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Zuiöaer Mzeiger

Trscheint -eben Merttag. Ve^igspreis: monof- Uch 2 Mark. Bei Lieferuno-behin-erung«, »urch höhere Sewalten", Streiks, Kussperrunge«, Bahnsperre usw. erwachsen -em Bezieher keine Ansprüche. Verlag Zrieürich Ehrenkiau, Kulöa, Mitglie- des Vereins Deutscher Zeitungsvee. leger. Postscheckkonto: Kranksurt a. M. Nr. 5585

9ir. 170 1926

Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg

Zul-a- un- Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

Re-aktion an- SefthSstsstrtle: MLHlenstraße 1 Zernsprech-Fusihlusi Nr.-S-

Nachdruck -er mit* »ersehen»» strükel nur mit «tzeUenanga», .ZulSaer Nnzeiger'-esla«»«.

Fulda, Mittwoch, 28. Juli

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3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Das Reich und die am Mittellandkanal interessierten Län­der haben beschlossen, den Bau des Mittellandkanals sortzu- ifehen und zu vollenden.

* Gegen ven Magdeburger Kriminalkommissar ten Holt, der bisher die Morduntersuchung Helling leitete, ist ein Diszi­plinarverfahren eingeleitet worden.

* Der Völkerbundrat hat ein Preisausschreiben zur Er­richtung eines Völkerbundpalastes erlassen.

Das Fehlurteil der Welt.

Wir wollen und werden uns darüber keiner Täu­schung hingeben: selbst wenn von der Entente zugestanden würde, daß von einer Alleinschuld Deutschlands nicht die Rede sei, daß vielmehr auch Ententestaaten an der Herbei­führung des Krieges beteiligt waren; selbst wenn von der Entente zugestanden würde, daß die Schuld am Kriegs­ausbruch vor allem auf russischer und französischer Seite lag, so würden selbst solche Eingeständnisse an dem Vertrage von Versailles, der durch die angebliche deutsche Schuld am Kriege seineBegründung" erhält, nicht das geringste ändern. Jetzt weniger denn je, da die wirtschaft­lichen Bestimmungen dieses Vertrages international ver­klammert sind durch den Dawes-Plan.

Darüber geben wir uns also keinerlei Illusionen hin; aber unser Kampf der ein selbstverständlicher Kampf aller Parteien und Stände sein müßte geht eben nur auf ein m 0 r a l i s ch e s Ziel los. Nicht bloß uns selbst von unserer Schuldlosigkeit zu überzeugen nur partei­mäßige, aber leider nicht ganz seltene Verranntheit wird sich nicht belehren lassen, sondern auch das Urteil der Welt abzuändern, umziigestalten. Darum ist es zu be­grüßen, daß der amerikanische Professor Barnes in Berlin soeben mehrere Vorträge hält, die

Professor Barnes, der gegen die Kriegsschuldlüge kämpft.

ein unumwundenes, klares Bekenntnis enthalten: D e u t s ch l a n d sS ch n l d am Kriege" ist eine Lüge. Nicht erst heute hat er so gesprochen: als es in Amerika noch gefährlich war, solches überhaupt auch nur zu denken, hat er diesem Bekenntnis in seinem BucheDie Ursachen des Weltkrieges" freimütig Ausdruck gegeben.

Gewiß, politische Fehler hat Deutschland gemacht, so führte Barnes aus, aber nicht mehr als die andern Staaten; seit 1912 setzte die zielbewußte Politik Iswolskis und Poincaros ein, die klaren Auges auf den Krieg hinsteuerten, weil sie nur so ihre Wünsche Konstantinopel und Elsaß-Lothringen erreichen konn­ten. Serbien war dann schuld an der Mordtat von Scra- jewo und Österreichs scharfes Vorgehen war berechtigt. .^,^7 Wilhelm hat alles getan, um den Frieden zu er­halten, hat Österreich zurückzuhalten versucht aber die russische Mobilmachung begann schon am 24. Juli, ehe die serbische Antwort cf Österreichs Ultimatum eintraf. Dadurch wurde der K r i e g unvermeidlich und Frankreich rührte keinen Finger, den Ausbruch zu Ver­bindern; England war untrennbar an Frankreich gekettet, ihm blieb keine Wahl mehr. Belgiens Besetzung >v u r d e nur $ u m Vorwand gen 0 m m c n. Und Amerika selbst? Dort schasste es diè Ententepropaganda, vor allem aber die Bindung der Großfinanz an die Entente. Schasste es zwangsmäßig, und der verschärfte U-Boot-Krieg hat nichts mit diesem fast ersehnten Ein­tritt Amerikas in den Krieg zu tun.

