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Zul-aer Anzeiger

Erscheint feüen Werktag Bei Lieferungsbe- Hinöerungen durchhöhere Gewalt", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw.erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche Rotationsdruck und Verlag: Friedrich Èhrenklau, Dauterbach, Hessen, Mitglied des VereinsDeutscherZeitungsverleger. Postscheck-Konto: Frankfurt am Main Nr. 5585.

Tagebla« für Rhön und Vogelsberg

Zulöa- und Haunetal-Zulöaer Kreisblatt

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9lr. 85 1926

Fulda, Samstag, 17. April

3. Zahrgan,

Meine Zeitung für eilige Leser.

* Reichspräsident von Hindenburg hat die zurzeit in Deutsch­land weilende mexikanische Studicnkommission empfangen.

* Reichskanzler Dr. Luther hat sich in Begleitung desReichs- fiuanzministers und des Reichsinnenministers nach München begeben.

* zwischen der Reichsregierung und den Mehrheitsparteien des Reichslags ist es in der Frage des Fürstenkompromisscs zu einer Einigung gekommen.

% In Preußen werden nach einer Mitteilung des Justiz- ministers gegenwärtig M Millionen Aufwertungsangelegen- heiteii bei den Gerichten bearbeitet.

* ^er französische Frank erlitt abermals eine heftige Ab­wärtsbewegung. An der Pariser Börse wurde Freitag der Dollar mit 29,64, das englische Pfund mit 144,10 »raut notiert. ~ * DieNorge", das Flußschiff Amundsens ans seiner Nord- polsahrt, ist in Leningrad angekommcu und wird dort einige Tage verweilen.

Hinauf und vorwärts.

Vor einigen Tagen hat ein preußischer Minister in Koblenz erklärt, es gehe allmählich wieder vorwärts mit uns. Wenn dabei gerade die Lenzsonne ihre schönsten Strahlen ausgießt, in den Augen der gequälten Men­schen Widerschein weckt, so wird der Glaube an das Besierwerden mächtig bestärkt. Denn nach der Versiche­rung des Altmeisters unserer Dichter ist es jedem einge­boren, daß sein Gesiihl hinauf und vorwärts dringt in den Tagen, wo die Lerche ihr schmetternd Lied singt und der Kranich über Land und See nach der Heimat strebt. Unzweifelhaft liegt ein Beweis für das Vorwartsstreben in der an diesem Sonntag erfolgenden Eröffnung der R e i ch s g e s u n d h e i t s w 0 ch e. Das Weid) sorgt sich wieder um Verbesserung und Erhaltung der Gesundheit seiner Bürger tröstlicher Gedanke nach den Jahren des Krieges, der Inflation, der Wirtschafts- katastrophe. Der Reichsgesundheitswoche folgt in kurzem die in Düsseldorf vorbereitete Ges ole i, die ebenfalls das Gesundheitswesen fördern soll.Gesolei" ist keine phantasiebcschwingte Bezeichnung für eine Pateutmedrzin gegen alle Krankheiten, kein Apparat zur Ausübung von Arm und Beinbewegungen, sondern die Abkürzung für Große Ausstellung Düsseldorf 1926 für Gesundheits­pflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen". Der Himmel lasse derGesolei" ihren Namen nicht entgelten bei der gewünschten Wirkung.

Gesunder Geist i m g e s u n d e n Körper. Der moderne Sport will die Mahnung des alten Römers ' Juvenak zu Ehren bringen. Stubenhockerei, Schulbankbleichsucht sollen das junge Deutschland nicht mehr länger am Aufstieg hindern. Viele Schritte sind wir vorwärtsgekommen und unsere Siege im Wettbewerb mit anderen Rationen haben gezeigt, daß auf dem deut­schen Boden ebensoviel Liebe zu körperlicher Entfaltung gedeiht wie anderswo: Leider ist dabei die Ausnützung mancher sogenannten Sportbetriebe zu spekulativen Zwecken mit vorgedrungen. In Berlin verkrachte so­eben beinahe das zum zweitenmal in diesem Jahre in Szene gesetzte Sechstagerennen. Die erwarteten Zuschauer blieben fern und trotz aller Reklame fanden es die Unter­nehmer angemessen, plötzlich zu verschwinden. Interessant die Feststellung, daß die Veranstaltung der Schau einem Konditor und einem Gummifabrikanten 31t verdanken war. Es ist ihnen sicher nicht übelzunehmen, wenn sie in knapper Geldzeit ihre Einnahmen vermehren wollen, aber dazu ist doch schließlich die Idee von der Körperer­tüchtigung nicht da. Ebensowenig wie der Einfall eines hervorragenden Mannes, der einen 130 Stunden währen­den Tanz absolvieren wollte. Bedauerlicherweise endete der Versuch des Nachweises, die menschliche Willenskraft liege in den Schuhen statt in den Gehirnen, schon nach wenigen Stunden. Die Bewunderer solcher Akrobatie kamen nicht auf ihre Kosten und mußten sich aus andere Tanzböden begeben, überhaupt scheint das Publikum allmählich der Kunststücke, die den ehrlichen Sport in sein Gegenteil verkehren, müde zu werden. Auch die 3111» höchsten Gebot an Erwerbstreibende verpachteten Säle zur Vorführung von Berufsfaustkämpfern veröden, wie die Klagen in Fachblättern kundtun. Kann man hoffen, daß damit schon ein Gesundungsprozeß eingeleitet wird?

