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Zulöaer /lnzeiger

Erscheint seien Werktag. Bezugspreis: monat­lich s Mark. Bei Lieferungsbehtn-eruagen »urch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen Sem Bezieher keine Msprüche. Verlag Zrieürich Ehrenklau, Kul-a, Mitglied -e« Vereins Deutscher Zeitungsoer. leger. Postscheckkonto: Krankfurt a. M. Nr. 5585

Nr. 173 1926

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Zul-a. und Haunetal »Zul-aer Kreisblatt

Re-aktton na- Sephästsstettr: MSHlenstraße 1 Zerusprech.flusthloß Nr.-Sy

NachSeuck »er mit* »ersehenen flrUkel nur mit chgellenangade.Zul-aerM»s»iger"s»fla«»t.

Fulda, Samstag, 31. Juli

Anzeigenpreis: §ür Beh-r-en, Seaoffensthech' ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 030 NL, für auswärtige Auftraggeber 0.25 Hit, für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk^ Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstei­lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag« und platzvorschristen unverbindlich.

3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Rc'chsrat und Handelspolitischer Ausschutz des Reichs­tages stimmten einer Verordnung der Reichsregierung zu, die ab 1. August bis auf weiteres niedrigere Zollsätze sür Mehl und sonstige Müllereierzeugnifse sestsetzt.

* Die Koloniale Reichsarbeitsgemeinschaft forderte in einer Eingabe an die Reichsregierung, datz der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund von einer klaren Regelung der kolonialen Frage abhängig gemacht werde.

* In Herzselde (Kreis Riederbarnim) erkrankten in den letzten Tagen 200 Personen infolge Fleischvergiftung an einer Art Paratyphus.

* Bei Paris entgleiste der Orientcxpretz; cs wurden vier Tote und 18 Verwundete geborgen.

Errungen von heule und gestern.

Mit Mühe und Not haben die Berliner Zentral- instanzen in dem Magdeburger Justizkonflikt einen vorläufigen Waffenstillstand zu Wege gebracht. Man will sozusagen wieder von vorn anfangen, hat nach dem Magdeburger auch den Berliner Beauftragten der Krimi­nalpolizei zurückgezogen und möchte zunächst wieder ein­mal in das notwendige und seit uralter Zeit überlieferte Dunkel der gerichtlichen Voruntersuchung zurückflüchten, das in diesem Falle, sehr zum Schaden der Sache, um der leidigen Sensationslust namentlich der großstädtischen Presse willen nicht respektiert worden ist.

Was sich hier entwickeln zu wollen schien, war von einem regelrechten Kleinkrieg der L a n d e s h a u p t- st a d t gegen die alte ber ü hmte Festung an der Elbe schon nicht mehr sehr weit entfernt. Aber gerade in dem Augenblick, als gegen Magdeburger Richter zum Ge- neralsturm geblasen wurde, hielten es die maßgebenden Regierungsstellen in Berlin doch für richtig,das Ganze haltl" zu kommandieren, und so hl das Gefecht glücklicher­weise zum Stehen gekommen. Bei Fortdauer dieser Zu­lande hätten sich ja in der Tat auch nur die .aus­gesprochenen Feinde des Staates und der bürgerlichen Ge­sellschaft vergnügt die Hände reiben können. Man denke: Landeskriminalpolizei gegen örtliche Kriminalpolizei, Berliner Instanzen gegen Staatsanwalt und Unter­suchungsrichter einer großen Provinzialstadt, eine der Auf­klärung dringend bedürftige Mordangelegenheit auf das tote Gleis politischer Tendenzen geschoben, mit denen sie unmöglich nur das mindeste zu tun haben kann eine traurigere Verwirrung der Geister, eine schlimmere Irreführung der Öffentlichkeit kann es ja schon gar nicht mehr geben.

