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Zul-aer Mzeiger

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Tageblatt für Rhön an- Vogelsberg

Zulöa- und Haunetal »Zulüaer Kreisblatt

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Nr. 181 1926

Fulda, Dienstag, 10. August

3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Die beutfdic Regierung hat in London, Brüssel, Rom und Washington Abschriften ihrer kürzlich der französischen Regie­rung unterbreiteten Wünsche bezüglich der Herabsetzung der Rheinlandbesatzuug überreichen lassen.

* Zwischen Deutschland und Luxemburg ist der Sichlvcr- mcrk-lzwang für Reisepässe aufgehoben worden.

* Aus dem Magdeburger Gerichtsgefängnis wurden die in dèr Mordaffäre Helling verhafteten Beschuldigten^ Direklor Haas, Kaufmann Fischer unb Chauffeur Reuter au; Beschluß der Spruchkammer entlassen.

* Der amerikanische Präsident Coolidge hat sich gegen eine Anregung Clemenccaus ausgesprochen, Frankreich seine Schul­den an Amerika zu erlassen. Die Anregung erfolgte in einem Briefe Clemenceaus an Coolidge.

Mißlungener Tigersprung.

Clemenceau, derTiger", wie ihn die Freunde und auch, in versteckter Bewunderung, die Gegner nennen mit diesem Mann, mit der Nennung dieses Namens taucht alles auf, was eines jeden Deutschen Herz seit Jahren erfüllt. Er war ein Deutschenhasser, als 1871 die Kommune Paris durchraste und am Eisenwall des deut­schen Heeres zerbrach; er hat das Wort von demNie­mals davon sprechen, immer daran denken" geprägt, er, der Linksradikale, er, der französischste Franzose trotz­dem. Und im Weltkrieg ist er es gewesen, der sein er­schöpftes Land zusammenriß zu neuem Widerstand, bis er in Versailles die Frucht pflücken konnte.

Er ist der eigentliche Vater desFriedens" von Ver­sailles, er war der führende, alles fordernde Kopf der großen Vier". Wäre es ganz nach ihm gegangen, so wäre Deutschland ein wüstes, armseliges Chaos, wo es 20 Millionen zuviel" gab. Der wilde fünfzigjährige Haß blendete ihm die Augen. Schmerzlich genug mag er es empfunden haben, daß endlich an die Stelle brutal-nackter Gewalt eine feste Vereinbarung trat, für die auch andere Mächte garantierten. Gewiß war der Londoner Pakt für Frankreich Mr wertvoll; denn den größeren Teil der deutschen Zahlungen erhält ja dieses Land. Und nun trotz Sieg und trotz desLe Boche payera tout (Der Deutsche bezahlt alles) die Wirtschafts- und Finanzkrise, der Wäh­rungszusammenbruch und dieHartherzigkeit" der ehemali­gen Kriegsgenossen, namentlich Amerikas, das von Frank­reich zurückgezahlt erhalten will auf Heller und Pfennig, was es einst imKampf für Freiheit und Zivilisation, für Demokratie und Humanität" geliehen hat.

Clemenceau hat nun einen sentimentalen Brief an den amerikanischen Präsidenten Coolidge geschrie­ben und ihn darauf verwiesen, wie furchtbar gerade Frankreich gelitten habe an Gut und Blut. Und nun solle sich Frankreich auch noch verkaufen, gleich als ob diese Kriegsschuld eine ganz gewöhnliche Kassaangelegenheit wäre, die reguliert werden müsse wie eine Handelsschuld. Kommen Sie in unsere Dörfer und lesen Sie die unend­liche Liste unserer Toten dann vergleichen wir, wenn Sie wollen." Was er verlangt, ist nichts anderes als Streichung der französischen Schuld an Amerika, zum mindesten allerweitestes Entgegen­kommen.

