Äil-aer Anzeiger
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Nr. 159 — 1926
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zulöa- und Haunetal Fuldaer Kreisblatt
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Fulda, Donnerstag, 15. Juli
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3. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Durch einen Notenwechsel des Deutschen Auswärtigen Amtes mit der schwedischen Regierung ist der Fortfall des Sichtvermerkes zwischen Schweden und Deutschland mit Wirkung vom 1. Oktober vereinbart worden.
* Der deutsche Botschafter in Paris, Herr von Hösch, hat beim französischen Ministerpräsidenten Briand Vorstellungen wegen der Stärke der Besatzungsheere und wegen der letzten Noten der Interalliierten Militärkontrollkommisston erhoben.
* Der ehemalige bäuerische Ministerpräsident, Gras Hugo Lerchenfeld, ist zum deutschen Gesandten in Wien ernannt worden.
* Nach den bisherigen Feststellungen wird der Schaden, der in Preußen durch das letzte Unwetter verursacht wurde, aus 100 Millionen Mark geschätzt.
Mraviolett.
»Eine neue deutsche Erfindung.
v , Der Hanauer Quarzlampen Gesellschaft ist \ es gelungen, einen Apparat zu konstruieren, mit
1 dessen Hilfe es möglich ist, Falsisikate von Banknoten, Briefmarken, Aktien und andere Versäl- . schungen leicht zu erkennen.
Bei dieser Hitze nun auch das noch!
Zwar die Sache, die von der Hanauer Quarzlampengesellschaft entdeckt ist, hat auch ihre Lichtseiten, wie das bei einer derartigen Gesellschaft ja auch selbstverständlich ist. Das ist wörtlich zu nehmen! Es sind nämlich ultraviolette Strahlen, jene dem menschlichen Auge unsichtbaren Lichtreflexe, die höchstens von den Ameisen verspürt werden; aber sie, die Strahlen nämlich, wirken. So z. B. bei der Höhensonne, durch die man verjüngt wird, angeblich wenigstens. Und jetzt hat die Hanauer Gesellschaft einen Apparat konstruiert, eine Lampe nämlich, die ultraviolette Strahlen aussendet und dadurch Fälschungen jeder Art leicht feststellbar „rächt. Wenn
z. B. Urkunden gefälscht, Zahlen ausradiert und ver- M»«MM sind, wenn auf Mtien Fälschungen gemacht sind oder gar eine „echte" Mauritius in den H wird — „vorbei, vorbei, mein schönes Kind" kann man mit Heine sagen, die ultravioletten Strahlen bringen es an den Tag; kein Bankkassierer braucht mehr Angst zu haben, einem Grünenberg in die Hände zu fallen.
andel gebracht
Wenn bas ultraviolette Licht auf irgendwelche organische Stoffe fällt, dann beginnen diese zu fluoreszieren, also zu leuchten, verschieden je nach der Zusammensetzung der beleuchteten Stellen. Man kann Blut- und sonstige Flecken, die dem bloßen Äuge nicht mehr sichtbar sind, wieder in „Erscheinung" treten lassen, kann die Herkunft von Fettflecken feststellen, sogar Fälschungen in Stofsgcwcben „beleuchten". Es kommt immer darauf an, ob bas Licht auf organische Stosse trifft; werden aber unorganische Stoffe, also namentlich Metalle, beleuchtet, so bleiben sie dunkel. I e tz 1 w i r d die Sache kritisch. Man kann nämlich dadurch leicht feststellcn, ob — Zähne echt oder falsch sind. Aber nicht bloß hinsichtlich der „Perlzähne" so mancher Schönen ist diese Indiskretion möglich, sondern auch bei ihren Perlen. Die falschen fluoreszieren nämlich nicht, weil sie ja nicht die Ausscheidung eines Lebewesens, sondern nur Kieselsäure sind. Was wieder die Juweliere und die Pfandleiher dankbar begrüßen werden. Weniger die Fälscher; für diese edle Zunft brechen überhaupt schlechte Tage an und sie werden erheblich grollen dem Bcnediktinerpater Kögel, der die Entdeckung machte und durcharbeitete. Und mit den „echt englischen" Stossen wird es wohl auch vorbei sein. Geschweige denn mit dem Versuch, den Unerfahrenen Kunstseide an Stelle echter Produktion des Seidenwurms ausschwatzen zu wollen. Erst einmal her mit der Quarzlampe! Also für manche würdigen Zeitgenossen hat diese neue Lichtquelle ihre beträchtlichen Schattenseiten, wenn man so sagen darf. Vor den Fortschritten der Technik ist eben nichts sicher!