lind man sieht: böse Beispiele verderben auch auf diesen überaus heiklen Gebieten die guten Sitten. In einem schönen O st s e e b a d werden einem Berliner Badegast Nächtlicherweile für dreißig- oder vierzigtausend Mark Juwelen aus dem Schlafzimmer geraubt. Die Po­lizei greift sich nach einigen Tagen einen berüchtigten Fassadenkletterer, der sie, als es sich darum handelt, das gestohlene Geschmeide wieder zur Stelle zu schaffen, ganz artig an der Rase herumsührt und schließlich bei Nach­grabungen im Walde hurtig entschlüpft. Nun erhebt sich auch hier die Streitfrage: Wen trifft die Ver- a n t w ortuug? Den örtlichen Hüter der öffentlichen Ordnung oder die aus Berlin entsandten Beamten der Landeskriminalpolizei? Haben Eifersüchteleien zwischen diesen und jenen das Verfahren ausgehalten und zu Miß­erfolgen geführt oder wer ist sonst haftbar zu machen für diesen neuen Triumph des Verbrechertums, das ja nachgerade aller kriminalistischen Bemühungen un­serer hochwohllöblichen Polizei zu spotten scheint? Hat der ewige Drang, zu reformieren, etwa zunächst nur ver­dorben, was gut war, ohne daß Aussicht besteht, das Bessere, dem man mit Einrichtung der Landespolizei nach- strebte, auch nur in absehbarer Zeit zu erreichen?

*

Empfindungen ganz anderer Art wrden durch eine Gerichtsverhandlung aufgerührt, die dieser Tage ein Ber­liner Schöffengericht beschäftigte. Wieder einmal war es Herr Dr. S ch a ch t, der Reichsbankpräsident, der sich in seiner Ehre durch Angriffe aus den Kreisen der geschä­digten alten Reichsbankgläubiger gekränkt fühlte und auch erreichte, daß der Schuldige zu einer Geldstrafe von meh­reren hundert Mark verurteilt wurde. Es war ihm vorge- worscn worden, daß er seine Weigerung, die berüchtigten r 0 t g e st e m p e l t e n T a u s e n d in a r k s ch e i n e zur Aufwertung zuzulassen, mit dreisten Lügen begründet habe, um die armen Besitzer dieser zu bloßer Makulatur entwertete» Banknoten von der Geltendmachung irgend­welcher Ersatz- oder Entschädigungsansprüche abzu­schrecken. In der Verhandlung kam zur Sprache, daß noch in der schwersten Inflationszeit, also 1922 und 1923, Taufen dm arkscheineaufdenaltenPlattenc gedruckt wurden und infolgedessen längst verklungene Jahreszahlen zeigten, bis zurück zum Jahre 1910 also Goldmark vortäuschten, während es sich in Wirklichkeit na« lurlich um nur sehr minderwertiges Papiergeld handelte. Die Verteidigung hielt Herrn Dr. Schacht entgegen, daß ", bei seiner öffentlichen Behandlung dieser Frage den Eindruck erweckt habe, als ob die Reichsbank, wenn sie irgendwelche Aufwertungsforderungen zugestanden mit Gesamtäufwendungen von 128 Milliarden Mark rechnen müßte, während tatsächlich nur der Papierwert âiten Tausendmarkscheine allenfalls diese Summe er­reichte. Also I 0 n g l e u r st ü ck ch c n, Täuschungs- »ersuch usw. Das Gericht ließ indessen diese Aus- bguug, die den Reichsbankpräsidenten ganz unmöglich gc- f>atte, nick gelten. Er habe die Pflicht, die Jnter- epen der Reich, ^ank zu vertreten, und trage die Verant­wortung für die Aufrechterhaltung der deutschen Wäh-

Die Verfassungsänderung in Polen.

MimslekpräßdenS Bartel

über Polens Politik.

Eine neuzeitlich aufgesaßte Demokratie".

Im Polnischen Sejm ist vor kurzem eine Änderung der polnischen Verfassung beschlossen worden, die vor allem dem Präsidenten der Republik Polen erweiterte Vollmachten gibt. Nunmehr beschäftigte sich auch der Pol­nische Senat mit den Verfassungsänderungen. Bei dieser Gelegenheit hielt der polnische Ministerpräsident Prof. Dr. Bartel eine p r 0 g r a m m a t i s ch e R e d e. Er be­tonte hierbei, daß die Vollmachtennicht im Namen der Autokratie, sondern im Namen einer neuzeitlich aufge­faßten Demokratie" verlangt werden. Der Ministerprä­sident hob hervor, daß sowohl in der Armee wie auch in der sonstigen Stellenbesetzung politische Rücksich­ten vollständig ausgeschaltet sind. Der Mi­nisterpräsident bekannte sich sodann zum Optimismus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die jetzige Regierung ein besseres Polen hinterlassen werde, als sie es vorgefun­den habe.