*

Jm gesunden Körper soll die gesunde Seele, der ge­sunde G e i st wohnen. Tausende von kleinen Menschen haben in diesen Tagen das erstemal die Schulsäle be­treten. Anfänger des Studiums, manchmal mit einer ge­wissen Überhebung ironisch-wohlwollend ABC-Schützen ge­nannt. Niemand braucht unsere jüngsten Lernbeflissenen zu verteidigen. Mancher, der lang und dick und geschwollen in der Welt herumläuft und über geringe Leute hinwegguckt, hat nichts Erhebliches aus der Schule nach Hause getragen. Aber wirklich betrüblich ist die gerade jetzt erfolgte Fest­stellung, Ärß in Preußen allein zurzeit 30 000 ausge - b i l d e t e Lehrer ohne Anstellung fink Arbeitslosigkeit bei den Erziehungskräften bekundet mehr wie andere Er­scheinungen, wie weit wir noch von dem Punkte entfernt sind, an dem wir bei dem mühsamen WegeHinauf und vorwärts" eine Ruhepause zu erhoffen berechtigt sind.

überfüllten Schulklassen und bei darbender Lehrer­schaft kann der Geist nicht gedeihen.

*

Ein englischer Statistiker hat ausgerechnet, im Ver­laufe von zwei Jahrhunderten würden sämtliche Be­wohner des Erdballs geisteskrank sein. Nach dem Eng­länder gab es int Jahre 1859 einen Verrückten auf 535 .Normale. Im Jahre.1897 entfiel auf 3 2 Personen ein

Einigung über die

Besprechungen beim Reichskanzler über Iürsienabfindung.

Das neue D ue l l ge s e tz.

In der Reichskanzlei haben am Freitag die vorge fehenen Besprechungen über die endgültige Fassung des Gesetzes über die F ü r ft e n a b f i n d u n g ftaitgefunbeu. An diesen Beratungen, die im Arbeitszimnicr des Rcichs- kanzlers abgehalten wurden, waren Reichskanzler Dr. Luther, Reichsinnenministcr Dr. Külz, Rcichsjustizministcr Marx sowie die Führer der Reichtztagsfraktionen der Re­gierungsparteien beteiligt. Wie es heißt, soll es zwischen der ReichSregierung und den Vertretern der Regierungs­parteien zu einer völligen ü b r r c i n st i m m 11 n g gekommen sein, wenn sich auch noch gewisse Widerstünde, besonders bei dem preußischen Finanzminister, bemerkbar gemacht haben sollen.

. In der nächsten Woche soll der Rechtsausschuß des Reichstages die umgestaltete Kompromißvorlage Para­graph für Paragraph durcharbeiten und dann erst soll die Mehrheitsfrage unter den Fraktionen geklärt werden.

Ein weiterer Gegenstand der Beratungen beim Reichs­kanzler war die D u e l l f r a g e, in der bekanntlich der Reichspräsident den Reichstagsbeschlüssen widersprochen hat, da er in ihnen eine Benachteiligung des Offizier st a udes erblickte. Auch in dieser Frage ist bei den Besprechungen eine Übereinstimmung erzielt wor­den. Wie es heißt, soll hier der Ausweg gewählt werden, daß die Mutz Vorschrift hinsichtlich der Entlassung von Offizieren und Beamten für den Fall eines Zweikampfes in eine Kann Vorschrift abgeändert wird, mit Ausnahme ganz besonders schwerer Fälle, wo der Zwang zur Ent­lassung aufrechterhalten werden soll.

