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Zul-aer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag Bei Lieferungsbe- Hinöerungen durchhöhere Gewalt", Streiks, Tiussperrungen, Bahnsperre usw.erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche Rotationsdruck und Verlag: Zn'eörich Èhrenklau, Lauterbach, Hessen, Mitglied desvereinsveutscherZeitungsverleger. Postscheck-Konto: Frankfurt am Main Nr. 5585.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal-Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 81 1926

Fulda, Dienstag, 13. April

3. Jahrgang

Meine Zeitung für eilige Leser.

* Der bayerische Ministerpräsident Held ist in Berlin zu innerpolitischen Beratungen eingetrossen.

» Der Reichskommissar für die besetzten Gebiete, Freiherr Langwenh von Simmern, begibt sich zur Besprechung von Rhcinlaudssrageii nach Paris.

* Bei seiner Antunst in Tripolis hielt Mussolini abermals eine temperamentvolle Rede, in der er den Machtwillen Jta- Inns betonte.

* Ein Ausstandsversuch der radikalen Partei in Lissabon wurde von der Regierung im Reim unterdrückt.

* Das Lustschiss .Rorge". mit dem Amundsen den Nordpol erreichen will, ist nach seiner ersten Teilsahrt aus dem Flug­platz Pulham in England gelandet.

Reimgungöprozeffe.

In Berlin begannen am Montag gleich­zeitig die Prozesse gegen den sogen. Sprit- Weber und gegen Kutisker.

Der Vorhang rollt auf; aber das Tribunal, das allzu­lange zur Szene geworden war, wird wieder zum nüchter­nen, der Parteien Haß und Gunst entrückten Gerichtshof.

Verhältnismäßig einfach, ohne politischen Hinter­grund, liegen die Dinge beimSprit-Weber". P r o z e ß, der am Montag in Berlin begann. Bemerkens­wert sind höchstens die Summen, um die es sich bei bett Betrügereien gegen die Reichsnionopolvcrwaltung handelt, dann auch die Höhe der Bestechungssummen an die Be­schuldigten und der weite Kreis derer, die tatsächlich oder wahrscheinlich ihre Hände in diesem üblen Geschäft hatten, das ja leider nicht das letzte seiner Ärt war, wie noch in den jüngsten Tagen bekanntgewordene Betrügereien dar­taten. Erstaunlich oder nicht? Die Unkenntnis der Reichsmonopolverwaltung, die nichts von dem ahnte, was alle Welt wußte, aber verhehlte, weil man am Geschäft be­teiligt war. übelste Jnflationsblüte das Ganze, über dem Schnell verdienen, verdienen!" als Motto sieht, übelste Blase aus dem Sumpf jener Zeit, da sich alle moralischen Hemmungen zu lösen schienen, da selbst lauter oder leiser, mit mehr oder weniger Berechtigung Anschuldigungen gegen Beamte unteren, mittleren, ja höheren Grades er­hoben wurden. Der Zollfiskus ist Nebenkläger, ebenso die Finanzbehörden, ebenso die Reichsmonopolverwaltung. Es soll gründliche Arbeit geschehen. Wir wollen uns nicht mehr vom Ententekommissar für die verpfändeten Steuern sagen lassen dürfen, daß die Zustände bei der Reichs­monopolverwaltung verworrene undbetrübliche", daß bei der Branntweinbesteuerung Betrügereien großen Stils an der Tagesordnung seien. Wenn wir nun schon in diesen Sumpf geraten sind, dann wollen wir uns mit aller Rück­sichtslosigkeit herausarbeiten.

Iwan Kutisker seit anderthalb Jahren be­schäftigt sich die Öffentlichkeit mit diesem Mann, besteht ein Skandal, bei dem Parteipolitik allzuoft das ruhige Urteil verhinderte. Noch tiefer wird die Erregung, weil hier die alte Preußische Seehandlung getroffen war, weil hier jene typischen Figuren auftauchen, die vom Leib des zusammengebrochenen Deutschlands sich nährten. Fast ein Zufall war es ja, der diese ganze riesige Lawine ins Rollen brachte. In parlamentarischen Untersuchungsaus­schüssen, deren gleich ein paar nebeneinander herliefen, sichKonkurrenz" machten, wurde versucht, Klärung in das Wirrsal zu bringen, aber darüber besteht im Volk höchster Zweifel: haben sie Klarheit gebracht, konn­ten sie überhaupt Klarheit bringen?