Vor allem wird sich neben der K c i m i n a l p 0 l i z e i besonders die Medizin der neuen Entdeckung freuen; außerdem die Bakteriologie, deren Arbeit dadurch sehr erleichtert wird. So manches mag jetzt aufgeklärt werden, was bisher der Aufhellung spottete. Alles durch die ultravioletten Strahlen. Aber auch der Einbrecher wird, um keine Enttäuschung zu erleben, den Geldschrank erst einmal ultraviolett bestrahlen, um festzustellen, ob wirkliche Wertpapiere darin enthalten sind oder der Geldschrank wegen Mangels an Inhalt licht„tot" bleibt Man sieht also, daß jedes Ding seine zwei Seiten hat.
Wenn man nur nicht auf die Idee kommt, bei manchen „Prominenten" des öffentlichen Lebens den Kopf auf seinen Inhalt zu prüfen! Denn da würden die bösen Ultravioletten es vielleicht auch an den Tag bringen, daß dort weder organische noch anorganische Stoffe drinftecken» sondern — gar nichts.
Der französische Nationalfeiertag.
„ Paris. Anläßlich des Nationalfeiertages hat auf den Shamps Elysèes in unmittelbarer Nähe des Grabes des um bekannten Soldaten die übliche Parade vor dem Präsidenten der Republik stattgefunden, der als Gäste Frankreichs der Sultan von Marokko und der spanische Ministerpräsident Ge-- neneral Primo de Rivera beiwohnten. Der Havasbericht bet» â?”bttet einige kleine Zwischenfälle. Der Beifall des Publikums soll wiederholt durch Pfeifen unterbrochen worden fern. Auch kam es zu Zusammenstößen unter der Menge, in deren Verlaus fünf Verhaftungen vorgenommen wurden. Außerdem wurden einige Ausländer verhaftet, die Flugblätter verteil, hatten.
Eine Pariser Konferenz?
Herr von Hoesch bei Vriand.
V 0 r st e l l u n g e n wegen der letzten Noten.
Der deutsche Botschafter in Paris, Herr von Hoesch, hat mit Ministerpräsident Briand eine längere Unterredung gehabt. In Dieser Unterredung übermittelte der Botschafter dem französischen Ministerpräsidenten den Wunsch der deutschen Regierung, daß die Truppenbestände der Alliierten im Rheinland sobald wie möglich vermindert würden und wies gleichzeitig aus den Eindruck hin, den die letzten Noten der Interalliierten Militärkontrollkommission in Berlin gemacht haben.
Nach französischen Blättermeldungen soll nunmehr der Inhalt der Noten Gegen st and von Verhandlungen zwischen Berlin und Paris bilden. Es wurde auch von einer Konferenz in Paris gesprochen, in der die angeschnittenen Fragen endgültig geregelt werden sollten, bevor Deutschland in den Völkerbund ausgenommen würde. In deutschen Regierungslreisen werde, so teilen die Pariser Blätter weiter mit, versichert, daß die deutsche Regierung die Note als undiskutierbar zurückgesandt hätte, wenn deren Vorhandensein nicht durch eine I n -
Graf Lerchenield Gesandier in Wien.
Das Agrement erteilt.
Der seit einigen Wochen verwaiste Posten des deutschen Gesandten in Wien wird nunmehr wieder befcitl werden. Gras Hugo Lerchcnscld wird als diplomatischer Vertreter Deutschlands in der Donaustadt seinen Einzug halten, nachdem die österreichische Bundesregierung auf Anfrage der Rcichsregieruug ihre Zustimmung zu der Kandidatur gegeben hat.
Gras Lerchenjelb steht im 55. Lebensjahre und entstammt dem bayerischen Verwaltungsdienst. Nach der Ära Kahr war er acht Monate Ministerpräsident in Bayern. Seit 1925 gehört Graf Lerchen seid auch dèm Reichstag an, und zwar ist er von der Bayerischen Volkspartei ausgestellt worden.
Minister- unO Michsraisrerfen.
Im Westen und im Osten Deutschlands.
