M-aer ^n^ciget
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Sir. 171 —1926
Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg
Zul-a- und Haunetal »Zul-aer Kreisbla«
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Fulda, Donnerstag, 29. Juli
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3. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Ter Eifaß-Lolbrlngische HcimatbunV ertönt einen Aufruf, in dem er erklärt, daß er für Elsaß und Lothringen die Selbst- verwaltttng erstrebe.
* Wie gemeldet wird, sieben internationale Eisenverhand- luUgcn, von denen sich die deutsche Montanindustrie wesentliche Vorteile verspricht, unmittelbar vor dem Abschluß.
* Zur Fortführung der Unters, rchung in der Magdeburger Mordsache sind neue Kriminalbeamte aus Berlin abkomman- dixrt worden.
* Aus der Halbinsel Florida herrschte ein Wirbelsturm, dem abgesehen von bedeutendem Sachschaden 20 Menschen zum Opfer fielen.
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Der zaghafte pointare.
Man kann die stürmischen Szenen, mit denen die radikale Linke in der Französischen Kammer das Erscheinen des neuen Ministerpräsidenten „begrüßte", zu einem kleinen Teil verstehen, wenn man bedenkt, daß wirklich sehr verschiedene Gestalten aus der Ministerbänk neben- einandersaßen, der rechtsradikale Marin neben dem Radikalsozialisten Herr,ot und neben diesem wieder. Brjand, der von seinem Nachbarn erst vor 14 Tagen gestürzt worden ist. Es ist ein Anblick, wie ihn die Kammer wohl noch nie sah, es ist aber auch die offizielle Sprengung des Kartells der Linken, also jenes Blocks, der aus den Wahlen vom 11. Mai 1924 siegreich hervorgegangen war und der fast zwei Jahre hindurch für die französische Politik maßgebend gewesen ist. Aber seine maßgebenden Führer Briand, Painlevä und Herriot sitzen in vielem neuen Koa- litionskabinetl. lins Teutsche interessieren ja an der ganzen Sache vor allem die außenpolitischen Folgen dieser parteipolitischen Umgruppierung: doch durch die Regierungserklärung Poin- carès ist unsere Neugierde wirklich nicht befriedigt worden. Über die Außenpolitik hat Poincarè nämlich gar nichts gesagt, obwohl man doch schon ziemlich vor der Genfer Tagung und damit vor der Frage steht, ob das ■^gpm*Ä75»****n»« z u Teuttchl 0 n d anders gestaltet werden soll, als das in der MärZtagung der Fall war.
Man kann auch nicht sagen, daß die innerpolitischen und finanziellen Ausführungen PoincaräS sehr eingehend gewesen sind. In der Hauptsache ist man im Ministerium sich nur darüber einig, daß etwas geschrhen müsse: weniger einig scheint man sich darüber zu fein, was zu geschehen hat. Das Wichtigste an Poincarès Rede ist zweifellos die Mitteilung, daß vorläufig überhaupt nur ein Teil der drängenden Aufgaben in Angriff genommen wer- den soll, nämlich die B a 1 ane i e r n n g d e s Etats, also die Auffüllung der leeren Staatskassen.- Hier will man in der Hauptsache die Pläne Eai 11 ä u r’ wieder ausnehmen. der das größte Gewicht aus eine Erhöhung der indirek ten Steuern legte und sich damit die Feindschaft der Linken züzog. Polncarè.bescbwiclniaw die Linke nun durch die Ankündigung,-daß auch direkte Steuern a l s E r g ü n z u.n g hinzutretèn.
Man muß sich fragen, ob auf diesem Wege die angestrebte Balancierung des Haushaltes überhaupt erreicht werden kann, wenn nicht bei der Steuerfestsetzung lind Erhebung sofort die G 0 l d u m r e ch n u n g eistgesübn wird. Auch wir haben ja im August 11)^3 einen derartigen Versuch ohne Gvldumrechnung gemacht üttd sind damit völlig hereingcfallen. Dasselbe Schicksal sann auch die Steuerpläne Poincarès treffen, wenn er nicht dafür sorgt, daß der Frank wenigstens einigermaßen stabil bleibt: gerade aber bej einem scharfen Anziehen der Steuerschraube werden Kräfte entfesselt werden, die ein großes Interesse daran haben, durch ein Absinken des Franken die Steuerlast tragbarer zu machen, wenn man dein Nicht durch die GoldumrechUuna begegnet. Ein schüchterner Versuch, den Frank zu stabilisieren, kann man vielleicht in der Ankündigung Poincarès erblicken, einen Amortisationsfonds für gewisse kurzfristige Anleihen, nämlich die sogenannten Bons der nationalen Verteidigung, zu schaffen, aus dem dann diese nach und nach eingelöst werden sollen.