Von allen beteiligten Ländern hat Deutschland die weitaus, geringste Schuld am Kriege so faßt Barnes seine Darlegungen zusammen, und daher sei d e r be­rüchtigte Schuld Paragraph des Versailler Ver­trages ohne jede Grundlage; er ebenso wieder Dawes- Plan beruhen auf völlig falschen Voraussetzungen, weil demgemäß eine deutsche Reparations Verpflichtung moralisch überhaupt gar nicht bestehe. Wir wissen, daß derartige Ausführungen in Paris und London, in Rom, Warschau und Washington ungehört verhallen, aber wir wollen das F e h l u r t c i l d e r W e l t n i ch t st u m m l u ne hmen , damit es nicht zu einem Urteil der Welt- gcschichte werde. Wir freuen uns aber, daß auch in den - nwntestaaten Männer aufstehcn, die den Mut haben, auf uusere ^cite zu treten in dem Kampf gegen die Lüge von Versailles.

Die französische Regierungserklärung.

pomcares Appell an Republik und Vaterland.

Die Regierungserklärung, die Ministerpräsident Poin- caré in der Kammer und Justizminister Barthou im Senat verlesen haben, lautet wie folgt: Das Kabinett ist im Geiste nationaler Versöhnung gebildet worden, um der Gefahr, die gleichzeitig unsere Währung, die Freiheit un­seres Schatzamtes und das Gleichgewicht unserer Finanzen bedroht, begegnen zu können. Jeder der Männer, die sich einmütig, zusammengetan haben, um an diesem Werke des öffentlichen Wohls zu arbeiten, ist der Ansicht gewesen, daß er die Pflicht hat, in diesem Augenblick diesem Werke alle seine Gedanken und seine Kräfte zu widmen. Später werden andere Fragen auftreten, über die diese Männer verschiedener Ansicht sein werden. Heute jedoch sind sie vollkommen einer Meinungüber die dring­liche Notwendigkeit der Finanzsanierung und über die dabei anzuwendenden Mittel.

Nach aufmerksamer und gewissenhafter Prüfung der Lage haben wir die feste Überzeugung gewonnen, daß es möglich ist, schnell den Stand der französi - fchen Finanzen zu bessern und den Kurs des Franken zu heben. Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine sofortige und entschlossene Zusammenarbeit zwischen Regierung und Parlament unbe­dingt notwendig. Deshalb bringt die Regierung einen Gesetzentwurf zur Erschließung von den Ausgaben ent­sprechenden Einnahmequellen ein. Um jede neue Inflation zu vermeiden, wird die Regierung die Bewilligung dieser unerläßlichen Zusatzeinnahnicy beantragen unter Beob­achtung des Sparsamleitsgrundsatzcs. Wenn auch ent­

Rund um den BAkerbund.

Ein neuer Bölkerbundpalast.

Ein Preisausschreiben für den Neubau.

Der Völkerbund will sich für seine Arbeiten in Genf ein neues Gebäude errichten, da die ihm bisher zur Ver­fügung stehenden Räumlichkeiten sehr primitiv waren und nur als Notbehelf dienen konnten. Vom Völkerbundrat ist .daher für die Errichtung eines Völkerbundpalastes ein Preisausschreiben angesetzt worden, dessen Frist am 25. Januar 1927 abläuft. Bewerben dürfen sich Architekten aller Völkerbundstaaten, einschließlich Deutschlands, Dan­zigs und des Saargebietes. Der für den Bau zur Ver­fügung stehende Raum liegt knapp neben bem gegenwär­tigen Dekrciariaisgebäude (ehemaliges Hotel Rational) und mißt 66 406 Quadratmeter. Vorgesehen sind zwei Hauptgebäude, ein Gebände für die Versammlungssäle und ein weiteres für die Sekretariatsbureaus. Die An­lage ist den Architekten sreigcstcllt. Die Baukosten dürfen 13>< Millionen Schweizer Franken nicht übersteigen. Die Preise betragen: ein erster Preis 30 000 Franken, zwei zweite Preise je 25 000 Franken, ein dritter Preis 20 000 Franken, eine vierter und fünfter Preis je 15 000 Franken, ein sechster und siebenter Preis je 5000 Schweizer Franken. Weitere 25 000 Schweizer Franken werden voraussichtlich in zehn Trostpreise von je 2500 Franken eingeteilt. Die Preisrichter sind je ein Holländer, Engländer, Spanier, Österreicher, Belgier (Präsident), Franzose, Schweizer, Italiener und Schwede. Es gibt für jeden von ihnen einen Ersatzmann aus dem gleichen Staate. Der öster­reichische Preisrichter heißt Joseph Hoffmann, sein Ersatz­mann Eugen Steinhof. Beide leben in Wien. Von den Schweizern ist der eine ein Deutschschweizer und heißt Karl Moser aus Zürich. Das Preisrichterkollegium ist souverän und ohne Berufung.

