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Zul-aer ^n^ciget
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
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Nr. 116 — 1926
Fulva, Mittwoch, 26. Mai
3. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Die in zahlreichen Städten während der Pfingsttage veranstalteten Demonstrationen sind ohne große Störungen verlaufen.
* Vor dem Münchener Ostbahnhof fuhr ein Personenzug aus einen anderen aus. Der Zusammenprall war schrecklich. 33 Tote und 80 Verletzte wurden alsbald geborgen.
* Abd-el-Krim hat erneut um Einleitung von Friedens- Verhandlungen gebeten. Die französische Regierung verhält sich vorläufig ablehnend.
* Ein Ausbruch des Vulkans Tokatschi in Japan hatte furchtbare Folgen. Mehrere Tausend Personen werden vermißt, 200 sind in der entftaubenen Springflut ertrunken.
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Abd-el-Krims Ende.
Der Führer der Rifkabylen, Abd-el- Krim, hat infolge seiner verzweifelten iiiili- tärische» Lage ein neues Friedensge- such an den Generalresidenten von Marokko eingereicht, das dieser sofort der Regierung in Paris auf telegraphischem Wege zuge- stellt hat.
Nun scheint es zu Ende zu sein mit den; verzweifelten Kampf der Rifkabylen, scheinen die spanisch-französischen Verbündeten das Ziel, das sie mit gewaltigen Anstrengungen, mit ungeheuren militärischen und finanziellen Mitteln verfolgten, doch endlich erreicht zu haben. Die vor kurzem eingeleiteten Friedensverhandlungen waren an den Unter- loerfungsforderungen der Verbündeten gescheitert, waren auch wohl auf beiden Seiten nicht ernst gemeint, dienten nur als Vorwand, um Zeit zu neuen Rüstungen zu gewinnen.
Der $ampf um Marokko — was taucht nicht alles bei diesem Worte auf! England — dem es ja gar nicht „gehörte" — hatte sich 1904 als, uninteressiert an diesem Lande erklärt, um Frankreich aus Ägypten herauszumanö- vrieren, wo es bekanntlich 1899 bei F a s ch 0 d a fast zu einem schweren Konflikt gekommen war. Namen werden -nurfr"!11^ - Deteaiis und Eduard VJU, von England, die Algeciraskonferenz und der „Paniher"sprung von A g a bi r, als das wirkliche Aussehen der Welt sich blitzartig erhellte. Das Ringen der Spanier um ihre Einfluß- zone, das langsame, aber systematische Vorgehen der Franzosen von Osten und Süden her — das ist zu Ende, der Streit in und um Marokko nur noch eine Episode der Weltgeschichte. Frankreich vor allem ist es gelungen, nun den Schlußstein in das Gebäude seines nord- und mittelafrikanischen Kolonialreiches einzufügen.
Ein Kampf aber ist auch zu Ende, der eine Bedeutung weit über die Grenzen Marokkos hinaus hatte, denn die Wechselfälle dieses Krieges zwischen den Franzosen und den Anhängern des Islams fanden ein Echo in Ägypten und Syrien, in Arabien und in der Türkei, in Tunis und im Sudan. Daher ist nicht zuletzt die Energie zu erklären, mit der Frankreich alles daransetzte, dieses gefährlichen Brandes Herr zu werden. Irgendwelche Rücksichten völkerrechtlicher Art wurden dabei nicht genommen und wir Deutsche denken mit Trauer daran, daß dort unten viel, viel deutsches Blut dazu dienen mußte, ihn zu löschen, das Kolonialreich Frankreichs bauen zu helfen.
Noch vor einem Jahre reichte das Herrschaftsgebiet Abd-el-Krims bis vor die Tore Tetuans und Tangers, waren die Spanier auf die Besetzung der Küstenstädte zurückgeworfen. Roch vor einem Jahre standen die Kabylen in der französischen Zone dicht vor Fes, der Hauptstadt Marottos. Den Franzosen gehörten Neunzehntel des Landes und sie werden sich nun wohl auch sehr bald des südlichen Teiles des „Rifs" bemächtigen können. Der Sultan von Marokko ist ja längst in ihrer Gewalt, wird aber seine Puppenrolle weiterspielen dürfen.
Der Sieg Frankreichs wird sich auch finanziell auswirken, ganz abgesehen von den großen wirtschaftlichen Vorteilen, die ihm die jetzt möglich werdende Ausnutzung der Bodenschätze verschaffen wird, denn der Kampf in Marokko hat ungeheure Summen verschlungen, ist auch eine der Ursachen gewesen für die französische W ü h r u n g s m i s e r è. Und er war auch ein Stein inuerpolitischen Anstoßes, da die Linksregierungen sowohl Herriots wie Briands sich für ihre Marokkopolitik auf die französische Sozialdemokratie nicht stützen konnten, vielmehr immer die Zustimmung der Rechtsopposition einholen mussten.
