Zul-aer Anzeiger
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Tageblatt für Rhöu und Vogelsberg
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Nr. 91 — 1926
Fulda, Samstag, 24. Apru
3. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Der deutsche Aubeuhauvel hat sich im Monat März derart gehoben, daß die Ausfuhr einen liberschutz von 27« Millionen Mark gegen die Einfuhr cigab. Jai Februar betrug der Überschuh 121, im Januar 88 Millionen.
* Niu Montag, 26. April, vollendet sich ein Jahr, seitdem Generaifeldruarschall von-'Hindenburg das Amt deS Reichs Präscheulen inne hat.
* In den Verhandlungen des Reichskanzlers mit den Rc- glttungsparleien und der preußischen Regierung über die Fürstenabsindiing wurde noch kein Resultat erzielt, doch soll Aussicht aus Verständigung bestehen.
*.Jm Zomalilaud soll es zu heftigen Kämpfen gekommen sein, bei denen die Italiener schwere Verluste erlitten.
Ein Jahr Reichspräsident.
Hindenburg vom 26. April 1 925 bis heute.
Man kann ganz schlicht, ganz ruhig und sachlich bleiben, wenen es gilt, der ersten Wiederkehr des Tages zu gedenken, an dem des deutschen Volkes Stimme den Heerführer des Weltkrieges an die Spitze des Reiches berief. Gelassen, in aller seiner menschlichen und dienstlichen Würde, hat Hin- v e ti b II r g in vielem erste« ^abre «eines Amtes gewaltet, nicht achtend der übertriebenen Lobhudeleien aus der einen, der zuweilen noch recht deutlichen Sprache früherer Gegner aus der anderen Seite. Er ist den Weg des Rechts und der Gerechtigkeit. der Milde und der Weisheit gegangen und bat mit großem Taktgefühl stets die rechte Mitte zu halten verstanden zwischen den Überlieferungen einer ihm teuren Zeit und den so sehr veränderten An- sorderungen unb Anschauungen der Gegenwart. Er wird, je länger er die höchste Würde des Reiches repräsentiert, um so besser vom Volke verstanden werden.
Freilich, das Amt, das er zu verwalten hat, ist eine Wirkungsstätte der Entsagung. Das hat sein Vorgänger, der erste Präsident der Deutschen Republik, ein Mann von lebhaftem Temperament und reich bewegter politischer Vergangenheit, noch verhältnismäßig jung an Jadreu, gewiß oft genug bitter schwer empfunden. Aber er hat sich, nicht nur durch seinen Eid. auch durch Einsicht und Verstand vor allen Versuchungen gefeit, gewissenhaft an die Grenzen der von ihm selbst mitgeschafsenen Verfassung gehalten und hat in sturmbewegten Tagen die Einheit des Reiches gewahrt. Hindenburg hat, bevor er sich dazu entschloß, die ihm angebotene Präsident- schaftskandidatur anzunehmen, keinen Zweifel darüber gelassen, daß er sich weder von ungezügelter Tatenlust noch gar von irgendwelchem politischen Ehrgeiz beseelt fühle. Er wollte dem Vatertand ein neues, vielleicht das größte Opfer darbringen, indem er nun auch noch seinen Lebensabend hingab, obwohl er das biblische Alter bereits überschritten hatte, und indem er, ein Monarchist ohne Tadel, aus der Hand des neuen Staates ein Amt übernahm, das ihn zu ganz besonderer republikanischer Pflichtentfaltung nötigte. Hindenburg wollte dem Deutschen Volk ein Beispiel geben, ein Beispiel Der Einigung, der Treue, der Versöhnung. Der Erfolg hat gezeigt, daß dieser Wille nicht umsonst über uns gewaltet hat.
