M-aer Mzeiger
Erscheint jeden Werktag ❖ Bef Lkeferungsbe- Hinderungen durch höhere Gewalt", Streiks, Missperrungen, Bahnsperre usw.erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche -- Rotationsdruck und Verlag: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach, Hessen, MtglieoüesvereinsDeutfcherZeitungsverleger. Postscheck-Konto: Frankfurt am Main Nr. 5585.
Nr. 99 — 1926 («seHiMfflaMHKaBMfBEMBsseHHWMeee^
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zul-a- und Haunetal ♦ Zul-aer Kreisblatt
Re-aktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 ♦ Zernsprech-^nschluß Nr. 989
Nachdruck der mit * versehenen Mikel nur mit istuellenangabe.Zulüaer flnzeiger'geslattet.
Fulda, Dienstag, 4. Mai
Tingesgenpreie: Für BehSrden, GeasAensihaf- ten,Banken usw. beträgt die Kieinzetie 0.30Mk., für auswärtige Rustraggeb« 0.25 Mk^für -ie Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark <0- Bei Rechnung-stet» lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfolgen * Tag- und platzvvrßhrksten unverbindlich.
3. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Reichspräsident von Hindenburg empfing eine Abordnung der Mitglieder der Vereinigung amerikanischer Hotelsachleute. Der Reichspräsident betonte dabei, der Besuch der Amerikaner in Deutschland möge zur Stärkung der freundlichen Beziehungen zwischen den beiden Völkern dienen.
* Die Vorlage der Reichsregierung über die Fürstenabfindung ist fertiggestellt worden und zunächst an den Reichsrat gegangen.
* Der deutsche Botschafter in Paris, Dr. von Hösch, ist in Berlin eingetrossen, um mit den Reichskabinett über die Angelegenheiten des Völkerbundrates zu konferieren.
* In England hat sich der Zwist mit den Bergarbeitern zu der Gefahr eines Generalstreiks ausgewachsen, der von den Gewerkschaften ausgerufen wurde. Die Regierung bemüht sich, den Generalstreik nicht zum Ausbruch kommen zu lassen.
* Ani 10. Mai tritt in Genf die Kommission zur Besprechung über die Änderung des Völkerbundrates zusammen.
Wird das Handwerk überflüssig?
Aus Sandwerkskreisen wird uns geschrieben:
Eines der Schlagworte, die man in letzter Zeit häufiger hört, ist das von der Amerikanisierung der Wirtschaft. Geheimrat Deutsch von der A. E. G. hat kürzlich gesagt, für die Zukunft müsse dem Handwerk ausschließlich als Reparatur- und Flickwerkstätten Berechtigung zugesprochen werden. Die deutsche Wirtschaft hatte vor dem Kriege einen Aufschwung genommen, der, wenn man Amerikas Reichtum an Rohmaterial, Menschen und Exportmöglichkeiten berücksichtigt, dessen Entwicklung fast überflügelte. Der Aufschwung basierte auf der deutschen Qualitätsarbeit, die, völlig verschieden von der amerikanischen Einheitsware, in erster Linie durch individuelle Ansprüche und deren Befriedigung durch individuelle A r b e i t entstanden ist. Hieran hat aber das Handwerk einen sehr beachtlichen Anteil. Dieser Anteil ist so groß, daß er sich auch durch die zahlreichen und iiesgreisenoeu Hinderungen im Laufe der Kriegs- und Jnflationsjahrc nicht ausschalten ließ, denn noch immer hat sich der Tischler, der Schneider und andere Berufe einen regen Anteil an der Produktion zu sichern gewußt. Wer heute noch Wert auf geschmackvolle Umgebung — Wohnung, Kleidung — legt, läßt sich Möbel, Kleider und möglichst viel von den Kleinigkeiten des täglichen Lebens nach seinen persönlichen Ansprüchen und Geschmacksrichtungen anfertigen. Wo dies nicht möglich ist, entsteht leicht Kitsch, auf jeden Fall uniforme Massen wäre, weil die Massenherstellung in ihrer Produktion von ganz anderen Voraussetzungen ausgehen muß wie der Handwerker. Der deutsche Markt — wie der europäische überhaupt — wird sich nicht mit der Einheitsware abfinden lassen, wie es beim amerikanischen Markt der Fall ist. Weder vom kulturellen noch vom geschmacklichen Standpunkte aus ist eine Uniformierung er« wünscht, wie sie sich in Amerika als Folge der Ausschaltung der handwerklichen Produktion herausgebildet hat. Es wird immer wieder verkannt, daß Amerika durch die gewaltigen Kriegsgewinne und die ungehinderte Aus-- Nutzung des Weltmarktes in der Kriegs- und Nachkriegszeit seine wirtschaftliche Vormacht begründete und dadurch die Mittel errang, die Herstellungsmethoden zu verfeinern, aber auch den Geschmack zu mechanisiere n. yiuct) in Amerika wird der Mangel an handwerklicher Produktion bitter empfunden und der amerikanische Käufer schätzt die größere Auswahl und das bessere Eingehen auf die Wünsche und Bedürfnisse des Konsumenten in Europa als Vorteil.
