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M-aer Anzeiger

Erscheint se-en Werktag Bei Lieferungsbe» Hinderungen durchhöhere Gewalt", Streiks, Mssperrungen,Bahnfperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche » Rotationsdruck und Verlag: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach, Hessen, Mitglied des Vereins Deutscher Zektungsverleger. Postscheck-Konto: Frankfurt am Main Nr. 5585.

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Zulöa- und Haunetal »Zul-aer Kreisblatt

Reöaktion un- Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernfprech-flnschluß Nr. 989

Nachdruck der mit versehenen Artikel nur mit «Quellenangabe.ZulSaer flnzetger'gestallet.

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Fulda, Samstag, 10. April

Rnzeigtnpreka: Für Behörden, Genossenschaf­ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.30 IHf., für auswärtige Rustraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel­lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag. und Plahvorschrksten unverbinüllch.

3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Zwischen Deutschland und Frankreich ist in Paris ein Zu­satzabkommen unterzeichnet worden, das sich hauptsächlich auf den Austausch landwirtschaftlicher Produkte erstreckt.

* An der Berliner Börse setzte am Freitag ein scharfer Kurs­rückgang ein. Zahlreiche Papiere sanken erheblich.

* In der Nähe von Camden in Nordamerika entgleiste der sog. Millionärzug NewyorkAtlantic City. Alsbald wurden drei Tote- und 50 Verletzte geborgen.

* In Kalifornien haben sich die großen Brände in den Cl« lagern noch ausgedehnt. Der bisherige Schaden beträgt vier Millionen Pfund Sterling.

Massenstimmungen.

Das Volk steht auf, der Sturm bricht los!" Die Massenbewegung, die wir in diesen ersten Apriltagen er­lebt haben, galt nicht der Politik, nicht der inneren oder der äußeren, sie war der jubelnde Freudenausbruch über die Ankunft des Frühlings, der seinen Einzug gerade bis zu den Tagen des Auserstehungsfestes aufge- spart hatte, in der sicheren Erwartung, von der nach Licht und Sonne sich verzehrenden Menschheit dann um so be- geisterter empfangen zu werden. Das gab eine wahre Völkerwanderung hinaus in die schöne Gottesnatur und man konnte nur'mit einem Gefühl aufrichtiger Bewunde­rung dem Schauspiel zusehen, wie diese seit langer Zeit zum erstenmal wieder von ungebundener Freude ergrif­fenen Massen von den staatlichen und kommunalen Ver- kehrseinrichtungen in aller Ruhe und Pünktlichkeit hin- und hergeleitet und ihren tausendfältigen Zielen zugeführt wurden, als gehörte diese Bewältigung eines nur ganz ausnahmsweise auftretenden Verkehrsbedürfnisses zu den gewöhnlichen, zu den alltäglichen Aufgaben dieser Unter­nehmungen. Zu der Aufgelöstheit über den herrlichen Frühlingsanfang, den wir diesmal erleben durften, ge­sellte sich dann die Genugtuung über das ausgezeichnete Funktionieren unseres Derkehrsapparates wie auch über die verständige Haltung dieser Volksmassen, deren Diszi­pliniertheit auch manchen bedenklichen Situationen gegen­über vorzüglich standgehalteu hat.

