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A$W etwatten", Streik«, M^perru»-«, Vcchnfperre usw. erwachsen tan Bezieher keine Tillsprüche. Verlag Krieürich «Heenklau, Zulöa, mftgfieb 6« Vereins Deutscher Zeitungsver- leger. Postscheckkonto: Zearrkfurt a. M. Nr. 5585
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Nr. 185 — 1926
Fulda, Samstag, 14. August
3. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Reichsfinanzminister Dr. Reinhold betonte bei einem Überblick über die Reichsfinanzen deren günstigere Gestaltung. Das Jahr 1926 werde wahrscheinlich ohne Defizit abschließen.
* Der beschleunigte Personenzug Regensburg—München entgleiste. Bei der Katastrophe wurden alsbald 12 Tote und 27 Verletzte gezählt.
* In Paris begannen Verhandlungen der deutschen, französischen, belgischen und luxemburgischen Schwerindustrie, die den Abschluß eines kontinentalen Eisentrusts bezwecken.
* Bei Budapest erfolgte eine Explosion von zirka 20 000 Kilogramm Dynamit, mehrere hundert Personen wurden verletzt, auch werden zahlreiche Vermißte gemeldet.
Schuld und Schulden.
/ In Frankfurt am Main wird ein angesehener Arzt in mittleren Jahren von einer auch nicht mehr ganz jugendlichen K r a n k e n s ch w e st e r über den Haufen geschossen. Sie war in blinder Leidenschaft für ihn entbrannt, ohne Gegenliebe zu finden, und griff in der Verwirrung ihres Herzens zur Mordwaffe, als sie vernahm, daß der Gegenstand ihrer Neigung sich mit einer anderen, jüngeren und wohl auch reizvolleren Frau fürs Leben zu verbinden gedachte. — Zwischen Heringsdorf und Ahlbeck wird abermals ein Arzt, in einem Berliner Vorort beheimatet, nächtlicherweile von jungen Burschen mit einer Latte niedergeschlagen und kann nur noch als Leiche geborgen werden. Dort, in der großen Mainstadt, eine Tragödie menschlicher Leidenschaft, die schließlich auch vor berufenen Helfern der Kranken und Schwachen nicht haltmachen kann; hier, an der sommerlichen Ostseeküste, ein brutaler Roheitsakt schlecht oder gar nicht erzogener Dorfjugend, der das glanz- und geräuschvolle Wochenendtreiben dieser sogenannten Erholungsstätten Wohl allzusehr zu Kopfe gestiegen war. Das Opfer in beiden Fällen Männer ärztlichen Standes, den man gerade gegen Roheitsverbrechen besser als andere Berufe geschützt glaubte. Der Frankfurter Fall hat seine gerichtliche Sühne bereits gesunden. In erster Instanz zum ---Lode verurteilt, wurde die Täterin nach nochmaliger Verhandlung mit sieben Jahren Zuchthaus bestraft — und es geschah das Merkwürdige, daß auch diese Strafe Noch auf Widerspruch stieß, daß Kritik an ihr geübt wurde, weil sie von der Todesstrafe nicht sehr weit entfernt sei, während der anfgedeckte Seelenzustand der Mörderin es habe zweifelhaft erscheinen lassen, ob sie die Tat überhaupt bei wacher Geistesverfassung begangen habe, ob sie ihr als Schuld anzurechnen sei. Man wird es trotzdem hoffentlich nicht auch noch zu einer dritten Gerichtsverhandlung kommen, sondern den Dingen endlich ihren gerechten Lauf lassen. Die Vernichtung eines Menschenlebens wird auch unter fortschrittlichsten Gesichtspunkten nicht als ungeschehen betrachtet werden dürfen aus bloßem Mitleid mit dem Verbrecher oder mit der Verbrecherin. Wenn selbst der humane Strafgesetzentwurf, der jetzt dem Reichsrat zur Beschlußfassung vorliegt, an der Todesstrafe festhält, genau so wie es auf Bismarcks entschiedenstes Verlangen hin das noch heute in Kraft befindliche Strafgesetzbuch aus den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts getan hat, so wiegt diese Tatsache schwer gegenüber den bekannten Bedenken, die gegen den Grundsatz der Vergeltung auch bei Kapitalverbrechen seit alters her vorgebracht worden sind.
