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Zul-aer Mzeiger

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Nr. 135 1926

Tageblatt Mr Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal Zulbaer Kreisblatt

Fulda, Donnerstag, 17. Sunt

3. Jahrgang

Die Regierungskrise in Frankreich.

Kabinett Vriand zmückgetreten.

Verschiebung der Londoner Reise Doumergues.

Dem Rücktritt des französischen Finanzministers Pâet folgte die G esa mtd emissi o n des Kabinetts Briand. Dieser spontane Rücktritt rief in politischen Streifen um so grössere Verwunderung hervor, als eS Briand gelungen war, die von der Linken der Kammer ge­wünschte Interpellation über die Frank- baisse zu vertagen. Präsident Doumergue hat die Demission Bri­ands angenommen und sofort die nötigen Schritte zur Neubil­dung der Negierung unternommen. Wie es heisst, wird Briand wieder betraut werden.

Echo de Paris" meldet, daß angesichts der Ministerkrise die geplante Reise des Präsidenten der Repu­blik, Doumergue, der sich am 22. Juni in Be­gleitung des Minister­präsidenten Briand nach London begeben

Wollte, aufgeschoben werde, denn das neue Kabinett werde nicht vor Sonnabend früh gebildet werden können.

Nach einer Meldung desQuotidien" soll das Mitglied des Finanzsachverständigenausschusses Professor Rist im Verlattfe einer Sitzung des Ausschusses mit Nachdruck er­klärt haben, daß angesichts der Devisei-Hausse die Bank von Frankreich die Pflicht habe, ihre Goldbestände zur Stützung des Franken e i n z u s e tz è n. Der Vize- gouverneur der Bank von Frankreich, Picard, habe seine Absicht angekündigt, aus dem Ausschuß auszutreten.

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Kommt pointarè wieder?

Man hat an der Berliner Börse am Dienstag für 100 Frank nur noch 11,75 Reichsmark bezahlt, so daß es vermutlich Wohl nicht mehr sehr lange dauern wird, bis die französische Währung auf ein Zehntel ihres Vorkriegs­wertes gesunken ist. Und am gleichen Tage mußten in Lon­don für ein Pfund Sterling nicht weniger wie 180 Frank bezahlt werden, wobei man sich auch dort mit dem weiteren Vinken der französischen Währung vertraut gemacht hat.

An die Stelle des bei der Rechten sehr unbeliebten Caillaux war bei der letzten Kabinettskrise in Frank­reich als Finanzminister P ö r e t getreten, der völlig scheiterte, so sehr, daß er seine Demission erklärte, nun aber zusammen mit dem stürzenden Frank auch das ganze Kabinett mit sich riß: Briand ist wieder einmal Zurückgetreten, aber man ist in Frankreich ganz all­gemein der Ansicht, daß nur Briand aus dem Chaos wieder herausführen kann, daß er also wieder Minister­präsident werden must. Allerdinas ist wobl aucb iebt die

ZoNbesprechungen berm Reichskanzler

Um die Gestaltung der Getreidezölle.

Zwischen Vertretern der Regierungsparteien, dem Reichskanzler, bem Reichsernährungsmimster und dein Reichslandwirtschastsnkinister fanden Besprechungen über eine Hinausschiebung der erhöhten G et r e i d e z oll« gefeite, die normalerweise am 1. September in Kraft trete» sollen, statt, ohne dass man schon zu endgu Ugen Beschlüssen kam. Ursprünglich waren in dem Zolltarif des vorigen Jahres die erhöhten Zollsätze, die letzt in Kraft treten sollen, eingesetzt worden, um sie bei den Handels­vertragsverhandlungen mit Getreidelaudern als Kampf E Wj" es^heât^ ist bei einigen Parteien der Wunsch laut geworden, die erhöhten Getreidezölle vorläufig noch nicht einzuführen. Vor allem verlangen die Sozialdemokraten, endgültig auf dieses Kampfmittel zu verzichten. Anderer­seits bestehen aber die Deutschnationalen darauf, daß zu dem vorgesehenen Termin der erhöhte Zollsatz besonders für Gerste eingeführt wird. Die Ver­handlungen werden fortgesetzt und werden in der nächsten Woche in ein entscheidendes Stadium treten.

Die Frage der Fürftenenteignuag.