Überhaupt die Massen tadelt mir die Massen nicht, könnte man in Anlehnung an Richard Wagner dozieren, der die deutschen Meister nicht getadelt sehen wollte. Gewiß, die Massen werden nicht immer nur von ruhigen, von vernünftigen Eingebungen zusammen­geführt und zusammengehalten. Sie werden häufig von gewissenlosen Verführern zu nichtsnutzigen Dingen miß­braucht, von leidenschaftlichen Stimmungen zu Ent­schlüssen und Handlungen fortgerissen, die vor ruhigerer Überlegung nicht bestehen können. Aber schließlich beruht doch der Fortschritt und das Gedeihen des ganzen Volkes auf den guten Anlagen und vor allem auf der guten Er­ziehung der Massen nicht minder als auf den hervorragen­den Leistungen besonders begnadeter Einzelpersönlich­keiten, wie sie uns glücklicherweise aus allen Schichten und Ständen der Nation immer wieder herauswachsen. Mit Recht ist dieser Tage auf den gar nicht zu verachtenden Anteil hingewiesen worden, den die breite Masse unserer werktätigen Bevölkerung an der notwendigen Neubildung von Kapital in Deutschland zu leisten habe. Die Wirt­schaft, also Unternehmertunt in Industrie, Handel und Bankwesen, steht auf diesem Gebiete wohl an erster Stelle. Aber auch die Spartätigkeit des Volkes spielt dabei eine wesentliche Rolle. Wenn nun im Jahre 1925 der Gesamtbetrag der Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen von rund 600 auf 1612 Millionen, also um mehr als eine Milliarde Mark gestiegen ist, obwohl doch zum mindesten vom September ab sich so ziemlich in allen Geschäftszweigen ein ganz katastrophaler Rückgang der Konjunktur bemerkbar machte, so verdient dieses Er­gebnis des in den Massen wurzelnden Sparsinnes gewiß alles Lob und alle Anerkennung. Ebenso darf mit Befrie­digung der trotz der Ungunst der Zeiten unaufhaltsam fortschreitende Wiederaufbau unseres Genossenschafts­wesens verzeichnet werden. Hier betrug die Kapitalbetei­ligung der Mitglieder bei 1110 Genossenschaften im Jahre 1925 über 26 Millionen, gegen nicht ganz 15 im Vorjahr und gegen 33 im Jahre 1914, und die Sparein­lagen bei den Konsumvereinen sind in dem einen Jahr 1925 von 49,5 auf 82,7 Millionen gestiegen und betragen jetzt schon 2% Millionen mehr als 1914. Und gar die Umsätze im eigenen Geschäft hatten schon 1924 mit 594 Millionen die Ziffer des Jahres 1914 um 56 Millionen überschritten; im Jahre K25 beliefen sie sich schon auf 702 Millionen. Das sind Leistungen, die uns vielleicht doch kein anderes Volk in gleicher Lage nachmachen und an denen man sich einigermaßen aufrichten - kann, wenn die lange Dauer unserer großen Wirtschaftsnot die Aus­sicht auf bessere Zeiten zu versperren schien.

Auch im schöneren Süden, von wannen der Frühling zu uns gekommen ist, im Land des Herrn Mussolini, spielt die Masse des Volkes eine große Rolle. Es ist nicht so, daß dieser moderne Diktator etwa einsam auf steiler Höhe seinen Platz gesucht und gefunden hätte und nun von oben herab seinen trotzigen Willen dem Volksganzen aufzwänge. Nein, gegen sein Regiment, und namentlich gegen die furchtbare Unduldsamkeit seiner Führung lassen sich gewiß mit Recht sehr viele Einwendungen erheben, aber zu bestreiten ist nicht, daß er eS verstanden hat, das Herz der Italiener in ganz ungewöhnlichem Maße für sich zu gewinnen. Das ist in diesen Tagen, da die Kugel einer geistesgestörten, landesfremden Frau ihn gerade noch -so obenhin getroffen hat, ganz überwältigend offen­bar geworden. D!rm glaubt manchmal Spuren von Größenwahn an ihm zu bemerken und hat es in Wirk-

Warenaustausch mit Frankreich.

Zotlermäßigungen zwischen

Deutschland und Frankreich.

^ Bis zum 30. Juni.

In Paris ist am Donnerstag zwischen den franzö­sischen und deutschen Beauftragten im Namen der beider­seitigen Regierungen ein kleineres Zusatzabkommen zu dem Teilabkommen über den Warenaustausch vom 12. Fe­bruar d. I. vereinbart worden. Das Teilabkommen vom 12. Februar billigte Frankreich die Meistbegünstigung des Zolltarifs für die Einfuhr von 27 000 Doppelzentnern Gemüse nach Deutschland für drei Monate zu, ebenso für einige andere Artikel. Zum Ausgleich wurden für die Einfuhr einer Anzahl deutscher Ausfuhrwaren nach Frankreich Zollermäßigungen gewährt.

über das neue Zusatzabkommen wird von amtlicher Seite erklärt: Da das Ko ntingent von 27 000 Doppel­zentnern Gemüse bereits 1 Tage nach dem Beginn der Laufzeit (1. März) erschöpft war,' hat die französische Re­gierung sich vor kurzem mit dem Wunsche an die deutsche Regierung gewendet, Frankreich während des drei­monatigen Laufes des Teilabkommens noch einmal ein meistbegünstigtes Gemüsekontingent zu gewähren. Die deutsche Regierung hat sich im Hinblick auf den Widerstand, den schon das Teilabkommen vom 12. Februar beim deut­schen Gemüsebau gefunden hatte, nur widerstrebend auf diesen französischen Wunsch eingelassen, hat aber schließlich das gleiche Kontingent von 27 060 Doppelzentnern Ge­müse (außer Blumenkohl und sonstigen Kohlarten) dann