Man wird also aufatmen in Frankreich und erklärlich ist der Jubel, mit dem Paris die Siegeskunde begrüßt. Denn auch iit Syrien scheinen die Dinge wunschgemäß zu verlaufen, der Widerstand der Drusen zu Ende zu gehen. Auch hier wirken eben Bombengeschwader und Giftgase als Methoden moderner französischer Kolonisierungs- Politik. Dem ist nun auch der letzte Widerstand erlegen. Mit Anteilnahme haben wir Deutsche diesen Kampf verfolgt und können voller Stolz sagen, daß wir, deren Kolonialpolitik durch den Versailler Vertrag mit Schmähungen belegt worden ist, doch ganz andere Methoden an- wandten. Mit Blut überströmt sind "die Wege, auf denen England, Frankreich und andere Staaten Kolonialmächte geworden stirb ; wir aber brauchen uns der Art nicht zu schämen, die wir in Afrika und in der Südsee befolgt haben.
Vedingungslose Unterwerfung gefordert.
Der französische Ministerrat, der sich mit dem neuen Friedensangebot Abd-el-Krims beschäftigte, faßte den Beschluß, den Gang der militärischen Operationen nicht zu ändern, da der Brief Abd-el-Krims keine Garantie enthalte und nicht genügend präzisiert sei.
Me Eisenbahnkatastrophe bei München.
Der Zugzusammenstoß in Schern.
33 Tote und 80 Schwerverletzte geborgen.
Am Montag abend gegen 11 Uhr ereignete sich in der Nähe Münchens ein schweres Eisenbahnunglück. Kurz vor dem Ostbahnhof überfuhr ein beschleunigter Personenzug das Einfahrtsignal und fuhr in größter Fahrt aus einen anderen Personenzug auf, so daß eine Reihe von Wagen in Trümmer ging. Der Salzburger Nachtzug, der von Salzburg—Rosenheim kam, fuhr anscheinend infolge überfahrens des Signals, wenige Kilometer vor dem Münchener Ostbahnhof, aus einen dort haltenden Per- souenzug, der aus Berchtesgaden nach München fuhr. Der größte Teil der Wagen des Berchtesgadener Zuges wurde über die Böschung hinabgeschleudert. Der Aufprall erfolgte mit großer Gewalt. Von dem Berchtesgadener Zuge wurden die letzten zwei Wagen vollständig zertrüni- mert, die übrigen Teile deS Zuges blieben so gut wie unbeschädigt. Vom Salzburger Zug wurde die Maschine weniger beschädigt, sie ist aber entgleist. Der als Schutz- wagen dienende Packwagen war nur ganz leicht beschädigt, wogegen die vier folgenden Vierter-Klafse-Wagen aus dem Gleise geworfen und stark ineinnndcrgeschoben waren. Viele Pasiagiere waren in schlimmster Lage ehr gezwängt.
Der amtliche Bericht.
Von der Eisenbahndirektion München wurde folgender amtlicher Bericht ausgegeben: Zug B 14 Rosenheim—München ist am Pfingstmontag abends 10,30 Uhr zwischen Berg am Laim und München (Ostbahnhof) auf den in der Einfahrt begriffenen Nachtzug 820 infolge überfahrens des auf Halt stehenden Blocksignals aufgefahren. Sofort wurden 24 T 0 t e u n d v i e l e S ch w e r- und Leichtverletzte sestgestellt. Genaue Zahlen und Namen der Toten und Verletzten lassen sich erst nach Be- ^ wgeoen. .
Nach einer spateren Mitteilung der Reichseisenbahngesellschaft sind 33 Tote und 80 Schwerverletzte ermittelt worden.
Auch die Panzer Blätter sind sag empimnug oer Meinung, daß jetzt keinerlei Friedensverhandlungen mehr mit Abd-el-Krim geführt werden. Abd-el-Krim habe sich jetzt nur noch zu unterwerfen, und zwar bedingungslos. Der „Malin" veröffentlicht eine Unterredung mit einer ungenannten, aber, wie er erklärt, offiziellen Persönlichkeit aus der höchsten Verwaltung in Marokko. Diese Persönlichkeit erklärt, daß alles, was seinerzeit aus der Friedenskonferenz in Ujdja besprochen sei, heute keinerlei Sinn mehr habe. Es bestehe ein Abgrund zwischen der damaligen und der heutigen Lage. Abd-el-Krim existiere jetzt nicht mehr. Die Feindseligkeiten mit den Rifkabylen könnten erst dann aufgehoben werden, wenn sie sich vollständig unterworfen hätten und wenn sich Abd-el-Krim persönlich den französischen Truppen ergebe.