Reichskanzler Dr. Marr ist auf seiner Besuchsfahrt durch die befreiten Gebiete des RHeinlandes überall herzlich empfangen und von den B n r g c r m e i ft c r n der besuchten Städte als Befreier der ersten Zone begrüßt worden. Von M v r s ging die Reise nach X anten, wo der Reichskanzler in einer kurzen Rede Glückwünsche des Reichspräsidenten von Hindenburg zur Befreiung von der fremden Besatzung überbrachte. Nach Xanten wurden die alten Städte Cale ar und Cleve besucht. Zur selben Zeit erfolgte in Essen ein preußischer Ministcrbesuch: zu Verhandlungen im Verbandspräsidium des Ruhrsiedlungsverbandes sind dort der preußische Woblfahrtsminister Hi r t s i c f e r und der Staatssekretär Scheidt cingetrofjen. Inzwischen setzten an der Ostgrenze des Reiches die Mitglieder des Rcichsraics ihre
Lstpreußcnrrisc
fort. Von Marienburg ging es nach Elbing, wo auf eine Ansprache des Oberbürgermeisters der wurttem''erg!w'e Gesandte, Staatsrat Dr. Bösler, als Zprccher des Reichsrates erklärte, daß der Reichsrat alles um wolle, was er tun könne, um Ostpreußen zu helfen. Großer Empfang sand dann auf der äVcitcrrcifc in Königsberg statt. Bürgermeister ^r Gördeler erörterte die Notwendigkeit einer Hilfeleistung für die infolge der Grenzziehung stark benachteiligte Provinz und für die Stadt Königsberg. x'm Namen der Rcichsratsmilglieder erklärte der Vertreter Braunschweigs, daß der Reichsral den festen Willen habe, der abgeschnürten Provinz zu helfen. Auf die schwierige Lage Ostpreußens wies dann in einer fibcrncbt über die W > r t = schaftslagc der Provinz auch der Pröndent der Land- Wirtschaftskammer von Ostpreußen, Dr. Brandes, hin. Es sei im Anschluß hieran mitgeteilt, daß in kurzem ein Unterausschuß des Preußischen Landtags 0 staus , ch us- scs eine Besichtigungs- und Studiciisahrt durch die Provinz Grenzmark — Posen — Wcstprc utzcn antreten wird.
Churchill über das Mommeu mit Caillaux.
Erklärungen im Unter Hause.
Im Englischen Unterhause äußerte sich Churchill über das S ch u l d e n â k 0 m m e n mit Frankreich, das in London unterschrieben worden ist. Er leitete seine Erklärung mit Mitteilungen über die sogenannte Sicher- Heitsklausel ein und wies darauf hin, daß eine Verbindung zwischen dem Schuldenabkommen und dem Dawes- Plan nicht bestehe. England habe daran festgehalten, daß Frankreichs Leistungen ausschließlich auf Frankreichs eigener Kraft beruhen müßten.
Als Zahlungsschema sei festgesetzt worden: für dieses Jahr vier Millionen, dann sechs Millionen, acht Millionen und zehn Millionen, bis im Jahre 1930 zum erstenmal die vollen 12% Millionen fällig werden. Bon 1931 bis 1950 bleibe die Rate 12% Millionen und werde dann auf weitere 31 Jahre auf 14 Millionen Pfund festgesetzt als Ausgleich für die niedrigeren Zahlungen üt den ersten fünf Jahren.
Auf Anfragen aus dem Hause erklärte Churchill, daß keine Möglichkeit offen gelassen sei, Deutschland an Frankreichs Stelle als Schuldner einzuschieben. Frankreich bleibe stets gegenüber England haftbar.
diSkretion bekanntgeworden wäre, über deren Ursprung noch Dunkel herrscht. Eingeweihte deutsche Kreise wollen im übrigen wissen, daß der Ton der letztes Noten des Generals Walch ausfallend unhöflich sein soll, ein Umstand, der die Reichsrcgierung mit bewogen hat, vorläufig den Text der Noten weiter geheimzuhalten.
Wie lächerlich das Vorgehen der Interalliierten Militärkontrollkommission auch im Ausland wirkt, zeigt eine Berliner Meldung des in London erscheinenden „Daily Chronicle", in der das Blatt zu den Noten Stellung nimmt. In diesem Artikel heißt es: Die Alliierten haben stets darauf bestanden, daß die deutsche Armee keinen wirklichen Oberbefehlshaber besitzen dürfe. Daraufhin ist v. Seeckts Stellung abgeändert worden. Jetzt wird verlangt, daß das deutsche Heer doch einen wirklichen Oberbefehlshaber besitzen müsse, daß dieser aber nicht der General von Seeckt sein dürfe. Der Korrespondent sagt, dieser Unsinn stärke lediglich die Reaktionäre und Monarchisten in Deutschland und man brauche sich nicht darüber zu wundern, daß die ganze deutsche Presse dieses Vorgehen der Kommission als ungeheuerlich betrachte.