Nun hat auch endlich Frankreich Ruhe. Für Kammer und Senat sind, vier Wochen später als sonst, die Sommerferien gekommen, nachdem sie ihrem alt-neuen Herrn und Meister P o i n c a r ü in unbegrenzter Will- whkigkeit schier alle seine Wünsche erfüllt haben. Plötzlich ist die französische Parlamentsmühle wieder wie geölt über die Räder gelaufen, Gesetze und Verordnungen schnurrten nur so aus ihren Tiefen heraus, und wenn nicht der Lärm der sozialistischen Opposition gewesen wäre, hätte auch die Sondertagung der Nationalversammlung, die noch rasch zur höheren Ehre des Herrn Poin- caro zusammengctrommclt wurde, einen ganz glatten und ganz imposanten Verlauf genommen. Aber das dicke Ende wird nun erst natürlich nachkommen für die Franzosen, die ihre Schulden bergehoch haben wachsen sehen. Schon hat der Oberste Verwaltungsrat der Eisen- bahngesellschaften Tariferhöhungen von 24 bis 30 Pro- zent beschlossen, um so, abgesehen von der Deckung des eigenen Defizits, auch die Gehälter und Löhne seiner Angestellten und Arbeiter der Wirtschaftslage entsprechend aufbessern zu können. Dann soll den Ausländern die Freiheit ihres Aufenthalts in Frankreich durch Auferlegung möglichst ergiebiger Fremdensteuern beschränkt werden; man glaubt es eben nicht mehr nötig zu haben, den Angehörigen von Ländern mit hoher Valuta die Schatze und Schönheiten Frankreichs sozusagen kostenlos darzubieten. Und der Pariser Polizeipräsident hat sich entschließen müssen, an die Spitze eines Ausschusses zu treten, der sich die Bekämpfung des Preiswuchers zur Aufgabe machen will. Auch in Frankreich wiederholt sich uanrllch jetzt die leidige Erfahrung, daß die Preise der Lebensmittel zwar sehr eilig den steigenden Devisen nack- in der umgekehrten Richtung aber sich der Kunst oes Nachlaufens durchaus abhold zeigen. Vorläufig hat ^L.^fte Polizeigewaltige nur ein Mittel zur Abhilfe er hat den Geschäften die Aushängung von ttnkl^^chuissen zur Pflicht gemacht. Das wird, nach Erfahrungen zu urteilen, nicht viel, das wird »sâal etwas helfen; wie es überhaupt sehr zweifel- erscheint, ob der erste stürmische Prestige-Erfolg des ’ âunes an der Spitze der gegenwärtigen Regievorhalt n“r bis zum Wiedcrzusammentritt der Kammer
bessere EntiMlW der WWmzei.
ReWlaffe 1926 ohne Wekbilanz?
Die Hoffnungen d e s F i n a n z m i n i st e r s.
Über den gegenwärtigen Stand der Reichsfinanzen gab der Finanzminister Dr. Reinhold Freitag einen Überblick vor einer Versammlung von Presseleuten. Dr. Reinhold bezeichnete die Lage der Finanzen als günstig unter zwei Voraussetzungen, daß nämlich der Reichstag nicht überraschend neue Ausgaben bewillige und daß dir bisherigen Ansätze zu einer Besserung der Wirtschafts, läge nicht durch einen Rückschlag abgelöst werden. Der Minister sprach bei Innehaltung dieser Bedingungen die Hoffnung aus, daß das laufende Jahr ohne Defizit ab- schließen werde.
Die Gesamteinnahmen im Juli betrugen 708 Millionen Mark und sind damit erheblich höher als die Einnahmen früherer Quartalsmonate; so betrugen die Gesamteinnahmen im April 584, im Januar 660, im Oktober 674 Millionen Marl. Diese Steigerung ist eingetreten trotz der Steuermilderungen. Von den Einkommen- steuern weist der Lohnabzug steigende Erträge auf. Im März wurden eingenommen 78,6 Millionen, April 79,4 Millionen, Mai 82,5 Millionen, Juni 88,7 Millionen, Juli 93,3 Millionen Mark. Insgesamt bleiben die Lohn- fteucrcinnalnnen zwar hinter dem Etatsansatz zurück, und
Eisenbahnkatastrophe in Bayern.
ZußRegensbllrg-Mnchen entgleist
Zwölf Personen tot.