*

Protest Abessiniens an den Völkerbund.

Englisch-italienisches Jnterefsenabkommen in Abessinien.

Der Unterstaatssekretär im Londoner Auswärtigen Amt, Locker Lampson, erwiderte im Unterhause aus bie Frage nach den englisch-italienischen Verhandlungen über Abessinien, daß die englische Regierung am 24. Juli vom Generalsekretär des Völkerbundes die Abschrift einer Mit­teilung erhalten habe, in der die abessinische Regrerung die Aufmerksamkeit des Völkerbundes aus die kürzlich zwischen England und Italien ausgetauschten Noten lenkt. Der Abgeordnete Buxton fragte darauf, welche Vor­teile sich die englische Regierung neben dem Rechte des Baues des Tsana-Staubeckens sichern könne, als Gegen­leistung für die der italienischen Regierung in Süd- und Westabessinien gemachten Konzessionen.

Locker Lampson erwiderte, die englische Regierung suche keinerlei Vorteile für England, sondern die Verbesse- rung der Wasserversorgung für den Sudan und Ägypten, wovon die künftige Prosperität jener Länder abhänge. Das Tsana-Staubeckcn sei ein wesentliches Element für diese Verbesserung, und der einzige Zweck des kürzlich ab­geschlossenen Abkommens bestünde darin, die italienische Unterstützung bei den bevorstehenden Verhandlungen mit bet abessinischen Regierung zu gewinnen, die allein den Bau des Tsana-Staubeckens autorisieren könne. England hoffe, in der Lage zu sein, der abessinischen Regierung zu zeigen, daß dieser Bau den Interessen Abessiniens ebenso sehr dienen werde, wie denen des Sudans und Ägyptens.

sprechend den Anregungen der Sachverständigen die Regierung gezwungen ist, unverzüglich zu diesem Zwecke auch gewisse indirekte Steuern zu er­höhen, so wird sie gleichzeitig durch direkte Besteue­rung des erworbenen Vermögrns für die gerechte Vertei­lung der Lasten sorgen.

E-n Teil des Ertrages w'rd jährlich zur Speisung einer Amortisalionskasse für die Bons der nationalen Verteidigung dienen. Außerdem müssen Maßnahmen ge­troffen werden, um das Vertrauen aufrechtzuerhalten und es der Regierung zu ermöglichen, künftig alle Ver­pflichtungen des Staates e i n z n h a l 1 e n, die Produktion im Mutterlande und in den Kolonien zu för­dern und die Lebenskraft des Landes zu steigern. Wir behaupten nicht, in einigen Wochen oder auch nur in einigen Monaten die gesamten Wirtschafts- und Finanz­probleme lösen zu können, die die beinahe überall in der Welt herrschende wirtschaftliche Depression vor uns hat erstehen lasten. Die Hauptsache ist aber ohne Zweifel, das Dringlichste ohne Umschweife und ohne Winkelzüge in Angriff zu nehmen. Ebenso wie wir selbst, haben die Gläubigernationen Frankreichs, die Frankreich fest ent­schlossen ist, im Rahmen seiner Möglichkeit zu bezahlen, ein Interesse daran, daß wir vor allem die Wäh­rungskrise beheben, die aus vielfache Ursachen zu­rückzuführen ist, die jedoch sehr wohl beschwichtigt und deren gefährliche Auswirkungen vermieden werden kön­nen. Frankreich Hal ernstere und schmerzlichere Stunden als diese erlebt. Es hat sich seinerzeit durch Einigkeit und Energie gerettet. Auch heute sind diese die Bedin­gungen des Sieges. Die Regierungserklärung schließt mit den Worten: Meine Herren! Gehen wir sofort an unsere schwere Aukaabe für die Republik und Das Vater­land.