Ein sogenanntes Ermächtigungsgesetz zu erlangen, wie es Caillaux haben wollte, liegt offenbar nicht in der Absicht Poincarès, wohl, weil er glaubt, auch seiner- fckts aus einen unüberwindlichen Widerstand zu stoßen. Ob aber eine berart zag Has te Politik richtig ist, darf wohl einigermaßen bezweiselt werden; aber die ganze Zusammensetzung des Kabinetts überhaupt zwingt den Mi- Ulsterpräsidenten stark zur Zurückhaltung. Er verlangt eigentlich einen Blankowechsel, ein Vertrauen, und dieser Wechsel ist ihm ja nun auch durch die Kammer ausgestellt worden, die ihm mit 358 gegen 131 Stimmen ihr Vertrauen äussp.räch. Noch weit stärker war die Mehrheit, die sich füt eine sofortige Überweisung der vorgelegten FiNanzgtzsètze an' den Finanzausschuß der Kammer erklärte, also dem Wunsche der Regierung Folge leistete und die Erledigung der Finanzvorlage als besonders dringend bezeichnete.
Neben dem wiederholten Appell an die Einigkeit und die Energie der Deputiertenkammer selbst steht nun die Zähnung Poincarès an die G l ä u b i g e r n a t i 0 n e n ^l^dkreichs, Geduld zu haben; man wolle seine Schulden zahlen, aber, so fügt Poincarè einschränkend wnzu, nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Mittel. >7 " ?dmit in London und in Newyork gerade einen r^ u > cn Eindruck machen wird, darf man füglich be- zweifeln. Der Frank ist schon wieder etwas berunter- gegangen, weil man eben die Stabilisierung der Währung nicht energisch tu die Hand nimmt.
, ân hat die Kamstrer das Kabinett in den Sattel triezt; ob es wird teilen können, wird ès erst beweisen - muhen.
Arbeit für die
NmHWrmg des MeilÄeschaffullgsproWMMs.
Kanalbauten. — Reichsbahnaufttägc. —
Landa r b e iterw 0 hu u n g e n.
Die Verhandlungen über die Durchführung des Ar- beitsbeschasfungsprogramms der Regierung sind jetzt in mehreren wesentlichen Punkten zu einem Abschluß gelangt. Die Wasscrstraßenabteilung des Reichsverkehrsministeriums hat die Anweisungen zur verstärkten Durchführung der bereits begonnenen K a n 0. l b a u t e n herausgegeben. Für diese Zwecke sollen insgesamt 13% Millionen Reichsmark mehr zur Verfügung gestellt werben, als im Haushalt vorgesehen war. Verwandt werden diese Mittel in der Hauptsache für Arbeiten am Kanal Hamm—Lippstadt, am Hohenzollernkanal, um Oder-Sprce-Kanal und an bei unteren Oder sowie für gewisse Arbeiten am Mittellandkanal; 1,2 Millionen Reichsmark sind für die Fertigstellung der Schleuse bei Anderten am Mittellandkanal bestimmt. Ferner haben sich Reich und Länder über die ?lu7« führung der Reststrecke des Mittellandkanals von Peine bis Burg geeinigt. Gleichzeitig mit dem Hauptkanal soll auch der Südkanal in Angriff genommen werden.
Ebenso sind die Verhandlungen über die Reichs- bah n a ufträge zum Abschluß gekomnien. Es werden Aufträge über insgesamt 120 Millionen Reichsmark vergeben, nachdem die Reichsbahnverwaltung zu dem vom Reiche zur Verfügung gestellten Betrag von lUO Millionen Reichsmark noch 20 Millionen Reichsmark aus eigenen Mitteln zur Elektrifizierung der Berliner Stadt- und Ringbahn aufwenden will. Von den 100 Millionen Reichsmark, die vom Reiche zur Verfügung gestellt worden sind, sind 20 Millionen Reichsmark ebenfalls für die Elektrifizierung der Berliner Stadt- und Ringbahn, 30 Millionen Reichsmark zur Erweiterung des beabsichtigten Gleisum- bauprogramms, 5 Millionen Reichsmark zur Fortführung und Erweiterung des geplanten Programms der großen Bauten (Brückenumbauten, Erweiterung von Bahnhöfen, neue Werkstätten, Elektrisierung, Wohnbauten) uns ?ö Millionen Reichsmark zur Beschaffung von Werkstoffen und Ersatzstücken aller Art zur Verbesserung des Fahrzeugparks bestimmt. Die Aufträge sollen möglichst nach den Bezirken gelegt werden, die unter der Arbeitslosigkett besonders zu leiden haben.
