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Zul-aer Mzeiger

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Nr. 182 1926

Fulda, Mittwoch, 11. August

3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

' * Ein Abkommen zwischen der deutschen und der sran- zösischen Schwerindustrie über die Eisen- und Rohsiahlsavri- fatioii steht vor dem Abschluß.

* Gegen den in der Magdeburger Mordassäre tätig gewe­senen Untersuchungsrichter Kölling ist das Disziplinarver­fahren eingeleitet worden.

* In Versailles ist die Französische Nationalversammlung unter dem Vorsitz des Senatspräsidenien de Selves zusammcn- gctrcten.

* Das englische UnterseebootH 29" ist bei einer Übungs- sahrt gesunken. Fünf Mann der Besatzung kamen dabei um.

Deutsch-französischer Eisentrust.

Der Abschluß der seit langer Zeit angestrebten

's Verabredung zwischen der deutschen und der fran­zösischen Schwerindustrie mit Einschluß von Belgien, Luxemburg und dem Saargebiet über Herstellung, Preis usw. von Roheisen und Rohstahl steht un­mittelbar bevor. Dazu wird uns von sachverstän­diger Seite geschrieben:

Die eigentliche Geburtsstunde der unmittelbar vor dem Abschluß stehenden internationalen Rohstahlgemein- schaft ist der Zusammenbruch des deutschen Ruhrwider­standes gewesen. Nach dem verzweifelten Widerstand, den die deutsche eisenschaffende Industrie zusammen mit ihrer größeren Schwester, der eisenverarbei- t e n d e n Industrie, gegen den Ansturm der infolge des Kriegsausganges so stark erweiterten französischen Kon- kurrenzindustrien geführt hatte und der doch vergeblich ge­blieben war, hatte man das Steuer entschlossen herum­geworfen, und vor allen Dingen S t i n n e s und der alte Thyssen waren es gewesen, die dabei die Gesamt­führung übernahmen. Eine Verständigung nicht bloß mit der französischen Schwerindustrie, sondern darüber hinaus auch mit den Industrien der anderen wichtigsten Pro­duktionsgebiete war das Ziel.

Auf die außerordentlichen Schwierigkeiten, die eine solche internationale Verständigung an und für sich schon hat, hinzuweisen, ist wohl unnötig; die Schwierigkeiten MWen aber ins fast Unüberwindbare, als die fran­zösische und die belgische Währung ins Wanken und Gleiten kamen, also gerade in jenen Ländern die Gefahren einer Valutaunterbietung immer größer wurden, wo die stärkste Exportproduktion betrieben wurde. Nur auf augenblickliche Vorteile sehend, hatte sich darum besonders Frankreich gesträubt, internationale Ver­einbarungen zu treffen, durch die eine Ausnutzung der Va­lutaunterschiede unmöglich gemacht werden würde. Die Folgen davon waren besonders für die deutsche eisen­schaffende Industrie schwer. Während im Jahre 1925 die französische Roheisen- und Nohstahlproduktion sich sehr er­heblich vermehren konnte, ging in Deutschland wäh­rend dieses Jahres die Roheisenerzeugung um etwa ein Viertel, die Rohstahlerzeugung um fast die Hälfte zurück. Die deutsche Rohstahlgemeinschaft fand.sich genötigt, ihre Produktion theoretisch um 35 Prozent, in Wirklichkeit aber um 50 Prozent zurückzuschrauben. Demgegenüber spielt eine verhältnismäßig geringe Rolle, daß es gelungen war, wenigstens ein europäisches Schienenkartcll und eine Röhreuvcreiubarung abzuschließen.

Die bevorstehende Rohstahlgemeinschaft ist aber zn- nächst überhaupt nicht international gedacht, sondern soll auf Europa beschränkt werden, bleibt aber vor­läufig überhaupt nur eine kontinentale Vereinbarung der wichtigsten Produktionsländer, also Deutschlands, Frankreichs, Belgiens und Luxemburgs. England ist nicht dabei, wenigstens vorläufig nicht, weniger deswegen, weil es nicht will, sondern deswegen, weil die englische Produktion durch den Bergarbeiterstreik derart schwer verwundet worden ist, daß der Wiederauf­bau der dortigen Eisen- und Stahlproduktion auf abseh­bare ^Zeit wohl fast zur Unmöglichkeit geworden ist.