Offener Brief der Answertungsgeschädigten an Hindenburg. Die Reichsarbeitsgemeinschaft der Aufwertungsgeschadigten- und Mieterorganisationen hat einen offenen Brief an den Reichspräsidenten von Hiiideilburg gerichtet, in dem u. a. gesagt wird, daß der Reichspräsident, wenn er die Fürsten- ruteignung verhindern wolle, logischerweise gleichzeitig ver- hindern müsse, daß ein kleiner Teil des Volkes weiter gesetz­licher Hehler am Eigentum der großen Volksmasse bleibt, die fiskalischen Willkürakte an privatem Eigentum aus Grund der erweiterten Abgeltungsverordnung und andere das Privat­eigentum verleugnende Ausnahmegesetze und Verordnungen fortgesetzt werden und das Volk samt dem Staate darüber zugrunde geht. Es bedarf'Jhrer (Hindenburgsi Willensäuße- Jtung in dieser Richtung vor dem 20. Fluni durch Ankündigung

Stunde gekommen, da das Wahlrèsultat.vom 11. Mai'1921, das der Linken einen Sieg verschaffte, sozusagen liquidiert wird, indem nun auch die Rechte, die damals geschlagen wurde, wieder herangezogen wird mitten in die Verant­wortung hinein. Man spricht von einem K o a l i t i o n s - ka bi nett, in dem Poincarè auftauchen soll, möglichst als Finanzminister, da Caillaux wenig Lust zum übernehmen dieses Ministerpostens zeigt.

Ganz besonders schlimm ist in Frankreich die Lage deswegen, weil man sich so überaus uneinig über das ist, was nun eigentlich geschehen soll, daß man vor lauter Streit und Überlegung zu gar nichts kommt. Man hat einen Sachverständigenausschuß eingesetzt, aber auch ihm geht es nicht anders. Nicht bloß über Einzelheiten zankt man sich mit einer fast grotesken Erbitterung, sondern vor allem über die Grundfrage: schärfstes staatliches Ein­greifen in den Geldverkehr und das Wirtschaftsleben oder völlige Freigabe des privatwirtschaftlichen Vorgehens. Die Stützungsaktion des Franken mit Hilfe der 100-Millio- nen-Dollarauleihe, die das Bankhaus Morgan schon vor zwei Jahren zur Verfügung stellte, schlug völlig fehl. Wenn der Sachverständigenausschuß vorgeschlagen hat, Die kurzfristigen Staatsanleihen mindesten 60 Milliar­den Frank, die bisher in der Hauptsache durch Nen- ausgabe von Banknoten oder Umtausch in neue Anleihen getilgt" wurden, nun zum gesetzlichen Zahlungsmittel zu machen, so dürfte auf diese Rieseninflation wohl rin weiterer und nur noch schnellerer Sturz des Franken «folgen. Ebenso gescheitert ist ja der Versuch, durch Um­tausch der Riesenmassen innerer Anleihen gegen eine neue goldwertige eine Nobilisiernug zu schaffen, weil man da­für offenbar nicht das notwendige Vertrauen aufbrachte. Briand hat durchaus nicht unrecht, wenn er zwar darauf hinweist, daß man in Italien, England und Belgien Frankverkäufe tätige, um die eigene Währung zu halten, daß aber auch in Frankreich selb st der Frank eifrig ver­kauft wird, weil die Franzosen das Vertrauen zu ihrer eigenen Währung verloren haben.

EinKabinett der nationalen Einheit", woran sich aber schon die Sozialisten unter Herriot wohl nur sehr zögernd beteiligen würden, ist ein Wort, das schnell aus­gesprochen, vielleicht auch verwirklicht werden kann, aber es muß doch auch einen praktischen Gedanken, ein Ziel und ein Programm haben. Briand soll eine Blankovoll­macht verlangen, offenbar etwa in der Art, wie sie ja bei Stabilisierung der deutschen Währung das Damalige Kabinett Marx im Ermächtigungsgesetz erhielt und aus­nutzte. Denn bei dem Durcheinander der in Frankreich besonders starken wirtschaftlichen Einflüsse, die sich nament­lich in der Deputiertenkammer betätigen, bei dem Macht­hunger mancher Parlamentsgrößen, die jede Schwierig­keit des Gegners benutzen, um sie aufzubauschen, in ent« stehende Lücken hineinzustoßen, die Krise nur noch zu ver­schärfen, wird selbst eine energische Hand es in Frankreich noch viel schwerer haben, durchgreisen zu können.