Der Sprung desTigers" ist mißlungen. Für den Amerikaner war der Krieg ein Geschäft, ist die Regulie­rung der Kriegsschulden nur Geschäft, wobei man an Sentimentalitäten ebensowenig denkt Ivie im Krieg. Auch wenn es sich dabei um den Bundesgenossen von einst han­delt. Der amerikanische Präsident hat ebenso umgehend wie schroff und eindeutig geantwortet: Die Schuldenrege- lung ist da, denn das diese betreffende Washingtoner Ab­kommen ist vom Amerikanischen Senat und Repräsen­tantenhaus genehmigt, jetzt warte man nur noch auf die Ratifikation auch durch die Französische Kammer. Die Diskussion sei g e s ch l o s s e n; es habe gar keinen. Zweck, darüber zu reden. Clemenceau hatte aufgestöhnt, die fran­zösischen Kassen seien leer ihm wird aus Amerika ge- antwortet, daß Frankreich keinen Dollar an Anleihe er­halten werde, bis die Ratifizierung vollzogen sei. Aus London hört man das gleiche. Und am schmerzlichsten niag es für Clemenceau sein, zu vernehmen, daß die not­wendige Schlußfolgchmng aus der Schaffung und der Durchführung des D a w e s - P l a n e s die sei, daß nun auch Frankreich seine Schulden voll und ganz bezahlen müsse. Amerika besteht auf seinem Schuldschein; Geschäft bleibt Geschäft und um ein bekanntes Wort zu zi­tieren:Blut ist zwar dicker wie Wasser", aber das Geld ist doch noch ein ganzes Ende dicker als Blut.

Und daran ist derTiaer" abaeprallt.

Dr. Ernst Müller-Meiningen.

wird der bekannte Politiker Dr. vn»^ Müller-Meiningen 60 Jahre alt. Jurist vvn Beruf, war er zuerst als Rechtsanwalt tätig, um dann bayerischen Staatsdienst er ist Bayer von uberzutreten. Er bekleidete die höchsten juristi- uiim^ war kurz nach der Revolution Jüstiz- Als Nou^, stellvertretender Ministerpräsident in Badern. Volksvari«^^ v"^!tt er, der damaligen Freisinnigen «en «L ?r'^w^ seit 1898 den Wahlkreis Meinin- seiner V^r"? ^^ Reichstag; er war einer der Führer kommiMa» » ^"«ere Zeit Vorsitzender der Militär- der Folge iw^ ^a^ bm Verfassungskommission. In

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Haas in Freiheit gesetzt»

Die Hastenllaffong von

Haas, Fischer und Reuter.

Auf Beschluß der Beschwerdekammer.

Der Polizeipräsident von Magdeburg erließ Montag mittag folgende amtliche Mitteilung:Die heute vormit­tag um 8 Uhr zusammengetretene Spruchkammer hat um 12 Uhr mittags die sofortige Haftentlassung des Direktors Haas, des Kaufmanns Fischer und des Chauffeurs Reuter beschlossen. Die Genannten wurden sofort in Freiheit gesetzt."

Die Beschwerdekammer hatte von 8 bis 12 Uhr be­raten. Da inzwischen noch weiteres wichtiges Material hinzugekommen war, erschien die Beweiskette zur Ent­lassung des Haas auch ohne das Geständnis des Schröoer geschlossen und die Unschuld der auf Schröders Aussagen hin Verhafteten Haas, Fischer und Reuter erwiesen. Gegen 1 Uhr verließen Rudolf Haas, Fischer und Reuter das Untersuchungsgefängnis. Die Nachricht von der Auf­hebung der Haft hatte sich in Magdeburg schnell verbreitet.

Hunderte von Menschen hatten sich vor dem Tor des Gerichtsgefängnisses angesammelt und als die Freige­lassenen erschienen, begrüßten viele sie durch Zurufe. Dem Vernehmen nach steht die Wiederverhaftung der Braut des Hauptbeschuldigten Schröder, Hildegard Götze, die vor einigen Tagen entlassen wurde, in Frage. Es sollen sich neue Verdachtsmomente ergeben haben. Sie soll die Annonce aufgesetzt haben, die Schröder im Magdeburger Generalanzeiger veröffentlichte und in der Helling ausgefordcrt worden war, seine Kaution mitzu­bringen.

Deutscher SKU

bei den Merrietnâchiku.

Wegen Abbaues der Besatzung.

Die deutsche Regierung hat in L o n d o n, B r ü s s e l, Rom und Washington Abschriften des kürzlich vom deutschen Botschafter in Paris, v. Hoes ch, dem franzö­sischen Außenminister Briand unterbreiteten deut­schen M e m o r a n d ü m s überreichen lassen. Es iver« den in diesem Memorandum noch einmal die Ansprüche auf Herabsetzung der alliierten Rheintruppen geltend gemacht.