Die gesellschaftliche Wichtigkeit des Mittel- st a n d e s , insbesondere des Handwerks in der Bedeutung für den Staat und das Bürgertum ist so bekannt, daß hierauf nur hingewiesen zu werden braucht. Eine zufriedene, arbeitswillige und auch selbstbewußte Mittelschicht zu erhalten sollte stets Sorge der Leiter in Regierung und Wirtschaft sein. Gerade das Handwerk hat sich darin hervorgetan, daß es in der Zeit der äußersten Verwirrung und Arbeitsunlust die volle Produktions- sühigkeit entwickelte und sich dessen wohl bewußt blieb, daß das eigene Wohl von dem des Volksganzen abhängt.
Von besonderem Werte sind aber die Verdienste des Handwerks bei der Ausbildung des Nachwuchses. Wie das Handwerk sich Institute zur Verbesserung der Betriebsvorgänge und technischer und geschmacklicher Ausbildung seiner Glieder geschaffen hat, haben besonders in letzter Zeit energische und erfolgversprechende Bestrebungen zur Ausbildung des Nachwuchses eingesetzt. Der Kleinbetrieb, der die Lehrlinge und Ge- setleu in einer bei der Industrie unmöglichen Vielseitigkeit ausbildet, verschafft ihnen damit eine ganz genaue Kenntnis des Materials, die dem handwerklich vorgebildeten Facharbeiter besonders in den höher entwickelten Industrien vor dem N u r dort ausgebildeten Facharbeiter einen Vorsprung gewährt. Auch hier würde der Fortfall der Handwerksbetriebe oder ihre Beschränkung auf bloße Reparaturarbeiten einen Ausfall bedeuten, der^sich äußerst nachteilig auswirken würde. O. I. S.
Die Frage der Raisumbildung.
Der Zusammentritt der Genfer Studienkommission.
Zu der am 10. Mai beginnenden Tagung des Prüfungsausschusses für die Umbildung des Völkerbund- als Vertreter Deutschlands der Pariser Botschafter von Hoesch teilnehmen wirb, werden England, Italien uub Belgien außer ihren yoiitiKuen Delegierten auch die Rechtssachverständiacn
Generalstreik in England.
London, 3. Mai. (Wâ) Das Unterhaus hat sich vertagt. Alle Verhandlungen sind gescheitert. Der Generalstreik beginnt um Mitternacht.
Gegenmaßnahmen der englischen Regierung.
Die englische Regierung hatte angesichts der General- sireikdrohung der Gewerkschaften die Arbeiterführer nochmals zur Beratung zu sich gebeten, um den Streik, der für das englische Wirtschaftsleben von katastrophalen Folgen sein kann, nach Möglichkeit zu vermeiden. Die Verhandlungen sind indessen nach mehrstündiger Dauer ergeb- nisl 0 s abgebrochen worden, nachdem die Regierung von den Gewerkschaftsführern die Zurückziehung der Generalstreikparole sowie die Verurteilung eines Presse- eingriffes durch die Buchdrucker in der Redaktion der „Daily Mail" gefordert hatte, was indessen von den Gewerkschaften abgelehnt wurde. Wenn nicht im letzten Augenblick ein Wunder geschieht, beginnt also in England am Dienstag früh der Generalstreik. Von diesem Streik würden etwa 1*4 Millionen Arbeiter des Transport- gewerbes und der damit zusammenhängenden Betriebe betroffen werben.