Reichskanzler Dr. Luther hat in Begleitung des Reichsinnenministers Dr. Külz und des Reichsfinanz- ministersDr, Reinhold Freitag, âuS Berlin verlassen und sich nach München begeben. Hier soll u. a. die Frage des Finanzausgleichs zwischen Reich und Ländern be­sprochen werden. Am Sonnabend abend wird Reichs­kanzler Dr. Luther eine Rede über die Kulturpolitik in Deutschland halten, möglicherweise wird er auch die außenpolitische Lage zur Sprache bringen.

Geisteskranker. Bei der gleichen Steigerung gibt es 1926 auf je 150 und im Jahre 1977 auf 100 Normale einen Kranken. 2139 werde es also in der ganzen zivilisierten Welt nicht einen einzigen Bewohner geben, der im voll­ständigen Besitz seiner geistigen Kräfte sei. Als ein Glück bei so mißlichen Aussichten ist es zu betrachten, wenn der große Herzog aller Italiener, Herr Mussolini, int Augenblick nach Tripolitanien hinübergefahren ist und mittels der von seiner Person ausgehenden faschistischen Lichtstrahlen den Grund zu einem anderen römischen Welt­reich gelegt hat. Der Imperator ist nach seinen vielfachen Reden wohl stark und klug und weise genug, um in den von seinem Willen geführten Neuländern die Entartung der Verstandesfunktionen zurückhalten zu können. So dürfte möglicherweise aus dem schon in kurzem ganz Mussolinistisch gewordenen Afrika neues Licht das über­alterte Europa überströmen trotz der Prophezeiungen des britischen Statistikers. A lala Mussolini mit diesem faschistischen Schlachtruf fallen in Wien und Prag feine Bewunderer schon über die D e u t s ch e n her mit­hin kann cs dem Duce beim Plan seiner Welterneuerung nicht fehlen! 3,i 0.

prozeßhochstui in Preußen.

2%. Millionen Aufw e r t u n g s s a ch e n.

Bei Beratung des Justizhaushalts im Preußischen Landtag wurde vom Berichterstatter daraus hingewiesen, daß die Tätigkeit der Gerichte sich im letzten Jahre außer­ordentlich vermehrt habe. Im Januar 1926 seien 303 Ö00 Klagen in erster Instanz angestrengt worden gegen 186 000 im Durchschnitt des Jahres 1913.

Justizminister Dr. A m Z e h n H 0 f f betonte, Auf - Wertungssragen sollten grundsätzlich als Eil. fachen behandelt werden, insbesondere dann, wenn von der Bereinigung des Grundbuches ein weiterer Kredit abhängig sei. Trotz aller Maßnahmen sei es aber nicht möglich, reibungslos zu arbeiten, da die Zahl der Auf- Wertungsfachen sich auf 2% Millionen belaufe, wovon erst 8 % erledigt seien. Im Justizministerium sei daher der Personalabbau höchst u n g e l e g e n gekommen. Es geschehe aber alles, um möglid)ft viel neue Kräfte heranzuziehen. In den Gerichten sei Raummangel. Teil­weise müßten sogar Beamte auf Gängen und im Schichtwechsel arbeiten.

Dr. Boelitz 50 Jahre alt

DerReformatorunseresSchulwesenS.

Am 18. April vollendet der ehemalige preußische Kul. tusminister Dr. Boelitz sein fünfzigstes Lebensjahr. Dr. Boelitz, der der Deutschen Volkspartei angehört, über­nahm im Jahre 1921 nach dem sozialdemokratischen Mi­nister Hänisch das preußische Kultusministerium und ver­waltete es bis zum Januar 1925. Sein Ziel in diesem Amte war, die Revolution auf dem Gebiete des Bildungs-

Absindungssrage.

Der Inhalt des neuen Kompromisses.

Von gut unterrichteter Seite wird uns gemeldet: Die Kompromißvorschläge, über die in der Angelegenheit der Furstcnabsindung zwischen den Regierungsparteien des Reichstages und der Reichsregierung eine Einigung erzielt worden ist, decken sich inhaltlich mit dem Kompromitzent- wurf, bei vom Rechtsausschuß des Reichstages vor Ostern in der erhell Lesung erledigt worden ist, nur sind auf Wunsch des Reichsjustizministeriums einige andere For­mulierungen des Textes gewählt worden. Die wesentlich­sten Bestimmungen des Kompromisses gehen dahin: Der Sondergerichtshof für die Auseinandersetzungen zwischen den Ländern und den ehemaligen Fürstenhäusern soll außer dem Vorsitzenden aus vier richterlichen und vier nichtrichterlichen Beisitzern bestehen. In den Fällen, wo eine G e s a >n t a b s t n d u li g stattgefunden hat, kann nur auf Antrag beider Part-ien das Verfahren wieder ausge­nommen werden. Bis zum Jahre 1950 dürfen die aus den Entschädigungen gewonnenen Mittel nur zum privat- wirtschaftlichen Gebrauch oder zu wohltätigen oder zu kul­turellen Zwecken verwendet werden. Ebenfalls bis zu diesem Jahre darf ein ausbezahltes Kapital nur mit Ge­nehmigung des Landes in das Ausland gebracht werden. In der neuen Formulierung wird der Kompromißentwurf am nächsten Dienstag dem Rechtsausschuß des Reichstages vorgelegt werden. Bei dieser Gelegenheit wird der Reichs- innenminister Dr. Külz eine Erklärung zur Frage des v c r f a s s ii n g s ä n d e r n d e n C h a r a k t e r s des Ge­setzes abgeben.