Wird Poincarö wirklich Finanzminkster, dann ist er wieder der mächtigste Mann in Frankreich, was wir Deutsche ja kaum sehr angenehm empfinden werden. Ein Interesse aber haben wir daran, daß jenseits des Rheins endlich Ordnung in der Währungsfrage geschaffen wird, weil sonst die wirtschaftliche Unruhe immer stärker über­hand nimmt.

einer entsprechenden Regierungsvorlage. Sonst rollt der rote Schicksalsfaden Deutschlands weiter."

*

Der Gewerberat Münchens gegen die Beteiligung am Volksentscheid. In einer Sitzung des Gewerberats München, bei der mehrere Vorsitzeilde der Landesfachverbünde Bayerns anwesend waren, wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, daß für jeden Handwerker und Gewerbetreibenden am 20. Juni die Parole lautet, sich der Stimme zu enthalten und der Ab- stimmung fernzubleiben.

" Um die Grundlagen der deutschen Wirtschaft. Die säch­sischen Erwerbsstände erlassen zum Volksentscheid eine Kund­gebung, in der es heißt: yür die Erwerbsstände des Landes sind Inhalt und Ziele des bevorstehenden Volksentscheides keine politische, sondern eine wirtschaftliche Frage, und zwar eine solche von einer Tragweite, die bisher vielfach nicht ge­nügend erkannt wurde. Die Grundlagen der deutschen Wirt­schaft stehen auf dem Spiele. Es handelt sich darum, ob ein Staatswesen es mit den einfachsten und natürlichsten Grund­sätzen von Recht und Kultur vereinbaren kann, Gruppen seiner Staatsbürger in Ansehung ihres Eigentums unter ein Aus- nahmerecht zu stellen. Von dem Boden entschädigungsloser EigeMumskonsiskation aus gibt es auf der abschüssigen Bahn der Zerstörung von Sitte und Ordnung, von Recht und Kultur kein Halten mehr; die Erfahrungen des Welt­krieges beweisen das deutlich. Der 20. Juni wird zu erweisen haben, ob unser Volk die Voraussetzungen, ohne die es ein gesundes Wirtschaftsleben nicht gibt, erkennt und schützt oder ob es sich abermals in seiner Entwicklung zurückwersen lassen will. Wer an der Sicherung und am Aufbau der deutschen Wirtschaft Mitarbeiten will, bleibe zum Volksentscheid der Ab- stimmung fern!

Der Kamps um Professor Lessing.

Ein Schreiben des Magistrats von Hannover.

An der Technischen Hochschule in Hannover ist am Mittwoch der normale Vorlesungsbetrieb wieder ausge­nommen worden. Zu Zwischenfällen ist es nicht gekom- men. Den Studenten in Hannover gehen weiterhin Sym- vatüiekundaebunaen aus allen Teilen des Reiches zu.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* über die Getreidezölle finden in Berlin neue Verhand­lungen zwischen der Reichsregierung und den Parteien statt.

* Der Hochschulstreik in Hannover hat sein Ende erreicht. Prof. Lessing hat erneut Vortrag beim preußischen Kultus­minister gehalten.

* Das französische Kabinett Briand ist infolge der Wäh­rungsschwierigkeiten zurückgetreten. Man erwartet die Neu­bildung einer Koalitionsregierung durch Briand.

* Die britische Reichsausstellung Wembley ist öffentlich ver­steigert und von einem Privatmann angekauft worden.

Einige Hochschulen hatten die Teilnahme an dem Sym pathiestrrik abgelehnt. 75er Magistrat der Stadt Han­nover hat an Kultusminister Dr. Lecker eine Entschließung gesandt, in der mitgeteiit wird, dass Professor Lessing sich in einer Unterredung mit dem Oberbürgermeister dahin geäußert haben soll, daß er innerlich schon längst auf die Dozentur verzichtet habe und sich völlig frei fühle. Der Magistrat vertritt die Meinung, daß bei diesem Sachver­halt an eine Aufrechterhaltung des Lehrauftrages von Professor Lessing nicht mehr gedacht werden kann. Von Professor Lessing wird die Äußerung bestritten.