Wenigstens nicht ganz umsonst. Von wenigen, poli- tisch nicht ins Gewicht fallenden Ausnahmen abgesehen, ist Der zweite Reichspräsident von allen Seiten stets mit dem Respekt behandelt worden, der ihm seinen Verdiensten wie seiner heutigen Stellung nach gebührt, und wo er auch hingekommen ist in Deutschland während dieses Jahres, nach Leipzig, nach München, nach Köln, überall war er der Mittelpunkt begeisterter Stimmungen, herzerhebender Kundgebungen. Wenn es in der inneren Politik auch unter Hindenburg Konflikte mancher Art gegeben hat, an ihm hat es gewiß nicht gelegen, daß sie unvermeidlich wurden. Nur in einem einzigen Fall hat er als Reichspräsident gegen Beschlüsse der übrigen verfassungsmäßigen Faktoren unserer Gesetzgebung Einspruch erheben müssen. Die neuen Strafbestimmungen gegen den Zweikamps in der Reichswehr mußten einer Revision unterzogen werden, Da sie, so Ivie sie aus den Beratungen Des Reichstages hervorgegangen waren, die Unterschrift Des Reichspräsidenten nicht fan- .”•. Dabei standen ihm selbstverständlich verfassungsmäßige Ermächtigungen zur Seite, gegen deren Anwen-
diesem Falle auch nicht die geringste Beschwerde möglich war. In der auswärtigen Politik dagegen ist Hindenburg den L o c a r n o w e g , der schon beschritten nar, alv er sein Amt übernahm, bis nach Genf mitge- gangen, obwohl gewiß auch hier Bedenken nicht feril- «E^Ms^.r Frage ganz besonders hat Hinden- E e1 einen beruhigenden Einfluß geübt, zum Ouf Ton und Masse der Opposition, die ge- wurde — und das will in dem zerklüfteten Deutsch- land von heute immerhin schon etwas besagen.
dankt am heutigen Tage seinem " Reichspräsidenten von ganzem Herzen für die rer tn Lesern Jahre dem Vaterlande gebracht hat. Uüser aller Ausgabe bleibt es, uns l lnes Vorbildes wert und würdiq zu er- wer se n I Dr. Sv.
Kurzer Urlaub des Reichspräsidenten.
Reichspräsident von Hindenburg hat sich für w u»d Dienstag zum Besuch seiner Nichte, aus Semer Exzellenz Generalleutnants von Waldow. N p walde, Kreis Oststernberg in der Neumark, äugt'' Kr elckt "er Anto über Küstriu, Sonneburg mit off .Je^ Der Präsident hat gebeten von alle» ^«Vh. < ^ Abstand zu nehmen, da er nm<n mist- ' J " ^ in ländlicher Sülle per Neumark verbringen
240 Millionen Einfuhrüberschuß.
Der deutsche Export im Steigen.
Verdoppelter A u s fuhr ü b c r s ch u ß i m M ä r z.
Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamts hat der deutsche Außenhandel im Mount März einen Ausfuhrüberschuß von 240 Millionen Reichsmark aufzuweiscu. Im reinen Warenverkehr ist die Außenhandelsbilanz im Monat März mit 278 Millionen aktiv gegen 121 Millionen im Februar und 88 Millionen im Januar dieses Jahres. Von besonderer Bedeutung ist die Tatsache, daß sich bei einem Rückgang der Einfuhr an Fertigfabrikaten um rund 11 Millionen die Ausfuhr fertiger Produkte um rund 122 Millionen gehoben hat. Daran sind beteiligt die Tcxtilfcrtigwareri mit 32,4 Millionen, Eiscuwareu mit 18,8 Millionen und Maschinen mt 12,3 Millionen. Ferner weisen alle anderen Gegenstände, vor allem Farben, Papier, Kupserwaren, Leder, Schuhwerk, sowie Glas und Glaswnren eine erhöhte Audsuhrzisfer aus. Die Einfuhr an L e b e n s m i t t e l n und Getränken weist im März gegenüber dem Vormonat ein^ Abnahme um 7 Millionen auf. Zurückgegangen ist unter anderm die Einfuhr an Weizen, Fischen, Kaffee, Fleisch und Obst. Zunahmen zeigen dagegen Butter, Südfrüchte und Käse.
Dr. Luthers Gmtzungsverhan-iungen.
Das E u t g e g e ii f o m in e n f ü r Preuße n.
Die Besprechungen, Die Reichskanzler Dr. Luther nach den aufWenerrcgendcn Vorgängen im Rechtsaus- schuß des Reichstages mit den Regierungsparteien ausgenommen hat, um einen Ausweg aus der Krise zu finden, sind am Freitag fortgesetzt worden, nachdem sie am vorhergehenden Tage ergebnislos abgebrochen werden mußten. Au diefeg Besprechungen nahmen auch der preußische Mi- iMcrpräfidenr B r n u u / Der preußische Fiiianzminister Dr. H ö p k e r - A s ch o f f sowie Reichsfustizminister Marx teil. Die Besprechungen waren zwar streng geheim, doch verlautet in politischen Kreisen, Daß eine Einigung mit Preuße n wegen Des Fürstenkom- promißenNvurses erzielt worven ist. Diese Einigung soll im wesentlichen auf folgenden Gunsten beruhen:
Die Herrschaft Schwedt Wildendruch verbleibt dem Hohcnzollrrnhaus. Dem Staate Preußen werden die Museen usw. entschädigungslos zugesprochen. Der Preußische Staat erhält ein Rüükaufsrecht auf diejenigen Güter, die das Hohenzollernhaus, wie z. B. Rominten, Springe usw., früher einmal billig erworben hat. Bei der WiedcrausrvUiing von Einzeturteilen soll nicht mehr eine Zweidrittelmehrheit des Sondergerichts, sondern nur noch eine einfache Mehrheit, also fünf statt sechs Stimmen, notwendig sei».