Die Verabredung eines derartigen internationalen Kartells bezieht sich vor allem auf die Produktions- h 0 h e, die dem Bedarf angepaßt wird, was also in einer üor sich geht, wie sie bisher allein in der deutschen Rohstahlgemeinschaft durchgeführt ist; waren doch Frank- reich und Belgien in der glücklichen Lage, ohne jede Eiw- s^rankung produzieren zu dürfen. Die Verhandlungs- schwierigkeiten lagen nun im wesentlichen in dem Streit um die Hohe der Beteiligung, die auf jedes einzelne Land rn bezug auf die Gesamtproduktion entfällt, also die soge­nannteQuote*. Der französisch-belgische Standpunkt war dabei der, von der gegenwärtigen Lage als einer für diese beiden Länder besonders günstigen auszu^ gehen. Den deutschen Unterhändlern ist es aber gelungen, ! von diesen Forderungen ganz erhebliche Abstriche zu er-j Mütngen, wobei biè bevorstehende Frankstabili-i sierung für uns ein wesentlicher Helfer war. Es sollte! sogar gelungen sein, für Deutschland eine Beteiligung zu! erzielen, die den jetzigen deutschen Produktionsrückgang! wieder wettzumachen geeignet sein wird: denn es wurden oer deutschen Industrie die Zahlen von 1925 zugestanden, Avach auf sie ungefähr 43 %, Frankreich mit Luxemburg

Belgien 1154 % und das Saargebiet 6 % der Ge- M^ugung entfallen. Neuerdings verlautete jedoch, solle sich nach dem Stande jedes Viertel- dinoâ ^en und mit 1926 beginnen. So würde sich aller- S=wy"^ âs »""«"«»« aeo-^»in^enationale Verabredung würde nun eine ^rtt^ Konkurrenz praktisch ausschalten, weil ja eine £ ab Werk durchgeführt wird, so daß bei

nut noch die Höhe der Tarife Preisunter- iXmi; 'ö!t1:11^ Des weiteren wird durch die neue latronale Rohstahlgemeinschaft auch ein Austausch

Die MimlUrsmmlW in

Frankreichs oberstes Parlament.

In Versailles wurde Dienstag früh vom Vorsitzen­den, dem Senatspräsidenten de Selbes, die auf An­trag des Ministerpräsidenten Poincaro einberufene Natio­nalversammlung eröffnet. Diese gleichsam als oberste endgültige Instanz in besonderen Fällen dienende Ver­sammlung tagt zum drittenmal seit Bestehen der Fran­zösischen Republik von 1870 zu anderen Zwecken als zur Neuwahl des Präsidenten, zu der sie verfassungsmäßig

Vorsitzender der Nationalversammlung de Selbe-.

berufen ist. Sonst kann sie einberufen werden, wenn die Verfassung abgeändert werden soll. Diesmal handelt es sich um die Einfügung eines neuen Gesetzes in die Ver­

der gegenseitigen Rohstoffe zwecks Ausgleichs herbeige­führt, so daß man wohl auf die Wiederherstellung des früheren Zustandes rechnen kann: Lieferung des an Eisen­erzen so überaus reichen Frankreichs an uns und Gegen­lieferung der namentlich für die lothringischen Eisen­hütten fast unbedingt notwendigen R u h r k 0 h l e n - und -kokse. Erfreulicherweise war inzwischen in den deutsch-französischen Beziehungen eine bedeutende Schwie­rigkeit behoben worden, nämlich der Streit um das Saargebiet, der namentlich bei den zwar zustande gekommenen, aber nie durchgeführten Vereinbarungen im Juni vergangenen Jahres die entscheidende Rolle gespielt hatte. Das damals dort übermächtige französische Kapital hat sich namentlich wegen der Entwicklung des Franken nicht halten können, und als die saarländische Schwer­industrie, vor allem der Stumm-Konzern, in Schwierigkeiten geriet, konnte das deutsche Kapital einen raschen, zu einem durchschlagenden Siege führenden Vor­stoß machen, so daß die dortigen Werke jetzt der deutschen Rohstahlgemeinschaft bzw. dem neuen Rheinmontantrust angehören.