Für das Gesetz zur Vereinfachung des Militärstraf­rechts, bei dem es sich bekanntlich um die Dienstentlassung wegen D u e l l v e r g c h e n s handelt, liegt dem Reichs- r a t ein » e u e r E n t w u r f vor. Die heute zwischen den Regierungsparteien und der Regierung in dieser Ange­legenheit erzielte Einigung richtet sich dahin, daß dieser Entwurf noch verschärft werden wird; es soll nämlich auf Aberkennung desAmtes erkannt werden können, aber in besonders schweren Fällen, wie etwa bei leichtferti­gem oder ehrlosem Verhalten, auf Aberkennung des Amtes erkannt werden müssen. Diese Bestimmungen sollen für a H e y e a m t e G U g e m e i n, also nicht mehr allein für Offiziere gelten.

Wesens durch die Evolution zu überwinden. Der Aus' bau der Volksschule und die Reform de r höheren Schulwesens, die seinen Namen trägt, ftud sein Werk. In seinem Amte kam ferner die Reform ^es Lehrerbildungswesens und das Gesetz über die Aus­einandersetzung von Staat und Kirche zustande. Seit Januar 1925 widmete sich Dr. Boelitz den kulturpolitischem Ausgaben seiner Partei. Seinem in zweiter Auflage er- schienenen Buch über den Aufbau des deutschen BildungS- Wesens hat er jüngst die Schrift folgen lassenDer Cha- ratter der höheren Schule".

Italiens neue Kolonialpolitik.

Mussolini in Tripolis.

Bei der Eröffnung eines Nationalkongresses für kolo­niale Landwirtschaft in Tripolis erklärte Mussolini, die italienische Regierung werde das Programm der kolonialen Entwicklung weiterführen. Italien habe Land nötig, das eS nutzbar machen müsse.

Bei einer Parade des 17. Bataillons wurde Musso- lini von den Soldaten zum Zeichen kriegerischen Triumphes zweimal auf die Schultern gehoben. Danach besuchte Mussolini die Kathedrale und empfing den Bischof von Tripolis sowie den auf der Durchreise befindlichen Erzbischof von Genua. Er stattete auch dem reich beflaggten Judenviertel einen Besuch ab, dessen Ein­wohner ihn in der festlich beleuchteten Synagoge be-

Nach einem Empfang der Spitzen der Behörden von Tripolis hat Mussolini an Bord des KreuzersCavour" die Rückreise nach Italien angetreten.

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Eine Abteilung italienischer Truppen ist an Bord des TransportdampfersAlcssandretta" unter dem Schutz des KreuzersCampagna" von Mogadischu (Jtalienisch- Süd-Somaliland) abgegangen und im Gebiet von Nogal (nördliche Zone des italienischen Somalilandes) gelandet, um dort die unmittelbare italienische Herrschaft herzustellen.

Feststellungen im Femeausschuß.

Der Putsch von K ü st r i n.

Das Darlehen her Arbeitgeberverbände.

Im Fcmeausschuß des Preußischen Landtages tarnen amtliche Ermittlungen zur Vorgeschichte des Küstriner Putsches im Jahre 1923 zur Sprache, in den der Abgeordnete Jahnke verwickelt gewesen sein soll. Danach ist festgestellt worden, daß Jahnke, der damals noch nicht Abgeordneter war, mit Major Buchrucker, d-m Leiter des KüstrinerPutsches, in Verbindung gestanden hat und daß er auch mit den Ab­geordneten Behrens, v. Gräfe und Oberleutnant Schulz mehr­fach Besprechungen gehabt hat. Jahnke ist von den Reichs- fieKen

im Riihrtampf in leitenden Stellen beschäftigt worden. Weiter stellte der Ausschuß fest, daß Oberleutnant Schulz im Jahre 1924 von dem Vorsitzenden des Zentralder,