Im weiteren Verlauf seiner Rede betonte Minister­präsident Bartel erneut die vollständige Fried­fertigkeit der polnischen Außenpolitik. Bei dieser Ge­legenheit gab der Ministerpräsident der lebhaften Freude der polnischen Nation über die Bildung einer Regierung der hervorragendsten Persönlichkeiten in Frankreich Ausdruck, das mit Polen durch ein Bündnis und eine traditionelle Freundschaft verknüpft sei. Die Namen Poincars, Briand, Herriot und der an­deren Mitglieder des Kabinetts seien vielfach mit der Geschichte W »"wEch frau-SUchon Zusammenarbeit ver­bunden. Mit diesen Namen verknüpfe Polen die feste Ueberzeugung von der Ur Veränderlichkeit der französischen

rttng. Bei der bekannten Stimmung in den Kreisen der geschädigten Jnflationsglänbiger hätte er auch mit weit­gehenden Forderungen bis zur Höhe des Nennbetrages der Tausender rechnen müssen, und so blieb dem Gericht nichts anderes übrig, als dem Neichsbankpräsidenten die Reinheit seiner Ehre abermals feierlich zu bescheinigen.

Auch die Schösfenrichtcr werden sicherlich mit den ge­schädigten Reichsbankgläubigern lebhaftes Mitgefühl empfunden haben, denn sie wissen, daß hier wahre Ver­zweiflung gegen die verhängnisvollsten Folgen der W ä h r ü n g s ft a b i l i s i e r u n g ankämpst, die natür­lich für den Staat wie für uns alle lebensnotwendig ge« wefen ist, deren traurige Nachwirkungen aber in dem un­geheuren Umfang, den sie mittlerweile angenommen haben, kein Mensch vorausgesehen hat. In einzelnen, vielleicht sogar in vielen Fällen mögen unsaubere Speku­lantenhände auch bei dieser Katastrophe nachträglich noch im Trüben fischen wollen. Das ändert aber alles nichts an der Tatsache, daß hier offene Wunden am Volkskörper brennen, die nicht vernarben wollen.

Herr v. Hassell,

der neue deutsche Gesandte in Kopenhagen. Herr von Hassell, der Schwiegersohn des Großadmirals bou Tirpitz, war bisher Generalkonsul in Barcelona.

Die Reduzierung der Vesatzungstruppen.

Berlin. Die Antwort Chamberlains im Unterhaus auf die Frage, wann die englische Regierung die Herabsetzung der rheinischen Bcsatznngstruppen auf die frühere deutsche Heeres- stärkc im gleichen Gebiet durchführen werde, steht, wie von zn- ständiger Stelle mitgeteilt wird, nicht in direktem Wider,Pruch zu früheren Erklärungen der Alliierten. Die Note der Boi- schasicrkonscrenz vom 14. November 1925 hatte von einer fühl­baren Verminderung und von einer Herabsetzung des c« satzung-starke auf eine Zahl gesprochen, die sick unge,abr den normalen Ziffern" nähere. Diese ungenaue Ausdruckswcne hatte den deutschen Botschafter in Paris zu einer Erklärung un Ougi d'Orsay Veranlaß, die Rcichsregtcrung würde dienorma­

Politik und der vollen Wahrung der französischen Au-' torität.

Schließlich kam Ministerpräsident Bartel auf das VerhältnisPolenszu Danzig zu sprechen. In den Beziehungen zwischen Danzig und Polen sei eine wesentliche Besserung eingetreten. Die Tradition eines 500jährigen wirtschaftlichen Zusammenlebens ließe die Hoffnung berechtigt erscheinen, daß diese Beziehungen sich auch weiterhin günstig gestalten würden. Die polnische Regierung sei ihrerseits gewillt, an der finanziellen Sa­nierung Danzigs mitzuhelfen, und sei bestrebt, den Export Polens über den Danziger Hafen zu leiten. Die Regierung zweifele nicht daran, daß sie auf feiten Danzigs immer mehr guten Willen und Verständnis für die Gemeinsamkeit der beiderseitigen Interessen finden werde. Der Minister­präsident schloß seine Rede mit Worten des Vertrauens in die wirtschaftliche Zukunft Polens.

*

«.Neues bewaffnetes polen".