Von den Regierungsparteien sind außerdeni Verhandlungen mit den Teutschnationalen und den Sozialdemokraten ausgenommen worden, um neue Grundlagen für Die Verhandlungen im Rechtsausschuß zu suchen. Die für Freitag nachmittag an gefeilte Sitzung des Ausschusses mußte abgesagt werden, da Die Verhandlungen bis zu diesem Zeitpunkt noch in err Schwebe waren. Statt dessen trat Der Ausschuß in den Abendstunden zusammen, um Aber den weiteren Geschäftsgang und die weitere BehanD-- Lung des Kompromißentivarfes zu beraten. Jedeufalls sah man in politischen Kreisen die Lage am Freitag bedeutend günstiger au als am Tage zuvor, so daß von Üner Regierungs- ober einer Reichstagskrise nicht mehr die Rede wär.
Frankreichs auswärtige Politik.
Erklärungen Briands in der Französischen Kammer.
Bei der Kammerberatung über das Budget der auswärtigen Angelegenheiten sagte Ministerpräsident Briand in Beantwortung der Ausführungen eines sozialistischen Abgeordneten, er hoffe, daß die Angelegenheit Der um garischen Banknotenfälschungen von den ungarischen Behörden in befriedigender Weise geahndet werde, anderenfalls Frankreich die Angelegenheit einem internationalen Schiedsgericht unterbreiten würde.
' Auf Die französische Politik gegenüber Italien ein- gehend, betonte er, daß Frankreich Die besten Beziehungen • mit Italien unterhalte, und nicht den Fehler begehen werde, anderen Völkern über die Art, Ivie sie sich regieren müßten, Vorschriften zu mache«. Zwischen Italien und Frankreich gebe es keine unüberwindlichen Interessengegensätze. Briand schloß mit der Erklärung, daß er an die Möglichkeit der Zusammenarbeit zwischen Frankreick und Italien auch in Der Zukunft glaube.
Hierauf interpellierte der sozialistische Abgeordnet« Spinassc über den Verlauf der letzten Völkerbund t a g u u g, die allgemeine Enttäuschung und zuin Teil sogar Befürchtuugen hcrvvrgernfen habe. Briand erwiderte: Ich bin sicher, daß die Volkerbundversamm- lung im September zu der gewünschten Lösung führen wird. Der Geist der Gleichheit im Völkerbund mach« täglich Fortschritte. Bon feiten Frankreichs wird er auf keine Schwierigkeiten stoßen. Die Ereignisse können sein Vertrauen in den Völkerbund nicht erschüttern, sie find vielmehr genügend, es zu stärken. Die letzte Bölkerbund- taanna hat diese Ereignisse im Geiste der Solidarität behandelt und das Voll, das vorläufig noch vom Völker
In Berliner Großbankkreisen wird die Besserung des Deutschen Außenhandels als ein erfreuliche sc Sympto tn zur Besserung der wirtschaftlichen Lage qc» ivertet. Dieser Erfolg wird auf die billigere Preisstellung ■ler deutschen Industrie und des deutschen Exporthandels zurückgeführt, die unbedingt notwenviG waren, damit Deutschland aus dem Weltmarkt Der KoukLrrenz gegenüber wieder mit Erfolg arbeiten kann. Ivi eigentlichen Exporthandel ist man allerdings etwas zurückhaltender mit Dem Optimismus. Das Anwachsen Des deutschen Exportes im März wird vor allem auf die auf der Leipziger Frühjahrsmesse getätigten Abschlüsse zurückgeführt. Im übrigen wird in diesen Kreisen darauf hingewicsen, daß das Ausland vielfad) Ankäufe bei Nol- und Ausverkäufen notleidender Industrien in Deutsch-« laud vorgenommen hat.
Wie dem auch sei, es ist erfreulich, sestzustellen, das; Deutschland, wenn auch langsam, auf dem Weltmarkt wieder konkurrenzsähig ivird, und daß cs ihm in zäher Arbeit gelingt, Die durch Krieg nud Inflation zusaimnen-i gebrochene Wirtschaft fntdiueifc wieder aufzubauen. Sollte« Dieser Aufschwung weitergehen, so wird sich dies auch bald, aus dem A r b c i t s in a r k t aüswirken, und die vielen Taujenee, die jetzt vergeblich Arbeit und Brot suchen^ werden wieder einer ständigen Beschäftigung zugeführt« werden können.
bund feriigcholten worden ist, hat sich von ihm nicht enll stritt. Diese beiden Taisachcu sind geeignet, VertraueK zum Völkerbund cinzuflößeu.