In einer Proklamation an die Bevölkerung ersucht die Regierung, die Ruhe zu bewahren. Weiter wird in dieser Kundgebung betont, hast die Regierung alle Schritte unternommen hat. nm bei Beginn des Generalstreiks die Zufuhr von Nahrung, Feuerung, Licht und Elektrizität zu sichern und alle Personen zu schützen, die sich in den Dienst der Aufrechterhaltung des Gesetzes unb der Ordnung stellen. Es wird weiter versichert, daß die Gefahr des Eintretens von Nahruugsmittelnot nicht besteht. Allerdings soll der Verbrauch von Kohlen stark rationiert werden. An zahlreichen Stellen des Landes sind R e k r u t i e r n n g S ä m t e r für die Technische Nothit sc etuMrichtet werbe«, die bereits einen großen Erfolg aufznweifeu haben, da sich viele tausende Bürger ihnen zur Verfügung gestellt haben. Auch das königliche Luftgeschwader wird i» den Kampf gegen den Generalstreik eingesetzt werde«, um zum Transport von Truppen und der Poft verwandt zu werden. Die S t i m in n 11 a in London ist sehr erregt.
entsenden, die im Sommer 1925 in London zusammen mit dem deutschen Rechtssachverständigen, Ministerialdirektor Gauß, die juristischen Vorarbeiten für den Rheinpatt geleistet haben. Die politischen Vertreter der genannten vier Staaten sind Paul Boncour, Lord Robert Cecil, Scialoja und de Brouckere.
Wie weiter gemeldet wird, soll in einer Fühlungnahme unter den Mächten als Basis für die Verhandlungen der Stndienkommiffion ein dahingehender Vorschlag formuliert worden sein, daß der Bölkerbundrat vergrößert und drei Kategorien von Ratsitzen geschaffen werden sollen, und zwar:
1. Ständige Sitze, die ausschließlich den Großmächten vorbehalten bleiben. Das würd: bedeuten, daß in der Septembertagung nur Deutschland einen neuen stündigen Sitz erhält. Die Zahl der ständigen Sitze konnte nur erhöht werden, wenn etwa die Vereinigten Staaten oder die ruffische Sowjetunion Mitglieder des Völkerbundes werden sollen.
2. Halbstündige Sitze, die zunächst für die Dauer von sechs Jahren vergeben werden, mit beut Recht der Wiederwahl dieser Ratmitglieder nach Ablauf der sechsjährigen Frist. Bei der Einrichtung dieser halb- ständigen Sitze ist in der Hauptsache an Spanien, Polen, Brasilien und die Kleine Entente gedacht.
3. Nichtständige Sitze, die auf die Dauer von drei Jahren vergeben werben. Nach Ablauf der Frist bleibt eine Wiederwahl derselben Inhaber der nichtständigen Sitze ausgeschlossen.
Außer der Organisation des Völkerbundrats dürfte auch die Frage der Einstimmigkeit eine wichtige Rolle spielen. Es besteht besonders bei den Großmächten aus politischen Gründen keine Geneigtheit, mit beut Prinzip der Einstimmigkeit zu brechen.
Amerikanische Hoteliers bei Hindenburg.
Eine B e su ch s r e i s e durch Deutschland.
Auf einer Besuchsreise durch Deutschland sind etwa 300 amerikanische Hoteliers zu mehrtägigem Aufenthalt in Berlin eingetroffen, wo ihnen zu Ehren alle größeren Hotels Flaggenschmuck angelegt haben.
Reichspräsident von Hindenburg empfing eine Abordnung der Vereinigung der amerikanischen Hotelfachleute, die aus 10 Herren unter Führung des Vorsitzenden, Green, bestand und von dem Reichstagsabgeordneten Nolte eingeführt wurde. In der längeren Unterhaltung, die sich an die Vorstellung der Herren knüpfte, gab der Reichspräsident der Hoffnung Ausdruck, daß der Besuch der amerikanischen Hoteliers in Deutschland dazn beitragen möge, das Verständnis für- Deutschland zu erweitern und die guten Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu stärken. Die amerikanischen Herren sprachen dem Reichspräsidenten gegenüber ihre Dankbarkeit für den freundlichen Empfang aus, den sie an allen Orten Deutschlands gefunden haben; sie seien überzeugt, daß dieser Besuch wesentlich zur Festigung der freundschaftlichen ^Beziehnngen zwischen Deutschland und Amerika beitragen werde.
Enorme Menschenmengen, nie noch größer sein sollen alS' die am Abend vor der Kriegserklärung 1914, haben sich vor den Ministergebäuden ««gesammelt und erwartete neue Nachrichten über die Lage.
Ausruf des deutschen
Bergarberterverban-es.
Sympathietelegramm an die englischen Arbeiter.