Gvamrn rasiert

T i e Ne 0 r g a n i s i c r u n g d c S V ö l k e r b u n d r a t s

Die spanische Regierung hat ihren Gesandten bei der schweizerischen Eidgenossenschaft angewiesen, die bereits 1921 von der zweiten Völkerbundverfammlung be­schlossene Abänderung des Artikels IV der Völkerbund­satzung zu ratifizieren. Die jetzt nach der Ratifizierung durch Spanien in Kraft tretende Abänderung deS Ar­tikels IV der-kerbundsatzung stellt eine Wahlordnung für den Rat dar, indem sie Zusammensetzung, Mand^è- dauer und Wahlmodus für die nichtständigen Sitze regelt.

Die erste Versammlung 1920 war in ihrer über­wiegenden Mehrheit der Meinung, sie sei ohne Abände­rung der Satzung befugt, eine solche. Wahlordnung zu er­lassen. Spanien widersprach, indem eS den Artikel IV des Paktes so auslegte, daß die Wahl der nichtständigen Rats- utiigkieder in das freie Ermessen her jeweiligen Ver­sammlung gesteift und daß somit eine feste Regelung der Wahl »licht zulässig sei. Die Wahlorduuyg würge daher als Satzungsänderung behandelt, die der Ratifi­zierung unterliegt. Spänien weigerte sich, diese Ratifi­zierung zu vollziehen, obwohl auch die nachfolgenden Völkerbundvcrsammlnngen stets die Wahlordnung von neuem beschlossen. Im Zusammenhang mit der Krise des Völkerbundes aus der Bundesversammlung im März und dem Desinteressement Spaniens am Völkerbünde hat sich die Madrider Regierung dann dazu verstairden, den Widerspruch zurückzuziehen. Die neue Satzungsänderung wird es der bevorstehenden 8. Völkerbundverfammlung im September gestatten, den Vorschlag der Studienkoirc- mission über die Ratssitze zum Beschluß zu erheben.

Das Programm der Wirtschastspariei.

Görlitzer Richtlinie n.

Die Rcichspartci des deutschen Mittelstan­des (Wirtschaftspartei) veröffentlicht einen Bericht über die aus dem Parteitag in Görlitz beschlossenenGörlitzer Richt­linien". Es beißt da u. a.:

Die Reichspartei will eine politische Vertretung des gesamten deutschen Mi 1 telstandes, des yc- tvcrblichcn wie des geistigen, aus berussständischer Grundlage sein. Zu diesem Mittelstand gehören alle schassenden Kräfte im Volk. Seine politische Vertretung lehnt die sozialistischen Bestrebuiigeit ebenso entschiede»» ab, wie sie die Auswüchse deS Kapitalismus bekämpft. Die Partei stellt sich auf denBodenderzurzeitbest eben den Verfassung. Sie sortiert ihre Reform mit dein Ziel der Sicherstellung der staatsbürgerlichen Rechte, Abkehr von der Partciberrschast, Schaffung einer wesentlich ans Fachmmistern bestehenden Re­gierung. Sie fordert ferner den Schutz der Persönlichkeit, des Privateigentums und der Privatwirtschaft gegenüber der Überspannung des Staatsgedankens. In der Flaggenfrage tritt die Partei für die verfassungsmäßige Han- dclsflagge alsReichsflagg.c ein. Der «usbau der auf dem Parteitag vollzogenen Vereinigung der Reichspartel mit ben deutschen Mittelstandsvarteien Deutsch-Osterreichs und Deutsch-Böhmens bildet eine der Hauptaufgaben der Reichs-

einer einstimmig angenommenen Entschließung wird die Reichsregierung aufgesordert, alle Sckritle zu unter- nehmen, um dem eines Kulturvolkes unwürdigen Zustand, daß große Teile des deutschen Rheinlandes noch immer de- setzt sind, endlich ein Ende zu machen.