Freitag früh 9.28 Uhr entgleiste der beschleunigte Pcrsoncnzug 853 Regensburg— München bei der Einfahrt in die âühe L«jèh«iyLf-^ an g âo chch (Oberbayern). Mehrere Personenwagen stürzten um. Dabei wurden 12 Reisende getötet, sieben schwer und 20 leicht verletzt. Das Unglück ist durch Dammrutsch infolge des Regen- wetters entstanden. Nach einigen Nachrichten soll bk Zahl der Toten sich auf 15, die der Verletzten auf 25 belaufen. Außer den 12 Toten und 27 Verwundeten waren in den Trümmern eines Personenwagens noch zwei Personen cingeKemmt. Ministerpräsident Dr. Held hat sich sofort nach Bekanntwerden des Unglücks an die Unfallstelle begeben.
Jeutfch-franzöWe Lifenverhan-lungen.
Drei Hauptpunkte.
In den Räumen des „Comilo des Farges" in P a r i s begannen die Verhandlungen von Vertretern der de u t s ch e n , französischen, belgischen und luxemburgischen Eisenindustrie zur Herbeiführung eines Abkommens zwischen den eisenerzeugenden Ländern Europas. Von deutscher Seite nehmen an den Verhandlungen teil: Fritz Thyssen, Generaldirektor Klotzbach von der Firma Krupp, Generaldirektor Pönsgen und andere. Das Abkommen würde erst nach Billigung durch die betreffenden Regierungen in Kraft treten. Die Besprechungen beziehen sich auf folgende Hauptpunkte:
1. Frankreich produziert 12 Millionen Tonnen Roheisen, verbraucht aber nur fünf Millionen Tonnen. Es soll daher ein Abkommen über die A u s f n h r v o n N o h- eisen aus Lothringen und dem Saargebiet nach Deutschland getroffen werden. 2. Man will einen innereuropäischen Rat für die Regelung der Produktion errichten. 3. Es sollen internationale Kartelle für den Abs^ ser Produktion in den Ländern errichtet werden, di. >lbst Roheisen produzieren. Auf diesem Wege würde man die erste Etappe zur wirtschaftlichen Einigung Europas zurücklegen.
Die französischen Blätter weisen darauf hin, daß England den Verhandlungen bisher ferngeblieben sei, halten es aber für wenig wahrscheinlich, daß England den in Bildung begriffenen kontinentalen Eisen- und Stahltrust bekämpfen werde, zumal es bereits dem Schienenkartell angehöre. Dagegen sei die Rivalität Amerikas gewiß. In englischen Zeitungen aber wird be- hauptet, daß einflußreiche amerikanische Interessenten in enger Fühlung mit der neuen Entwicklung blieben.
9Ibcr das sind, im wesentlichen, französische Sorgen. Für uns ist wichtiger, daß die deutschen Reichs mini st er ihre Sommerferien beendet haben und nun mit neuen Kräften an die Arbeit gehen können. Die Veranstaltungen zur V e r f a s s u n g s- feier sind überall int Reich ohne Störung verlaufen, die ersten Anzeichen einer Besserung des Arbeits- Marktes, dank der beginnenden Ausführung der Julibeschlüsse unserer Zentralbehörden, werden sichtbar. Bleibt als große Frage zunächst das Ergebnis der be-- vorstehenden Septembertagung des Völkerbund- r a t e s, in der abermals über Deutschlands Aufnahme in den Bund der Nationen entschieden werden soll. Das Reichskabinetts wird es an sich gewiß nicht fehlen lassen, um eine Wiederholung des beschämenden Schauspiels vom letzten Frühjahr zu verhindern. Dr. Sy.
zwar zum Teil auch deshalb, weil in den ersten Monaten erhebliche Rückzahlungen zu leisten waren. Dafür hat sich die freie Einkommensteuer besser entwickelt, als ursprüng- lich geschätzt war, trotz Stundungen auf vielen Gebieten. ' Ansteigende Erträgnisse brachten die Zolleinnahmen, die Börsenumsatzsteuer, die Tabaksteuer und das Branntweinmonopol. Der Gesamtertrag der verpfändeten Steuern hob sich auf einen Höchststand von 227 Millionen Mark.
Nach den Mitteilungen des Ministers werden die Bemühungen um weitere Sparmaßregeln fortgesetzt. Der Plan für eine verbilligende Form der Reichs finanz- Verwaltung ist fertiggestellt und soll demnächst durch, geführt werden. Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen und Zuschlagsempfänger hat sich gegen den Höchststand im Februar bis zum 1. August um rund 1,1 Million verringert, entsprechend sind die Ausgaben für die Erwerbslosenfürsorge zurückgegangen und dürften augenblicklich etwa 90 Millionen monatlich betragen. Reichsanleihen sind vorläufig nicht beabsichtigt. Der demnächst zu er-v wartende Nachtragshaushalt wird neben einem Betrag I für Erwerbslosenfursorge auch mehrere Millionen Mart aufordern für die Ablösungsanleihe, da die Anmeldungen von Altbesitz in Reichsanleihen die Schätzungen weit überstiegen haben.