So versucht also der neue internationale Eisentrust, obwohl Manches gegen ihn vom Standpunkt der eisen­verarbeitenden Industrie und der Verbraucher aus wird eingewendet werden können, eine Ordnung und Festigung in der internationalen Wirtschaftsbeziehung der beteiligten, also auch der deutschen Schwerindustrie, herbeizuführen.

Die Verminderung der Vesatzungètrnppen

Frankreichs Gegenforderungen.

Von zuständiger französischer Seite wird die Mel­dung, daß der deutsche Botschafter in Paris, von Hoesch, beut Außenminister Briand ein Memorandum über die Herabsetzung der Besatzungsstärke im Rheinlands überreicht habe, dementiert. Richtig fei, daß die Verhandlungen über diese Frage bereits seit vielen Monaten schweben und daß der Botschafter mit den zuständigen Pariser Stellen fortlaufend in Unter­handlungen hierüber steht.

Briand hat, wie derPetit Parisien" mitteilt, bei Der letzten Unterredung mit dem deutschen Botschafter darauf hingewiesen, daß Frankreich bereit sei, die Stärke feiner Besatzungstruppen von 60 000 auf 50 000 herabzu­setzen; man wünsche aber, daß Deutschland sich gleichfalls vom Geiste von Locarno leiten lasse, und daß die Kundgebungen, die im Rheinlande gegen die Franzosen veranstaltet wurden (!), ein Ende finden.

Mehrere Blätter behaupten, daß gegenwärtig im Rheinlande nicht 85 000 Mann Besatzungstruppen stünden, sondern nur 75 000, und zwar aüßer den 60 000 Franzosen noch 15 000 Engländer und Belgier.

fassung, nämlich des Gesetzes über die Errichtung und die Einnahmen einer Tilgungskasse zur Behebung der Währungsschwierigkeiten.

Lärm zur Eröffnung.

Das Schloß von Versailles, in dem die Versammlung tagt, ist stark durch Militär- und Polizeiaufgebot gesichert. Sonst war in den Straßen der Stadt von den großen Ereignissen nicht viel zu bemerken. Vorsitzender d e Selbes eröffnete die Tagung und schlug vor, die Ge­schäftsordnung der Nationalversammlung von 1871 im ganzen auch für diese Tagung anzunehmen. Tosender Widerspruch der K 0 m m u n i st e n und der Sozia­listen erhob sich. Sie randalierten mit den Pultdeckeln und mehrere Redner protestierten in erregten Reden gegen diese Regelung der Geschäftsordnung. Ihre An­träge wurden abgelehnt, der Vorschlag des Präsidenten angenommen. Ein Antrag Morinaud, der bestimmt, daß zur Tagesordnung nur je ein Redner der Mehrheit und der Minderheit das Wort erhalten soll, wurde mit 515 gegen 347 Stimmen angenommen.

Ministerpräsident poincarß.

verliest die Begründung des aus einem einzigen Artikel bestehenden Gesetzentwurfs, der lautet:Das Verfas- sungsgesctz vom 25. Februar 1875 wird wie folgt er­gänzt: Die Autonomie bot Kasse zur Verwaltung der Bons der nationalen Verteidigung und Amortisierung der öffentlichen Schuld trägt verfassungsmäßigen Cha­rakter. Ihr werden bis zur vollständigen Amortisierung der Bons der nationalen Verteidigung und der durch die Kasse verwalteten Wertpapiere zugewiesen: 1. Die Ein­nahmen ans dem Tabakverkauf, 2. der Ertrag der ein- maligen Steuer bei Eigentumswechsel, die Erbschafts­steuer und die freiwilligen Abgaben, 3. im Falle, daß die aufgezählten Mittel nicht für die Verwaltung der der Kasse überwiesenen Fonds genügen sollten, soll eine ent­sprechende Annuität in Vas Budget ausgenommen werden.^