Von den rechtsstehenden polnischen Kreisen wird in den nächsten Tagen ein verschärfter Kampf gegen Mar­schall Pilsudski, den eigentlichen Beherrscher Polens, und feine Negierung auch unter dem Militär ausgenommen werden. Für das Militär erscheint bisher ein Pilsudski nahestehendes Organ,Das bewaffnete Polen", das zur­zeit als Stimme der engeren Kreise um Pilsudski auch außerhalb des Offizierkorps starke Beachtung findet. Am 15. August wird nun mit großen Geldmitteln von Posen her ein Militärorgan unter dem TitelNeues bewaffnetes Polen" gegründet, das gleichzeitig in Warschau, Posen und Lemberg erscheinen soll. Für das neue Blatt zeich­nen die seit der Pilsudski-Aktion demissionierten Generale Haller, Szeptycki und Dowbor-Musnicki verantwortlich. General Haller ist als der größte Feind Marschall Pil- sudfkis bekannt.

len Ziffern" als die früher in den besetzten Gebieten vorhandene deutsche Truppenstärke interpretieren. Auf diesen Schritt des Deutschen Botschafters ist eine Antwort nicht erfolgt. Cham-- Vcrlain hat jetzt im Unterhaus erklärt, daß eine Zusage der Alliierten, die Truppen auf das Maß der früheren deutschen Besatzung zu vermindern, nicht gegeben worden sei. Diese Zu­sage ist tatsächlich auch nicht erfolgt.

Deuèschlands Recht aus Kolonien.

Eine Eingabe der Kolonialen Reichsarbeitsgemeinschaft.

Die Koloniale Reichsarbeitsgemeinschaft hat an den Reichskanzler eine Eingabe gerichtet, in der darauf hin­gewiesen wird, daß der englische Kolonialminister A m e r y in öffentlicher Rede erklärt habe, daß das Schutz­gebiet von Deutscho stafrika durch den Versailler Vertrag in den dauernden und unwider­ruflichen Besitz Englands übergegangen sei. Diese Erklärung enthalte eine neue Theorie über den rechtlich so bestrittenen Charakter des Mandats: es werde hier mit dürren Worten ausgesprochen, daß das Mandat nichts weiter sei als eine Annexion ohne Entschädigung, und das stehe im Widerspruch mit dem Wortlaut und dem Sinn der ganzen Völkerbundsatzung.

Trete Deutschland bedingungslos in den Völkerbund ein, so werde eine Klärung der kolonialen Frage nicht erreicht werden. Die Koloniale Reichsarbeits- gcmeinschaft habe stets den Standpunkt vertreten, daß der Eintritt Deutschlands nur erfolgen darf, wenn vorher eine klare Regelung der kolonialen Frage erfolgt ist. Bei einem bedingungslosen Eintritt Deutschlands würden seine Aussichten auf eine aktive koloniale Tätigkeit für immer dahin sein und eS würde nicht die geringste Sicher­heit für wirtschaftliche Gleichberechtigung in seinen und in anderen Kolonien erreichen können.

Die Koloniale Reichsarbeitsgemeinschaft ersucht des­halb die Reichsregierung nochmals und dringend, den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund von einer klaren Regelung der kolonialen Frage abhängig zu machen.

Gespannte Zinanziage bei der ReichSpost.

Rückgang der Zahl der Radioteilnehmer.

Der Verwaltungsrat der Deutschen Rcichspost trat am 29. Juli zu einer Sitzung zusammen. Über dir Lage der Deutschen Reichspost im Juni 1926 wurde folgendes ausgeführt: Der Briefverkehr hat sich auf der Höhe des Vormonats erhalten, der Paketverkehr, der Postanlvei- snngs- und Zahlkartenverkehr sind zurückgcgaugen, die Zahl der Postscheckkonten und der Umsatz im Postscheck­wesen sind zwar gestiegen, das Guthaben auf den Post­scheckkonten ist aber um 19 Millionen Reichsmark weiter zurückgegangen, der Telegraphenverkehr hat gegen bett Vormonat um 11 Prozent abgenommen, die Zahl bet Rundfunkteilnehmer hat im Juni um r u n d 38 000 abgenommen, was auf die Ferien zurück- zuführen ist. ,. , , ~

Die Betriebseinnahmen für 1925 sind hinter dem Soll u m 2 6 M i l l i 0 n e n R e i ck s in a r k z u r u ck g e b l r c- b e n. Die Finanzlage der Reichspost ist auch weiterhin gespannt, was auf die ungünstige allgemeine Wirtschafts- läge zurückzuführen ist. Die Verwaltung erwartet jedoch, > die Ausfälle durch den im zweiten Halbjahr regel- mäßig stärkeren Verkehr ausgeglichen werden. j