Wie das Unglück geschah.
Die Verwaltung der Reichsbahndirektion Berlin gab folgenden Bericht über das Eisenbahnunglück bei Freising heraus: Freitag vormittag 9 Uhr 28 Minuten ist die Loko- Motive des beschleunigten Personenzuges 858 Regensburg— âünchen an einer Umbaustelle bei der Einfahrt in die Station Langenbach bei Freifing entgleist. Die, nachfolgenden Wagen wurden umgerissen und ineinander- geschoben. Es sind bisher 12 Tote, sieben Schwerverletzte und 20 Leichtverletzte feftgcftcHt worden. Die Hilfsaktion konnte in außerordentlich schneller Zeit durchgeführt werden, weil Ärzte und Sanitätsmannschaften aus Freising in Kraftwagen herbeigeschafft wurden. Hilfszüge trafen ferner aus Landshut und München in kürzester Zeit ein. Die Toten und Verletzten stammen durchweg aus Regensburg und Umgebung.
politische Rundschau.
Deutsches Reich.
Rcichsratsbeschlüsic.
Der R c i ch s r a t stimmte der Verordnung der Reichsregierung über die vorläufige Anwendung des vorläufigen deutsch-französischen Handelsabkommens einstimmig zu. Die Vorlage der Reichsregierung, wonach Hypothekarschuldscheine der Deutschen Ren- tcnbankkreditanstalt im Betrage von 360 Millionen Mark für m ü n d e l s i ch e r erklärt werden sollen, wurde gegen die Entscheidung der Ausschüsse mit 36 gegen 30 Stimmen angenommen. Ferner stimmte der Reichsrat der Außerkraftsetzung der Verordnung über die M e h l z ö l l c zu. Englands Besatzungskontingent bleibt.
Mit Bezug auf die Besprechungen über die Herabsetzung der gegenwärtigen Truppen- stärken im besetzten Rheinland erfährt Reuter, daß keine Wahrscheinlichkeit für eine weitere Herabsetzung der Zahl der britischen Truppen in den besetzten Gebieten im gegenwärtigen Augenblicke bestehe. England hat zurzeit nur noch eine Division im Rheinland stehen.
Deutsche Bischöfe an den Erzbischof von Mexiko.
Die Konferenz der deutschen Bischöfe, die in Fulda tagte, hat an den E r z b i s ch o f M o r a in M e x i k o folgendes Telegramm gesandt: „Die deutschen Bischöfe gedenken teilnahmsvoll der gegenwärtigen Leiden ihrer hochwürdigen mexikanischen Mitbrüder. Mit ihren Diözesanen beten sie inständig, daß Gott die Leidenszeit der in der ganzen zivilisierten Welt verurteilten, jeder Gewissensfreiheit hohnsprechenden Kirchenverfolgung abkürzen und den ruhmvollen Bekennermut der Katholiken Mexikos mit dem Segen einer glücklichen kirchlichen Zukunft belohnen wolle." Das Telegramm ist von den Kardinalen Ber - t r a m- Breslau, v. Faulhaber-München und Schulte- Köln unterzeichnet.
Bus Zn- und Ausland
Berlin. Der Generalbevollmächtigte der Hobcnzoklcrn, Herr von Berg, hat, wie verlautet, tu der Frage der Fürstenabfindung neue bestimmte Vorschläge gemacht. Das preußische Kabinett wird demnächst über die weitere Behandlung dieser Vorschläge Beschluß fassen
Berlin. Der De u l sch n a tio n a le Parteitag tritt am 9. September in Köln zusammen.
Berlin. (66 000 Erwerbslose weniger.) Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen in der zweiten Julihalste zeigte, einen stärkeren Rückgang. Die Zahl der männlichen Haupt»; Unterstützungsempfänger hat sich von 1383 000 am 15. (sult; auf. 1328 000 am 1. August verringert. Die Zahl der weib^ lieben Haüpiuntcrstützungsempfänger, die bisher in geringer» Maße gestiegen war, von 335 000 auf 324 000. Die Gesamtzahl der Hauptunterstützungsempfänger ist demnach von 1718 000 auf 1 652 000 — also um 66 000 oder 3.2 % —. die Zahl der