Mit überaus wünschenswerter Deutlichkeit hat der Vorsitzende im Kutisker-Prozeß alle Beteiligten, Zeugen wie Sachverständige, Angeklagte wie Verteidiger, ge­mahnt, das menschlich, allzu menschlich Parteipolitische draußen vor der Tür des Gerichtssaales zu lassen. Ob so ganz mit Erfolg, wie man das erhoffen möchte, bleibt abzu­warten, abzuwarten überhaupt, ob der Prozeß durchge- sührt werden kann. Wenn nicht, dann bliebe diese schwä­rende Wunde, dann träte eine Beruhigung nicht ein, könnte der Schlußpunkt nicht endlich hinter eines ver trübsten Kapitel deutscher Geschichte der jüngsten Ver­gangenheit gesetzt werden. Dann käme nicht die restlose Aufklärung als Voraussetzung einer wirklichen, einer in­neren Sanierung, die wir im Interesse des Staates und der Öffentlichkeit ersehnen.

Unendlich viel wird wieder aufgerührt werden, das halbvergessen hinter uns liegt: aber es schadet nichts, wenn nur daraus nach jeder Richtung hin die notwendi­gen Entschlüsse gefaßt werden. Wenn nur der Staub nicht aufgewirbelt wird um des Staubes Witten, sondern um eine saubere Zukunft zu schaffen.

Die Ausgaben der Reichspost.

Reichspostimister und Postpersonalorganisationen.

Der Reichspostminister hatte Vertreter sämtlicher Post- pcrsonalorganiscttwnen im Rcichspostministcriunl versammelt, um ihnen Mitteilungen grundsätzlicher und programmatgcher Art zu machen. Der Minister begrüßte die OrganisaNonsver- treler als Mitarbeiter, Stamcraben und Freunde stnd^ betonte die Notwendigkeit engster Zusammenarbeit. Strasse Führung und Zufammensassuug seien, so führte der Minister weiter aus, innerhalb der Verwaltung unerläßlich; sonst trete allmählich eine Auslösung in einzelne Interessengebiete ein zum Schaden der Allgemeinheit und des einzelnen. Von Autokratie könne keine Rede sein; unerläßlich seien aber Autorität und Sinn für verständige E i n o r d n n n g. Der Minister, behandelte die Finanzlage der Rcichspost, die wahrschein­lich auch in den kommenden Fahren noch sehr gespannt sein würde. Er mahnte daher zur Zurückhaltung in Beamtenforde- rungen. Längere Zeit verweilte der Minister beim Schafte» .und Zilstelloienst. Beide Dieilste müßten immer mehr Neuzeit-

Mussolini in Tripolis.

Italiens Kolonialpolitik.

Begeisterte Kundgebungen für Italiens Diktator.

Das KriegsschiffCavour", mit Ministerpräsident Mussolini an Bord, ist im Hafen von Tripolis vor Anker gegangen. Unter dem Donner von 19 Salutschüssen, Glockenläuten und Sirenengeheul betrat Mussolini afrika­nischen Boden, begrüßt von dem Gouverneur und dem Bürgermeister von Tripolis, dem er eine Botschaft des italienischen Königs überreichte. Wenige Minuten später bestieg Mussolini in der Uniform eines Ehrenkorporals der Faschistischen Miliz mit wehendem Federstutz und de­koriert mit dem Annunziatenorden einen braunen Araber­hengst, aus dem er die Parade der aufgestellten Truppen abnahm. Dann durchritt er die Stadt und war Gegen­stand lebhafter Ovationen der Italiener sowie der ein­geborenen Bevölkerung.

Vom Balkon des Negierungsgebäudes aus hielt Mussolini an die Faschisten von Tripolis eine Rede, in der er u. a. sagte: Meine Reise darf nicht als eine einfache Verwaltnngshnndlung anSgelegt werden. Ich fasse sie auf als das, was sie auch in Wirklichkeit ist, nämlich als eine B e st ä t i g u n g d c r K r a s t d e s i t a l i e n i s ch e n Volkes und als eine Bekundung der Macht des Volkes, das seine Herkunft von Rom ableitet und das den sieg­reichen und unsterblichen Fascio Roms an die Küsten des afrikanischen Meeres trägt. Es ist das Schicksal, welches uns in dieses Land führt. Niemand kann das Schicksal aufhalten, und besonders kann niemand unseren uner­schütterlichen Willen brechen. (begeisterter Beifall.)