Abd-el-Krims Verhannungsori.
Die Insel R é u n i 0 n.
Aus Paris wird amtlich mitgcieilt, daß Abdel- Krim, der den Spaniern und Franzosen in Marokko so viel zu schaffen gemacht und dann, als er sich umzingelt sah, sich freiwillig den Franzosen ergeben hat, auf der Insel Réunion interniert werden wird.
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Die im Indischen Ozean, 185 Kilometer südwestlich von Mauritius und 780 Kilometer östlich von Madagaskar gelegene Insel Röunion, der lünstigc Wohnsitz Abd-cl- Krims, hieß vor der Französischen. Revolution, als in Frankreich die Bourbonen regierten, Ile Bourbon und in der Napoleonzeit Ile Bonaparte. Gleich Mauritius ist sie 1505 von dein Portugiesen Mascarenhas entdeckt und nach ihm benannt worden. 1643 nahm ein Franzose im Namen Ludwigs XIV. von Madagaskar aus Besitz von der Insel. Von 1810 bis 1815 war sie in englischen Händen. Röunion ist reich an Kratern, von denen einige, darunter der Volcan de la Fournaise, noch heute in Tätigkeit sind. Unangenehm sind auch die furchtbaren Wirbelstürme, die das Eiland mehrcremal im Jahre hcim- zusuchen pflegen. Im übrigen aber ist Râunion eine recht freundliche Insel mit gesundem Klima und herrlichen Tropenwaldungen; sie ist an den Küsten überaus fruchtbar und es gibt dort allerlei schöne Sachen in Hülle und Fülle, vor allem Zucker, Gewürznelken, Zimt, Kakao, Kafsee, Vanille, Bananen, Palmen, Kautschuk, Oliven, Reis, Mais, Tabak, Baumtvolle ufiv. Unter der Bevölkerung findet man Weiße, Inder, Chinesen, Afrikaner und noch etliche Vertreter anderer Rassen. Die Religion ist überwiegend katholisch. Verwaltet wird Röunion von einem Gouverneur und einem General; im französischen Parlament ist es durch einen Senator und zwei Deputierte vertreten. Ob sich Abd-el-Krin!, der vom afrikanischen Westen nach dem äußersten afrikanischen Osten „versetzt" wird, in dieser Umgebung wird zurechtsinden können, wird die Zukunft erweisen.
Deutsch - Amerika - (Stiftung.
Für Anstalten der freien Wohlfahrtspflege.
Rach jahrelangem segensreichen Wirken für die n 0 t - leidendedeutscheBevölkerung, besonders für die deutsche Kinderwelt, hat das „Central Com- m i t t e e I n c. f 0 r t h e R e l i e f 0 f D i st r e ß i n G e r- many and Austria" in Newyork nun seine cigent- liche Sammeltätigkeit eingestellt. Es hat jedoch be- schlossen, als Bindeglied zwischen den 150 000 in dem Central Committee zusammengefaßten Amerikanern deutscher Abkunft und der deutschen Wohlfahrtspflege und zugleich als Sammelbecken für ettva noch weiter anfallende Gaben oder Legate ein Liquidationskomitee bestehen zu lassen. D-r Vorsitzende dieses Liquidationskomitces, Herr Otto von Schrenk aus Rewyork, weilt gegenwärtig in Berlin, um mit der Deutschen Liga der freien Wohlfahrtspflege über die Errichtung einer Stiftung aus den Restmitteln des Central Committees zu beraten.
Aus dieser Stiftung sollen A n st a l t e n d e r f r c i c n Wohlfahrtspflege in Deutschland kurzfristige Darlehen für bestimmte, genau formulierte Zwecke erhalten. Dem Präsidium der Deutschen Liga der freien Wohlfahrtspflege ist ein Scheck über 72 000 Dollar als Grundstock dieser Stiftung übergeben worden.
Süs-astion für dieHochwaffergeMdi'Sten
Der Schaden auf 100 Millionen Mark geschätzt.
Beim preußischen Innenministerium sind nunmehr die ersten zusammenfassenden Berichte über die Hoch- Wasserverwüstungen in Preußen eingclaufen- Trotzdem sind genauere zahlenmäßige Feststellungen über den Umfang der Schäden noch nicht möglich. Ganz roh geschätzt, ist vielleicht e i n e R i l l i 0 n M 0 r g e n K u l t u r l a n d von der st b c r f ck w c in m u n « heim gesucht und