Zul-aer Anzeiger
Erscheint jeden Werktag * Bei Fieferungobe- Hinüerungen durch „Höhere Gewalt", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw.erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche ❖ Rotationsdruck und Verlag: Zrleörich Ehrenklau, Lauterbach, Hessen, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsverleger. Postscheck-Konto: Frankfurt am Main Nr. 5585.
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zulöa- und Haunetal »Zulüaer Kreisblatt
Redaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 ❖ Zernsprech-flnschluß Nr. 989
Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit «tzuellenangade-Fuldaer Hnzrig,r"grsla«et.
Anzeigenpreis: Für Behörden, Genossenschaften,Banken usw. beträgt die Klein jeile 0.Z0M., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezelle 0.60 Mark ♦ Bei Rechnungsstellung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfolgen * Tag» und platzvorfchrfflen unverbindlich.
Nr. 74 — 1926
Fulda, Samstag, 3. April
3. Jahrgang
w^y
( F"
4 B
L
Seht her: das Land, das Leid erlitten, Wie keinem Land es noch geschah, Das dorngekrönt den Weg geschritten, Den schweren Weg nach Golgacha, Das Land, verblutet und entkräftet/ Verspottet und vom Trug entstellt, Das Land, es ward ans Lreuz geheftet Von dieser haßverwirrtm Welt.
Sun schläft es tief im dunklm Grunde/ Wir aber stehen bang davor And hsnm zagend Stund' um Stunde: Wer wälzt den Stein vom Grabestor? Wer weckt das Leben aus dem Staube? Wer ist es/ der Erlösung bringt? Wohlan! Das tut der mächtige Glaube, Der selbst die Himmel niederzwingt
L
So leuchte du uns nicht vergebens Herüber aus entschwundener Leit, Du Tag der Freude, Tag des Lebens Du Tag der Ssterfeligkeit!
Der du die Reime aus den Tiefen Gewaltig auf zum Lichte drängst, Der du Herzen weckst, die schliefen - Du Tag, der du die Gräber sprengst I
0 nein, wir wollen nicht verzagen. Wo frisch die Frühlingslüfte wehn. Wo tausend Vogelstimmen sagen Vom Leben und vom Auferstehn. And geht der Weg durch Sacht und Sote Der Glaube mache sie zum Spott - Empor dm Blick zur Morgenröte! Tut euer Werk und baut auf Gott!
'Saul Warncke.
Ostern.
Langsam, zögernden Schrittes nur, fast widerwillig ist der Frühling diesmal zu uns ins,Land gekommen. Als hätten wir es eigentlich nicht um ihn verdient und als wollte er es sich immer noch einmal überlegen, ob er uns beglücken oder nicht lieber endgültig umkehren solle. Aber die zehrende Sehnsucht dieser Erde und dieser Menschen, Die beide dürsteten nach Wärme und Sonnenschein, nach neuer Lebenskraft und neuer Glaubenshoffnung, sie rührten schließlich seinen zweifelnden Sinn. Die Natur ist erwacht, Die Knospen springen. Alle Hände regen sich wieder zu frischem Schaffen in Feld und Flur und selbst
der Großstädter klebt nicht mehr unbedingt fest an seinen Kaffee- oder Bierhäusern, an seinen Kinopalästen und Theatern.
Also sind unsere Herzen auch weit geöffnet für Osterstimmungen, für Aufersteh ungsgedanken und
- e m p f i n d u n g e n. Wir wissen nur zu gut: gar zu vielen unter uns haben die grausamen Geschehnisse dieser Fähre, die Zertrümmerung letzter, allerletzter Ideale das Zerfließen letzter, allerletzter Existenzgrundlagen jeden inneren Halt geraubt. Sie fühlen sich willenlos umberge- warfen im Strudel der Zeit, täglich und stündlich von tausend Gefahren bedroht, ohne Arbeit, wne Glauben für die Gegenwart, ohne Dossnung,.ohne.Vertrauen für die
Zukunft. Sie seyen nur eine leid- und kummererfüllte Welt, Zwietracht und Verwirrung, oohin ihr Blick sich wendet. Kampf der Geister, dem kein Fortschritt, keine Besserung, kein Segen entströmt, und trotz allen Ringens, uni Wiederaufbau, um menschenwürdigere Daseinsbedin- -gungen nur eine schier unaufhaltsam anschwellende ^lnt von Not und Elend, von Haß und Feindschaft. Tie Natur selbst scheint aus den Fugen gegangen,- Katastrophen aller Art überstürzen sich in naben wie in fernen Ländern uns im Zusammenleben der Menschen scheinen alle Bande frommer Scheu gelöst. Söhne ermorden ihre Väter. arme verirrte Elternhände zerren kaum den Kinderschuhen entwachsene Knaben und Mädchen mit sich hinab in nn frühes Grab. ^no es aebört nachgerade zu den allläg«