lichkeit vielleicht doch nur mit . uswirkungen eines lud- ländischen Temperaments zu tun, nicht mit unserer ungleich kühleren nordischen Vernunft gemessen werden darf. Allerdings, er wird auch in Italien namentlich von bestimmten Teilen der gebildeten Schichten abgelehnt, und der wilde Fanatismus seiner Anhänger, die vor Mord und Totschlag und Brandstiftung^ nicht zurück­schrecken, wenn es gilt, ihrem vergötterten Duce irgend­eine Genugtuung zu verschaffen. kann auch feurige Ra-

Zum Attentat auf Mussolini. Mussolini in vollem fascistischeu Kriegsschmuck.

tuten zuweilen bedenklich stimmen. Aber auch hier ist es schließlich der Erfolg, der entscheidet, und den kann ihm selbst der wütendste Gegner nicht abstreiten. Zum mindesten in der inneren Politik und Wirtschaftsführung seines Landes. Als Meister oder gar als Großmeister der äußeren Politik hat er sich allerdings bis jetzt nicht erwiesen. Er versucht es auch da allzusehr mit ähnlichen Mitteln, mit denen er seine heimischen Gegner in Sckoch zu halten versteht: bald etwas Zuckerbrot, bald viel Peitsche. Aber hier versagt sein Wille, versagt auch sein psychologischer Scharfblick. Er will die neue Staatsidee, die er für sich in Anspruch nimmt, nachdem er Italien für sie erobert hat, jetzt auch über Europa, über die Welt hin zum Siege führen; anscheinend soll mit der pompösen Fahrt nach Tripolis ein Anfang mit diesem Programm gemacht werden. Aber je näher er der afrikanischen Küste kommt, desto mehr entfernt er sich, begreiflicherweise, von den Gefühlen der eben erst von ihm so sehr gehätschelten französischen Schwester­nation. Und wenn er gar sich dazu versteigt, in Anleh- nung an ein bekanntes Kaiserwort davon zu sprechen, daß Italiens Zukunft auf dein Wasser liege, was also natürlich besagen will: auf dem' Wasser des Mittelmeeres, so werden solche Verkündigungen seinen Ruf als Friedensstörer gewiß nur von neuem befestigen. Er will ja ein Mann der Tat sein, nicht der Worte aber schon der erste Schritt auf dem Wege, den er offen­bar einzuschlagen im Sinn hat, muß ihn mit anderen Mächten, und zwar mit bewaffneten, sogar mit sevr gut bewaffneten Mächten, in Konflikt bringell. Dann wird sich ja zeigen, ob die faschistische Idee sich wirklich über die Grenzen des Königreiches hinaustragen läßt oder nicht. Die Massen, die ihm heute noch blindlings folgen, könnten dann sehr bald seinen Kopf zum Pfand verlangen, denn nach einer Neuauflage des Weltkrieges steht gewiß auch ihnen nicht der Sinn. Es ist mancher schon mit stolzen Plänen in See gefahren und mit ungleich bescheideneren Sinnen wieder heimaekehrt . . .

doch nochmals gewährt, nachdem die französische Regie­rung für eine Reihe von deutschen landwirtschaftlichen Er­zeugnissen, nämlich Käse, Milch, Gemüse, Säme­reien,Kartoffel stärke und Kartoffelstärke- erzeugnisse und Holz, sowie für eine Anzahl wich­tiger industrieller Ausfuhrerzeugnisse neue Zollzvgeständ- nisse an Deutschland gemacht hatte.

Das Zusatzabkommen wird dem Reichsrat und dem Reichstag nach seinem Wiederzusammentritt am 27. April zur Genehmigung vorgelegt werden. Das Abkommen wird aber schon vom 16. April ab vorläufig angewendet werden. Die Reichsregierung hat sich zu dieser vorläufigen Anwendung entschlossen, von der Erwägung ausgehend, daß einerseits der Wettbewerb des französischen Gemüses für den deutschen Gemüsebau um so weniger schädlich ist, je früher das Frankreich gewährte Gemüsekontingent uus- genützt wird, und daß andererseits dann auch der deut­schen Landwirtschaft und der deutschen Industrie ein um so längerer Zeitraum zur Verfügung steht, um die fran- zösischen Zollzugestündnisse auszunützen. Die drei Monate laufen bekanntlich für die an Frankreich gemachten Zollzu­geständnisse vom 1. März bis 31. Mai, während die drei Monate für die Deutschland gewährten Zollermäßigungen vom 1. April bis 30. Ju n i laufen. Frankreich hat danach also noch sechs Wochen Zeit für die Ausnützung seines neuen Kontingentes, während für die Ausnützung der Deutschland gemachten neuen Zugeständnisse noch 2)4 Monate zur Verfügung stehen.