Während Poincars diesen Entwurf verliest, unter­brechen ihn die Kommunisten verschiedentlich. Die Re­gierung beantragt hierauf die Dringlichkeitserklärung der Beratung dieses Entwurfs, die von der Nationalver­sammlung durch Handaufheben beschlossen wurde. Der Entwurf wird darauf an den Ausschuß überwiesen und die Versammlung vertagt sich vorläufig.

prozeffe um früheren kaiserlichen Besitz.

In Südwestafrika und in Griechenland.

Nach Meldungen aus K a p st a d t ist die i m N a m e n des früheren Deutschen Kaisers ange - strengte Klage auf Rückerstattung der ihm gehörigen auf Grund des Friedensvertrages beschlagnahmten Far­men in Südwestafrika erfolglos verlaufen. Der Richter erklärte, er sehe sich außerstande, aus Grund der Klage in der Form, wie sie eingereicht sei, einen richter­lichen Bescheid zu erlassen. Der Kronanwalt verzichtete darauf, dem Kläger die Gerichtskosten auferlegen zu lassen.

Gleichzeitig wird gemeldet, daß im letzten grie­chischen Ministerrat der Verkauf d e s Schlosses Achilleion auf Korfu, das dem früheren Kaiser gehörte und auf das er bis zuletzt Ansprüche er­hoben hatte, beschlossen worden sei. Für die Abschätzung wurde eine fünfgliedrige Kommission ernannt. Der Er­trag soll auf Grund der Bestimmungen des Versailler Vertrages für die Zahlung von Schadenersatz an grie- chische Staatsangehörige, die während des Krieges in Deutschland Schaden erlitten haben, verwendet werden.

Goldverschiffung nach Oeuischland.

Die Reichsbank löst.ihre Auslandsdepots auf.

Aus Amerika sind 2 500 000 Dollar in Gold nach Deutschland unterwegs. Die Federal Reserve Bank of New- york gibt dazu folgende Erklärung 1: Wir sind durch die Deutsche Neichsbank ermächtigt, zu erklären, daß die nun­mehr erfolgenden Goldverschiffungen nach Deutschland Teile der im Auslande befindlichen Goldreserven dar­stellen, die lange Zeit bei der Federal Reserve Bank of Newyork für Rechnung der Deutschen Reichsbank aufbe­wahrt wurden. Diese Verschiffungen erfolgen wie in früheren Fällen aus Goldbeständen, die in unserer Hand gesammelt wurden.

Das bei ausländischen Zentralnotenbanken liegende Golddcpot der Deutschen Reichsbank ist seit längerer Zeit unverändert mit 260 435 000 Mark ausgewiesen worden. Offenbar beabsichtigt die Reichsbank, nachdem die Gründe für die Unterhaltung dieser Golddepots, die noch aus der Stabilisterungszeit herrührten, in Wegfall gekommen sind, nunmehr allmählich die Golddepots im Auslande wieder aufzulösen und die aus diesen Depots ruhenden Beträge nach Deutschland zu ziehen.

Lettisch-polnischeKriegsvorberetwngen gegen Litauen?

Riga. Ende Juli hat sich der lcttländische Kriegsminister und am 3. August eine Kommission, bestehend aus dem Armee- * inspckteur Radsin, dem Gcncralstabschcf Aire und einem weite- ren Gcneralstabsoffizicr, nach Dünaburg begeben, wo ein Zu­sammentreffen mit polnischen Generalstabsoffizicren im Ge­lände stattfand. Diese Rekonoszicrungen stehen offenbar in Verbindung mit den Gerüchten über militärische Operationen gegen den Wilnaer Korridor.