Orieil im deutsch-poimschsn Streitfall SeirOberschlesien
Haag. Der internationale Gerichtshof hat in der Klage die von der deutschen Regierung gegen die polnische Regierunc wegen einer Reihe von de » tschen Ei g e n t u m 3 r e chier in Polnisch-Oberschlesien angestrengt worden war, seine Entscheidung befanntgegeben. in außerordentlich ausführlicher 100 Druckseiten langen Ausführungen ist der Gerichtshos zr dem Schluß gekommen, daß in den Hauptpunkten der deutschen Klage staltzugeben ist. Im ersten und zweiter Teil der Entscheidung wird ausgefühn, daß die Anwendung der Artikel 2 und 5 des polnischen Gesetzes vom 15. Juli 1921 auf deutsche Staatsangehörige und Gesellschaften in Polnisch- Oberschlesièn sowie die Haltung dèr polnischen Regierung gegenüber den Aktiengesellschaften Oberschlesische Stickstosf werke und Bayerische Stickstoffwerte im Widerspruch zu beut Artikel 6 und den folgenden Artikeln der Genfer Konvention stehen. Im dritten Teil der Entscheidung wird dargelegt, daß die von der polnischen Regierung bezüglich eiitei Reihe von ländlichen Domänen erlassenen Enteignungsnott- fikationen in fünf Fällen im Widerspruch zu den Artikeln < bis 22 der Genfer Konvention stehen, daß dagegen in vier Fällen wegen inzwischen erfolgter Zurückziehung der polnischen Notifikationen und demgemäß auch des deutschen Klageantrages die Klage gegenstandslos geworden sei.
Oie Schwierigkeiten der Abrüstung.
Eine neue Rede des Grafen Bernstorff.
Zu dem von Pauf-Boncour und Lord Robert Cecil im Redaktionskomitee gemeinsam eingebrachten Antrag, durch den dem Sölterbunbrat empfohlen wird, die Methoden und technischen Maßnahmen prüfen zu lassen, durch die die Hilfeleistung für einen angegriffenen Staat rasch ins Werk gesetzt werden könne, hat Deutschlands Vertreter, Graf Bernstorff, im Redaktionskomitee Stellung genommen.
Graf Bernstorff erklärte hierbei: Die vorgeschlagene Prüfung der Methoden, nach denen die Heilfeleistung für einen angegriffenen Staat rasch ins Werk gesetzt werden soll, dürfte meiner Ansicht nach nicht den gegenwärtigen Stand der Rüstungen zur Grundlage haben, der, wie wir alle hoffen, ein nur vorübergehender ist und der durch die Arbeiten gerade unserer Konferenz vereinbart und endgültig festgestellt werden soll. Die in Rede stehenden Untersuchungen werden vielmehr von einem Stande der Abrüstung auszugehen haben, wie er sich als Endergebnis unserer Arbeiten darstellen wird. Diese Abrüstung wird
Einzelheiten der Katastrophe.
Die auffallend große Zahl der Opfer, die das Eisest bahnnnglück im Münchener Ostbahnhof gefunden hat, ist darauf zurückzuführen, daß der erste Feiertag vollkommen verregnet war und das Wetter erst im Lause des zweiten Feiertags aufklarte, so daß sich dann um so größere Aus flüglermengen unterwegs befanden. Der Berchtesgadener Zug hatte sich schon in Bewegung gesetzt, als der Salz burger Zug mit einer Geschwindigkeit von 00 Kilometer:: die Stunde angefahren kam. Die Lokomotive fuhr mit furchtbarer Gewalt auf die letzten Wagen des Zuges auf. Sie bohrte sich in die beiden letzten Wagen des Sortier zuges ein; ihre Geschwindigkeit wurde im Bruchteil einer Minute aber so jäh gehemmt, daß auch die ersten zwei Wagen des Salzburger Zuges ineinaudcrgeschachielt tour den. Die Rettungsarbeiten begannen sofort, allerdings gestaltete sich die Bergung der Verletzten sehr schwierig. Stellenweise mußten mit Schweißapparaten die Eisenteile der verunglückten Wagen zerschmolzen werden, um zu den eingeklemmten Verletzten gelangen zu können.