Die Verhandlungen über den Hauptvertrag, d. h. den allgemeinen Handelsvertrag, gehen weiter.

Das Attentat auf Mussolini.

Der Geisteszustand Violet Gibsons.

Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses in Italien steht nach wie vor das mißlungene Attentat aus Mussolini. Tribuna" meldet, daß Miß Gibson häufig in den Ar- beiterorten von Rom weilte, Almosen austeilte und die Klagen sozialistischer Elemente anhörte, was sie mit Haß gegen Mussolini erfüllt zu haben scheine.Giornale d'Jtalia" berichtet, daß Miß Gibson bei ihrer Verneh­mung erklärt habe, keine Kommunistin zu sein, aber viel Sympathie für den Bolschewismus zu haben. Bei der Durchsuchung der Wohnung der Miß Gibson wurden außer vielen religiösen Gegenständen mehrere faschistische Blät­ter gefunden, in denen die Angaben über die tägliche Ar bk-r und den Aufenthalt Mussolinis, seine Teilnahnre au PcrsamMungen usw. mit Bleistift angcstrichen waren.

Der Arzt des Sanatoriums, in welchem Violet Gib­son nach ihrem Selbstmordversuch 1925 zwei Monate in Behandlung blieb, erklärte den Zeitungen, seine Patien- tin hätte niemals mit ihm über politische Fragen ge­sprochen, sie hätte aber mehrere Male behauptet, einer revolutionären Familie zu entstammen. Violet ^Gibson half oft den Armen und besonders den Frauen, sie verwendete dazu die ziemlich bedeutenden Beträge, die ihr in einer römischen Bank gut Verfügung standen. Im Parkbotel, wo sie letzten Dezember wohnte, machte sie den Eindruck einer sehr nervösen Religionswabn- sinnigen. Sie litt oft an Halluzinationen, ging wie unter Hypnose mit steifem Körper und erhobenen! Gesicht, ihre Augen blickten starr in die Leere, ihre Arme hingen wie leblos herunter, sie war völlig geistesab­wesend, grüßte nicht und erwiderte keinen Gruß.

Die Marokkoverhandtungen.

Typhusepidemie im Rifgebiet.

Nach einer Meldung derTimes" soll die französische Regierung bereit sein, mit Abd-el-Krim einen Waffen­stillstand für die französische Front abzuschließen. End­gültige Fricdcnsverhandlungen sollen dagegen nur zu­sammen mit Spanien stattfinden. Eine Begegnung fran­zösischer und spanischer Delegierter mit Vertretern Abd­el-Krims in Rabat steht in naher, Aussicht. Es wird nur »och die Zustimmung Spaniens zur Wahl des Ortes er­wartet; Spanien würde eine Stadt vorzichen, die nicht vollkommen unter französischem Einfluß steht.

Aus Tanger wird gemeldet, daß unter der Bevölke­rung des Rifgebietcs eine Typhusepidemie ausge­brochen ist. Die Sterblichkeitsziffer soll sehr hoch sein. Die französische Heeresleitung hat alle Vorsichtsmaß­regeln getroffen, um ein Übergreifen der Epidemie auf die französischen Truppen zu verhindern. Abd-el-Krim hat sich in einem Briefe an den König von Schweden gewandt und die Unterstützung des schwedischen Roten Kreuzes erbeten.

politische Rundschau.

Deutsches Reich

Reichsverband zum Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft

Unter diesem Namen hat sich mit dem Sitz in Berlin eine Vereinigung gebildet, welche bezweckt, der deutschen Wirtschaft und damit de er ganzen Volke durch eine bessere Aufwertung der alten Staats­schuld e n Hilfe zu bringen, und die in dreiem Sinne arbeiten will. Die Vereinigung hat eine Reihe von Vor- schlügen anfaestellt, in denen unter anderem namentlich gefordert wird, daß die Errrägnisse der vielumftrittenrn Hsuszinssteuer nicht wie bisher zum größten Teil als Hypotheken zum Vorteil des Staates berw. der Gemein-