Das Memorandum verlangt, daß die Herabsetzung der Stärke der alliierten Rhcinarmeen von 85 000 auf 50 000 Mann der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund vorausgehen; $um mindesten aber gleichzeitig stattfinden müsse. Ferner werden die Alliierten crfucht, die Rheinlandgarnisonen nach Herabsetzung der Truppen­stärke in mehreren großen Zentren zu konzentrieren und nicht, wie bisher, über das ganze Land zu verteilen, mit anderen Worten: die Besetzung «sichtbarer zu machen. Freiherr L a n g w e r t h v. S i m m c r n, der als deutscher Delegierter der alliierten Rheinlandkommissio» in Koblenz beigegeben ist, hat der Rheinlandkommission die deutschen Vorschläge auseinandergesetzt.

Es wird von den maßgebenden Stellen hierzu aus­drücklich bemerkt, daß es sich nicht um neue diplo­matische Schritte handelt, sondern eben nur um eine Abschrift bereits früher geäußerter deutscher Wünsche in der Besatzungssrage.

politische Rundschau.

Deutsches Reich

Ende der Regierungsfcrien.

Die Mitglieder des Reichskabinetts haben ihre Fe­rien beendet und sind wieder in Berlin eingetroffen, um an der Verfassungsfeier teilzunehmen. Bei der Feier wird nach einer kurzen Ansprache des Reichskanzlers Reichsinnenminister Dr. Külz die Festrede halten. Am folgenden Tage wird dann das Reichskabinett zu seiner ersten Sitzung nach den Ferien zusammentreten, um über die Frage der Zusammensetzung der deutschen Delegation für die Völkerbundstagnng, über das Arbeitsbeschaffungs- Programm unb über die Bestätigung des Generaldirektors der Reichsbahngesellschaft zu beraten.

Enthüllung zweier Ebert-Denkmäler.

In Q u e r u m bei Braunschweig wurde in Anwesen­heit von Vertretern der staatlichen und städtischen Be­hörden, Parlamentariern und zahlreichen Ehrengästen ein Denkmal zum Gedächtnis für den ersten Reichs­präsidenten enthüllt. Ern zweites Ebert- Den k m a l, das zugleich ein Denkmal für Erzberger unb Rathenau ist, wurde am gleichen Tage auf dem Hohenstein bei Witten eingeweiht. Für die preußische Regierung sprach Regierungspräsident Amelunxen-Münster.

Berfaffungsseier in München.

Unter starker Beteiligung fand im Ausstellungspari in München die vom Reichsbanner Schwarz-r»t-gold, bei Deutschen Demokratischen Partei unb der Sozialdemokra­tischen Partei veranstaltete V e r f a s s u n g s f e i ei statt. Als erster Redner sprach der sozialdemokratische Rcichstagsabgeordnete Wels, der das Bekenntnis zur Weimarer Verfassung als ein Bekenntnis zum Frieden be= reicknete. Der zweite Redner. General T ü c o d o i

Kommt Entschädigung in Frage?

Im Strafverfahren freigesprochene oder durch Be­schluß des Gerichts außer Verfolgung gesetzte Personen können nach dem Rcichsgesetz vom 14. Juli 1904 für erlit­tene Untersuchungshaft Entschädigung aus der Staatskasse verlangen, wenn das Verfahren ihre Un­schuld ergeben oder daigctan hat, daß gegen sic ein begründeter Verdacht nicht v o r l i e g t. Gegen­stand des dem Verhafteten zu leistenden Ersatzes ist der für ihn durch die Untersuchungshaft entstandene Ver- mögcnsschaden. Ein Schmerzensgeld, also eine Entschädi­gung wegen eines Schadens, der nicht Vcrmögensschadcn ist, kann nicht beansprucht werden.

Der Anspruch richtet sich gegen die Staatskasse, d. h. soweit es sich nicht um das Reichsgericht handelt, gegen, den Landesjustizfiskns. Wird der Verhaftete f r e i ge­sprochen, so hat das Gericht gleichzeitig mit dem Ur­teil oder Beschluß durch besonderen Beschluß über die Eulschädigungspflicht Bestimmung zu treffen. Dieser Be­schluß stellt nur die grundsätzliche Verpflichtung dar. Auf Grund des Beschlusses muß dann der unschuldig Ver­haftete binnen sechs Monaten durch Antrag bei der Staatsanwaltschaft seinen Anspruch geltend machen und beziffern. Über den Antrag entscheidet die oberste LandeS- justizverwaltungsbèhörde, also in Preußen das Justiz­ministerium. Gegen die Entscheidung ist Berufung auf dem Rechtswege zulässig; es muß dann binnen einer Aus- fchlußfrist von drei Monaten nach Zustellung Klage bei dem Landgericht erhoben werden. Die Klage wird in Preußen gerichtet gegen den preußischen Justizfiskus, vcr- treten durch di. Oberstaatsanwaltschaft beim Oberlandes- aeridit des Bezirks