Mussolini stattete daraus den Gräbern einen Besuch ab, wo er Kränze niederlegen ließ. Er machte Halt vor den Gräbern von zehn mit der Goldenen Medaille Aus­gezeichneten, vor den Gräbern der im Lydischen Kriege Gefallenen und namentlich vor dem Grabe der Frau Brighenti, die mit ihrem Gatten, dem Kommandanten Drighenti, während der langen Belagerung von Tarhsna im Juni 1915

lich ausgestaltet werden. Vie weitere Vereinfachung uno Mewa- nisierung von Verwalumg und Betrieb sei ein Gebot der Wirtschaftlichkeit. Der Minister stehe durchaus aus dem Boden des Berufsbeamtenlums, dessen Schutz allerdings nicht gleich­bedeutend sei mit einer Vermehrung der Beamten.

Der Minister forderte die Organisationen auf, die von starkem Willen und von Zähigkeit getragenen Bestrebungen der Verwaltung in jeder Weise zu unterstützen. Nur bei Zusam­menarbeit aller sonne das Ziel der Reichspost erreicht werden, nämlich, Wirtschaft, Verkehr, Verwaltung und Personal vor- wärlszubringen.

MtßlungenerAufstan-sversuÄ in Portugal

Vollkommene Ruhe in Lissabon.

Nach einer vomJournal" wiedergegebenen Mel­dung aus Vigo soll ein neuer Anfstandsversuch in Lissa­bon mißlungen sein. Die Aufständischen, die der radikalen Partei angehören, hatten die Absicht gehabt, die Festung San Jose im Sturm zu nehmen und die republi­kanische Garde in der Kaserne von Caincolid zu inter­nieren, um alsdann gegen den Palast Belem zu mar­schieren. Die Regierung sei über diesen Aufstandsversuch zweifellos unterrichtet gewesen und habe die Bereitstel­lung von Truppen lind Polizei angeordnet. Der Minister­präsident und der Kriegsminister hätten sich zum Palais des Zivilgouverneurs begeben, von wo sie ihre Anord­nungen ergehen ließen. Die sofortige Schließung der Casos und Klubs und die genaue Durchsuchung der Fahr­zeuge in den Straßen von Lissabon sei angeordnet wor­den. Die Ruhe in Lissabon sott vollkommen wiederher-, gestellt sein.

SieIriedensbedingungenfmWd-el-Krim

Ruhe an der Fro«t.

Wie dieWestminster Gazette" berichtet, verlautet in diplomatischen Kreisen, daß die Friedensbedingungen bei der bevorstehenden Friedenskonferenz zwischen den französischen, spanischen und Rifvertretern folgenden In­halt haben werden:

1. Anerkennung der Oberhoheit des Sultans von Marokko durch Abd-el-Krim.

2. Vollkommene Entwaffnung des Rifs.

3. Rifpolizei unter europäischer Leitung.

4. Militärische Besetzung strategischer Punkte im Rif- gebiet durch Frankreich und Spanien.

5. Eröffnung der fruchtbaren Täler östlich der Uergha. t

Die Vertreter Abd-el-Krims erklären dagegen, daß die erste Bedingung erfüllbar, aber die völlige Entwaff­nung der Stämme und auch die übrigen Friedensbedin­gungen nicht annehmbar seien.

Nach einer Meldung desJournal" aus Fes ver­lautet unter den Eingeborenen, daß Abd-el-Krim seinen Truppen Weisung erteilt habe, eine rein defensive Hal­tung einzunehmen. WieJournal" weiter aus Fes er­fährt, herrscht an der ganzen Front vollkommene R u h e. Ein spanisches Flugzeug soll in der Gegend von. Targist in den feindlichen Linien gelandet seim

Feder und Gchweri.

Zwei k o st b a r e Geschenke für Mussolini.

