noch nicht der Dank entgegeugebracht worden, der.ihnen gebührt. In die Feier an: Volkstrauertag ein Gedenken oct Ausländsdeutschen einzuschließen, die im Kriege gefallen sind, würde wenigstens den Hauptteil dieser Dankesschuld abtragen.
Siems, Präsiden» des Volksbundes Deutscher Kriegs- präbrrfürsorge e. V., Berlin: Volkstrauertag — vas Denkmal deutscher Dankbarkeit, deutscher Einigkeit, deutscher Hoffnung! To vereinen sich stolze Vergangenheit und schwere Gegenwart mit leuchtender Zukunft. — To rufen es unsere Gefallenen aus ihren zwei Millionen Gräben:.
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Der VolkSi'ramriag.
Der Reichspräsident im Reichstag.
Die Trauerseier, die im Reichstag zum Gedächtn» der im Kriege Gefallenen veranstaltet wurde, erhielt ih besonderes Gepräge durch die Teilnahme des Reichspiä siventen von Hindenburg sowie von Vertretern de Reichsregierung, der Parlamente und anderer öffentliche, Körperschaften. Die Feier begann mit dem Vortrag dè< Trauermarsches von Händel durch den Kosleckschei Bläserchor. Tann folgte ein Gesangsvorlrag des Erckfchn Männergesangvereins unter Leitung Mar Stanges. Di Gedenkrede hielt der frühere Pfarrer SiemS, der Vor sitzende de Kriegsgräbefürsoge. Nach einem Vortrag Des Sprechchors der Berliner Universität schloß das Pro gramm mit dem Trauermarsch „Ich hatt' einen Käme raden".
Tas Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold veranstaltet aus der Treptower Spielwiese eine Gedächtnisseier anläß lich des einjährigen Todestages des ersten Reichsprä siventen Ebert.
Die Pensionslast des Reiches.
Die Verfügungssummen des Reichspräsidenten.
Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde beir Haushalt des R e i ch s f i n a n z m i n i st e r i u m s ot Titel „Bewilligungen aller Art: 3 500 000 Mark' besprochen, worin die V e r f ü g u n g s s u m m e de Reichspräsidenten in Höhe von 2,8 Millionen un der Fondss für Unterstützungen an ehemalige Kriegs teil nehmet und deren Hinterbliebenen enthalten sind. Ei! Regierungsvertreter gab Auskunft über die Verwcndun dieses Fonds. Er werde nicht benutzt, um in irgendwelche Form politischen oder pseudopolitischen Verbänden Toto tionen zuzuwenden. Von kommunistischer Seite werd die Streichung des Titels verlangt. Reichsfinanzministc Dr. Reinhold bat, die Angelegenheit nicht zu Übertreiber Es liege kein Anlaß vor, von dem bisherigen Brauch ab zugehen. Eine Prüfung der Ausgaben würde eine bi sondere Nachkontrolle des Fonds des Reichspräsidente bedeuten. Die Kontrolle werde ja durch den Rechnung- Hof ganz genau geprüft. Es entspreche nicht der Würd des Deutschen Reiches, wenn dieser Dispositionfond in irgendeiner Weise beargwöhnt werde. Der ton munistische Antrag wurde darauf abgelehnt.
Bei der Beratung des allgemeinen P e n s i 0 n s s 0 n d s wurde festgestellt, daß die Pensionslast für 192 1 555 485 000 Mark beträgt. Gegenüber dem Vorjahre i eine Steigerung um 198,4 Millionen cingetrctei Hierzu tritt eine Pensionslast von rund 400 Millione bei der Eisenbahn und 200 Millionen bei feer Post, j daß die gesamte Pensionölast 2 165 000 000 Mark betrag
Verzweifelte Lage der pelinaer Regieruns
Bauernaufstand in Hon an.
Wie aus Peking berichtet wird, ist der gesamte Eisenbahnverkehr auf allen Strecken unterbrochen mit Ausnahme der Linie Peking—Tientsin.
Die Truppen von Feng Tien sind auf dem Seeweg, in den von den Truppen besetzten Ortschaften cingctroftc» Die politische Lage der Pekinger Regiernng ist verzweifelt
Eine dritte Meldung besagt, auf Betreiben Wupei fuZ fei in der Provinz Honan ein r i ch t i g e r B a u e r 11 a u s st a n v organisiert worden. Die Bauern fübi ten unter dem Namen „Rote Lanzen" einen Klein krieg gegen die Truppen Kuo Ming Tschungs.