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Körner, Mitglied des österreichischen Bundesrates, er­klärte, c.s werde der Tag kommen, wo Österreich ins Reich hcimkchren werde auf dem Wege friedlicher Entwicklung, getragen vom Geiste von Weimar unb Locarno. Das Hoch des Redners galt dem Ideal von 1818, der groß- deutschen, einigen Republik.

Griechenland.

X Attentatsversuch gegen Pangalos. Ein Mann namens Andonopulos machte in Spetsae den Versuch, den Präsidenten der Griechischen Republik, Pangalos, bet dort zur Erholung weilt, zu ermorden. Die Llus- führung des Verbrechens wurde jedoch vereitelt. Der Täter ist ein aus dem Gefängnis entwichener Sträfling, der wegen Mordes an einem Gendarmerieoffizier ver­urteilt wurde; es wird behauptet, daß er geistesgestört sei. Der Präsident hat zahlreiche Glückwunschtelegramme erhalten.

Aus Zu- und Ausland.

Berlin. Auf Grund von Vereinbarungen zwischen der dcntschen und her. luxemburgischen Regierung wird bet Sichtvermerkszwang für die beiderseitigen Staatsan­gehörigen mit Wirkung vom 1. September 1926 aufge­hoben werden.

Berlin. Mit Japan wurde ein Farbstoffabkom- m e n abgeschlossen, das bei den japanisch-deutschen Handels- vcrtragsverhandluiigorl eine Art Vorbedingung bildet für die Fortführung der eigentlichen Vertragsvcrhaudlimgcn.

Danzig. An Stelle des nach Berlin ins Auswärtige Amt berufenen Konsuls Dr. Liedtke ist der Legationsrat Dr. Oster zuni deutschen Konsul in Dairzig ernannt worden.

Amsterdam. Reichstagspräsident Löbe wohnte der Ber- fassuiigsfcicr der neugegründete» Amsterdamer Gruppe des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold bei unb hielt einen Vor­trag überDie Deutsche Republik als Gewähr des Welt­friedens".

Paris. Der brasilianische Delegierte beim Völkerbund, Melto Franco, erklärte einem Vertreter eines hiesigen Blattes, daß Brasilien aus der Scptcmbcrtagung des Völker- bundes nicht vertreten sein werde, da die Lage noch genau die­selbe sei wie im März.

Landon. Nachrichten aus Kanton zufolge sind die Trup­pen des chinesischen Generals W npet.s u in Rordhumm von der Roten Kantoiinrmec geschlagen worden.

London. In einer amtlichen Mitteilung wird die dicker Tage verbreitete Nachricht über die Auffindung der Leiche Lord Kitcheners an der skandinavischen Küste als un­wahr bezeichnet.

Sofia. In P h i l i p p o p e l wurden mehr als 30 Kom­munisten und Anarchisten, die terroristische Überfälle ans her» schieden« öffentliche Gebäude der Gtabt geplant haben sollen, verhaftet. Es wurden Cxplosivstosfe und Waffen gesunden und beschlagnahmt.

Newyork. Die m c r i t a n i f ch c Regierung hat be­kanntgegeben, daß die Kultusdekretc auch auf protestan­tisches Kircheneigentum angewandt werden; sie beabsichtige keine Beschlagnahme, behalte sich aber das Recht aus Ver­staatlichung vor. Es gibt in Mexiko 100 bis 150 protestantische Kirchen.

Neuere Meldungen.

Urlaubsreife des Reichspräsidenten.

Berlin. Rcichsprästdcnt v. Hindenburg wird am 15. August nach Pommern reifen, um an der Hochzeit eines Enkels teilzunehmen. Der Reichspräsident begibt sich dann zu eintägigem Aufenthalt wieder nach Berlin zurück, um darauf seinen Urlaub in Oberbayern zu verbringen.

Dr. Schacht doch bei Dr. Stresemann?

Berlin. Wie die Telegr.-Union meldet, habe Reichsbank- präftbent Dr. Sckacht dem Reichsautzenminister Dr. Strese- mann in Bad Wildunaen einen Besuch abaeftattet. Die Nach--.