Der preußische Kultusminister, Dr. Becker, empfing Professor Lessing zu einer neuen Unterredung. In dieser Besprechung, über deren Einzelheiten strengstes Still­schweigen bewahrt wird, kam, wie es heißt, erneut zum Ausdruck, daß die Lehrfreiheit unbedingt aufrechterhalten bleiben müsse und Professor Lessing deshalb feine Vor­lesungen bis zum Ende dieses Semesters nach wie vor weiterführen solle. Professor Lessing soll sich mit neuen Plänen tragen, die einer Beilegung der Angelegenheit för­derlich sein können.

mit Stolz und Bewunderung

Max Zmmelmann.

Zur 10. W i e d c r k e h r seines Todestages.

Vor zehn Jahren, am 18. Juni 1916, fiel an der -deutschen Westsropt der hervorragende deutsche Flieger- offizier Max Immelman«. Noch heute erinnert man sich seiner Großtaten, die ein Ruhmesblatt in der Ge­schichte der deutschen Luftwaffe bilden und ihn, neben dem Haupt­mann Bölcke und dem Freiherrn Manfred von Richthofen, zu einem der meistge­nannten Kampfflieger des Weltkrieges gemacht haben. Wiederholt wurde ihm die Ehre zu­teil, in den amtlichen Heeresberichten an be­sonderer Stelle genannt zu werden, und auch die Feinde, vor allem die feindlichen Flieger, erkannten seine hohe Bedeutung an und rühmten neben seinem Kampfesmut, seiner staunenswerten Treff­sicherheit vor allem auch sein vornehmes, ritter­

liches Wesen. Über 20 Kampfflugzeuge hat er abgeschosse«, unb sein Name erweckte Begeisterung, wo immer er ge- nannt wurde, gleich dem Namen Otto Weddigens, des unvergessenen Führers desU. 9". Als dann die Kunde zu uns drang, daß Jmmelmann abgeschossen und vom Tode ereilt worden sei, herrschte aufrichtige Trauer in ganz Deutschland. Ehre seinem Andenken!

Vorschläge zur Flaggensrage.

Berlin. Der Reichsregierung sind in den letzten Wochen aus allen Teilen Deutschlands und von Angehörigen aller Stände und Berufe Vorschläge für eine deutsche ElN^its- flagge zugegangen. Bei der Fülle der Einsendungen ist es der Regierung nicht möglich, einzeln zu antworten. Die dankt daher auf diesem Wege für die Anregungen und den in ihnen oft leidenschaftlich bekundeten Wunsch nach einem alle Deutschen vereinenden Symbol der Vaterlandsliebe.

Die Einnahmen des Reichs an Steuern, Zöllen und Abgaben.

Berlin. Die Einnahmen des Reichs an Besitz- und Ver- kehrssteuern beliefen sich im Monat Mai auf 274132 808, vom 1. April bis 31. Mai auf 707 516 222 Reichsmark. Die Ein­nahmen aus Zöllen und Verbrauchsabgaben betrugen im Mai 161 302 235, vom 1. April bis 31. Mai 312 456 521 Reichsmark. An sonstigen Abgaben gingen im Mai insgesamt ein 11/42 und vom 1. April bis 31. Mai 43 110 Reichsmark, ite Ge- samteinnahme des Reiches belief sich demnach im Mal am 435 446 785 und vom 1. April bis 31. Mai auf 1020 Olu 8^3 Reichsmark.

Die Frage der Rückgabe des deutschen Eigentums in Amerika.

Washington. Der Vorsitzende des HanShaltsauS- fchilsses des Repräsentantenhauses,, Green, hat in einem aus- jährlichen Bericht die Frage Der Rückgabe des deutschen Eigen­tums dargclegi. In dem Bericht wird mitgeteilt, daß Der Haushaltsausschuß etma am 15. November zusammen» treten werde, um einen Gesetzentwurf vorzubereiten, Der Die gesamte Frage regeln soll. Dieser Gesetzentwurf soll dem Kongreß an dem ersten Sitzungstage vorgelegt werden. Man beabsichtige, den Gesetzentwurf noch vor Weihnachten im Re» präsentalttenhause zu erledigen.