Sechs Milliarden neuer Steuern.
'Zusammenstöße bei Beamtendemonstrationen.
Tas Steuerbttkelt, das Poincarü der Kammer überreicht hat, sieht insgesamt sechs Milliarden neuer Steuern voraus. Davon sind 3350 Millionen ausgesprochene Verbrauchs- und Verkehrsabgaben. Die Erhöhung der Steuern aus Getränken soll 600 Millionen, die erhöhten Transportabgaben 1500 Millionen, die Neuregelung der Automobilsteuer 170 Millionen und die Erhöhung der Umsatzsteuer 660 Millionen sowie die der Ansfuhrabgabc 420 Millionen Mehreinnahme bringen. Weitere 900 Millionen sollen durch eine 50%ige Erhöhung der Steuern aus Einnahmen aus mobilem Wertbesitz (Effekten, Zinsen, Dividenden, Tantiemen) gewonnen werden.
Bèi Kundgebungen der Beamten und Staatsauge- stellten gegen die Hinausschiebung der Gehaltserhöhung kam es an verschiedenen Stellen in Paris zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei, wobei mehrere Demonstranten Verletzungen erlitten. Über 300 Demonstranten wurden verhaftet.
potiilsche Rundschau. Deutsches Reich.
Der Kampf um das Reichsehrcnmal.
Der R e i ch s i n n e n m i n i st e r will, wie verlautet, Mitte August, wenn das Reichskabinett wieder zusammentritt, versuchen, die Entscheidung der Reichsregierung bezüglich des R c i ch s e h r c n m a l s her- beizuführen, um dem Wettstreit der Provinzen ein Ende zu machen. Gegen das Rheinprojckt wird die Höhe der Kosten geltend gemacht, die angeblich 15—18 Millionen erreichen sollen. Es wird vermutlich dabei bleiben, daß der Forst bei Berka zu einem Totenhain gestaltet wird. Um Preußens Wünschen hinsichtlich der Sckinkelscken Neuen Wache in Berlin näherzukommen, soll vorgeschlagen werden, dieses Bauwerk in eine Erinnerungs- Halle für die verlorenen deutschen Gebiete umzuwandelu.
Schwierigkeiten bei den Verhandlungen mit Polen.
Die Tatsache, daß die deutsch-polnischen Verhaudlun gen über das R i e d e r l a s s u n g s r e ch t auf unbestimmte Zeit vertagt worden sind, wird in unterrichteten Kreisen als ein ungünstiges Zeichen für den Fortgang der Verhandlungen angesehen. Auch die Erwartungen, die man bei der zweiten Lesung der Zollfragen in der Wirtschaftskommission hegen zu können glaubte, haben sich bisher nicht erfüllt. Die Hauptschwierigkeit betrifft die H 0 l z - u n d K 0 h l e n z ö l l e. Weitere Schwierigkeiten bestehen hinsichtlich der Einfuhr lebenden Rindviehs, und schließlich sind auch noch keine Anzeichen dafür vorhanden, daß Polen geneigt ist, den Wünschen der deutschen Industrie entgegenzukommem
Erwerbslosen.
Endlich haben sich die zuständigen Ministerien des Reichs und Preußens inzwischen auch über die Art geeinigt, wie der verstärkte Bau von Landarberter- Wohnungen ausgeführt werden soll. Das Reich stellt für diesen Zweck im laufenden Rechnungsjahr einen Betrag von 30 Millionen Reichsmark zur Verfügung: auch die Aufbringung des Landesanteils ist als gesichert airzu- sehen. Beabsichtigt ist der Bau von 2 5 000 Laud - arbeiterwohnungen, von denen nach Möglichkeit 10 000 noch in diesem Haushaltsjahre erstellt werden sollen. Durch diese Beschaffung von Wohnungen, die für deutsche Landarbeiter geeignet sind, sollen zunächst vor allem die ausländischen Arbeiter entbehr- 1 ich gemacht werden, die auch im Winter in den deutschen landwirtschaftlichen Betrieben verbleiben.
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Das Schicksal der Ausgesteuerien.
über die Frage der besonderen Fürsorge für die Erwerbslosen, die die Höchstdaucr in der Erwerbslosenfür- sorge überschritten und deshalb keinen Anspruch mehr auf Erlverbslosenunterstützung haben, sagt eine offiziöse Erklärung:
Eine Verlängerung der Höchstdauer in der Erwerbslosenfürsorge über 52 Wochen hinaus kann nach Ansicht der Reichsregieruny nur mit Zustimmung des Reichstages und nur in Form eines Gesetzes erfolgen. Der Reichstag hat vor seinem Auseinandergehen den Stand-- punkt der Reichsregierung akzeptiert: nach der Haltung, die er bei den Erörterungen über die Ansgesteuertenfrage eingenommen hat, legt er Wert darauf, bei einer endgültigen Regelung beteiligt zu werden.