Tie Stadt München hat Trauerbeflaggung sämtlicher Amtsgebäude ungeordnet, auch das Glockenspiel des Rathauses unterbleibt. Am Bcerviguugstage der Opfer sollen auch sämtliche Vergnügungsveranstaltungen unterbleiben. Ob die Toten in einem Masiengrabe auf Kosten der Stadt beigesetzt werden, steht noch nicht fest.
Beileid des Reichspräsidenten.
Der Reichspräsident hat anläßlich des schweren Eisenbahnunglücks im Münchener Ostbahnhof an die Zweigstelle der Reichsbahnverwaltung in München folgendes Telegramm gerichtet: „Ties erschüttert durch die Meldung über das große Unglück im Münchener Ostbahnhof bitte ich Sie, den Hinterbliebenen der so traurig ums Leben Gekomme nen den Ausdruck meines herzlichen Beileids und den Verletzten meine besten Wünsche für baldige Heilung zu übermitteln. gez. von Hindenburg, Reichspräsident."
so einzurichten sein, daß die Kraft keines einzigen Staates den im Völkerbund verfügbaren Kräften gleichkommen darf; jeder Staat wird soviel Rüstniigen ausrechterhalten müssen, daß die vereinigten Kräfte der Mitglieder des Völkerbundes die Ausführung der Beschlüsse desselben g c w ä h x l e i st c n. Die von dem französischen Vorschlag angeregten Maßnahmen würden lediglich vorläufige Ergebnisse zeitigen, die meiner Ansicht nach kaum geeignet sein würden, die endgültige Lösung, nämlich die allgemeine Abrüstung, zu beschleunigen.
Paul-Boncour erwiderte, daß die in dieser Erklärung des Grafen Bernstorff enthaltenen Thesen in den letzten Jahren wiederholt von Frankreich im Völkerbund vertreten worden sind und daß es zweifellos zweckmäßig wäre, schon heute «ach diesen Gedankengängen vorzugehen. Er glaube jedoch, daß man sich bei der heutigen Sachlage darauf beschränken müsse, eine provisorische Lösung zu suchen.
GlvKe pfiligstllmdgebmrgen im Reich
überall Massenbeteiligung und ruhiger Verlauf.
Während der Pfingstfeiertage sind in den verschiedenen Städten des Reiches Knndgebnngeu großer Verbände veranstaltet worden, die überall in größter Rube verliefen. In D ü s s e l d 0 r f und K ö l n hatte der S t a h l - h e l m feine Anhänger zu einem Massenaufgebot versammelt. Der Bundesführer, Seldte-Magdcburg, erklärte in feiner Kölner Ansprache, wenn der Stahlhelm in Köln eingerückt sei, so sei er nicht aufmarschiert als Truppe, souderu in dem Gedanken der Kameradschaft und in dem Wunsch, auf Kölner Boden dem Rheinland für die gehaltene Treue Dank zu sagen. „Wenn wir in dieser Art weiterarbeiten," so sagte er am Schluß, „wird es uns gelingen, Boden zu fassen und zu bekunden, was nationales Denken in Deutschland heißt." In Düsseldorf wurde ein Mitglied des Stahlhelms von Anhängern des Roten Frouttämpferbundes überfallen und am Kopf leicht verletzt.
Anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr des Tages vom Skagerrak veranstaltete an den beiden Pfingstfeicrtagcu der Aiarineverein Saarbrücken eine Toten- gedenkfeier. Adniiral Scheer und Vizeadmiral von Trotha waren erschienen, um an der Veranstaltung teil» zunehmen. Als die beiden mit dem Potir le merke geschmückten Männer ans der Bühne erschienen, erhoben sich wahre Beifallsstürme. Es dauerte geraume Zeit, bis Vizeadmiral von Trotha seine Ansprache beginnen konnte. In großen Zügen zeichnete er den Geist d e r alten Marine, die in einheitlicher Mampfgefcbloffcnbeit ihre Kraft für das Vaterland eingesetzt habe. In der Stunde des Kanipfes habe es auf diesen Schiffen keine Unterschiede mehr gegeben. Jeder Mann sei erfüllt gewesen von der Pflicht der Hingabe für Freiheit, Deutschtum und Vaterland.
In M ü n ch e 11 waren 'Ungehörige der alten österreichischen A r m e c mit ihren deutschen Kameraden versammelt. Den Höhepunkt der Veranstaltung bot ein Festzug, an dem die Österreicher in ihren alten Friedens- und Kriegsuniformen teilnahmen. Besonderes Aufsehen erregten die Tiroler Schützensormationeu, die mit ihren zerfetzten Fahnen erschienen waren. „