Zur Marokkosrage erklärte Briand: Frankreichs Ziel sei Der Friede, und zwar ohne irgendeinen W u n i dt v. a ch E r o b e runge n. Die Verhaiidlungev ifiit Den Riflevten seien eingcleitet worden. Der Kries iiVibe diese unter Das Joch Abd-el-Krims gebracht. Dst Etauzösiscl-e Regierung habe nicht das Recht, ihren Wunsckj uttpeachret zu taffen, ihre Freiheit wieder zu erhaltet«.
Vefihrânkung des VolkseilWeideS.
S p a r e r b u n v u u d A u f w e r 1 u n g s f r a g e.
Der von der Reichsregirrung angekündigte Entwurf eines zweiten Gesetzes über den Volksentscheid, zu dem der von dein Sparerbund und der Reichsarbeitsgemeinschajt »er AufweriungsgefchüDigten- und Mieterorganisation K plante Bolksentjchkid über eine neue Aufwertung Anstoß gegeben hat, ist seht der Öffentlichkeit mitgeteiit worden. Der Artikel I dieses Gesetzes sieht vor, daß als Gesetz ifn Sinuc des Gesetzes über den Volksentscheid auch alle fragen gelten sollen, die die Folgen der G e l d c n t - W£ 11 u n g regeln. Der Artikel li bestimmt, daß über ein Gesetz zur Änderung oder Aushebung dieses Gesetzes n u r der Reichspräsident einen Volksentscheid öccntüajfen kann. Der Artikel Hl bestimmt, daß das Gesell mit dem aus die Verkündigung folgende«« Tag in Kraft treten soll. Diesem Gesetzentwurf ist eine ausführliche Begründung beigegeben, die alle die Argumente enthält, die bevefts die erste amtliche Regierungserklärung in dieser Angelegenheit brachte. Ausdrücklich wird bemerkt, daß das vorgeschlngeuc Gesetz auf die Regelung der A u s- einanberfeitung der Länder mit den ehemals regierenden Fürstenhäusern und damit auch auf den bereitet laufenden Volksentscheid keine Anwendung« finden kann.
Der Sparerbund iveubet sich mit einer Zuschrift an die Öffentlichkeit, in dem er bestreitet, Daß das von ihm gewünschte Aufwertungsvolksbegehren Den Haushaltsplan oder Die Abgabengesetze betrifft, wie dies von her; Reichsregierung behauptet wird. Der Sparerbund bc-i streitet auch entschieden, daß Kreditwirtschaft und Wäy-. rung durch, das Volksbegehren erschüttert würden. Im Gegenteil würde Die Kaufkraft der Massen gesteigert und insbesondere Die Kaufkraft der Sparer und Gläubigen gehoben werden. Ebenso erscheine es bedenklich, die P e r- f o n d e s Reichspräsidenten erneut in den Kampf hineiuzuziehen, was Durch den Regierungsentwurf un- weigerlid) geschehen würde.
Gin tükkisch-NifWes Militärbündnis.
250 000 Mann in der Türkei mobilisiert.
Nach Meldungen der „Chicago Tribune" aus Kon-> stnntinoprl sollen die militärischen Vorbereitungen der! Türkei sehr viel umfassender sein, als man bisher ange- nomuien habe. Die Gesamtzahl der mobilisierten Truppen soll 250 000 Mann betragen. Wie der Korrespondent der „Chicago Tribune" weiter berichtet, soll sich die Angora regierung darüber klar geworden sein, daß nur der Ver-i zicht auf Mossul und auf die ölgcbiete in dieser Gegend einen gemeinsame» italienisch-griechischen Angriff auf die Türkei verhindern könne. In politischen Kreisen! Angoras fei man sich aber über einen Verzicht auf Mossul keineswegs einig. In militärischen Kreisen sei man ent schieden gegen alle Zugeständnisse in der Mossulfrage.
Der Korrespondent will ferner wissen, daß die russische Regierung Der Angoraregierung vorgeschlagen habe, sich als unabhängiges Mitglied mit der Sowjetrepublik zu vereinigen, wofür Moskau ein M'i litärb ü u d - n i s in i t D c r T ü r k e - schließen und die türkischen Trup-; pen mit M Million und Kricasmaicrial im Kriegsfalle