Die Länder teilten in ihrer großen Mehrheit den Standpunkt der Reichsregierung, daß bis zu dieser endgültigen Regelung die Fürsorge für die Ausgesteuerten auch weiterhin Sache der allgemeinen Wohlfahrtspflege ist, der sic nach dem jetzigen Rechtszustand obliegt, daß aber den BezirkSfürsorgeverbândcn unter bestimmten Voraussetzungen finanzielle Beihilfen gewährt werden müssen.
Im übrigen haben die Besprechungen bestätigt, daß die Frage der ausgesteuerten Erwerbslosen jetzt erst eine beschränkte zahlenmäßige Bedeutung hat. Die Reichs- regierung wird ober die beabsichtigte Regelung so betreiben, daß sie in Kraft treten kann, sobald im Herbst eine größere Anmbl von Ausgesteuerten vorhanden ist.
Aus In- und Ausland.
Berlin. Der Reichspräsident hat den Ministerialrat in der Reichskanzlei, Dr. O f s c r m a 11 n, zum Ministerialdirektor in d c r R e i ch s k a n ; l c i ernannt.
Berlin. T^r ncNgcgründetc Verband für europäische V c rst ö n d i g u n g veröffentlicht einen Aufruf. Dem vorläufigen Vorstand des BerbandeS gehören Abgeordnete verschiedener Parteien an.
Berlin. Der russische Filni „Panzerkreuzer Pate m f i n", der durch die Obcrprüfstevc verboten worben war, hat in einer geänderten Fassung noch einmal der Filmprüs- ficlle Vorgelegen und ist s r: i g e g c b e n worden.
Dresden. HLichsnünißer Dr. Külz, bet als Bürgermeister von Dresden noch bis Ende August beurlaubt ist, hat um Entlassung v 0 n dem Posten des Bürgermeisters nachgesucht. , , , x
, Wien. Der Verfassnngsausschuß des Rationalrates hat den sozialdemokratischen Antrag auf E r h cbung derMi- nisteranklage gegen das Kabinett Ramck mit 13 gegen 10 Stimmen abgelehnt.
Moskau. Die Presse meldet, daß der Präsident des revolutionären Kricgsrates, llnsch licht, zum Nachfolger Dsershinskis gewählt worden ist. „
Konstantinopel. Kara Kemal, der wegen Beteillgting an der Verschwörung gegen Mustafa Kemal Pascha zum Tode verurteilt, aber entflohen war, wurde in einem .Hause in Jtambul entdeckt. Als man ihn festnchmcn wollte, verübte er Selbstmord.
Lhamdèrlamr„Ae!n" vor dem Oberhaus.
Keine Besorgnis wegen Deutschlands Abrüstung.
. Chamberlain hatte bekanntlich im Britischen Unterhaus auf eine Anfrage, ob Deutschlands Abrüstung zufriedenstellend sei, geantwortet, daß er zu seinem Bedauern „nein* sagen müsse. Dieses „Nein" hat nicht bloß in Dciitschland, sondern auch in England zu Mißverständnissen Anlaß gegeben und so fragte denn jetzt im Britischen Oberhaus Lord P a r m 0 0 r e die Regierung, was Chamberlain gemeint habe.
Im Namen der Regierung erwiderte Lord Cecil, daß der Ausschuß der Botschafterkonferenz festgestellt habe, daß Deutschland die Beding,tngen für tue Aufnahme in den Völkerbund erfüllt habe. Diese Entscheidung bleibe bestehen und werde ,n keiner Weise beeinträchtigt durch irgend etlvas, was m- zwischen gesagt oder geschehen sei. Er habe der^,m Untci Hause gegebenen Erklärung deS Unterstaatösckretärs be Außenministeriums, daß zwar untergeordnete Fragen der Abrüstung noch zu crlcoigen seien, daß diese Angelegen heilen aber der Regierung keinerlel Besorgnis bezüglich der Erfüllung der Deutschland abl,egenden Berpflichtun gen bereiten, nichts hinzuzufügen. m„^s-^„.
Mit dieser Regierungserklärung dürste die Angelegen heit, die mit bett „Monierungen des Generals W a Ich in Verbindung gebracht wurde und die so viel ^taub aufge- wirbèlt hat, endgültig erledigt sein.