Wie aus Essen gemeldet ivirb, hat der Alte Berg arbciterverband einen Aufruf erlassen, in dem er mitteilt,, daß er „getreu dem Brüsseler Beschluß den Transport von Kohlen nach Großbritannien verhindern wirb“. Er hat sich zu diesem Zweck bereits mit dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund und mit den anderen für diese Frage in Betracht kommenden Verbänden in Verbindung gesetzt und wird mit diesen die betreffenden Maßnahmen beraten. Der Bergarbeiterverband empfiehlt im Anschluß daran die Abwehr aller Versuche, ft der schichten rrufzunehmen, die zur Verstärkung der Arbeitslosigkeit im eigenen Lande und zur Verschlechterung der Lage der englischen Kameraden beitragen würde. In maßgebenden Bergbaukreisen Deutschlands wirb angenommen, daß die in diesem Verband organisierten Bergarbeiter allerdings gemäß den Beschlüssen der Brüsseler Konferenz die Lieferung von deutschen Kohlen nach England selbst ablehnen werden, während sie sich voraussichtlich wegen einer Belieferung der sogenannten bestrittenen Gebiete durch die Konfcrenzbeschlüffe von Brüssel nicht für gebunden halten werden. Das würde also bedeuten, daß alle die Gebiete mit Ausnahme des englischen Jnselreiches mit deutscher Kohle beliefert werden können, in denen die englische Kohle in Konkurrenz mit der deutschen steht.
Wie aus Heerlein berichtet wird, haben die holländischen Bergarbeiter ein Sympathietelegramm an den Englischen Bergarbeiterbund gesandt, in beut zum Ausdruck kommt, daß man den englischen Bergarbeitern die vollste Unterstützung in Übereinstimmung mit den von der Internationalen Gewerkschaftszentrale dem Holländischen Gewerkschaftsbnnd auferlegten Verpflicht tunaen aewäbreu wird.
Politische Rundschau.
Deutsches Reich
Das Enteignungsgesetz int Rechtsausschuß.
Die erste Sitzung des Rechtsausschusses des Reichstages, die sich mit der Frage der Fürstenabfindung befassen wird, ist auf Dienstag, den 4. Mai, einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht: „Enteignung der Fürsten- bermögen." Es wird in dieser Sitzung die Beratung des an den Rechtsausschutz verwiesenen Enteignungsgesetzes und der dazu vorliegenden Abänderungs- bzw. Zusatzanträge der Demokraten und des Zentrums beginnen. Die Vorlage der Reichsregierung ist unterdessen von Reichsminister Dr. Külz Unterzeichnet worden und an den Reichsrat gegangen. Die Vorlage bringt sachlich leine Änderungen gegenüber dem früheren Kompromißentwurf der Regierungsparteien.
Dr. von Hoeschs Berliner Besuch.
Der deutsche Botschafter in Paris, Dr. von Hoesch, ist in Berlin eingetroffen, um sich mit dem Reichskabinctt darüber schlüssig zu werden, welche Haltung er in der Studienkommission des Völkerbundes zur Frage der Umgestaltung des Rates zu beobachten hat. Diese Vereinbarungen werden in allgemeinem Rahmen gehalten sein, da genaue Richtlinien darüber vorher nicht festgelegt werden können.
Aus In- und Ausland.
Berlin. (Verlängerung der Anordnung über Kurzarbeiter- und Erwerbslosenfürsorge.) Der Reichsrat hat am 29. April 1926 dem Vorschläge bei Reichsregierung zugestimmt, die geltende Anordnung über Kurzarbeitersürforge bis zum 3. Juli 1926 zu verlängern. Die zurzeit geltenden Höchstsätze in der Er- werbslosenfürsorge werden bis zum 22. Mai 1926 verlängert werden.
Berlin. Auf einer Studienfahrt durch Deutschland zum Zwecke der Wiederaubahnung internationaler Pressebeziebuii- gen ist hier eine Vertretung dänischer Journalisten aus Kopenhagen eingetrossen.
Brüssel. Prinz Victor Napoleon Bonaparte ist hier im Alter von 64 Jahren verstorben. Er war ein Großneffe des Kaisers Napoleon I. Für die bonapartistischen Kreise Frankreichs galt der Verstorbene als der Anwärler auf den französischen Kaiscrthron. Diese Anwartschaft geht nunmehr auf seinen 12jährigen Sohn Louis über.
Die stärkste Lustmacht »er Wett.
EngIands Lnftstreitkräfte.
Der englische Minister für Luftfahrt, Hoare, wies in einer Rede darauf hin, daß Englands Luftstrettkraste, ob wohl sie der Zahl nach bei weitem uidjt bie ßr^Bte uov flotte der Welt darstcüen, doch die stärkste ^niftwacht tei Welt sind. Der Minister trat weiter für die S cy a ? f u u g von Reichsluftverkehrswegen ein. Er führte dazu ans: Auf solchen sachgemäß vorbereiteten Flugwegerc kann unsere Lüftftreitmackt rasch und sicher von einem