Nach seinem Besuch an den Gräbern der im Kriegs Gefallenen begab sich Mussolini nach dem Rathaus, wo der königliche Negierungskommissar ihn begrüßte und ihm ein Album mit Photographien aus Tripolitanien als An­denken überreichte. Der Bürgermeister Hassuna Pascha hielt eine Begrüßungsansprache, in der er u. a. ausführte» Mussolini habe Tripolis das Leben gegeben. Ganz Tripolitanien überreiche ihm als Geschenk eins Schreibtisch garnitur aus massivem Gold und einen re ich verzierten arabischen Säbel. Bei der Überreichung erklärte Hassuna Pascha, dies Ge» schenk solle ein Symbol sein, denn wenig Menschen bet* stünden wie Mussolini, die Feder und den Degen zu hand-; haben. .. -

»EinVolkvonSoldaten/Kolonistenundpionieren^

Auf dem Sitz der faschistischen Behörden betonte Mussolini nach einer Begrüßungsansprache, daß ihn der erste Tag seines Besuches in Tripolis mit Begeisterung erfüllt hätte. Weiter führte Mussolini aus: Ich fühle vor allem um mich herum das italienische Volk in seiner Ge­samtheit, ein geschlossenes Volk von Soldaten, Kolonisten und Pionieren. Kameraden, richten wir unsere Gedanken auf dieses aufsteigende Italien, auf dieses starke Italien, das unter der Last seiner glorreichen Vergangenheit sich von dieser Vergangenheit nicht hemmen, sondern anspor- ucn läßt, um immer rascher dem unausbleiblichen Triumph von m argen entgegenzumarschieren.

Mussolinis Rede wurde mit langanhaltenden Be­geisterungskundgebungen begrüßt. Im Palast des Gou- Verneurs fand ein Bankett und ein Empfang statt, an dem alle Behörden teilnahmen. Mussolini wurde durch die Zurufe der Menge noch einmal genötigt, auf dem Balkon Lu erscheinen.

Peking unser Geschützseuer.

Neue Kämpfe im Gange.

Nach englischen Zeitungsberichten spielen sich um Peking heftige verlustreiche Kämpfe ab. Auch sind di« Fliegerangriffe auf die Stadt wiederholt worden, denen etwa zehn Tote unb zwanzig Verwundete zum Opfer ge» fallen sind. Alle Verbindungen mit Peking, über das der Kriegszustand verhängt wurde, sollen abgeschnitten fein.

»Daily Mail" zufolge besagt eine Meldung aus Dairen in der Mandschurei, daß ein Komplott zur Ermordung Tscha ngtsolins aufgebedi wurde, in das die Sowjetrcgierung verwickelt sei. Die Verschwörer hätten, in ihren Uhren versteckt, Bomben aus Wladiwostock nach Mukden eingeführt. Tschaugtsolin habe die Ausweisung des russischen Vize- konfuls in Mukden sowie verschiedener Sowjetagenten an der chinesischen Ostbahn befohlen. Er habe auch dem russischen Botschafter in Peking, Karachan, telegraphisch ungeraten, die Hauptstadt zu verlassen, da nach Pekings Einnahme seine sofortige Verhaftung erfolgen würde.

Der russische (Lmigranienkongreß.

Ein Aufruf a » das russische Volk.

Der russische Emigranteukongreß in Paris hat seine Arbeiten mit einer Erklärung a n die russische Nation beendet, in der it. a. ausgeführt wird, die Stunde werde kommen, wo man unter Führung des von allen als nationaler Führer anerkannten Großfürsten Nikolaus in gemeinsamem Ansturm die Macht der K o m muni st e u breche n werde. Die Gegner suchten dem russischen Volke dadurch Angst zu machen, daß sie be­haupteten, wenn ihre Herrschaft zu Ende sei, werde ein überlebtes Regime wieder zur Herrschaft gelangen. Dies sei nicht der Fall. »Wir wollen," so heißt es in der Er« klärung weiter,genau das, was ihr wollt. Wir wollen, daß ein jeder anständig lebt und frei seinen Religions­übungen nachgehen kann. Wir wollen ein gesundes Fa« .milieulebeu und wünschen, daß der Boden Eigen­tum dessen sei, der ihn bearbeitet. Wir wollen einem jeden die Möglichkeit sichern, zu leben und in Freiheit ai^ arbeiten. Erst nach Liquidierung der kommunistischen' Macht wird es in Rußland möglich sein, die Organisation, und die Regierung des regenerierten nationalen Ruß­land aufzurichten."

potiiische Run-schau.

Veutsches Neicb

Der bayerische Ministerpräsident in Berlin.

Ministerpräsident Held ist, von München kommend, in Berlin eingetroffen. Der Hauptzweck seines Besuches ist die Teilnahme an der am Dienstag stattfindenden Sitzung des Wasserstraßenbeirates, zu dessen Mitglied der Präsident zählt. Außerdem bringt er dem K a n z l e r die Einladung für den am nächsten Sonnabend in Mün­chen geplanten Empfang.